Staat, Recht und Homosexualität.


Hallo,
meiner Meinung nach ist mit der Abschaffung von StGB § 175 das Thema in Deutschland erledigt.

Beitrag Datum: 17.07.16, 11:59 Titel: Zitieren
Hallo Yahia,

gg, außerdem stimmt das, was Weinberg schreibt, so wohl nicht.

Es gibt wohl noch so einige Rechts- und Verwaltungsvorschriften, die angepaßt werden müssen, zB meines Wissens das Adoptionsrecht.

Auch da Widerspruch, kein Jugendamt fragt bei der Abklärung von an Adoption interessierten Ehepaaren nach der sexuellen Orientierung eines oder beider Partner. Die wollen zum Wohle des Kindes eine funktionierende oder den Eindruck machende ( kann man nie exakt prüfen ) Ehe sehen. Ob sie eine lesbische Geliebte hat oder er einen schwulen Freund wird ebensowenig gefragt wie nach heimlichen gegenschlechtlichen Spusis.

Folgerung, mit der staatlichen Ignorierung wird volle Gleichberechtigung sichergestellt.
Hallo,

der Kern der Sache ist, dass Menschen gemeinhin "Ehe" in erster Linie als Verbindung zweier Menschen verstehen, die sich romantisch zueinander hingezogen fühlen.

Heterosexuellen steht dies mit der Institution "Ehe" offen, Homosexuellen nicht. Es liegt also ohne den allergeringsten Zweifel eine Diskriminierung vor.

Es mag auch andere Beweggründe für Menschen geben, Ehen einzugehen, jedoch steht die romantische Zugeneigtheit zentral im Mittelpunkt der Ehe; daher auch der abwertende Begriff "Scheinehe" für Menschen, die das anders sehen.

Gruß,
Bernhard
Hallo Weinberg,

gg, und deswegen adoptieren so viele Homosexuelle Kinder aus dem Ausland?
Es wäre schon viel gewonnen, wenn du dich einmal mit der gelebten Realität im deutschen Rechtsstaat auseinandersetzen würdest und nicht mit der -auch noch verbesserungswürdigen- Idealvorstellung des Grundgesetzes. Und selbst diese eindeutigen Forderungen sind teilweise nur sehr zögerlich und durch den Druck der obersten Gerichte umgesetzt worden.
Solange einem heterosexuellen Ehepaar fast automatisch die Fähigkeit zur Kindererziehung zugesprochen, einem homosexuellen Paar ebenso fast automatisch diese Fähigkeit aberkannt wird, ist was faul in den Rechts- und Verwaltungsvorschriften.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hallo,
real wird einem Ehepaar die Fähgkeit zu einer Adoption nicht einfach zugesprochen.

Von dem Zeitpunkt der esrten Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Jugendamt bis zum rechtskräftigen Beschluß des Familiengerichtes vergeht viel Zeit, 18 Monate wären eher Schnellstart...
Hallo Weinberg,

die Übeprüfung bezieht sich bei heterosexuellen Paaren hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten und der wirtschaftlichen Zukunft für diese Paare und damit des Kindes. Die Fähigkeit zur Kindererziehung wird dabei kaum geprüft.
Bei homosexuellen Paaren kommt aber zusätzlich die gelebte Sexualität als erschwerender Faktor dazu. Sie werden daher gegenüber heterosexuellen Paaren benachteiligt, sodaß viele keine Chance auf eine Adoption hier haben und damit auf das Ausland ausweichen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Ich denke, dass so eine Benachteiligung sich auf viele Bereiche des Lebens bezieht, nicht nur im Zusammenhang mit sexueller Orientierung. Wer irgendwo auffällig in irgendeiner Verhaltensweise anders als ein gewisser Durchschnitt ist, wird eher kritisch betrachtet.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Weinberg,
Bei homosexuellen Paaren kommt aber zusätzlich die gelebte Sexualität als erschwerender Faktor dazu. Sie werden daher gegenüber heterosexuellen Paaren benachteiligt, sodaß viele keine Chance auf eine Adoption hier haben und damit auf das Ausland ausweichen.
Pjotr Kala


Hallo,
Widerpruch, ein Jugendamt fragt nicht nach der gelebten Sexualit. Die gehen schlicht davon aus daß eine Ehe aus Mann und Frau die beste Umgebung für ein Kind ist, meistens sogar davon daß das Ehepaar bereits gemeinsame eigene Kinder hat. Adoption also nicht als Ersatz für Kinderlosigkeit oder Angst vor Schwangerschaft.

Und für die wenigen Fälle geschiedener Väter die spät erst ihre Homosexualität erfanden um dann das eigene Kind dem neuen Partner zur Adoption anzubieten, dafür eine Gesetzesänderung?
Bei einer Adoption eines Babys oder Kinders wird dein Leben vom Amt auf links gedreht. Die Fragen auch ob du in Partnerschaft oder Ehe lebst und wenn ja wie dein Ehepartner heisst, bei Ehepartnern wird dieser sowieso auch auf links gedreht. Wenn du in keiner Partnerschaft lebst, wirst du auch nach deiner sexuellen Orientierung gefragt. Das ist die Realität, schon ein paar mal bei Bekannten erlebt. Als Homosexuller oder als solches Paar bekommst du kein Kind.

Auch bei der künstlichen Befruchtung bekommt man in der Realität als homosexuelle Frau von der Mehrheit der Samenbanken keine Samen. Auch die Fragen. Meine Frau hat zB keine bekommen vor ein paar Jahren.

Jetzt könnte man auseinander nehmen was dovon rechtens ist und was nicht. Ändert aber garnichts. Solange der Staat da nicht mit entsprechenden Gesetzen Zwang ausübt, wird da keine Gleichberechtigung herrschen.

Was erlaubt ist, sind Sukzessivadoptionen. Meine Frau könnte meine Kinder adoptieren, wenn ihr Vater seine Zustimmung geben würde.

Das Gesetz sagt folgendes: §1741 BGB (2)
Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur allein annehmen. Ein Ehepaar kann ein Kind nur gemeinschaftlich annehmen. Ein Ehegatte kann ein Kind seines Ehegatten allein annehmen. Er kann ein Kind auch dann allein annehmen, wenn der andere Ehegatte das Kind nicht annehmen kann, weil er geschäftsunfähig ist oder das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Das heisst also. Grundsätzlich können nur Ehepaare oder Einzelpersonen adoptieren. Stellt ein Ehepaar einen Antrag, so kann das Kind auch nur gemeinschaftlich angenommen werden. Demnach können gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften nicht gemeinsam adoptieren -> Weil wir es nicht Ehe nennen dürfen.

liebe Grüße
Nadja
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GUNKL: Wüstenreligionen, Wissen, Respekt und Kränkungen
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Humanistischer Pressedienst
Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz
Um die juristische Durchführung der Gleichstellung homosexueller Menschen mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Da ist schon vieles geschehen, Straffreiheit, eheähnliche eingetragene Partnerschaft. Vieles bleibt noch zu regeln, aber ich bin mir sicher, die juristische Gleichstellung mit heterosexuellen wird sich nach und nach durchsetzen. Viel bedeutender weil eben viel schlimmer ist die gesellschaftliche Diskriminierung der Homosexuellen, wie man sie hier in diesem Forum unter verschiedenen Threads nachlesen kann. Dass zur Begründung dieser menschen- und sexualfeindlichen Ansichten auch noch religiöse Begründungen hergeleitet werden, halte ich für die Bankrotterklärung der jeweiligen Religion.
Für mich als Templer ist die Aussage des Jeschua ben Josef maßgeblich "Liebe Gott, und deinen Nächsten wie dich selbst", wobei er sich auf das "Gesetz" dessog. Alte Testament bezieht. Diese beiden Aspekte, Gottesliebe und Nächstenliebe, stehen über jeder Auslegung des "Gesetzes". Jeschua ben Josef hat sich an keiner Stelle gegen Homosexualität gewandt, das kommt nicht von ihm, sondern von Paulus, lediglich ein (ziemlich schlechter) Theologe. Jeschua spricht nur von "Unzucht", und was das ist, ist jeweils die Auslegung der geschichtlichen und gesellschaftlichen Situation, also wandelbar, wobei immer die Frage im Zentrum steht: Ist meine Auslegung mit dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe vereinbar?
Dass die in diesem Forum in verschiedenen Threads verbreiteten Meinungen von katholischer und anderer Seite keinesfalls mit diesem jeschuanischen Gebot vereinbar sind, ist klar ersichtlich und disqualifiziert die Absender.
Im übrigen widersprechen diese Diskriminierenden Äußerungen auch dem Grundsatz der Gerechtigkeit, die für Templer ebenfalls ein zentraler Grundsatz ist. Die Gesellschaft ist nicht nur aufgefordert, die Gerechtigkeit bezüglich der juristischen Gleichstellung der Homosexuellen zu verwirklichen, sondern auch in den Köpfen ihrer Mitglieder.
Hallo,
gesellschaftliche, private "Diskrimierung" ist eine legale und legitime Verhaltenweise als Ergebniss der Nutzung von persönlicher Freiheit. Wen man als Freund oder Bekannter in seiner Umgebung haben möchte, auch im Rahmen von Gruppen und Vereinen selbst zu bestimmen ist eben persönliche Freiheit. Das ist ein sehr wichtiges Grundrecht.

( Eine Einschränkung ergibt sich nur dort wo eine Gruppe finanziell staatlich gefördert wird, z.B. ein kirchlicher Kindergarten muß wenn staatlich gefördert auch ungetaufte Nichtchristen betreuen, eine geförderte Fußballjugend auch Negerkinder aufehmen )