Bahaitum - Rat nach Schrift?


Burkl hat folgendes geschrieben:
Das klingt buddhistisch. Ich glaube nicht an die Notwendigkeit der Ausschaltung, wohl aber der Läuterung der menschlichen Affekte und Leidenschaften.


Es ist schon erstaunlich, wie wenig du die Möglichkeit in Betracht ziehen kannst, dass wir in bestimmten Fällen sogar mal einer Meinung sein könnten. Von Ausschaltung oder Karma habe ich nie irgendwas geschrieben, sondern davon, dass Hass in meinen Augen nicht der richtige Begriff ist, um das Verhältnis des Menschen zur Sünde zu beschreiben. Denn Hass ist für mich eine ungezügelte, negative Leidenschaft, die nichts Gutes bewirken kann. Dagegen ist gefühlsneutrale Ablehnung, in dem Sinne, dass man sich zwar inhaltlich distanziert, emotional aber nicht von der Sünde einfangen lässt, ein gangbarer Weg, sich fernzuhalten. Denn Hass gerät leicht dazu, dass man ihn weiter füttern muss und sich so in eine Abhängigkeit von den Sünden Anderer begibt. "Loslösung" ist hier im Bahá'í-Jargon das Schlüsselwort.

Bahá'u'lláh hat folgendes geschrieben:
O Sohn des Seins!
Wie konntest du deine eigenen Fehler vergessen und dich mit den Fehlern der anderen befassen? Wer solches tut, ist von Mir verworfen.

Verborgene Worte (arabisch) 26


Bahá'u'lláh hat folgendes geschrieben:
O Sohn des Menschen!
Sprich nicht über die Sünden anderer, solange du selbst ein Sünder bist. So du dieses Gebot übertrittst, bist du verworfen – dies bezeuge Ich dir.

Verborgene Worte (arabisch) 27

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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Es ist schon erstaunlich, wie wenig du die Möglichkeit in Betracht ziehen kannst, dass wir in bestimmten Fällen sogar mal einer Meinung sein könnten.

In einem Punkt sind wir es wohl: Der Glaube ist wichtig und grundlegend für gelingendes Menschsein. Das ist doch schon eine gute Grundlage, um zu diskutieren. Theologisch sehe ich keine Übereinstimmungsmöglichkeiten, was unser Gottesbild anbelangt, muss aber auch nicht sein.
Burkl hat folgendes geschrieben:
luschn hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:

Meine Meinung über die Bahai Religion ist die, dass wenn sie jemals an Hebeln der Macht kommen sollte sich Parteiungen bilden würden.


Das Christentum hats ja vorgemacht

Ach so? Hat Christus uns die Errichtung einer bestimmten politischen Weltordnung detailliert vorgegeben?
Dezidiert das Gegenteil: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" sagt Er.


Das hat die Kirche ganz ohne Anweisung von Jesus geschafft Und wurde zum Glück ausgebremst.
luschn hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
luschn hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:

Meine Meinung über die Bahai Religion ist die, dass wenn sie jemals an Hebeln der Macht kommen sollte sich Parteiungen bilden würden.


Das Christentum hats ja vorgemacht

Ach so? Hat Christus uns die Errichtung einer bestimmten politischen Weltordnung detailliert vorgegeben?
Dezidiert das Gegenteil: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" sagt Er.


Das hat die Kirche ganz ohne Anweisung von Jesus geschafft Und wurde zum Glück ausgebremst.

Da sind wir einer Meinung. Eine "pseudostaatliche Machtkirche" kann sich mit diesem Anspruch nicht auf Jesus Christus berufen. Ich bin auch froh, dass das überwunden worden ist.

"Verstaatlichung" von Religion schadet ihr nämlich unheimlich, wahrscheinlich noch mehr als die Säkularisierung und der Konsum-Materialismus, die alteingesessene christliche Länder in weiten Teilen zu Missionsgebieten gemacht haben.
Sören hat folgendes geschrieben:

Es ist schon erstaunlich, wie wenig du die Möglichkeit in Betracht ziehen kannst, dass wir in bestimmten Fällen sogar mal einer Meinung sein könnten. Von Ausschaltung oder Karma habe ich nie irgendwas geschrieben, sondern davon, dass Hass in meinen Augen nicht der richtige Begriff ist, um das Verhältnis des Menschen zur Sünde zu beschreiben. Denn Hass ist für mich eine ungezügelte, negative Leidenschaft, die nichts Gutes bewirken kann. Dagegen ist gefühlsneutrale Ablehnung, in dem Sinne, dass man sich zwar inhaltlich distanziert, emotional aber nicht von der Sünde einfangen lässt, ein gangbarer Weg, sich fernzuhalten. Denn Hass gerät leicht dazu, dass man ihn weiter füttern muss und sich so in eine Abhängigkeit von den Sünden Anderer begibt. "Loslösung" ist hier im Bahá'í-Jargon das Schlüsselwort.


Danke. Sehr schön formuliert und perfekt auf den Punkt gebracht.
Es gab da mal eine ausführliche TV Sendung über Transsexualismus in Kinderjahren.

Ein Junge sieht exakt aus wie ein Mädchen, ein sehr hübsches. Zweifelsfrei zumindest nach Augenschein ein Mädchen. Und: Tatsächlich transsexuelle Personen verströmen die Pheromone des jeweils anderen Geschlechtes. Also zur Ungleichheit oder gar der "Sünde" geboren? Nun, was ist? Sollten wir diese Menschen nicht besser unter einer modernen Moral Beispielswiese besser zusammenführen damit sie sich lieben können ohne sich beschneiden lassen zu müssen? Dies ruft nämlich der im Kindesalter und Jugendalter vorprogrammierte Spießrutenlauf und Leidensdruck innerhalb der Gesellschaft hervor, der Hass auf das eigene biologische Geschlecht wird in dieser Lebensspanne ausgelöst.

Warum möchte man das nicht erkennen? Es ist doch ganz einfach. Vergessen wir die Vorstellungen normierter vermeidlicher Moral gleich wo sie herstammen. Sie führen zum Unfrieden weil Menschen Individuell sind. Individualität steht der Norm entgegen, Individualität ist natürlichern Ursprunges und kommt immer wieder neu nach und lässt sich nicht verbiegen ohne das daraus der Unfriede und Leid erwächst.
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Burkl schreibt:

Zitat:
"Verstaatlichung" von Religion schadet ihr nämlich unheimlich, wahrscheinlich noch mehr als die Säkularisierung und der Konsum-Materialismus, die alteingesessene christliche Länder in weiten Teilen zu Missionsgebieten gemacht haben.


Nicht die Säkularisierung schadet den Religionen, sondern die in ihnen enthaltenen Widersprüche, die heute mehr denn je den Menschen bewußt werden und die sie Abstand von den großen Religionen nehmen lassen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
impressum hat folgendes geschrieben:
Es gab da mal eine ausführliche TV Sendung über Transsexualismus in Kinderjahren.

Ein Junge sieht exakt aus wie ein Mädchen, ein sehr hübsches. Zweifelsfrei zumindest nach Augenschein ein Mädchen. Und: Tatsächlich transsexuelle Personen verströmen die Pheromone des jeweils anderen Geschlechtes. Also zur Ungleichheit oder gar der "Sünde" geboren? Nun, was ist? Sollten wir diese Menschen nicht besser unter einer modernen Moral Beispielswiese besser zusammenführen damit sie sich lieben können ohne sich beschneiden lassen zu müssen? Dies ruft nämlich der im Kindesalter und Jugendalter vorprogrammierte Spießrutenlauf und Leidensdruck innerhalb der Gesellschaft hervor, der Hass auf das eigene biologische Geschlecht wird in dieser Lebensspanne ausgelöst.

Warum möchte man das nicht erkennen? Es ist doch ganz einfach. Vergesset die Vorstellungen normierter vermeidlicher Moral gleich wo sie herstammen sollte. Sie führt zum Unfrieden weil Menschen Individuell sind. Individualität steht der Norm entgegen, Individualität ist natürlichern Ursprunges und kommt immer wieder neu nach und lässt sich nicht verbiegen ohne das daraus der Unfriede und Leid erwächst.


Ich stimme dir insofern erst einmal kommenarlos zu, als dass kein Mensch Anfeindung und Diskriminierung verdient hat, ganz gleich, aus welchem vermeintlichen Grund. Jeder Mensch ist unschätzbar wertvoll und sollte auch so behandelt werden, eben als Ebenbild Gottes, wenn man es religiös ausdrücken möchte.

Ich bin aber mehr als skeptisch der Forderung gegenüber, die moralische Komponente der Religion vollständig über Bord zu werfen und damit den weltgestaltenden Anspruch aufzugeben, weil an einigen Stellen unvermeidliche Aushandlungsprozesse stattfinden müssten, um veränderte gesellschaftliche Realitäten auch vonseiten der Religion anzuerkennen und einen positiven Umgang damit zu finden.

Sicher, an vielen Stellen wird man gucken müssen, inwiefern vielleicht das Lehrgebäude neue Antworten hervorbringen muss, die sich vom bisher dagewesenen unterscheiden, ohne aber dabei in Beliebigkeit zu verfallen. Die moralischen Lehren der Religionen haben ja durchaus ihren Sinn, den man vielleicht als säkular geprägter Mensch nicht immer verstehen mag (Keuschheit und Alkoholverbot sind ja die zwei Evergreens...), der aber religiösen Menschen etwas gibt, das ihnen eine "Mach doch was du willst!"-Mentalität nicht zu geben vermag. In der Keuschheit sehen viele z.B. einen Weg, die Qualität der eigentlichen Partnerschaft zu erhöhen, von der Sexualität ja nur ein kleiner Teil ist.

Aber natürlich muss man auch sehen, dass es in der heutigen Zeit Phänomene gibt, die im Lehrgebäude schlicht nicht vorgesehen waren, für die die Texte teilweise auch einfach noch "Regelungslücken" aufweisen und für die man heute im Kontext der allgemeinen Grundaussagen der Texte schauen muss, wie man insofern "sozialverträglich" Inklusion möglich machen kann. Aber einfach zu sagen alles was vorher war treten wir in die Tonne, das ist mit einer Religion, die sich selbst ernst nimmt, nicht zu machen.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,

Zitat:
Ich bin aber mehr als skeptisch der Forderung gegenüber, die moralische Komponente der Religion vollständig über Bord zu werfen und damit den weltgestaltenden Anspruch aufzugeben, weil an einigen Stellen unvermeidliche Aushandlungsprozesse stattfinden müssten, um veränderte gesellschaftliche Realitäten auch vonseiten der Religion anzuerkennen und einen positiven Umgang damit zu finden.


hmm, die moralische Komponente bleibt ja in den Teilen in denen sie noch dem heute gültigen Wertekonzept entspricht, erhalten.
Die Aushandlungsprozesse sind doch in vollem Gange, indem die Leute mit den Füßen abstimmen und die Religionen verlassen.
Außerdem waren die Religionen nie die alleinigen Hüter der Moral, sondern haben einen großen Teil auch von den Philosophen übernommen.

Zitat:
Sicher, an vielen Stellen wird man gucken müssen, inwiefern vielleicht das Lehrgebäude neue Antworten hervorbringen muss, die sich vom bisher dagewesenen unterscheiden, ohne aber dabei in Beliebigkeit zu verfallen. Die moralischen Lehren der Religionen haben ja durchaus ihren Sinn, den man vielleicht als säkular geprägter Mensch nicht immer verstehen mag (Keuschheit und Alkoholverbot sind ja die zwei Evergreens...),


Tja, die von Religionsanhängern so oft zitierte Beliebigkeit, die dann so ausgelegt wird: "alles ist möglich, alles ist machbar, alles ist relativ".

Natürlich gibt es Menschen, die danach handeln und das sogar innerhalb von Religionen.

Ich verstehe allerdings die Relativität bei der Beurteilung menschlicher Handlungsweisen vollkommen anders. Um zu einen einigermaßen stimmigen Urteil zu kommen, muß ich möglichst viele Fakten für das Zustandekommen dieser Handlungsweise sammeln und sie in stark und weniger stark beeinflussende aufgliedern und diese dann einer moralischen Bewertung unterziehen. Das kann dazu führen, daß die gleiche Handlungsweise einmal moralisch akzeptabel, ein anderes Mal moralisch verwerflich ist.

Keuschheit kann für den einen Menschen einen hohen moralischen Wert besitzen (manchmal ist es allerdings eher pharisäerische Heuchelei), für andere besitzt sie nur einen geringen Stellenwert, ohne daß sie sich dadurch in ihrem allgemeinen Moralverständis stark beeinflußt fühlen.
Alkoholverbot hat Menschen in keiner Kultur je daran gehindert, sich zu bestimmten Anlässen zu berauschen, ob es nun Alkohol oder Drogen gewesen sind. Wichtig ist nicht das Verbot, sondern der vernünftige und maßvolle Umgang damit.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Luschn hat folgendes geschrieben:
Hass macht blind, dort eine Trennung zwischen Sünde und Sünder zu ziehen ist gefährlich. Wir sind Menschen, voller Fehler. Sobald wir dem Hass, wogegen auch immer, Eintritt gewähren, haben wir schon verloren.


Da hast Du schon recht, eventuell ist es nicht das richtige Wort. Ich habe aber auch geschrieben, dass der Hass sich niemals gegen einen Menschen richten darf. Also bitte immer im Zusammenhang zitieren!
Ich finde, die Sünde muss man hassen und demzufolge meiden, damit sie nicht in Versuchung führen kann, denn der Sünde Sold ist der Tod, da ist Feierabend mit dem ewigen herrlichen Leben, wenn man sich nicht vorher Vergebung erbeten hat.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten