Fasten, ein Weg zu spiritueller Erfahrung? Wer kennt das?


Minou hat folgendes geschrieben:
Elem.Luft hat folgendes geschrieben:
Dabei wäre es ja konsequent, wenn er in der Fastenzeit hier schreiben würde, aber sonst nicht. Es ist ja kein Vergnügen, für das Opus Dei alle Unwilligen mit der römisch katholischen Lehre vollzutexten und auf entsprechenden Widerstand zu stoßen


Für mich hat die Fastenzeit auch immer etwas mit Rückzug zu tun, auf ein Besinnen auf die geistigen Werte. Da wäre eventuell das Schreiben hier eine Ablenkung.
[/quote]

Ich hatte das eher ironisch gemeint, da Katholiken beim Fasten das Gewicht gerne auf den Verzicht legen und es für einige ein Verzicht ist, auf das Internet zu verzichten.

Ich betrachte das Fasten ähnlich wie Minou als Zeit der Besinnung und der intensiveren Suche nach einer Gotteserfahrung.
Ich kenne jemanden, der einmal 40 Tage durchgefastet hat. Keine feste Nahrung, nur Wasser. Er war danach körperlich und seelisch sehr erschöpft, hat aber in dieser Zeit einen lebensverändernden Entschluss getroffen, einen Berufswechsel. Ich weiß nicht, wie es ihm heute geht und ob dieser Weg der richtige war.

Andererseits ist bekannt, dass extreme körperliche Überanstrengung, sei sie hervorgerufen durch äußere Umstände wie Flucht und Hunger, oder durch bewusste Anstrengung wie etwa lange Pilgerwege, Rituale die den Tod imitieren bzw. den Körper in Todesnähe bringen, zu Visionen und Erlebnissen führt, die die Betroffenen spirituell berühren und ihnen den Glauben an "ein Mehr zwischen Himmel und Erde" vermitteln.

So beinhaltet z. B. einer der wohl bekanntesten Pilgerberichte, der von Hape Kerkeling, die Begebenheit, dass er den Eindruck erhielt, jemand unterstütze ihn beim Tragen des Rucksacks, der mit einem Mal sehr leicht wurde.

Ich selber habe beim Fasten noch keine spirituelle Erfahrung gemacht, aber ich habe auch noch nie länger als drei Tage auf jedwede Nahrung verzichtet. Im Zusammenhang mit Fasten kenne ich nur das Empfinden, wie schön es im Anschluss ist, wieder zu essen und was für eine Delikatesse eine einfache Scheibe Brot nur mit Butter sein kann.

Spirituelle Erlebnisse hatte ich in Situationen, in denen ich sehr traurig war und in denen sie mir geschenkt wurden, ohne dass ich danach gesucht habe. Meiner Erfahrung nach sind Zustände völliger Gedankenleere und Mutlosigkeit ein auslösender Faktor für solche wahrhaft wunderbaren Berührungen.
Dies kenne ich auch von anderen Menschen aus meinem Umfeld. So wurde jemand, der unerträglichen Schmerzen hatte sanft gestreichelt, bis die Schmerzen weg waren. Der Mann dachte, es wäre seine Frau, die sich da zu ihm auf das Bett gesetzt hat. Als er sich aber umdrehte, war dort niemand. Der Mann hatte zuvor monoton vor sich hin gemurmelt: Jesus hilf, Jesus hilf ...

Dieses monotone - oder auch mantraartige - Wiederholen von Gebeten, oder auch Klängen (wie beim schamanischen Trommeln) scheint das Gehirn in genau den Zustand zu versetzen, der eine Begegnung mit dem göttlichen Möglich macht.

Wer hat spirituelle Erfahrung mit dem Fasten selber oder eben auf jener ganz anderen Ebene gemacht?
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
Ich mache mit Fasten bisher eher Erfahrung, dass ich einen gewissen Luxus danach wieder mehr schätzen kann.
Das wäre doch wohl etwas zu einfah, einfach mal fasten und zack kömmt die spirituelle Erfahrung. Die Jünger Jesu fasteten nicht so doll und wurden prompt von den Außenstehenden gerügt. Fasten ist ok, aber einen spirituellen Fortschritt davon zu erwarten, sollte man sich lieber abschminken. Die Muslime fasten, um kennenzulernen, wie es Hungernden und Dürstenden geht, soll also die Solidarität mit den Armen fördern und die Empathie mit ihnen. Das finde ich sympathisch.
Ich hatte gedacht, auch Muslime suchen im Fasten Gott, da das Fasten bei ihnen ja auch mit Gebet verbunden ist.
Jesus sind nach Fasten und Wüste und innerem Kampf "Engel" begegnet
Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass dir nach 40 Tagen Fasten in der Wüste alle möglichen Dinge erscheinen.
ja, eben. Das meine ich doch.
Nicht die Visionen sind das Ziel, sondern die Wandlung.
Ich denke, dass die Erfahrung von übernatürlichen Dingen / Erscheinungen, die Menschen in Extremsituationen machen, erst für Glaubensinhalte sorgt, bzw. bestehende Glaubensvorstellungen bestätigt.

Jemand hungert, sieht "jemanden" der ihm Mut macht und weiß aufeinmal für sich: es gibt mehr.

Ist es ein Moslem oder Christ oder Jude, denkt er an Engel.
Gehört er einer anderen Religion oder Vorstellungswelt an, findet er dort sicherlich eine Figur, auf die die Erscheinung.

Rationalistische Materialisten werden denken, sie phantasieren.
Sie halluzinieren.
Templer hat folgendes geschrieben:
Die Jünger Jesu fasteten nicht so doll und wurden prompt von den Außenstehenden gerügt.

Ich meine, das wird wohl mit den damaligen menschengemachten Sittengesetzen zu tun gehabt haben. Fasten nach Vorschrift wird nicht eingehalten; oh, Skandal!
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!