Alkohol in der Bahai Religion


Hallo
Ich habe gehört, dass Bahais kein Alkohol trinken dürfen. Aber was passiert, wenn einer sich nicht daran hält? Wird er ausgeschlossen? Und von einer Freundin , die selbst Bahai ist, sagte,dass wenn ein Bahai sich nicht an die Regeln gehalten hat und viele Fehler gemacht, kann Gott um Verzeihung bitten. Sie selbst sagt, dass,Gott jedem vergibt, auch wenn derjenige dieselbe fehler wieder gemacht, verspricht keine mehr zu tun, dann vergibt Gott demjenigen auch. Stimmt das?
Liebe Grüße
Hanna89
Liebe Hanna,

ich denke, diese Frage muss man in zwei grundsätzliche Bereiche aufteilen, zum einen den Umgang der Gemeinde mit dem Alkoholverbot und den Umgang Gottes mit dem Alkoholverbot.

Zu Letzterem kann ich nur allgemeine, persönliche Gedanken äußern, aber schlecht für Gott sprechen. Ich glaube - und sehe mich dabei von den Schriften bestätigt - dass Gott sehr genau schaut, in welcher Absicht der Mensch handelt. Es gibt ja auch durchaus Situationen, in denen jemand eigentlich in guter Absicht handelt und etwas Gutes tun will, am Ende aber etwas Schlechtes dabei herauskommt, ohne dass er das selber wollte. In solchen Fällen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Gott nachtragend sein könnte.

Auf der anderen Seite gibt es auch Beispiele, dass gute Taten mit der falschen Absicht dahinter getan werden. Z.B. wenn ein Hollywoodstar das 100ste somalische Waisenkind adoptiert. In solchen Fällen, natürlich immer vorausgesetzt, dass es diesem konkreten Star in dieser konkreten Situation um die Publicity und nicht um das Kind geht. In solchen Fällen glaube ich, dass die Tat der Intention wegen negativ beurteilt werden könnte. Es gibt ein Zitat von Bahá'u'lláh, in dem er sagt, der Mensch sollte so leben, dass es an seinem Verhalten nichts ändern würde, wenn er dafür zur Hölle fahren würde, statt belohnt zu werden. Reine Absichten schließen auch ein, Dinge nicht nur zu tun, weil man sie tun muss, um etwas bestimmtes im Gegenzug zu bekommen.

Ich würde also sagen, dass es Gott auf unsere Absichten ankommt. Es kann schonmal passieren, dass man versehentlich eine Schnapspraline isst. Es kann aber nicht vorkommen, dass man sich regelmäßig versehentlich betrinkt. Wenn man im Anschluss wirklich ernsthaft das Gefühl hat, etwas Falsches getan zu haben, und Reue zeigt, glaube ich aber schon, dass Gott nicht nachtragend ist

Was nun die Gemeinde angeht, ist die Frage, die immer gestellt werden muss, ob und wie schwer das Ansehen der Gemeinde unter den Saufgelagen eines einzelnen Bahá'í leiden könnte. Einem Bahá'í der sich, ohne das groß jemandem mitzuteilen oder offensiv darauf hinzuweisen, abends vor dem Fernseher ein Bier genehmigt, wird niemand etwas tun. Einem Bahá'í, der öffentlich, wissentlich und ungeniert dem Gebot zuwiderhandelt und z.B. jeden Abend mit einem Bahá'í-T-Shirt besoffen aus seiner Stammkneipe torkelt, damit auch alle Welt mitbekommt, dass er als Bahá'í auf das Gebot pfeift, mit dem werden sich die Institutionen zu einem Gespräch zusammensetzen und ihn auf die Außenwirkung seines Verhaltens hinweisen.

Bei fehlender Einsicht und fehlendem Willen zur Veränderung gibt es weitere Gespräche, bis irgendwann die Institutionen das Gefühl haben, weitere Gespräche würden zu nichts mehr führen können. In einem solchen Fall können einem Bahá'í dann tatsächlich die sogenannten "administrativen Rechte" entzogen werden, das heißt das Recht, an den gemeindeinternen Wahlen teilzunehmen, das Recht, interne Informationen zu bekommen oder an gemeindeinternen Versammlungen teilzunehmen. Es handelt sich dabei aber ausdrücklich nicht um einen Ausschluss aus der Gemeinschaft, sondern um eine Sanktionsmaßnahme innerhalb der Gemeinde. Diese Maßnahme ist auch vorübergehend, denn sobald der Missstand, durch den der Entzug der Rechte eingetreten ist, behoben wurde, können die Rechte wiederhergestellt werden.

Das sind aber Fälle, für die man wirklich einiges anstellen muss, damit es so weit kommt
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Hannah

Hanna89 hat folgendes geschrieben:
Ich habe gehört, dass Bahais kein Alkohol trinken dürfen.


Richtig. Es sei denn es ist aus medizinischen Gründen unabdingbar.

Hanna89 hat folgendes geschrieben:
Aber was passiert, wenn einer sich nicht daran hält? Wird er ausgeschlossen?


Das kommt darauf an wie derjenige es tut. Tut er oder sie es heimlich und privat, dann ist das eine Sache zwischen ihm und Gott. Komplexer wird die Sache, wenn die Person es öffentlich tut oder gar seine Familie, seine Freunde und seine Gemeinde darunter leiden. Als ein letztes Mittel der Sanktion gibt es tatsächlich den Ausschluss aus der Gemeinde. Das geschieht aber nicht plötzlich, sondern ist nur - wie schon gesagt - ein letztes Mittel nach einer langen Phase der Beratung.

Hanna89 hat folgendes geschrieben:
wenn ein Bahai sich nicht an die Regeln gehalten hat und viele Fehler gemacht, kann Gott um Verzeihung bitten. Sie selbst sagt, dass,Gott jedem vergibt, auch wenn derjenige dieselbe fehler wieder gemacht, verspricht keine mehr zu tun, dann vergibt Gott demjenigen auch. Stimmt das?


Er schenkt wahrlich Vergebung, wem immer Er will, und niemand sollte in Zweifel ziehen, was Er zu gebieten wünscht. Er ist in Wahrheit der Immervergebende, der Allmächtige, der Allgepriesene. (Baha'ullah)



Liebe Grüße
Hallo,
wozu Alkohol trinken? Tagträumen, Gedanken springen lassen geht auch mit leiser Musik, im Garten den Blüten beim Blühen zuschauen, lesen usw.

Der Effekt Geselligkeit ist eine Frage des Vorsatz, Mut oder persönlicher Reife.

Drastisch formuliert, sich selbst entsprechende verhalten, dem Gegenüber auch ohne Alkohol gestatten weniger korrekt, höflich oder rücksichtsvoll zu verhalten.

Übertrieben, warum sich als Mann und Frau erst einiges Ansaufen um sich dann erst gegenseitig betatschen und anzügliche Kommentare zu erlauben?
Weinberg hat folgendes geschrieben:
Übertrieben, warum sich als Mann und Frau erst einiges Ansaufen um sich dann erst gegenseitig betatschen und anzügliche Kommentare zu erlauben?


Alkohol enthemmt, manchmal geplant, manchmal nicht.
Ach ja, die armen Bahai, die dürfen keinen Alkohol trinken. Das hört sich so schlimm an.

Und was bedeutet es für mich?

Mittlerweile wüsste ich nicht einen einzigen Grund warum ich Alkohol trinken sollte, nein es wäre sogar ganz furchtbar schlimm für mich wenn ich es müsste.
Es ist einige Jahrzehnte her, dass ich den letzten Schluck zu mir genommen habe.
Als ich verstanden hatte wie gut das für mich ist, war das auch absolut kein Problem mehr für mich.

Alkohol schwächt den Körper. Alkohol führt den Geist in die Irre, Alkohol zerstört den Verstand.
Brauche ich das?


Inzwischen denke ich, wenn ich Alkohol brauche um in eine gelöste, lockere Stimmung zu kommen, um tiefe Freude zu erleben und Glück zu empfinden und auch um so richtig ausgelassen und fröhlich zu sein, dann muss ich mir evtl. doch überlegen, wo es bei mir generell klemmt.

Wichtig ist mir allerdings zu wissen, dass ich kein Recht habe über jemanden der Alkohol trinkt zu urteilen oder mich gar über ihn zu stellen.

Ich kann nur betonen wie wohl es tut ohne Alkohol zu sein.

Schöne Grüße
von Linde

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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Hallo Hanna, auch Dir ein herzliches Willkommen hier im Forum.


Zitat:
Er schenkt wahrlich Vergebung, wem immer Er will, und niemand sollte in Zweifel ziehen, was Er zu gebieten wünscht. Er ist in Wahrheit der Immervergebende, der Allmächtige, der Allgepriesene. (Baha'ullah)


Ja, ER allein weiß wo meine Probleme liegen.

Danke Tobias für dieses Zitat.
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh