Bahaitum - Rat nach Schrift?


Minou hat folgendes geschrieben:
Luschn hat folgendes geschrieben:
Und was sagt Baha'ullah zum Thema Hass?


Selbstverständlich ist Hass nicht gut und auch nicht förderlich in der Entwicklung.
Wovon oben die Rede war, ist der Hass gegen das Böse, die böse Tat, die Sünde, aber niemals gegen den Sünder selbst! Schon die Versuchung zur Sünde ist böse, um mit Jesus zu sprechen: "Weiche Satan".


Dies zu vermögen übersteigt jedoch die absolute Mehrheit aller Menschen. Und solange dies so ist, ist es auch gefährlich so zu sprechen.
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Burkl hat folgendes geschrieben:
Menschen können alles verdrehen - leider auch das Wort Gottes.

Das Wort Gottes, der Göttlichkeit, hätte unmissverständliche Strahlkraft. Alles andere wäre Absicht und könne demzufolge auch keinen Zorn hervorufen. Das nur im Falle die Göttlichkeit dieser niederen menschlichen Regung unterliegen könne.
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Lieber impressum,

um es gleich vorweg zu sagen, ich finde es richtig und wichtig, dass mit kritischen Fragen nicht hinter dem Berg gehalten wird. Religion sollte nicht in Watte gepackt werden, auch und vor allem meine eigene nicht. Eine Religion, deren Institutionen oder Gläubigen sich in ein kuschelweiches Wolkenkuckucksheim zurückziehen, in dem es keine herausfordernden Fragen zu verhandeln gibt, kann nicht anders, als den Bezug zur Realität völlig zu verlieren. Insofern bin ich dankbar für jede Frage, die zu tieferem Nachsinnen "provoziert" und den Blick über den Tellerrand der eigenen festgefügten Lehrgebäude hinaus erfordert. Transsexualität und Intersexualität sind sicher solche Fragen, zumal sie im gesellschaftlichen Diskurs noch verhältnismäßig jung sind.

impressum hat folgendes geschrieben:
Also sag mir warum man seine Fragen hier belassen solle, hier wo sie im Nirana des nichts abtauchen werden und möglicherweise sogar auch gar nicht beantwortet werden wollen?


Insofern würde ich auch ungern so verstanden sein, dass ich dir prinzipiell davon abgeraten hätte, dich an einen Geistigen Rat zu wenden. Ich habe nur auf die Vorteile des Nationalen Rates angesichts seiner ungleich größeren Zeit- und Recherche-Ressourcen verwiesen.

impressum hat folgendes geschrieben:
Möglicherweise ist es hilfreich wenn man die Motivation für diese meine Fragenflut zumindest kennt: So war meine Person 09 auf der Suche nach einer modernen Religion, eine welche die Menschen zu den Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit führt. Im Bahaitum fand ich einen potenten Grundansatz. Einige Fragen der neuen Zeit jedoch hängen m.a. deutlich in der Luft.


Ja, das ist auf jeden Fall hilfreich. Vielen Dank dafür! Ich stimme dir absolut zu, dass viele Fragen, die sich erst in der jüngsten Zeit ergeben haben, noch nicht so wirklich im Bewusstsein der Bahá'í-Gemeinde angekommen sind. Ich bin selber auch jemand, der gerade an solchen Stellen gern weiter denkt und versucht, Lösungsansätze zu entwickeln. So bin ich z.B. mit meiner Frau über das Bemühen zur Inklusion Homosexueller zusammen gekommen. Sie hat mit ihrer Magisterarbeit zum ersten Mal das Thema Homosexualität in der Bahá'í-Religion aus einer religionswissenschaftlichen bzw. -soziologischen Perspektive beleuchtet, um so auch Verständnis für die Situation der "Betroffenen" zu schaffen. Betroffen bitte zu verstehen als betroffen von Ablehnung und Vorurteilen in Teilen der Gemeinde, nicht als betroffen von Homosexualität, als wäre sie eine Krankheit.

Ich glaube, dass sich in der Zukunft auch mehr und intensiver auch andere Bahá'í, vor allem das Universale Haus der Gerechtigkeit, mit diesen Themen auseinandersetzen werden, im Moment herrscht aber in Teilen noch die Haltung vor, es gebe weit wichtigere Themen. Ich plädiere dagegen für Breite und Vielfalt. Ich stehe da auch gerne für weitergehenden Gedankenaustausch zur Verfügung. Problematisch wird's nur, meine eigene Meinung und die offizielle Bahá'í-Lehre auseinanderzuhalten, wenn explizit nach letzterer gefragt ist. Dann fühle ich mich natürlich in erster Linie genötigt, das zu referieren, was schon irgendwo offiziell festgehalten worden ist. Vielleicht muss auch ich einfach noch mehr dazu übergehen, im Zweifel einfach beides einzustreuen und das eine gedanklich so vom anderen zu trennen, dass für den Leser immer noch erkennbar ist, was Bahá'í-Lehre und was der Kopf von Sören ist.

impressum hat folgendes geschrieben:
Man erkennt es daran das die Befragten der Religion sich unselten in einem "Zwiespalt" befinden. Man umgeht somit die Essenz der Fragen geschickt ähnlich wie Politiker, auch das Ignorieren des Öfteren ist Strategie. Wir sind eben alle nur Menschen, Menschen tun das. Es liegt dem Menschen im Blut so zu reagieren. Es soll damit gesagt sein nicht die Religion als Religion angreifen zu wollen sondern soll im Endeffekt Form und Zusammensetzung der Räte reformiert sein. Viele Igorieren das, Ignoranz stellt eine Waffe dar.


Bei mir kommt natürlich noch erschwerend hinzu, dass ich vor meiner Bahá'í-Erklärung aktiver Parteipolitiker und sogar -vorsitzender war. Denen habe ich wiederum zu wenig taktiert

Ich sehe mich selbst, wie oben bereits beschrieben, selbst oft in einer besonderen Art Zwiespalt, der aber nach außen hin oftmals nicht verstanden oder nicht richtig eingeordnet wird - oder auch einfach werden kann, weil das ein Gedankengang ist, den ich so auch erst als Bahá'í erlebt habe. Wenn man in einem Forum als Bahá'í aktiv ist und Fragen zu den Lehren der Bahá'í-Religion gestellt werden, ist der erste Impuls bei den meisten eigentlich automatisch, die entsprechenden Schriftstellen zu zitieren und das offizielle Verständnis bestimmter Fragestellungen zu referieren. Dadurch entsteht oft (fälschlich) der Eindruck, die Bahá'í würden nur vorgefertigte Reißbrett-Antworten auswendig wiederholen und das eigene Denken dabei wenigstens in den Hintergrund stellen. Oft ist das Problem aber einfach nur, dass das persöliche Verständnis gar nicht abgefragt worden ist und man es daher als antwortender Bahá'í als unangemessen empfinden würde, seine eigenen Gedanken mit der offiziellen Bahá'í-Lehre zu vermischen, da man sonst im Ernstfall nicht mehr entscheiden könnte, was was ist, und einen falschen Eindruck von den Lehren und ihrem Inhalt vermitteln könnte. Ich denke, einige Freunde sind was das angeht noch deutlich weniger schmerzbefreit als ich oder zweifeln an der Validität ihrer eigenen Überlegungen. Wie dem auch sei, ich denke, dass ein Großteil des Eindrucks, dass heikle Fragen gescheut, weggewischt oder umgangen werden, auf die eigene Unsicherheit der Gesprächspartner mit diesem Zwiespalt zwischen offizieller Lehre und eigenem Verständnis zurückzuführen ist.

impressum hat folgendes geschrieben:
Natürlich stellt dies Ansinnen für einige andere auch eine Provokation dar. Das aus einem einzigen Grunde: Es greift die vorherrschende Gedankenwelt an welche sich etablierte. Vorherrschende Gedankenwelten werden verteidigt. Diese sind starr also festgelegt und Nachsinnen ist deshalb unnötig. ...

Wie kann etwas dummes oder leicht zu entkräftendes provozieren? Weil es dumm oder zu entkräften ist? Nein, weil es offen legt dass die logische Antwort allen Freidenkenden Menschen etwas sagt. Und zwar etwas konträr der Vorstellungswelt.

Davor fürchtet man sich und Mensch begeht für den Schutz dieser Welt Dinge welche man laut Religion nicht begehen sollte. Diese Problematik fehlt in der Schrift. Wie einige weitere Dinge noch. Es sind weitere Schriften existent. Man würde sagen weniger zugänglich. Aber dazu mehr nicht heute.


Da will ich dir nicht widersprechen. Trotzdem ist aber natürlich eine Unterscheidung zwischen Menschen, die frei denken, und denen, die es nicht können, so einfach nicht zu machen. Vielfach reicht auch die Furcht davor, sich mit etwas Neuem auseinandersetzen zu müssen, an das man vorher noch nie einen Gedanken verschwendet hat, oder vielleicht sein halbwegs einfaches und überschaubares Weltbild verkomplizieren zu müssen, um sich gegen solcherart "provozierende" Anfragen zu sträuben.

impressum hat folgendes geschrieben:
Man muss schon etwas verrückt sein um sich mit Weltfrieden zu befassen, würden viele sagen. Ich achte Dein Engagement für diese im großen und ganzen visionäre Religion. Die Welt braucht Visionen. Eine Welt welche derart verrückt spielt braucht vielleicht gerade diese Menschen welche diese Welt in eine andere als diese Realität führen werden.


In diesem Sinne bin ich gerne ein bisschen verrückt. Danke für das Kompliment!

Liebe Grüße
Sören
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
impressum hat folgendes geschrieben:
Man muss schon etwas verrückt sein um sich mit Weltfrieden zu befassen, würden viele sagen. Ich achte Dein Engagement für diese im großen und ganzen visionäre Religion. Die Welt braucht Visionen. Eine Welt welche derart verrückt spielt braucht vielleicht gerade diese Menschen welche diese Welt in eine andere als diese Realität führen werden.

Sicher ist Frieden auf Erden die große Vision. Aber die Heilung kann nur beim Einzelnen beginnen und von dort Kreise ziehen. Das Reich Gottes sind kleinere und größere "Augen im Sturm" einer auf ihr Ende zugehenden gefallenen Welt. Inseln in denen das Neue und Große, das Gott erschaffen wird schon Wirklichkeit ist und von denen Heilung ausgeht. Zuversicht ist also angesagt, aber nicht übertriebene und unreife, sondern geerdete.

Gestern habe ich eine Doku gesehen über den Palästina-Konflikt. Da waren auch zwei Frauen, eine Jüdin und eine Muslimin. Beide unerbittlich und voller Hass wollen sie ihre Positionen in Bezug auf den Tempelberg zu 100% durchsetzen, auch über die Leichen der jeweils anderen.

Die Unordnung des Einzelnen kann keine Weltordnung heilen. Und letztlich ist alle Gewalt, die es gibt - auch kollektive - verwurzelt in durch Hass vergifteten Herzen Einzelner.

Meine Meinung über die Bahai Religion ist die, dass wenn sie jemals an Hebeln der Macht kommen sollte sich Parteiungen bilden würden. Die einen würden die politische Weltordnung Baha'u'llahs sukzessive und sanft umsetzen wollen, die anderen radikal und sofort. So wie wir es beim Marxismus gesehen haben. Weil der Mensch nun einmal so ist. Egal wie visionär und schön Botschaften von durch politische Ordnung zu erreichenden bzw. abzusichernden Weltfrieden auch scheinen mögen - sie sind gefährlich. Ein "Paradies auf Erden" haben zu wollen birgt die Gefahr der Hölle.
Minou hat folgendes geschrieben:
Luschn hat folgendes geschrieben:
Und was sagt Baha'ullah zum Thema Hass?


Selbstverständlich ist Hass nicht gut und auch nicht förderlich in der Entwicklung.
Wovon oben die Rede war, ist der Hass gegen das Böse, die böse Tat, die Sünde, aber niemals gegen den Sünder selbst! Schon die Versuchung zur Sünde ist böse, um mit Jesus zu sprechen: "Weiche Satan".


Und du glaubst ernsthaft, aus Hass gegen das Böse kann etwas gutes entstehen?

Hass macht blind, dort eine Trennung zwischen Sünde und Sünder zu ziehen ist gefährlich. Wir sind Menschen, voller Fehler. Sobald wir dem Hass, wogegen auch immer, Eintritt gewähren, haben wir schon verloren.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Meine Meinung über die Bahai Religion ist die, dass wenn sie jemals an Hebeln der Macht kommen sollte sich Parteiungen bilden würden.


Das Christentum hats ja vorgemacht
luschn hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:

Meine Meinung über die Bahai Religion ist die, dass wenn sie jemals an Hebeln der Macht kommen sollte sich Parteiungen bilden würden.


Das Christentum hats ja vorgemacht

Ach so? Hat Christus uns die Errichtung einer bestimmten politischen Weltordnung detailliert vorgegeben?
Dezidiert das Gegenteil: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" sagt Er.
luschn hat folgendes geschrieben:

Und du glaubst ernsthaft, aus Hass gegen das Böse kann etwas gutes entstehen?

Ein plakatives Beispiel: Wenn ich die Alkoholsucht eines Kollegen lieben würde - wäre das gut?
Burkl hat folgendes geschrieben:
Ein plakatives Beispiel: Wenn ich die Alkoholsucht eines Kollegen lieben würde - wäre das gut?


Es gibt einen Unterschied zwischen vollständigem Bejahen, brennendem Hass und inhaltlicher, sachlicher Ablehnung. Etwas nicht mit glühender Verachtung zu bedenken, heißt noch lange nicht, dass man es stattdessen gutheißt. Ich glaube, man sollte in Dinge, mit denen man sich nicht umgeben will, einfach gar keine Gefühle investieren, weder positive noch negative.

Insofern stimme ich luschn zu, wenn er sagt, dass Hass, einmal ins Herz gelassen, nur schwer in Zaum zu halten ist...
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Ich glaube, man sollte in Dinge, mit denen man sich nicht umgeben will, einfach gar keine Gefühle investieren, weder positive noch negative

Das klingt buddhistisch. Ich glaube nicht an die Notwendigkeit der Ausschaltung, wohl aber der Läuterung der menschlichen Affekte und Leidenschaften. Schlecht ist in der Tat die fesselnde und blendende Leidenschaft, egal in welcher Richtung - positiv oder negativ. Das Gebet vom heiligen Thomas v. Aquin erfasst das gut:

"Ich bitte dich, lass diese heilige Kommunion mir nicht zur Schuld und Strafe gereichen, sondern zur Quelle der Erbarmung und zum ewigen Heile. Sie sei mir die Rüstung des Glaubens und der Schild des guten Willens; sie möge mich von meinen Fehlern reinigen, meine Begierlichkeit und meine sinnlichen Triebe ertöten; sie möge die Liebe, die Geduld, die Demut und den Gehorsam und alle anderen Tugenden vermehren - mich gegen alle Nachstellungen meiner sichtbaren und unsichtbaren Feinde schützen; meine sinnlichen und geistigen Regungen vollkommen zur Ruhe bringen; mich innig und unzertrennlich mit dir, dem einen und wahren Gott, verbinden und so mir helfen, mein letztes Ziel glücklich zu erreichen."

http://www.peterskirche.at/messbuch.....html#Hl._Thomas_von_Aquin