Bahaitum - Rat nach Schrift?


Hallo Sören,

Zitat:
Eine Eheschließung könnte es natürlich nur mit einer Person geben, die ein anderes biologisches Geschlecht hat, als man selbst. Außerhalb dieses Rahmens ist Sex ohnehin nicht erlaubt.

Für die Bahai (und vielen anderen Religionen) scheinen also die äußeren Geschlechtsmerkmale wichtiger zu sein als die psychologische Verfassung einer Person.
Wenn "Gott" es schon nicht schafft, einer Person eine eindeutige Identität zu geben, wie kann sich da irgendeine Religion zum Richter über die Sexualtiät aufspielen?

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Inoffizieller Sex kann grundsätzlich meinem Verständnis zufolge nie unerlaubt sein, sofern keine Personen geschädigt werden beispielsweise durch Krankheit, Freiheitsberaubung oder Demütigung.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

Für die Bahai (und vielen anderen Religionen) scheinen also die äußeren Geschlechtsmerkmale wichtiger zu sein als die psychologische Verfassung einer Person.
Wenn "Gott" es schon nicht schafft, einer Person eine eindeutige Identität zu geben, wie kann sich da irgendeine Religion zum Richter über die Sexualtiät aufspielen?

Pjotr Kala


Gemäß den Bahá'í-Lehren ist der Mensch zuallererst ein geistiges Wesen und in seinem Menschsein geschlechtslos. Die Seele hat kein Geschlecht. Dementsprechend gehen die Bahá'í auch nicht davon aus, dass die äußerlichen Geschlechtsmerkmale zentral die Identität einer Person bestimmen sollten, sondern vielmehr ihr Charakter. Aber natürlich spielen die äußeren Merkmale bei der rechtlichen Betrachtung eine Rolle, denn an inneren Verfassungen kann man kein Gesetz anwenden. Nachprüfbar sind nur äußerliche, materielle Sachverhalte.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Inoffizieller Sex kann grundsätzlich meinem Verständnis zufolge nie unerlaubt sein, sofern keine Personen geschädigt werden beispielsweise durch Krankheit, Freiheitsberaubung oder Demütigung.


Dein Verständnis ist auch absolut legitim. Das Bahá'í-Verständnis ist allerdings ein anderes.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,

Zitat:
Gemäß den Bahá'í-Lehren ist der Mensch zuallererst ein geistiges Wesen und in seinem Menschsein geschlechtslos.


hmm, selbst als metaphysische Deutung halte ich das für sehr gewagt, da gerade die Geschlechtlichkeit unsere Psyche ein Leben lang sehr stark prägt.
Und das soll dann mit dem Tode keinerlei Einfluß auf das dann kommende Wesen haben? Nicht sehr logisch, da hiermit ein großer Teil meiner Persönlichkeit verloren geht.

Zitat:
Dementsprechend gehen die Bahá'í auch nicht davon aus, dass die äußerlichen Geschlechtsmerkmale zentral die Identität einer Person bestimmen sollten, sondern vielmehr ihr Charakter.


gg, aber für die Ehe und Sex spielen dann wohl P_enis und V_agina die entscheidende Rolle, egal ob die Person sie künstlich erworben hat oder damit geboren wurde. Die psychische Einstellung ist von keinem Menschen überprüfbar, solange er sie nicht öffentlich macht. Dies haben sehr wahrscheinlich früher auch die Angehörigen von sexuellen Randgruppen oft ausgenutzt, um durch "Scheinheirat" nach außen hin ein
einigermaßen von der Gemeinschaft toleriertes Leben zu führen. Die, die das nicht wollten, haben eher ein Leben im Untergrund geführt.

Mir kommt die Einstellung vieler Religionen zur Sexualität als verlogen daher. Da wird jedem Menschen das gleiche Gesetzesraster aufgepreßt, obwohl gerade im Sexualbereich die Variabilität sehr groß ist.

Zitat:
Zitat 06.01.17 13:00
Zwittrigkeit ist ja nochmal ein völlig anderes Phänomen. Da gilt dann im Zweifel das Geschlecht, das im Personalausweis angegeben ist. In den allermeisten Ländern der Welt wird ja bei Geburt ein Geschlecht eingetragen. Ein gewisses Maß an Willkürlichkeit sehe ich darin natürlich auch, keine Frage, aber irgendworan muss sich die Bahá'í-Gemeinde orientieren. Das ist im Zweifel immer das staatliche Recht.


Hast du dir das genau überlegt?
Im Ernstfall hieße das, daß die Bahai widersprüchliches Recht je nach Land als richtig anerkennen würden.
So was nennt man landläufig "Doppelmoral oder Opportunismus".

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
@ Sören,

Sören hat folgendes geschrieben:
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

Für die Bahai (und vielen anderen Religionen) scheinen also die äußeren Geschlechtsmerkmale wichtiger zu sein als die psychologische Verfassung einer Person.
Wenn "Gott" es schon nicht schafft, einer Person eine eindeutige Identität zu geben, wie kann sich da irgendeine Religion zum Richter über die Sexualtiät aufspielen?

Pjotr Kala


Gemäß den Bahá'í-Lehren ist der Mensch zuallererst ein geistiges Wesen und in seinem Menschsein geschlechtslos. Die Seele hat kein Geschlecht.


Die Seele hat ein Geschlecht, nur der Geist ist geschlechtslos. Wahrscheinlich meinst du das auch. Die Seele und ihre Eigenschaften werden vom Gehirn bestimmt.

@ Pjotr Kala

Zitat:
hmm, selbst als metaphysische Deutung halte ich das für sehr gewagt, da gerade die Geschlechtlichkeit unsere Psyche ein Leben lang sehr stark prägt.
Und das soll dann mit dem Tode keinerlei Einfluß auf das dann kommende Wesen haben? Nicht sehr logisch, da hiermit ein großer Teil meiner Persönlichkeit verloren geht.


Du hast dein Weltbild offenbar weiterentwickelt.
Die Geschlechtlichkeit unserer Seele= Psyche prägt uns tatsächlich ein Leben lang. Wenn wir sterben, stirbt aber auch das Gehirn und damit die Seele. Es bleibt der Geist und der umfasst/beinhaltet alles, so dass das Kommende Wesen nicht durch irdische Geschlechtlichkeit geprägt ist. Das wäre viel zu beschränkt gedacht.

Zitat:
Mir kommt die Einstellung vieler Religionen zur Sexualität als verlogen daher. Da wird jedem Menschen das gleiche Gesetzesraster aufgepreßt, obwohl gerade im Sexualbereich die Variabilität sehr groß ist.


Verlogen nicht, eher hilflos.
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
Hallo Elem. Luft,

Zitat:
@ Pjotr Kala

Zitat:
hmm, selbst als metaphysische Deutung halte ich das für sehr gewagt, da gerade die Geschlechtlichkeit unsere Psyche ein Leben lang sehr stark prägt.
Und das soll dann mit dem Tode keinerlei Einfluß auf das dann kommende Wesen haben? Nicht sehr logisch, da hiermit ein großer Teil meiner Persönlichkeit verloren geht.


Du hast dein Weltbild offenbar weiterentwickelt.
Die Geschlechtlichkeit unserer Seele= Psyche prägt uns tatsächlich ein Leben lang. Wenn wir sterben, stirbt aber auch das Gehirn und damit die Seele. Es bleibt der Geist und der umfasst/beinhaltet alles, so dass das Kommende Wesen nicht durch irdische Geschlechtlichkeit geprägt ist. Das wäre viel zu beschränkt gedacht.


gg, keine Ahnung, wenn ich es weiter entwickelt habe, dann wohl eher unbeabsichtigt.
Allerdings halte ich die Unterscheidung von Seele und Geist für eine metaphysische Gedankenspielerei, die nichts einbringt. Mit dem Tod des Gehirns gibt es keinerlei Nachweis mehr für so etwas wie "Geist" oder "Seele".

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hast du dir das genau überlegt?
Im Ernstfall hieße das, daß die Bahai widersprüchliches Recht je nach Land als richtig anerkennen würden.
So was nennt man landläufig "Doppelmoral oder Opportunismus".


Lieber Pjotr Kala,

da hast du mich missverstanden. Es geht nicht darum, jedes staatliche Gesetz für richtig zu halten. Die Bahá'í in ihrer Gesamtheit und die Institutionen im Besonderen sind aber zur Rechtstreue verpflichtet, was bedeutet, dass das staatliche Gesetz - ungeachtet eventueller negativer Effekte für die Bahá'í - als geltendes Recht akzeptiert wird.

Gerade in solchen Fragen wie dem Personenstandsrecht, das diese Frage ja berührt, wäre es auch völlig unmöglich, sich als Bahá'í-Gemeinde darüber hinwegzusetzen. Wenn im staatlichen Personalausweis ein - vom Arzt festgelegtes - Geschlecht eingetragen ist, dann bindet dieser Eintrag selbstverständlich auch die Bahá'í-Institutionen. Du kannst nicht als religiöse Gemeinschaft hingehen und jemanden als Frau unter weiblichem Namen in die Gemeinde aufnehmen, der staatlicherseits gar nicht bzw. als Mann unter anderem Namen existiert. Umgekehrt kann die Gemeinde aber auch nicht umhin, die staatliche Anerkennung einer geschlechtsangleichenden Operation (wo es im staatlichen Personenstandsrecht diese Möglichkeit gibt) mitzutragen.

Der Kommentar mit der Willkür bezog sich darauf, dass häufig bei Kindern, die mit Merkmalen beider biologischen Geschlechter geboren werden, der Arzt nach der Geburt in Eigenregie ein Geschlecht festlegt (oder festlegen muss). Da das immer eine persönliche Ermessensentscheidung des behandelnden Arztes ist, ist sie in gewissem Maße willkürlich.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Die Seele hat ein Geschlecht, nur der Geist ist geschlechtslos. Wahrscheinlich meinst du das auch. Die Seele und ihre Eigenschaften werden vom Gehirn bestimmt.


Nein, das meine ich nicht. An dieser Stelle verwenden du und ich die gleichen Begriffe in unterschiedlichen Bedeutungen. Die Seele ist im Bahá'í-Verständnis völlig unabhängig vom Körper oder seiner Konstitution und daher auch nicht an die Funktion des Gehirns gebunden. Der Geist ist dagegen die lebendigmachende Kraft, die im Menschen wirkt und ihn zur Erkenntnis Gottes befähigt.

Dass wir hier "unterschiedliche Sprachen sprechen" zeigt sich vor allem darin, dass du davon ausgehst, dass der Geist als Essenz des Menschen eine Verbindung mit einer neuen Seele und einem neuen Körper eingeht und somit äquivalent zur karmischen Energie, die nach dem Tod des Menschen weiterwirkt, verstanden werden kann -vorausgesetzt natürlich, ich habe deinen Gedankengang jetzt richtig erfasst. Eine dem Karma vergleichbare Kraft, die wiederum den Impuls für ein neues Leben in dieser Welt liefert, kennt die Bahá'í-Lehre nicht.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Mir kommt die Einstellung vieler Religionen zur Sexualität als verlogen daher. Da wird jedem Menschen das gleiche Gesetzesraster aufgepreßt, obwohl gerade im Sexualbereich die Variabilität sehr groß ist.

Solche und ähnliche Sätze sollen zumeist eine sexuelle Libertinage und Beliebigkeit decken.
So ist das nicht, dass der Mensch die menschliche Sexualmoral nicht erfassen könnte. Es gibt sie - und sie ist unabänderlich und wird von der Kirche unfehlbar ausgelegt. Sie hat diese Moral allerdings nicht erfunden. Sie ist in der menschlichen Natur eingeschrieben.
Du musst bedenken, dass der Heilige Johannes der Täufer sozusagen noch vor Stephanus für die Beharrlichkeit in der Wahrheit der unauflöslichen Natur der Ehe zum Märtyrer wurde. Oder die anglikanische Kirche - sie ist im Wesentlichen aufgrund der Lehre der unauflöslichen Ehe entstanden - ein großes Opfer, das die Kirche hier in Kauf genommen hat, um an der Wahrheit festzuhalten. Die säkulare Kultur hat die Sexualität völlig banalisiert und zum bloßen Freizeitvergnügen herabgewurdigt - ein wesentlicher Schritt zur Entmenschlichung insgesamt.

Bis heute ist die katholische Kirche die einzige Bastion, die wirklich für die Heiligkeit der Ehe und der ihr eigentümlichen Sexualität eintritt.