Zum Glauben finden


Ich danke euch allen für eure Antworten!

Ich möchte auf 2 Themen, die angesprochen wurden gerne eingehen. Zum einen die Inanspruchnahme von Hilfe durch Ärzte und Medikation. Ich war gerade zum ersten Mal bei einem Psychiater und mir wurde Prozac(Fluoxetin) und Mirtazapin verschrieben. Ich hadere jetzt aber seit ein paar Tagen mit mir, ob ich diese Tabletten nehme. Zum einen weil es in meiner Familie eine Tablettenabhängigkeit von Valium(Benzodiazepin),Mirtazapin, freiverkäufliche Schmerzmittel etc.(ohne ärztliche Kontrolle) gibt und weil ich gerade erst ein Buch von Kelly Brogan gelesen habe, einer Psychiaterin aus Amerika, die vor Prozac etc.warnt. Ich bin sehr hin-und hergerissen, würde sie gerne nehmen, habe aber Angst vor Langzeitschäden und weiß, dass meine Familie Panik bekommen würde, wenn sie es wüssten.
Des Weiteren bekomme ich bereits Psychotherapie und meine Therapeuten riet mir sogar, mich mit Religionen auseinanderzusetzen. Auf meine Nachfrage sagte sie mir, sie wäre gläubig, aber nicht in einer Religion.

Ich habe bereits vor diesem Forum von der Bahai-Religon gehört. Als ich mich etwas in das Alte Testament einlas, kam mir schon der Gedanke, dass die Religionen vielleicht alle denselben Gott anbeten und später las ich dann von dem selben Gedanken in der Bahai-Religon.
Ich habe mich in meiner Stadt über eine Gemeinde informiert und es gibt tatsächlich 20 Mitglieder, von denen sich manche jede Woche in einem Café treffen und so ging ich einfach mal dorthin.
Es war eine nette Begegnung von Frauen, die alle früher auf der Suche waren und mit ihrer Glaubensrichtung sehr glücklich zu sein scheinen. Vor allem eine ältere Frau strahlte für mich viel Lebensfreude aus.
Mit ihren Ansichten über Homosexualität oder überhaupt Sexualität konnte ich allerdings nicht teilen, aber sie waren offen mit mir darüber zu diskutieren.
Da Homosexualität keine Entscheidung ist und angeboren, würde ich wenn dann glauben, dass auch Gott darin einen Sinn gepflanzt hat, genauso im Sex, der mehr ist als Fortpflanzung. Ich gehe mit den Bahai mit, die die Einheit von Religion und Naturwissenschaft suchen. Und es ist oft belegt, wie viele Vorteile Sex mit sich bringt und finde für mich am vorehelichen Sex nichts verwerflich. Am außerehelichen Sex aber schon. Ich kann mich, glaube ich zumindest, nicht an solche Dogmen halten, nur wenn ich daran eine Verletzung eines anderen Menschen oder meiner Gesundheit sehe. Und wenn es Gott gibt, glaube ich auch, dass er Dinge wie sexuelle Triebbefriedigung und Alkohol nicht in die Welt gesetzt hat, um Menschen zu testen,standhaft zu sein. Ich finde sehr vieles an der Bahai-Religion schön und richtig, aber ich kann mich keinen strengen Regeln unterwerfen, da ich eh schon zwanghaft veranlagt bin und den Sinn dahinter nicht sehe. Aber immer bestrebt zu sein, an sich zu arbeiten und Liebe in die Welt zu setzen und das Verbindende zwischen Religionen und Menschen zu suchen, kann ich nur unterstützen.

Lillimarie
Lillimarie hat folgendes geschrieben:
Ich war gerade zum ersten Mal bei einem Psychiater und mir wurde Prozac(Fluoxetin) und Mirtazapin verschrieben. Ich hadere jetzt aber seit ein paar Tagen mit mir, ob ich diese Tabletten nehme. Zum einen weil es in meiner Familie eine Tablettenabhängigkeit von Valium(Benzodiazepin),Mirtazapin, freiverkäufliche Schmerzmittel etc.(ohne ärztliche Kontrolle) gibt und weil ich gerade erst ein Buch von Kelly Brogan gelesen habe, einer Psychiaterin aus Amerika, die vor Prozac etc.warnt.

Ich würde grundsätzlich einmal deinem Arzt vertrauen. Was du tun könntest bzw. solltest, wenn du persönlich Zweifel hast oder dich rückversichern willst, ist eine zweite ärztliche Meinung zu der Verordnung einzuholen.
Das Thema mit der Sucht nach Benzodiazepinen in der Familie ist ein anderes und betrifft dich nicht unmittelbar in deiner Situation.
Und was die kritische Stimme zu den verschriebenen Medikamenten anbelangt - du wirst hinsichtlich jeder Therapie und jedes Arzneimittels auch ablehnende Stimmen finden. Das kann nicht ausschlaggebend sein - wichtig ist die Kompetenz und das Vertrauensverhältnis zu deinem Arzt.
Lillimarie hat folgendes geschrieben:
und finde für mich am vorehelichen Sex nichts verwerflich. Am außerehelichen Sex aber schon.

Der Unterschied ist mir nicht ganz klar. Ich kann mir aber denken worauf du hinauswillst. Es geht darum, dass es OK sein soll, wenn sich das zukünftige Ehepaar im Schlafzimmer "ausprobiert".

Es ist aber so, dass die Sexualität, die in der Kennenlernphase bereits gelebt wird nicht gut ist. Zum Einen täuscht der damit ausgelöste Hormonrausch über vieles hinweg - die/der Partner/in wird nicht mehr so nüchtern und klar gesehen. Die Beurteilung, ob man tatsächlich harmoniert wird verfälscht und damit die Grundlage für Schwierigkeiten in der nachfolgenden Ehe gelegt. Außerdem ist es auch eine Schule der Liebesfähigkeit den/die Zukünftige kennen und lieben zu lernen ohne Alles zu wollen und ein Training für die Selbstbeherrschung - auch in der Ehe kann es lange Zeiten der Abstinenz geben, in denen man dem Partner trotzdem Liebe schuldet. Und der letzte Punkt - das innere Wesen der körperlichen Vereinigung ist die gänzliche und vorbehaltlose Hingabe an den geliebten Menschen. Findet dieser Akt außerhalb der Ehe statt ist er daher im wahrsten Sinne deplatziert, entbehrt seiner inneren Wahrheit. Und sexuelle Akte, die entgegen ihrem inneren Wesenskern gesetzt werden, sind nicht Ausdruck der wahren Liebe - sie gefährden die Fähigkeit zur vorbehaltlosen wechselseitigen Hingabe und dauerhaften treuen und beharrlichen Bindung, und damit die Fähigkeit zur Liebe.
Lillimarie hat folgendes geschrieben:
Und wenn es Gott gibt, glaube ich auch, dass er Dinge wie sexuelle Triebbefriedigung und Alkohol nicht in die Welt gesetzt hat, um Menschen zu testen,standhaft zu sein

Oja, das glaube ich schon. Es geht darum von der Eigenliebe, von dem für sich Leben und für sich haben Wollen der geschaffenen Dinge, zur wahren Liebe - dem Leben für die anderen, zur Proexistenz zu gelangen - von der Liebe zu den Geschöpfen zu der Liebe zu dem, der hinter den Geschöpfen steht, zu gelangen. Dazu muss man lernen die Güter, trotz ihrer magnetischen Anziehungskraft - die von Gott kommende Welt ist faszinierend und wunderbar und gut - sich nicht aneignen zu wollen. Loslassen, auch das Fesselnde und Betörende, ist das "Muskeltraining" der Liebe.

"Mein Gott: In allem, was ich sehe, finde ich Schönheit und Anmut. Also will ich meine Blicke im Zaum halten... , weil ich liebe."

Hl. Josémaria Escrivá, Im Feuer der Schmiede, Nr. 415
Burkl schreibt:
Zitat:
Es ist aber so, dass die Sexualität, die in der Kennenlernphase bereits gelebt wird nicht gut ist.


gg, wie war das noch mal gleich zur Zeit Jesu mit dem "Kennenlernen"?

Da sagt ein 13-15 Jahre altes Mädchen zu dem Engel der Verkündigung "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne (nach heutiger Lesart "da ich noch keinen Geschlechtsverkehr hatte").

Zu jener Zeit war es üblich, daß Mädchen und Jungen teilweise sogar noch vor der Geschlechtsreife verkuppelt wurden. Von Selbstbestimmung und Kennenlernen, wie wir es heute als selbstverständlich betrachten, war nicht die Rede.
Wo war denn da die Möglichkeit "den/die Partner/in so nüchtern und klar zu sehen"?

Und ganz ehrlich, wenn viele Menschen im Voraus wüßten, wie sich ihre Ehe in Zukunft entwickeln wird, gäbe es wesentlich weniger Ehescheidungen, dafür aber wahnsinnig viele Single-Haushalte. Und das, obwohl sie alle mit "Liebe" und "guten Vorsätzen" in die Ehe gestartet sind.

Sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe, wie sie von Burkl propagiert wird, war zur Zeit Jesu gar nicht erforderlich, da die Kinder ja meist bereits bei Eintritt der Geschlechtsreife ihren Sexualtrieb ausleben konnten.
Ganz anders heute, wo sich das Heiratsalter immer mehr nach hinten schiebt (gg, bei einem Heiratsalter von über 30 hätten damals Menschen ihr ganzes Leben auf Sexualität verzichten müssen).

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Liebe trägt keine Sehnsucht nach Dasein und hängt nicht am Leben. Sie sieht Leben im Tod und sucht Ruhm in der Schande.

Ein Übermaß an geistiger Gesundheit ist nötig, ehe jemand des Wahnsinns der Liebe würdig, und eine Fülle von Geist, bis er der Bande des Freundes wert wird. Gepriesen der Hals, der in Seiner Schlinge sich gefangen, und glücklich das Haupt, das auf dem Pfad Seiner Liebe gefallen!

Darum, o mein Freund, entsage deinem Selbst, auf daß du den Unvergleichlichen findest. Gehe an dieser sterblichen Erde vorüber, um in dem himmlischen Neste eine Heimat zu suchen. Werde zu Nichts, wenn du das Feuer des Seins zu entfachen wünschst, und sei bereit zum Weg der Liebe:

»Nicht befällt die Liebe die lebensgierige Seele, nicht jagt der Falke der leblosen Maus nach«.

(BAHÀ’U’LLÁH – Die Sieben Täler)
Herzlich willkommen zurück, Hitman!
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523