Totenwache?


traveller hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

lieb von Dir, danke, aber ich suche explizit nach Bibelstellen zum Thema.


Lieber traveller,

wo nehmen die Juden ihre Bestattungsrituale denn her?

Ich weiß nur, dass es in jüdischen Gräbern einen Vorraum gab, in dem der Tote drei Tage lang auf einer Steinbank aufgebahrt wurde, bevor man ihn im eigentlichen Grab bestattete. Um einen Scheintod auszuschließen, legte man ihm eine Feder auf den Mund und verschloss das Grab luftdicht mit einem Stein, damit nicht der Wind die Feder einfach wegwehen konnte.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
traveller hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,
lieb von Dir, danke, aber ich suche explizit nach Bibelstellen zum Thema.


wo nehmen die Juden ihre Bestattungsrituale denn her?


Naja, dann müsste es aber doch Bibelstellen geben - und die gibt es ja scheinbar nicht.

Bleibt also die Frage: Warum lässt ein "gütiger Gott" zu, dass Menschen lebendig begraben werden und somit erst zu Tode kommen?
traveller hat folgendes geschrieben:

Bleibt also die Frage: Warum lässt ein "gütiger Gott" zu, dass Menschen lebendig begraben werden und somit erst zu Tode kommen?

Die Angst vor dem lebendigen Begrabenwerden ist eine, die in einzelnen Zeitperioden zu wirklich schrägen Phänomenen wie Totenglocken, die mittels Seilzuges ins Sarginnere verbunden waren, geführt hat. Es ist eine von vielen Gesichtern der Urangst, Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts des Todes. Heute hat diese Angst eher andere Gesichter - z.B. die Angst vor Terrorismus, vor Krebs und unheilbarer Krankheit, vor Atomunfällen und Naturkatastrophen.

Eigentlich steckt in deiner Frage die übergeordnete Grundfrage - Warum lässt ein gütiger Gott Leid, Krankheit und Tod überhaupt zu?

Eine der größten existenziellen und religiösen Kernfragen, auch genannt Theodizeefrage. Eine simple Antwort, die vollkommen einleuchtend ist, gibt es nicht. Das Leid bleibt immer auch Mysterium. Eines hat Jesus jedoch gezeigt: Auch der Tod, der die reinste Folge der Sünde ist, also direkt auf das Böse zurückgeht, kann von ihm in Leben verwandelt werden. Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade. Manchmal sieht es so aus, dass Er scheinbar nicht da ist, dem Elend und der Hilflosigkeit gleichgültig gegenüber steht, "zu spät" dran ist.
Aber warum ist das so? Offenbar deshalb, weil Er mehr sieht und mehr weiß als wir. Es geht darum, dass wir darauf vertrauen, dass Er alles zum Guten wenden kann und auch wird, wenn wir uns Ihm anvertrauen. Er wird es gerade im Falle des bitteren Leidens und des Todes auf eine Art tun, die unsere Vorstellungskraft weit übersteigt - aber Er wird es ganz sicher tun: Leid und Tod haben in und durch Jesus nicht das letzte Wort - sondern die Auferstehung und das Leben. Es geht darum fest zu werden im Glauben und der Hoffnung darauf, dass mich Gott als sein geliebtes Geschöpf nicht dazu bestimmt hat, ins Nichts, aus dem Er mich erschaffen hat, zurückfallen zu lassen - sondern dass meine letzte Bestimmung das Leben ist, das ewige und unzerstörbare Leben. Ein Leben, das alles umfasst, was ich bin - Leib, Geist und Seele - und wie das Kreuz anzeigt ein "Plus" gegenüber dem jetzigen Leben sein wird. Ich werde alles sein, was ich jetzt bin - ja mehr ich selbst sein. Ich werde im ewigen Leben ohne die Verzerrung durch Sünde und Tod ganz hell erstrahlen.

"Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.
Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst du das?" (Joh 11, 21-26)
Burkl hat folgendes geschrieben:

Die Angst vor dem lebendigen Begrabenwerden(...)


Es geht nicht um Angst, sondern um Mitgefühl und Entsetzen darüber, dass solches Menschen schon geschehen ist. (Aktuell hat mich eine Geschichte von Achtzehnhundertpiefendeckel erschüttert, wo eine hochschwangere "Verstorbene" exhumiert wurde und unter der Erde im Sarg ihr Kind geboren hat - Mutter und Kind sind erstickt.) Der aktuelle Bezug für mich besteht in der Hirntoterklärung potentieller Organspender, wobei bei beiden Phänomenen für mich nicht ganz klar ist, ob es sich um Irrtümer der Erklärenden handelt oder evtl. niedere Beweggründe eine Rolle spielen.

Und ja, wenn ich die Gedanken dahingehend weiter spinne, ist lebendig begraben zu werden "nur" eines von vielen Leiden, die Mensch erleiden kann, und angesichts dessen man dann nach Gottes Güte fragen könnte.
traveller hat folgendes geschrieben:
Und ja, wenn ich die Gedanken dahingehend weiter spinne, ist lebendig begraben zu werden "nur" eines von vielen Leiden, die Mensch erleiden kann, und angesichts dessen man dann nach Gottes Güte fragen könnte.


Ich verstehe nicht, was Gott für die Fehler der Menschen können soll. Das ist doch dann deren Unzulänglichkeit, jemanden fälschlicherweise für tot zu erklären, statt Gottes, oder sehe ich das falsch?
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
traveller hat folgendes geschrieben:
Und ja, wenn ich die Gedanken dahingehend weiter spinne, ist lebendig begraben zu werden "nur" eines von vielen Leiden, die Mensch erleiden kann, und angesichts dessen man dann nach Gottes Güte fragen könnte.


Ich verstehe nicht, was Gott für die Fehler der Menschen können soll. Das ist doch dann deren Unzulänglichkeit, jemanden fälschlicherweise für tot zu erklären, statt Gottes, oder sehe ich das falsch?


Und genau deshalb hatte ich danach gefragt, ob es in der Bibel eine Anleitung Gottes gibt, wie mit Verstorbenen umzugehen sei (etwa die dreitägige Aufbahrung vor der Beerdigung). Woher weiß denn der Mensch, wann er einen anderen Menschen für tot erklären darf? Früher mal waren untrügliche Zeichen Leichenstarre und Totenflecken...

Nochmal zur Erklärung: Zuerst habe ich die Geschichte dieser Hochschwangeren gehört und war erschüttert über ihr Schicksal und das des Kindes. Als nächstes fragte ich mich, wie ein gütiger Gott so etwas zulassen kann. Und danach fragte ich mich, ob die Menschen vielleicht was falsch gemacht haben - zum Beispiel, dass sie eventuelle göttliche Vorschriften im Umgang mit Verstorbenen missachtet haben.

Der Tod ist ein Mysterium, und es gibt irgendeine Schule (weiß nicht mehr, welche), nach der der Tod der Höhepunkt des Lebens sei. Es fällt mir schwer, dies zu denken (auch wenn es verlockend ist) angesichts der vorgestellten Qualen, die Mutter und Neugeborenes im Sarg erleiden mussten.
Ich meine, die heutige Medizin kann schon entsprechend professionell vorgehen, wenn es um die Feststellung des biologischen Todes geht. So kann es normalerweise nicht mehr zu so einem tragischen Ereignis wie die Geschichte mit der Schwangeren und dem Kleinkind oder Baby kommen.
traveller hat folgendes geschrieben:
Der aktuelle Bezug für mich besteht in der Hirntoterklärung potentieller Organspender, wobei bei beiden Phänomenen für mich nicht ganz klar ist, ob es sich um Irrtümer der Erklärenden handelt oder evtl. niedere Beweggründe eine Rolle spielen.


Und ich frage ich ob Organspende und Transplantation sich "lohnt", ganz ernsthaft!

Zu jeder Transplantation gehört ein tödlich verletztes Unfallopfer ( Angehörige, Niere als Sonderfall ). Ich denke der Finanzaufwand für Tranplantationskliniken, Pflege, Nachsorge UND auch Werbung für Organspende stattdessen in Unfallvermeidung und Motivitation in Gesundleben ( Alkohol, Tabak ) investiert würde mehr Lebens- und Gesundheitsjahre produzieren.

Wenn Transplantation, dann sollte folgendes gelten:
Organempfänger kann nur der werden der mindestens 10 Jahre vorher eine Organspendeausweis sich ausstellte. Für unter 28 jährige gilt nur wenn sie zum 18.Geburstag sich zu Organspende bereit erklärten.

Nie von etwas profitieren können wozu ich nicht selbst bereit bin...
Sören hat folgendes geschrieben:
traveller hat folgendes geschrieben:
Und ja, wenn ich die Gedanken dahingehend weiter spinne, ist lebendig begraben zu werden "nur" eines von vielen Leiden, die Mensch erleiden kann, und angesichts dessen man dann nach Gottes Güte fragen könnte.


Ich verstehe nicht, was Gott für die Fehler der Menschen können soll. Das ist doch dann deren Unzulänglichkeit, jemanden fälschlicherweise für tot zu erklären, statt Gottes, oder sehe ich das falsch?

Natürlich sind dann Menschen daran schuld! Allerdings gab es das eher zu Zeiten, als die Medizin noch weniger ausgereift war als heute. Bestimmte Erkennungsmerkmale des Todes sind heutzutage eindeutig feststellbar, früher wurden gegebenenfalls auch "klinisch Tote" für bereits vollends tot erklärt. So erkläre ich mir solch einen schlimmen Fehler.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!