Staat, Recht und Homosexualität.


Burkl hat folgendes geschrieben:

Der Papst hat neulich wieder einige sehr wichtige Punkte festgehalten:

* Homosexuelle zu beleidigen, diffamieren etc. ist Sünde.
* Homosexuelle Menschen, die in katholischen Gemeinden sind, sind tunlichst zu integrieren und in ihren Bestrebungen Gott näher zu kommen, so wie jedes Gemeindemitglied, zu unterstützen

Ich denke, das sind schon mal gute menschliche Ansätze von Seite eines römischen Kardinals.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:

Der Papst hat neulich wieder einige sehr wichtige Punkte festgehalten:

* Homosexuelle zu beleidigen, diffamieren etc. ist Sünde.
* Homosexuelle Menschen, die in katholischen Gemeinden sind, sind tunlichst zu integrieren und in ihren Bestrebungen Gott näher zu kommen, so wie jedes Gemeindemitglied, zu unterstützen

Ich denke, das sind schon mal gute menschliche Ansätze von Seite eines römischen Kardinals.

Das ist doch alles recht und schön!
Aber es sagt nichts dazu aus, ob Gleichgeschlechtliche (das RECHT haben) Kinder adoptieren und erziehen dürfen? DAS ist doch der springende Punkt und das hüpfende Koma.
Wenn nicht – ist das dann Beleidigung oder Diffamierung?
Wenn doch – entspricht das der Christlichen Lehre (von Vater und Mutter ehren … und so)?
Wie steht der Papst, oder die Kirche dazu?
Ungeachtet von Religion ist die Polarisation ein Grundprinzip der materiellen Natur, auf der das ganze Leben beruht oder können sich Gleichgeschlechtliche fortpflanzen?
Doch selbst das göttliche Prinzip beruht auf zwei Polen.
Geist (männlich) und Seele (weiblich).
Ohne Seele kann der Geist nicht zeugen, und ohne Geist kann die Seele nicht gebären.
Denn die Vorstellung des Geistes ist die Zeugungskraft, woraus die Seele die materielle Natur zum entstehen bringt (gebärt).
© Demetrius
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Auf der Erde gibt es seit jeher den Kampf zwischen Egoismus und Selbstlosigkeit.
Die Egoisten werden reich, die Selbstlosen schaffen große Werke.
www.demetrius-degen.de
Hallo Demetrius,

Vater und Mutter ehren ist eines der Gebote, die sich leicht statistisch widerlegen lassen. Niemand wird über den statistischen Zufall hinaus nachweisen können, daß jemand länger lebt, weil er Vater und Mutter geehrt hat oder kürzer, weil er es nicht getan hat.
Die kath. Kirche bleibt zur Zeit bei dem aus ihrer Sicht konsequenten Nein zur Ausübung der Homosexualität, weil sie sonst sofort die Unfehlbarkeit der christl. Lehre in Frage stellt.
Dabei nimmt sie in Kauf, daß sie sich im Gegensatz zu den meisten heute bekannten Forschungsergebnissen aus der Evolution, der Verhaltensforschung, der Medizin, der Biologie und der Psychologie zur Sexualität befindet.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Demetrius hat folgendes geschrieben:
Aber es sagt nichts dazu aus, ob Gleichgeschlechtliche (das RECHT haben) Kinder adoptieren und erziehen dürfen? DAS ist doch der springende Punkt und das hüpfende Koma.
Wenn nicht – ist das dann Beleidigung oder Diffamierung?

Ganz sicher nicht.

Der springende Punkt ist auch, dass seitens der Homolobby beim Thema Adoption fast nie vom Recht des Kindes die Rede ist, zwei verschiedengeschlechtliche Elternteile zu haben. Das zeigt schon, dass das ganze Thema von dieser Seite aus einer sehr ichbezogenen Perspektive diskutiert wird.

Grundsätzlich darf der Staat keine Strukturen schaffen, welche die Sünde begünstigen. Nehmen wir das Eherecht - auch hier ist es sicher falsch, dass die Unterschiede zwischen ehelicher und nichtehelicher Lebensgemeinschaft fast völlig nivelliert wurden. Es ist nun einmal ein positiver Anreiz zu heiraten, wenn dies mit einem rechtlichen Sonderstatus einhergeht.

Ein ganz großer Trugschluss, der in diese Debatte immer eingeworfen wird: Es wird auf das häufige Scheitern von Idealen, z.B. der Ehe und Familie, hingewiesen und argumentiert, dass diese damit obsolet wären. Die Ehe als staatlich privilegierte Institution aufgrund der hohen Scheidungsquoten aufzugeben, das wäre aber so wie das Ideal der wahren Rede aufzugeben, weil soundso viele Menschen überwiegend lügen.
Zitat:
Der springende Punkt ist auch, dass seitens der Homolobby beim Thema Adoption fast nie von Rechten des Kindes die Rede ist, zwei verschiedengeschlechtliche Elternteile zu haben. Das zeigt schon, dass das ganze Thema von dieser Seite aus einer sehr ichbezogenen Perspektive diskutiert wird.


Nonsens!
Es gibt genügend Belege dafür, daß gute Kindererziehung nicht von Vater und Mutter abhängig sind, sondern von Bezugspersonen, egal welchen Geschlechts und Alters, die sie möglichst bis ins Erwachsenenalter begleiten.
Dafür spricht auch, daß es sogar Mütter gibt, die keinerlei Beziehung zum Kind aufbauen können. Kann man alles nachlesen, wenn man nicht gerade Mitglied des Opus-Dei-Vereins ist.



Zitat:
Grundsätzlich darf der Staat keine Strukturen schaffen, welche die Sünde begünstigen. Nehmen wir das Eherecht - auch hier ist es sicher falsch, dass die Unterschiede zwischen ehelicher und nichtehelicher Lebensgemeinschaft fast völlig nivelliert wurden. Es ist nun einmal ein positiver Anreiz zu heiraten, wenn dies mit einem rechtlichen Sonderstatus einhergeht.


Nochmal Nonsens!
Grundsätzlich hat der Staat nichts mit dem Begriff "Sünde" zu tun.
Er hat sich an die verfassungsgemäßen Rechte und möglichst an die allgemeinen Menschenrechte zu halten.
Er kann bestimmte Strukturen fördern, allerdings nur, wenn er dadurch nicht bestimmte Personengruppen widerrechtlich ausgrenzt. Sonst wird ihn in Deutschland "Gott sei Dank" das Bundesverfassungsgericht, wie schon öfter geschehen, zur Revision seiner Gesetze zwingen.

Zitat:
Und ein ganz großer Trugschluss, der in diese Debatte immer eingeworfen wird. Es wird auf das häufige Scheitern von Idealen, z.B. der Ehe und Familie, hingewiesen und argumentiert, dass diese obsolet wären. Die Ehe als staatlich privilegierte Institution aufgrund der hohen Scheidungsquoten aufzugeben, das wäre aber so wie das Ideal der wahren Rede aufzugeben, weil soundso viele Menschen überwiegend lügen.


Mehr Quatsch kann man nun wirklich nicht schreiben!
Soweit ich das hier bis jetzt in allen Threads gelesen habe, hat niemand etwas gegen die Ehe von Frau und Mann geschrieben. Sie ist nur weder "Naturrecht", noch ist sie die einzig mögliche Form der Partnerschaft.
Alles, was Burkl schreibt, ist einseitig und mit Scheuklappen auf eine extrem konservativ christliche Ideologie ausgerichtet.
Wohin das führt, wenn es tatsächlich mehrheitsfähig würde, kann man sehr gut in Polen sehen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Grundsätzlich hat der Staat nichts mit dem Begriff "Sünde" zu tun. Er hat sich an die verfassungsgemäßen Rechte und möglichst an die allgemeinen Menschenrechte zu halten.

Weniger theologisch und weniger rechtswissenschaftlich kann man sagen, dass der Staat die Einhaltung des natürlichen Sittengesetzes sicherzustellen hat. Aus katholischer Sicht sind Gesetze, welche dieses nicht beachten bzw. dem zuwiderlaufen Unrecht. Egal ob man das dann "Verfassung" oder sonstwie nennt.

Zitat:
Soweit ich das hier bis jetzt in allen Threads gelesen habe, hat niemand etwas gegen die Ehe von Frau und Mann geschrieben.

So plump läuft das auch nicht. Der Teufel hat ein hässliches Gesicht, deshalb kommt er selten von Vorne. Das Schlagwort lautet "Öffnung der Ehe", was im Endeffekt bedeutet, dass alle möglichen Formen des Zusammenlebens staatlicherseits wie eine Ehe behandelt werden. Damit wird die ihr zukommende Sonderstellung aufgehoben. Der Staat fördert dann (ideologisch und finanziell) jede Form des Zusammenlebens in der zwei Menschen einen Haushalt teilen und Sex miteinander haben wollen in völlig gleicher Weise. Damit gibt er der für das Leben offenen Ehe, die seine eigene Keimzelle ist, nicht die besondere herausragende Stellung, dir ihr naturrechtlich zusteht. Ehe für alle ist also letztlich Ehe für niemanden.

Zitat:

Sie ist nur weder "Naturrecht", noch ist sie die einzig mögliche Form der Partnerschaft.

Das sehe ich als Katholik naturgemäß anders.

Abseits dessen - die Existenz des Naturrechts, also von alleine durch die Vernunft erkennbaren grundlegenden Rechten und Pflichten des Menschen und der zwischenmenschlichen Beziehungen, ist kein katholisches Sondergut. Auch im Geiste der Aufklärung entstandene Gesetzeswerke, etwa das Österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch, nehmen darauf Bezug:

§ 16. Jeder Mensch hat angeborne, schon durch die Vernunft einleuchtende Rechte, und ist daher als eine Person zu betrachten. Sclaverey oder Leibeigenschaft, und die Ausübung einer darauf sich beziehenden Macht, wird in diesen Ländern nicht gestattet.
gg, es gibt kein "natürliches Sittengesetz"!
Es gibt nur die zeit- und kulturabhängigen veränderbaren Wertvorstellungen der entsprechenden Generationen, wobei einige dieser Vorstellungen eine größere Halbwertszeit haben als andere.
Religiöse Wertmaßstäbe haben da nichts zu suchen, schon gar nicht, wenn sie nicht mit verfassungsgemäßen Wertmaßstäben oder allgemeinen Menschenrechten übereinstimmen.
Und das tun vieleicht noch tolerante Christen, Opus-Dei-Mitglieder aber auf keinen Fall.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
gg, es gibt kein "natürliches Sittengesetz"!

Ob es so etwas gibt ist eben keine ideologische, politische oder rechtsdogmatische, sondern eine philosophische bzw. eigentlich religiöse Frage. Du gibst dich als "Kind der Aufklärung" - die Aufklärung anerkennt, wie gesagt, das Naturrecht.

Als Katholik gehe ich mit großer Sicherheit davon aus, dass es das gibt - das tun andere, wie erwähnt, auch. Die Besonderheit ist, dass wir als Katholiken glauben, dass nur die Kirche das natürliche Sittengesetz frei von Irrtümern erkennen und entsprechend lehren kann.
Das bedeutet nicht, dass ich auf den gesetzlich geregelten Gebieten, die dem Sittengesetz widersprechen, zum zivilen Ungehorsam oder Aufstand aufrufe - soweit ist es derzeit nicht - ich kann hier Gott sei Dank meinen Glauben im Wesentlichen unbehelligt leben. Aber eine Wachsamkeit ist immer erforderlich. Und vor Allem ist es wichtig, zu sittlichen Irrwegen und Irrtümern nicht einfach zu schweigen, sondern dazu beizutragen, dass der Staat die ihm obliegende Pflicht zur Wahrung und Förderung des natürlichen Sittengesetzes wahrnimmt.
gg, auch die sogenannte "Aufklärung" hat nicht in allen Recht.
Daß die Mehrzahl der Sexualvorgänge heterosexuell ist (wobei ich das bei der Menge von Bakterien, Pilzen, Pflanzen auch nicht zu 100% behaupten würde), bedeutet nicht, daß andere Varianten als "Sünde" angesehen werden können.
Naturrecht ist Schwachsinn! In der Natur gibt es kein Recht. Recht ist eine soziokulturelle Vorstellung des Menschen und dementsprechend Veränderungen unterworfen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Naturrecht ist Schwachsinn! In der Natur gibt es kein Recht.

Es geht beim Naturrecht auch nicht um einen biologistisch reduzierten Naturbegriff. Dass etwas in der biologischen Natur tatsächlich vorkommt - etwa Kindesmord etc. - heißt nicht automatisch, dass es in der Natur des Menschen, also im Sinne seiner existenziellen Zielbestimmung, liegt so etwas zu tun. Darum hat die Morallehre in Zusammenhang mit bestimmten Sexualpraktiken ja auch den Begriff "widernatürlicher Verkehr" geprägt. Nicht, weil so etwas in der biologischen Welt nicht vorkommen würde, sondern weil es der eigentlichen (unversehrten) und wahren Natur des Menschen nicht entspricht so etwas zu tun. Das Auseinanderklaffen zwischen der tatsächlichen Wirklichkeit der Dinge und dem was sie sein sollten, für diesen Spalt ist die Sünde ursächlich.