Ein Kinderwunsch


Hallo,
ich freue mich über die vielen Anregungen.

Pragmatisch gesehen habe ich einen fast 15 jährigen Vollzeitsohn, der sehr selbstständig ist. Die Wochenendkinder sind 8 und 10. Jede Woche trennen wir uns aufs Neue und verbringen ca 52 Stunden miteinander. Also jedesmal der Switch von Groß- und Kleinfamilie.

Ich bin mehr eine Freundin oder Tante. Freunde gaben mir öfter den Hinweis, dass ich nicht die Mutter bin, da ich stark für sie einsetze, wenn es mal sein 'muss'. Sie haben eine Mama und das bin ich wirklich nicht.
Es ist schön, wenn sie da sind, aber es ist halt kein Alltag.

An der Belastungsgrenze sehe ich mich/uns damit nicht. Ich habe Kinder auch nie als Belastung gesehen. Klar gibt es Probleme, die die Kinder mal haben, aber dann sucht man halt nach Lösungen... Das ist dann auch keine Belastung.

Das mit dem Schock für ihn unterschreibe ich!

Genug Zeit hätte ich für die Rasselbande. Für mich wäre es auch selbstverständlich, dass er neben der Arbeit auch Zeit für sich brauchen würde. Ich bestimmt auch mal, aber ich habe selten das Bedürfnis allein sein zu wollen.
Ich war jahrelang und von Anfang an alleinerziehend. Es war nicht mein Ideal oder Ziel, aber ich würde sagen, dass ich einen tollen Sohn habe. Sein Gemüt ist auch ein großes Geschenk.

Argumente hat mein Partner einige nun genannt. U.a. viel Angst, Freiheit in der Zeitplanung, Bedenken von Unterhalt von 3 Kindern (wenn wir uns trennen würden). In allen Argumenten schwingt fühlbar Angst und alte Erfahrungen.

In dem Gespräch fasste ich aus dem Bauch heraus zusammen "Es wäre naiv, wenn Du glauben würdest, dass es auch anders funktionieren kann" Ich bekam ein klares "Ja".
Nur seltsam, dass er ausgerechnet mich als Partnerin hat . Ständig auf der Suche nach meinem "idealen" Handeln (von Herzen und nicht wegen oder für andere).

Ich träume und glaube den Mann meines Lebens gefunden zu haben und dieser Trennungsgedanke mit/trotz Kind ist mir völlig fern.
Zeitplanung kann er betreiben - ich richte mich nach den passenden Momenten und war schon immer lieber spontan. Er soll doch glücklich sein und nicht zwangsverpflichtet. Wenn ein Plan nicht klappt, dann werde ich kreativ, schiebe und bringe möglichst unter einen Hut.
Unterhalt für 3 Kinder, die noch von ihm getrennt leben. Das ist ein Punkt, den ich gut verstehen kann. Ich glaube da schwingt auch, dass er sich in die Gefahr der weiteren 'Erpressbarkeit' oder 'Unterdrückung' begeben könnte. Das habe ich aber noch nicht thematisiert.

In Gedanken kam ich jetzt auf die Idee Pflegekind. Das wäre weniger finanzielle Bindung. Aber irgendwie ist das nicht das gleiche und schon wieder mit Trennung -irgendwann- verbunden. Paradox wäre ja auch, dass man dem Kind die Änderung der Pflegeursachen wünschen würde. Wenn ich dann bedenke, dass viele Kinder tendenziell starke Probleme (Trauma, Urvertrauen, etc.) haben, dann kommt mir der Zweifel, ob das nicht zu viel für meinen Freund wäre.
An dem Punkt ist es dann gefühlt zu viel von Unsicherheit oder ein schlechtes Bauchgefühl. Daher habe ich zu dem Punkt nicht geäußert.

@Burkl: Ich werde mal versuchen das zu fassen, was Du schreibst. Ich weiß, dass ich nur dienen kann, wenn ich einsichtig bin. Aber genau das sollte ich prüfen.
Joa auch die Aussage ist ein Volltreffer, Weinberg.
Das hat er auf seine Weise gesagt...

Kannst Du mir dazu mehr sagen? Da bin ich sozusagen blind - ich verstehe den Gedanken nicht so richtig.
Hallo Kisses,

du hast also deinen 15jährigen Sohn alleine groß gezogen. Hat er Kontakt zu seinem leiblichen Vater?
Wie steht er zu deinem Partner?

Wenn ich es richtig verstanden habe, sind seine beiden Kinder nicht nur jedes 2.Wochenende sondern jedes Wochenende bei euch und er ist dann als Vater gefragt.

Vielleicht fällt ihm das nicht so leicht wie dir, auf die Interessen und Bedürfnisse seiner Kinder in dieser nicht alltäglichen Situation immer wieder neu einzugehen.

Falls ein gemeinsames Kind dazu käme, soll es wahrscheinlich doch einen Vater haben, der sich auch kümmert?
Insofern hat es für deinen Partner schon etwas mit Einschränkung seiner Freizeit zu tun, wenn er seine Vaterrolle verantwortungsbewusst übernehmen will.
(Es gibt natürlich auch Frauen, die innerhalb einer Beziehung quasi alleinerziehend sind, wenn du verstehst was ich meine.)

Vielleicht ist es auch so, dass du im Gegensatz zu ihm, nachdem dein Sohn schon so alt ist, nicht mehr ganz ausgelastet bist. In diesem Fall finde ich deine Idee mit einem "Pflegekind", allerdings als Tagesmutter unter der Woche, eine gute und sinnvolle Möglichkeit. Es gibt z.B. Alleinerziehende die unter der Woche dringend Unterstützung brauchen könnten.

LG
Mara
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Hallo,
wenn ich gemeint bin, ich nehem das mal an und versuche eine Erweiterung:

1. Ganz allgemein, nur wenn die Bevölkerungszahl insgesamt abnimmt, dann ist jedes Kind ein Segen und Glück für die Gesellschaft und nicht nur für die Eltern. Das ist die aktuelle Situation in Mitteleuropa, also können sich alle über Kinder freuen.

Anmerkung, ich weigere mich die Welt nur inviduell ohne den Aspekt der Gesamtmitverantwortung zu sehen, denkt an die Probleme der Überbevölkerung weltweit.

2. Die Erfahrung spricht dafür daß gemeinsame Kinder und Stiefkinder jenseits aller Vernunft emotional anders empfunden werden, ich denke das kann nicht wegdiskutiert werden, es ist eben so.

3. Der persönliche inviduelle Wunsch ein gemeinsames Kind zu haben kann auch den unbewußten Grund haben die verbindung zu fixieren, fast zu fesseln.

Deshalb bleibe ich dabei, für euer Glück braucht ihr nicht noch ein Kind.
Kisses hat folgendes geschrieben:
@Burkl: Ich werde mal versuchen das zu fassen, was Du schreibst. Ich weiß, dass ich nur dienen kann, wenn ich einsichtig bin. Aber genau das sollte ich prüfen.

Zwei "große Achsen" für deine Gewissenserforschung würde ich dir noch gerne mitgeben:

1) Ist deine Absicht hinter dem Kinderwunsch, dich zuerst an die Anderen zu verschenken und erst dann - nach dem Ehepartner und den Kindern an dritter oder vierter Stelle an dich selbst zu denken?

2) Hast du den ernsthaften Wunsch, dass die neue Beziehung in eine Ehe einmündet, das heißt auf Lebenszeit angelegt und unauflöslich - und die Aufrichtigkeit in dem Zusammenhang zu prüfen, ob da hinsichtlich der alten Beziehung noch etwas in Ordnung zu bringen ist? Nur in einer Ehe, die wirklich eine ist, und der sich die Ehepartner ernsthaft bemühen die Hingabe an den Ehepartner als den für sie bestimmten Weg zu Gott zu sehen - nur dort können die Kinder in der Liebe der Eltern das erfahren, was der göttlichen Liebe am nächsten kommt. In Gott ist ja auch untrennbares und absolutes Beziehungsgeschehen in Liebe. Das soll und muss die Ehe abbilden, um ihrer ganzen Größe gerecht zu werden.
hallo Kisses,

Burkl bringt hier die sehr idealistische christliche Sicht auf die Ehe ein, die selbst in sehr katholischen Gegenden so kaum eingehalten wird und auch in der Geschichte wohl auch nur Ausnahmefälle sind.

Wir sind Menschen, die sich irgendwie zunächst mit den eigenen Gefühlen, Ängsten und Vorstellungen auseinandersetzen und dann auch noch auf die Gefühle, Ängste und Vorstellungen der nahen menschlichen Umgebung eingehen müssen.

Daß es hierbei zu unterschiedlichen Einschätzungen von bestimmten Situationen kommt, ist vollkommen klar.
Die Frage ist, ob du und dein Partner eine für beide Seiten tragfähige Lösung finden, die nicht nur die momentane Situation berücksichtigt, sondern auch die Auswirkungen auf den gesamten Familienverband.
Ein zusätzliches Kind ist eine lebenslange Entscheidung und kann zusätzliche Probleme mit nicht vorhersehbaren Konflikten mit sich bringen. Beide Partner sollten sich darüber von Anfang an klar sein.

Wenn du mehr der "Familienmensch" bist, dein Partner aber meint, er trage genug an der Bewältigung der jetztigen Situation, ist es vielleicht besser, daß du deine Fähigkeiten im Bereich "Familie" auf soziale Gebiete
wie die bereits angesprochene "Tagesmutter" umleitest.

Wie von Weinberg geschrieben, mußt du dir aber auch ganz genau überlegen, ob dein Kinderwunsch nicht nur ein geheimer Wunsch auf die Festigung der Beziehung zum Partner ist nach dem Motto "Kinderschiet ist Ehekitt".
Meistens sind es eine ganze Menge von unterschiedlichen Ansichten der beiden Partner in einer Beziehung, die zunächst mit Argumenten entweder bekräftigt oder entkräftet werden müssen, bevor man dann zu einer Entscheidung kommen kann. Mehr kann man nicht tun. Vorhersagen über die weiteren Folgen der Entscheidung sind "Kaffeesatzleserei".

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hallo Ihr Lieben,
es ist irgemdwie sehr kompliziert meine "Motive" zu ergründen.
Burkls "Idealismus" fasziniert mich immer wieder und genau hier möchte ich leben und träumen.

Alles was unter 2) steht möchte ich bejahen. Ich würde ihn gerne heiraten, aber das ist ein anderes Kapitel. Wegen der vorherigen Ehe möchte er nicht. An dem Punkt sage ich mir, dass es schade ist, er vielleicht irgendwann umdenkt und es bei so vielen Menschen nur ein Stück Papier ist. Ich denke, dass das Papier nicht notwendig ist bzw. viele Menschen sich viel zu sehr auf dem Papier ausruhen.

Ich weiß, dass ein Kind kein Kit ist und das soll es auch nicht als Funktion bekommen. Es passt doch meiner Ansicht nach.

Zu dem 1) habe ich noch keine Antwort. Der Kinderwunsch klingt etwas egoistisch per se. Aber irgendwie denke ich hierbei auch an Alle. Ich würde ihm so gerne das Papadasein im 'Idealismus' ermöglichen. Die Jungs würden sich bestimmt auch freuen. Klar muss Papa auch nur mit den Großen was machen können, damit sie nicht benachteiligt wären... Papas sollen auch Zeit für sich haben. Hauptsache ist meiner Meinung nach, dass das Umfeld von Kindern glücklich ist. Es geht auch um Qualität und nicht nur um Quantität.

'Die Erfahrung spricht dafür daß gemeinsame Kinder und Stiefkinder jenseits aller Vernunft emotional anders empfunden werden, ich denke das kann nicht wegdiskutiert werden, es ist eben so.'
Bei mir ist das so. Das ist auch völlig okay. Ich will der Mutter ja auch nicht ihre Kinder nehmen oder da in Konkurrenz gehen.
Allein schon diese wöchentlichen Trennungen sind irgendwie "künstlich". Ganz viel Erziehung läuft ja auch unter der Woche und da läuft leider einiges schief. Mehr als Rücksicht und Hilfestellung ist da nicht großartig machbar.

Den Tagesmutterplan hatte ich inkl. Baby für die ersten 4 Jahre ca. Tagtäglich habe ich mit Kindern beruflich zu tun. Es ist einfach schön und doch ein Unterschied.

Ja, mein Sohn hat Kontakt zu seinem Vater und hat ihn sehr lieb - ich habe einen guten Papa ausgesucht
Papa und ich können auch miteinander lachen oder Erziehungsfragen klären. Ich habe es zwar nicht geschafft, dass wir gemeinsam Eltern wurden, aber der Rest ist dann zum Glück für uns gelungen.
Hallo,
ganz hart und nüchtern. Biete ihm Heiraten an UND den verzicht auf ein gemeinsames Kind. Rege ihn an über Vasektomie nachzudenken.

Das ist bittter ernst gmeint, gerade Väter die eine Scheidung erduldten ( ich zweimal ), das für ihre Kindeer irgendwie erträglich organisierten und durchstanden erlebten udn erlitten die totale Ohnmacht vor Familiengericht und die große finazielle Belastung.

Dabei geht es nicht um Geld an sich, aber in der Praxis bedeute Unterhaltsbelastung ganz enorme Beschränkung für Männer eine neue Parnterschaft aufzubauen, jenseits aller Emanzipation, in der Praxis wollen Frauen nicht einen Partner als finanzielle Last.

Geschiedene Frauen mit Unterhalt für sich und ihr Kind haben die Alternative Alleinerziehende zu sein ODER scih in neuer ehe deutlich finaziell zu verbessern.

Drastisch, mann als Stiiefvater bedeutet real alleinige jutirstische Verantweortung für die Kinder, der Ex hat real nichts zu erziehen, das neue Paar aber zusätzlcih Kindesunterhalt.

Man mag das alles verleugnen, es spielt aber eine Rolle.
Kisses hat folgendes geschrieben:
Klar muss Papa auch nur mit den Großen was machen können, damit sie nicht benachteiligt wären... Papas sollen auch Zeit für sich haben. Hauptsache ist meiner Meinung nach, dass das Umfeld von Kindern glücklich ist. Es geht auch um Qualität und nicht nur um Quantität.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche und Wochenenden, die schon jetzt zeitlich stark getaktet sein müssen, könnte ein weiteres Kind deinen Partner so unter Zeitdruck setzen, dass die Qualität seines Umgangs mit allen Kindern darunter leidet.

Zitat:
'Die Erfahrung spricht dafür daß gemeinsame Kinder und Stiefkinder jenseits aller Vernunft emotional anders empfunden werden, ich denke das kann nicht wegdiskutiert werden, es ist eben so.'
Bei mir ist das so. Das ist auch völlig okay. Ich will der Mutter ja auch nicht ihre Kinder nehmen oder da in Konkurrenz gehen.

Wenn die beiden jetzt 8 und 10 Jahre sind, wird mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit spätestens in der Pubertät die Situation sehr schwierig werden.

Zitat:
Allein schon diese wöchentlichen Trennungen sind irgendwie "künstlich". Ganz viel Erziehung läuft ja auch unter der Woche und da läuft leider einiges schief. Mehr als Rücksicht und Hilfestellung ist da nicht großartig machbar.
Müsste eure Kraft und Energie nicht dahin gehen, an dieser auch für die Kinder unguten Regelung etwas zu ändern?

Zitat:
Ja, mein Sohn hat Kontakt zu seinem Vater und hat ihn sehr lieb - ich habe einen guten Papa ausgesucht
Wie oft war dein Sohn bei seinem Vater? Konnte dieser auch väterliche Erziehungsarbeit leisten?

Hat dein jetziger Partner einen erzieherischen Einfluss auf deinen Sohn?

LG
Mara
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Hallo,

@ Weinberg: Eine interessante "alternative" Sichtweise. Aber irgendwie nicht passend für mich. Klar würde ich ihn sofort heiraten, aber ich habe mich damit abgefunden, dass er das nicht möchte. An dem Punkt denke ich dann auch, dass Männer sich 'verständlicherweise' abgezockt fühlen können.
Warum sollte ich ein Papier erwarten, solang das Papier nur als Papier und Gefahr wahrgenommen wird? Für mich wäre es mehr... und das mehr und der Wunsch müssten bei ihm geboren werden.
Ganz ehrlich: Es wäre nicht aufrichtig, da ich mir die Hoffnung auf ein Kind machen würde. Zum scheitern verurteilte Ehe, weil ich es als Kuhandel gesetzt habe - Nein danke.

@Mara:
Klar geht Viel Kraft in die Abänderung der Verhältnisse unter der Woche. Es ist nun professionell unterstützt und das aus Eigenantrieb. Ich habe da wenig direkte Einflussmöglichkeiten und bin mir sicher, dass der professionelle Einsatz für Alle notwendig ist.

Mein Sohn hat einen Papa und ganz klar formuliert, dass er keinen Zweit/Ersatzpapa braucht. Eine freundschaftliche Ebene schwebt ihm vor. Das funktioniert auch gut.
Papa ist hochangesehen und seine Worte mit viel Einfluss.
Früher war mein Sohn öfter bei oder mit Papa. Er wohnt nun sehr weit weg und sie sehen sich ca 1 Mal im Monat, im gemeinsamen Urlaub oder mein Sohn fährt in den Ferien zu ihm. Die beiden lieben sich sehr...

Den Zeitdruckaspekt kann ich nicht nachempfinden. Es ging ihm eher um Spontanität (ins Auto ohne Windelwechsel).

Der Pubertätsaspekt spricht dann generell für Einzelkinder. Mein Sohn ist in der Pubertät und wünscht sich ein Geschwisterchen. In meiner Pubertät kam meine Schwester zur Welt und ich fand es absolut Klasse! Endlich war Mama positiv beschäftigt und abgelenkt *g*. Alle meine damaligen und heutigen Freunde haben Freiheit in der Pubertät gesucht.