Religionen/Philosophien/Weltanschauungen - wann gefaehrlich?


Hallo ziraki,

gg, es ist der extreme Kontrapunkt zur Extremmeinung eines einzelnen Rabbis.
So wie alle Religionen hat natürlich auch die jüdische Religion ihre positiven Seiten, obwohl mir da auch einige andere Riten nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen.
Und auch bei vielen jüdischen Glaubensanhängern ist wohl inzwischen zumindest eine stärkere Diskussion über die Beschneidung in Gang gekommen. Es ist ein nicht wieder gut zu machender Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, der meines Erachtens nur bei voller Geschäftsfähigkeit eines Erwachsenen auf freiwilliger Basis vorgenommen werden sollte.
Zur Vertiefung in die Beschneidungsproblematik hier noch mal ein Zitat von einem Blogbeitrag von Stephan Schleim:

Zitat:
Die Initiative des Gesetzgebers für jüdische und muslimische Verbände kann man vielleicht im Sinne von Toleranz und Integration begrüßen; in der heutigen Zeit bekommen ja vor allem Musliminnen und Muslime viel Ausgrenzung zu spüren und gegenüber jüdischen Belangen hat er deutsche Staat eine historische Verantwortung.

Dass man dafür aber die körperliche Unversehrtheit von Kindern preisgibt, das halte ich für intolerabel. Warum kann ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott beim Entfernen der Vorhaut nicht einfach warten, bis ein Mann sich aus eigenem Willen dafür entscheidet? Oder eben dagegen.


https://scilogs.spektrum.de/mensche.....ungsdebatte-widerspricht/

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Und auch bei vielen jüdischen Glaubensanhängern ist wohl inzwischen zumindest eine stärkere Diskussion über die Beschneidung in Gang gekommen. Es ist ein nicht wieder gut zu machender Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, der meines Erachtens nur bei voller Geschäftsfähigkeit eines Erwachsenen auf freiwilliger Basis vorgenommen werden sollte.

Finde ich auch. Zumindest sollte dieser junge Mann schon das Pflichtschulalter hinter sich haben, also diesbezüglich aufgeklärt sein, was für Folgen sowas hat.
_________________
Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Guten Tag,

ein großes Problem ist, daß es in vielen Fällen nur eine Frage der Anwendung und Auslegung ist, ob eine Konditionierung, ein Ritual, eine Meditationstechnik als gefährlich einzustufen ist.

Jeder, der Kinder erzieht, steht in der Gefahr, sie so zu erziehen, wie man es selbst als richtig empfindet. Das läßt sich selbst bei bestem Willen nicht ganz verhindern. Gefährlich wird es aber dann, wenn die Kinder möglichst von jedem Einfluß von außerhalb abgeschottet werden und sie somit keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mehr haben. Dies findet man häufig in sehr konservativen und extremen Sekten.
Hinzu kommt, daß alles, was außerhalb der eigenen Weltanschauung liegt, als schlecht oder zumindest schlechter abqualifiziert wird.

Eine oft benutzte Phrase von Religionsanhängern ist zB der Satz: Nichtgläubige halten alles für relativ, alles ist für sie möglich und erlaubt
(gg, auch hier im Forum schon öfter gelesen).

Ich kenne kaum einen Menschen, der alles für möglich oder erlaubt hält.
Nur weil sich jemand nicht an archaischen Religionsregeln hält, kann er doch die Regeln einer allgemein anerkannten Wertevorstellung einhalten.
Und meines Erachtens bezieht sich die Relativität darauf, daß man bei seinen Entscheidungen möglichst viele auch sich widersprechende Fakten mit in seinen Überlegungen einbezieht und sich nicht (allein) auf in Religionen festgelegte Regelungen verläßt.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Es dürfte nicht wundern, wenn Eltern ihre Kinder so erziehen, wie sie, die Eltern, es für richtig halten. Das Gegenteil wäre ja, die Kinder so zu erziehen, wie es die Eltern für falsch halten, und das ist kaum vorstellbar.
Meine Kinder wurden so erzogen, dass sie (gegen den Widerstand der Großeltern) nicht getauft wurden und in der Schule nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnahmen, sondern an einem allgemeinen Ethik-Unterricht. Ab der Religionsmündigkeit hätten sie eine Religion wählen können, wenn sie gewollt hätten, sie wollten aber nicht. Heute ist einer Buddhist, die anderen weiterhin kirchen- und religionsfern. Mit Religion hatten wir alle nie ein Problem.
Hallo Templer,

Zitat:
Es dürfte nicht wundern, wenn Eltern ihre Kinder so erziehen, wie sie, die Eltern, es für richtig halten. Das Gegenteil wäre ja, die Kinder so zu erziehen, wie es die Eltern für falsch halten, und das ist kaum vorstellbar.


Ja, da habe ich mich wohl ziemlich ungeschickt ausgedrückt.
Gemeint war von mir hier, daß den Kindern bei manchen Erziehungsberechtigten keinerlei Freiraum für eine eigenständige Entwicklung gegeben wird. Das betrifft nicht nur den Bereich Weltanschauungen, sondern auch den eigenen nicht erfüllten oder erfüllbaren Ehrgeiz auf die Kinder zu übertragen und Kinder zu Marionetten des eigenen Ehrgeizes zu machen.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Diese "Übertragung" (du meinst wahrscheinlich nicht die Übertragung im Freudschen Sinne) ist wohl schwer zu kontrollieren. Einer meiner Söhne ist auch Musiker wie ich. War das nun Veranlagung oder Übertragung meinerseits? Keine Ahnung..
Ich denke, gewisse Gemeinsamkeiten dürfen die Nachkommen schon haben, müssen aber nicht. Wenn die sogenannte Übertragung nicht manipulativ, sondern natürlich oder motivationsbedingt zustande gekommen ist, dann ist wohl nichts dagegen einzuwenden.
Templer hat folgendes geschrieben:
Es dürfte nicht wundern, wenn Eltern ihre Kinder so erziehen, wie sie, die Eltern, es für richtig halten. Das Gegenteil wäre ja, die Kinder so zu erziehen, wie es die Eltern für falsch halten, und das ist kaum vorstellbar.
Meine Kinder wurden so erzogen, dass sie (gegen den Widerstand der Großeltern) nicht getauft wurden und in der Schule nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnahmen, sondern an einem allgemeinen Ethik-Unterricht. Ab der Religionsmündigkeit hätten sie eine Religion wählen können, wenn sie gewollt hätten, sie wollten aber nicht. Heute ist einer Buddhist, die anderen weiterhin kirchen- und religionsfern. Mit Religion hatten wir alle nie ein Problem.

Klar, man versucht das weiterzugeben, was man für sich selbst als wertvoll erkannt hat.
In deinem Fall wohl, dass Entscheidungen selbstständig getroffen werden sollten und dass eine gewisse Reife dafür die Voraussetzung ist. Ich denke das müsste in den meisten Fällen gut gehen.

Aber ich bin auch sehr traurig wegen den Kindern, die schon viel zu früh in eine Richtung gedrängt werden, in der der Wert der erzieherischen Position dadurch vermittelt wird, dass anderen Ansichten mit Hass begegnet wird.
Gestern lief auf Arte ein Beitrag über die Kindersoldaten des IS: http://www.arte.tv/de/videos/071376.....rsoldaten-der-terrormiliz

Ein anderes Beispiel ist die Familienkirche des Fred Phelps.
Sam Harris im Gespräch mit einer Enkelin: https://www.samharris.org/podcast/item/leaving-the-church
Ich sehe bzw. sah mich immer außerstande, den jeweiligen Reifegrad meiner bzw. unserer Kinder zu beurteilen. Aus dieser nennen wir es ruhig Hilflosigkeit heraus habe ich sie unabhängig von ihrem jeweiligen Alter ernst genommen und als gleichwertigen Gesprächspartner akzeptiert ind der Hoffnung, sie täten dasselbe auch umgekehrt.
...gelöscht...