Bahaitum - Rat nach Schrift?


Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Wenn "Gott" es schon nicht schafft, einer Person eine eindeutige Identität zu geben, wie kann sich da irgendeine Religion zum Richter über die Sexualtiät aufspielen?

Zum einen werden im zumeist atheistischen ideologischen Kontext Zahlen über geschlechtlich nicht zuordenbare Menschen maßlos übertrieben. Statistisch gesehen kommen sie so gut wie gar nicht vor.
Und die christliche Religion lehrt ja ausdrücklich, dass Abweichungen und Fehler in dieser Wirklichkeit vorkommen - die Ursache liegt in der Erbsünde. Gerade im geschlechtlichen Bereich, der äußerlich sehr manifestiert ist und in die Tiefe des Menschseins hineinreicht ist die durch die Sünde bewirkte Unordnung besonders sichtbar.
Die Kirche "erfindet" auch nichts im Bereich der Sexualmoral. Sie legt lediglich das natürliche Sittengesetz aus, das jeder Mensch auch tief im Herzen eingeschrieben hat.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

Zitat:
Gemäß den Bahá'í-Lehren ist der Mensch zuallererst ein geistiges Wesen und in seinem Menschsein geschlechtslos.


hmm, selbst als metaphysische Deutung halte ich das für sehr gewagt, da gerade die Geschlechtlichkeit unsere Psyche ein Leben lang sehr stark prägt.
Und das soll dann mit dem Tode keinerlei Einfluß auf das dann kommende Wesen haben? Nicht sehr logisch, da hiermit ein großer Teil meiner Persönlichkeit verloren geht.


Ich habe nie behauptet, die Geschlechtlichkeit (bzw. noch viel eher das konstruierte Selbstbild von unserer Geschlechtlichkeit) hätte in keinster Weise prägenden Einfluss auf unser Selbst. Jede Erfahrung und jede Regung beeinflusst uns. Deshalb ist es im Bahá'í-Verständnis auch so wichtig, das körperliche Leben in dieser Welt zu nutzen, um sich geistige Qualitäten für das kommende Leben anzueignen. Nur im Gegenüber von Geist und Körper kann der Mensch an seinen Aufgaben wachsen. Insofern nimmt der Mensch auch alle Prägungen aus diesem Leben in das nächste mit und kann dort keine neuen Prägungen erwerben.

Das bedeutet aber nicht, dass der Mensch Sören nur mit Geschlechtsorganen gedacht werden könnte. Sollte ich die z.B. durch einen Unfall verlieren, wäre ich immer noch ich. Sie prägen uns, aber sie machen uns nicht aus. Mein P_enis bestimmt nicht, dass ich Sören bin, sondern nur, dass ich von meiner Umwelt dem männlichen Geschlecht zugerechnet werde und mich selbst ebenfalls in diesem Setting verorte.

Grob kann man hier auch an die begriffliche Trennung von sex und gender anschließen. Das eine ist biologisch definiert, das andere gesellschaftlich konstruiert. Männlichkeit und Weiblichkeit im westlichen Sinne sind ja keine feststehenden Strukturen, sondern vielmehr ein kollektives Rollenverständnis.

Wie viel von der Prägung des Menschen anteilig vom biologischen Geschlecht und wie viel vom sozialen Geschlecht ausgeht, lasse ich mal dahingestellt.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
aber für die Ehe und Sex spielen dann wohl P_enis und V_agina die entscheidende Rolle, egal ob die Person sie künstlich erworben hat oder damit geboren wurde. Die psychische Einstellung ist von keinem Menschen überprüfbar, solange er sie nicht öffentlich macht.


Es gibt nun mal einen Unterschied zwischen dem zwischenmenschlichen Miteinander und der Kriterien, über die man das gegenüber definiert, und der Regelung rechtlicher Fragen, die irgendeinen materiellen Ansatzpunkt brauchen. Der ist beim Thema Ehe im Zweifel das (amtlich) festgestellte Geschlecht.
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LiebeR impressum,

wolltest du nicht noch 108 weitere Fragen an die Bahá'í stellen?
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Antwort auf Burkl 07.01.17 22:18
gg, es gibt kein "natürliches Sittengesetz"!
Es gibt den sexuellen Trieb, der bei den meisten Menschen heterosexuell ausgerichtet ist. Und zusätzlich zu diesem Trieb bzw in ihm eingebunden ist bei sehr vielen Männern das Dominanz- und Konkurrenz-Verhalten, das im Tierreich möglichst die besten Gene weiter vererben sollte, heute aber mehr Schaden als Nutzen verbreitet.

Daß bei Burkl die Erbsünde für alles, was er nicht erklären kann, herhalten muß, sollte inzwischen bekannt sein.

Übrigens legen heute viele Theologen die Erbsünde ganz anders als Burkl aus. Nämlich als eine Art Erbschuld von vergangenen Generationen.
Ich würde da eher von "Altlasten" schreiben. Frühere Generationen konnten da relativ wenigen und nur begrenzten Schaden anrichten.
Aber die jetzigen Generationen werden wahrscheinlich von den zukünftigen Generationen eher verflucht als geachtet werden, da sie ihnen sehr hohe Altlasten (Klimawandel, Resourcenverschwendung, Raubbau usw) aufbürden.

Sexuelle Randgruppen umfassen wahrscheinlich einen Bereich von ca 10%. Dabei ist natürlich zu beachten, wie man diesen Bereich definiert.
Wenn man den Bereich der Bisexualität hinzurechnet, wird er sich wahrscheinlich stark erhöhen.

Es ist schon komisch, hier weist Burkl ausdrücklich auf die geringen Zahlen hin, die im Bereich der echten Zwitter oder auch der Transsexuellen tatsächlich nicht hoch ist.
Geht es aber darum, eine angebliche Moral hochzuhalten (zB die Verdammung der Geschwisterliebe) lösen plötzlich Fallzahlen von ca 10 Urteilen pro Jahr ein Sturm der Moralisten aus. Und das, obwohl die meisten dieser Fälle sich erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben und beim Kennenlernen nicht wußten, daß sie Geschwister sind.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Sexuelle Randgruppen umfassen wahrscheinlich einen Bereich von ca 10%

Das halte ich für eine unbewiesene Zahl.
Seltsam ist auch, dass in Ländern, die die "Homoehe" eingeführt haben nicht annähernd dieser Wert In Relation zu den Ehen zwischen Mann und Frau erreicht wird. In Österreich gab es 2015 45000 heterosexuelle Eheschließungen versus 400 Verpartnerungen, also weniger als 1% homosexuelle "Eheschließungen". Seltsam bei angeblichem 10% Homo-Anteil an der Bevölkerung.

Zitat:
Geht es aber darum, eine angebliche Moral hochzuhalten (zB die Verdammung der Geschwisterliebe)

Das wird dich sicherlich freuen, dass auch an der Etablierung dieser Perversion als gesellschaftliche Normalität intensiv medial gearbeitet wird:

http://www.kath.net/news/58052

Zitat:
Übrigens legen heute viele Theologen die Erbsünde ganz anders als Burkl aus. Nämlich als eine Art Erbschuld von vergangenen Generationen.

"Erbschuld" passt mE auch nicht zur Umschreibung der Ursünde, weil es impliziert, dass ich den Kopf unmittelbar für jemand anderen hinhalten muss. Die Erbsünde meint aber Unheilszusammenhänge, in die jeder Mensch hineingestellt ist, ohne dass ihm oder einem konkreten Vorfahren das angelastet werden könnte.
Sören hat folgendes geschrieben:
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Inoffizieller Sex kann grundsätzlich meinem Verständnis zufolge nie unerlaubt sein, sofern keine Personen geschädigt werden beispielsweise durch Krankheit, Freiheitsberaubung oder Demütigung.


Dein Verständnis ist auch absolut legitim. Das Bahá'í-Verständnis ist allerdings ein anderes.


Ist denn Legitimität nicht Definition und eher subjetiv behaftet?

Lehrt dieses "Bahá'í-Verständnis" denn unterschiedliche Moralvorstellungen? Meint die Bahá'í-Lehre etwa nicht dass die Göttlichkeit dieses "Bahá'í-Verständnis" für alle Menschen vorsehe?
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Hallo Sören,

natürlich definieren sich Menschen nicht ausschließlich über ihre geschlechtlichen Verhaltensweisen (gg, zumindest die meisten nicht).

Logischerweise kann der Mensch nur in seinem Körper an Erfahrung und Vernunft wachsen. Die "geistigen Qualitäten" klammer ich hier aus, da sie ein metaphysisches Konstrukt sind, über die keine begründbaren Aussagen gemacht werden können.

Die Frage ist doch, wie weit die sexuellen Verhaltensweisen, ob sie nun genetisch, epigenetisch, oder durch nachgeburtliche Prägung geschehen, unser Leben bestimmen.
Fakt ist, daß sie einen sehr großen Einfluß auf unser Leben haben, allerdings meistens abnehmend mit zunehmenden Alter. Und Fakt ist auch, daß die Varianz in diesen Verhaltensweisen sehr groß ist und viele Religionen sie auf ein einziges Schema herunterbrechen wollen.

Zitat:
Es gibt nun mal einen Unterschied zwischen dem zwischenmenschlichen Miteinander und der Kriterien, über die man das gegenüber definiert, und der Regelung rechtlicher Fragen, die irgendeinen materiellen Ansatzpunkt brauchen. Der ist beim Thema Ehe im Zweifel das (amtlich) festgestellte Geschlecht.

Inzwischen sollte jedem klar sein, daß gerade das amtlich festgestellte Geschlecht gerade bei Transsexuellen wohl falsch ist. Auch die Ärzte haben sich in der Vergangenheit sehr oft schuldig gemacht, weil sie Kinder mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zu früh operiert haben und damit die weitere Entwicklung oft in die falschen Bahnen gelenkt haben. Deswegen wird ja auch heute in solchen Fällen keine Geschlechtseinordnung vorgenommen.
Ein amtlich falsches Urteil erzeugt hier auch im religiösen Bereich eine falsche Einordnung in die religiösen Ehegesetze.

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Ein amtlich falsches Urteil erzeugt hier auch im religiösen Bereich eine falsche Einordnung in die religiösen Ehegesetze.

Das kann man zumindest für den katholischen Bereich nicht sagen. Denn die organische Unmöglichkeit den Geschlechtsverkehr zu vollziehen bewirkt die Unfähigkeit zur Ehe, völlig egal was in amtlichen Dokumenten vermerkt ist. Ein umoperierter Mensch wird im Regelfall unfähig zur natürlichen Vollziehung des ehelichen Aktes sein. Er oder sie kann vom Kirchenrecht her daher auch nicht heiraten.
Burkl schreibt:

Zitat:
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Sexuelle Randgruppen umfassen wahrscheinlich einen Bereich von ca 10%

Das halte ich für eine unbewiesene Zahl.
Seltsam ist auch, dass in Ländern, die die "Homoehe" eingeführt haben nicht annähernd dieser Wert In Relation zu den Ehen zwischen Mann uns Frau erreicht wird. In Österreich gab es 2015 45000 heterosexuelle Eheschließungen versus 400 Verpartnerungen, also weniger als 1% homosexuelle "Eheschließungen". Seltsam bei angeblichem 10% Homo-Anteil an der Bevölkerung.


gg, lesen sollte man schon können!
Ich schrieb von ca 10% bei sexuellen Randgruppen und nicht bei Homosexuellen. Die machen so aus dem Gedächtnis heraus so um die 6% aus, wobei da die Statistiken wohl stark von einander abweichen.
Der Vergleich Eheschließungen und homosexuelle Verpartnerungen ist von vornherein falsch. Ich schätze daß ca 90% der Homosexuellen gar keinen Wert auf eine feste Bindung legt, bzw. diese nur zeitweise eingeht.
Aber die restlichen 10 % haben heute "Gott sei Dank" doch schon eine ziemliche Gleichstellung mit den Heterosexuellen erreicht.

Zitat:
Zitat:
Geht es aber darum, eine angebliche Moral hochzuhalten (zB die Verdammung der Geschwisterliebe)

Das wird dich sicherlich freuen, dass auch an der Etablierung dieser Perversion als gesellschaftliche Normalität intensiv medial gearbeitet wird.

Es wird auch höchste Zeit, da es im Rahmen von Samen- und Ei-Spenden vermehrt zu Bekanntschaften getrennt aufgewachsener Geschwister kommen wird. Nur erzkonservative und uneinsichtige Religionsfanatiker können sich der kommenden Realität verschließen.


Zitat:
Die Erbsünde meint aber Unheilszusammenhänge, in die jeder Mensch hineingestellt ist, ohne dass ihm oder einem konkreten Vorfahren das angelastet werden könnte

Ah ja, Zwitter oder Menschen mit unvollständigen Geschlechtsorganen sind also von "Gott" in einen Unheilszusammenhang gebracht worden.
Was für ein tolles Bild von "Gott".

Pjotr Kala
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