Opus Dei, wirklich ein "Werk Gottes"?


Hallo Burkl,

Zitat:
Im Opus Dei ist es so, dass man relativ schwer hineinkommt - die Vorbereitungszeit dauert Jahre. Es ist daher ein hohes Maß an persönlicher Freiheit erforderlich ins Opus Dei zu kommen und dort auszuharren. Der Gründet hat einmal gesagt wir sind im Opus Dei "weil es uns so passt". Das ist der höchste übernatürliche Grund.


Es ist bekannt, daß es "Vereine" gibt, die den Zugang zu ihren Veranstaltungen möglichst schwer und möglichst elitär gestalten.
Es erhöht für etliche Menschen den Reiz, einer solchen Gruppierung anzugehören. Dieses Gefühl, zu einem erlauchten Kreis zu gehören, läßt leider sehr oft den kritischen Abstand zugunsten der "Vereins-Räson" auf Null schrumpfen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Es ist bekannt, daß es "Vereine" gibt, die den Zugang zu ihren Veranstaltungen möglichst schwer und möglichst elitär gestalten.

Alle Bildungsmittel und apostolischen Initiativen des Opus Dei stehen für alle Katholiken und sonstigen Interessierten offen. Es wäre sonst wohl auch kaum möglich den Sinn des Werkes - Dienst an der Kirche durch Vermittlung geistlicher Bildung, um Laien zu ermöglichen, ihre Taufberufung voll zu verwirklichen - zu verwirklichen.
Hallo Burkl,

Tja, alles was Opus Dei öffentlich machen will und was ihr Ansehen stärkt, ist natürlich öffentlich. Wie war das noch mal mit einigen Moscheen, wo in den Hinterzimmern dann doch etwas anderes gesagt wird, als vorne öffentlich gepredigt wird?
Ich jedenfalls habe erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opus Dei und ich scheine nicht der Einzigste zu sein, abgesehen davon, daß ich die stark restaurativen und konservativen Ansichten des "Heiligen" nicht teile.

Pjotr Kala[/quote]
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Burkl hat folgendes geschrieben:

Aber es geht um etwas Anderes - das habe ich erst mit der Zeit mitbekommen. Es ist zwar richtig, dass die Haushaltskräfte in den Einrichtungen des Werkes ausschließlich weiblich sind, sogenannte "Auxiliarnummerarierinnen" - dem steht aber etwas Entscheidendes gegenüber. Die Männer verhalten sich so, dass eigentlich kaum geputzt werden muss. Es ist üblich die Zimmer und Anlagen so zu verlassen, dass sie "wie frisch gemacht" aussehen. Es ist eine unaufdringliche Art gegenseitiger Wertschätzung.
Und ja - da die Nummerarierinnen und Nummerarier zölibatär leben, aber im gleichen Zentrum untergebracht sind, sind die Abläufe und die Raumnutzungen so organisiert, dass sich Männer und Frauen im Zentrum im Normfall nicht begegnen. Und warum? Weil wir alle Menschen auf Fleisch und Blut sind. Es gibt ein spanisches Sprichwort, das sinngemäß übersetzt lautet: Zwischen einer Heiligen und einem Heiligen bedarf es einer Mauer.

Und ja - grundsätzlich wird in den Einrichtungen des Werkes daran festgehalten, dass Reinigungs- und Haushaltsarbeiten Frauen machen, Reparaturen und handwerkliche Arbeiten die Männer. Ich weiß nicht, wie es euch geht - aber ich habe das Gefühl, dass meine Frau erwartet, dass ich die Bohrmaschine und den Hammer in die Hand nehme und auf der anderen Seite, dass es ihr lieber ist, wenn sie die Wäsche macht. Ich glaube daher persönlich nicht an glückliche weibliche Automechanikerinnen und Bauarbeiterinnen und männliche Kindergärtner als Standardfall.

Grundsätzlich wird die Hausarbeit auch nicht als etwas Erniedrigendes gesehen - im Gegenteil: Der Gründer des Werkes nannte diesen Dienst den wichtigsten, weil er Grundvoraussetzung ist, dass das Werk überhaupt seine apostolische Arbeit entfalten kann. Zudem werden diesen Arbeiten, so wie alle menschlichen Arbeiten, im Opus Dei als ein wesentliches Element der christlichen Spiritualität gelebt. "Putzen ist nicht einfach Putzen" - es soll so wie jede Arbeit zum Gebet, zur Hingabe, zum Mittel und Werkzeug der Heiligung werden. Für die erste Auxiliarnummerarierin des Opus Dei läuft ein Seligsprechungsverfahren.

http://www.de.josemariaescriva.info.....urtstag-von-dora-del-hoyo


Danke Burkl für deine Erklärungen. Was genau ist denn eine Auxiliarnummerarierin? Gibt es auch andere Nummeriarierinnen?
Bei dem was ich bisher gelesen habe ging es nicht darum, dass Männer für andere praktische Aufgaben zuständig waren, als Frauen. Ich habe es, vielleicht fälschlicherweise, so verstanden, dass Männer Bildung und danach die dadurch ermöglichte Einflussnahme in der Gesellschaft wahrnehmen und dafür auch die Unterstützung von Frauen. Ist das auch in umgekehrter Konstellation möglich?
Bei deinem Link über eine Seligsprechung geht es ja auch um eine Hauswirtschafterin.
Natürlich ist Hausarbeit nichts Erniedrigendes und nicht nur für den Opus Dei etwas Grundlegendes. Aber wenn es als so wertvoll angesehen wird, müssten sich heilige Männer geradezu darum streiten.
ziraki hat folgendes geschrieben:

Danke Burkl für deine Erklärungen. Was genau ist denn eine Auxiliarnummerarierin? Gibt es auch andere Nummeriarierinnen?
...
Bei deinem Link über eine Seligsprechung geht es ja auch um eine Hauswirtschafterin.
Natürlich ist Hausarbeit nichts Erniedrigendes und nicht nur für den Opus Dei etwas Grundlegendes. Aber wenn es als so wertvoll angesehen wird, müssten sich heilige Männer geradezu darum streiten.

Es gibt folgende Berufungen zum Opus Dei: Numerarier(in), Auxiliarnumerarierin, Supernumerarier(in) - (alle nur mit einem "m" ) - und Asoziierte(r).

Alle Berufungen - bis auf die Auxiliarnumerarierin - stehen Frauen und Männern offen. Alle Berufungen sind auch Berufungen zum apostolischen Zölibat, bis auf die verheirateten Supernumerarier(innen). Numeriarierinnen und Numerarier sowie Auxiliarnumerarierinnen leben zudem in einem Zentrum des Opus Dei.

Warum die Berufung zur Auxiliarnumerarierin, die sich hauptsächlich hauswirtschaftlichen Tätigkeiten in den Zentren des Werkes widmet, nur Frauen offensteht hat etwas mit dem Menschenbild zu tun, das aus dem Geist des Opus Dei kommt. Wir glauben, dass Frauen und Männern jeweils ein typisches Charisma eigen ist, welches das jeweilige andere Geschlecht nicht ersetzen kann. Die Frau ist insofern unersetzlich für die Familie, als es ihre Bestimmung ist durch ihr Wesen und ihr Feingefühl die Lebensgrundlagen für die Familie zu schaffen und sie die "Seele des Hauses" ist. Das Vorbild dafür ist die Mutter Gottes Maria.

"Die Texte der Heiligen Schrift, in denen von Maria die Rede ist, zeigen uns sehr deutlich, wie die Mutter Jesu ihren Sohn ständig begleitet, wie sie sich mit Ihm als dem Erlöser zu verbinden weiß, wie sie sich mit Ihm freut und mit Ihm leidet, wie sie jene liebt, die auch Jesus liebt, und wie sie sich mit mütterlicher Sorgfalt um jene kümmert, die den Herrn begleiten.

Denken wir nur an die Hochzeit zu Kana. Unter den zahlreichen Gästen einer jener lauten Bauernhochzeiten, an der Leute aus mehreren Dörfern teilnehmen, bemerkt Maria als einzige, daß der Wein ausgeht (Vgl. Joh 2,3), und sie bemerkt es sofort. Wie vertraut kommen uns die Ereignisse im Leben Christi vor! Die Größe Gottes ist mitten im Alltäglichen zugegen, mitten im Gewöhnlichen. Es paßt zu einer Frau, und besonders zu einer umsichtigen Hausfrau, zu bemerken, wenn etwas fehlt, auf jene Kleinigkeiten zu achten, die das menschliche Leben angenehm machen. Und genau das finden wir bei Maria."

http://de.escrivaworks.org/book/5/_c14

Persönlich glaube ich, dass der heute zu beobachtende Verlust des Gespürs für dieses besondere Charisma und Berufung der Frau - "Seele" für die Familie zu sein - ein Grund für den Zerfall vieler Familien ist.

Zitat:
Bei dem was ich bisher gelesen habe ging es nicht darum, dass Männer für andere praktische Aufgaben zuständig waren, als Frauen. Ich habe es, vielleicht fälschlicherweise, so verstanden, dass Männer Bildung und danach die dadurch ermöglichte Einflussnahme in der Gesellschaft wahrnehmen und dafür auch die Unterstützung von Frauen. Ist das auch in umgekehrter Konstellation möglich?

Es gibt ja auch die Numerarierinnen, die von der Rauchfangkehrerin bis zur Rechtsanwältin alle möglichen Berufe ausüben. Ihnen kommt die Arbeit der Auxiliarnumerarierinnen genauso zugute wie den männlichen Numerariern.
Ich hätte aus dem Bericht über die Hochzeit zu Kana nicht die gleichen Schlüsse wie Escriva gezogen. Es steht gar nicht dort, dass Maria es als einzige bemerkt hat, dass der Wein ausgeht, vielleicht wurde sie ja darauf aufmerksam gemacht.
Die hauswirtschaftliche Arbeit, die Diener füllen die Krüge und der Speisemeister kostet, wurde wohl auch von Männern ausgeführt.

Und nebenbei bemerkt, das früher von dir erwähnte spanische Sprichwort: Zwischen einer Heiligen und einem Heiligen bedarf es einer Mauer, war wohl auch nicht bekannt.

Da frage ich mich, ob nicht eher das Menschenbild und Geschlechterrollenverständnis die Interpretation der Bibel beeinflusst, oder ob es umgekehrt ist.

Aber noch eine Frage zum Opus Dei, gibt es eine der Auxiliarnumerarierin vergleichbare Funktion für Männer? Etwa zölibatär lebende Hausmeister?
ziraki hat folgendes geschrieben:
Es steht gar nicht dort, dass Maria es als einzige bemerkt hat, dass der Wein ausgeht, vielleicht wurde sie ja darauf aufmerksam gemacht.

Das wäre zwar grundsätzlich denkbar - ist aufgrund der vorherrschenden Liebe zum Detail des Apostels und Evangelisten Johannes in den Schilderungen zwischenmenschlicher Interaktion und Kommunikation aber eher unwahrscheinlich. So etwas Wesentliches hätte er nicht unter den Tisch fallen lassen.

Zitat:
Die hauswirtschaftliche Arbeit, die Diener füllen die Krüge und der Speisemeister kostet, wurde wohl auch von Männern ausgeführt.

Sicher sogar - das war schwere körperliche Arbeit. Es gab sechs jeweils hundert Liter fassende Krüge (vgl. Joh 2,6). Diese mussten mit Hilfe von Holzkübeln oder anderen Transportgefäßen in vielen Arbeitsgängen mühsam und unter Zeitdruck mit Brunnenwasser gefüllt werden.

Zitat:

Aber noch eine Frage zum Opus Dei, gibt es eine der Auxiliarnumerarierin vergleichbare Funktion für Männer? Etwa zölibatär lebende Hausmeister?
 

Eine Berufung zum Opus Dei ist, so wie jede Berufung in der Kirche, eine den ganzen Menschen umfassende Wirklichkeit und nicht bloß die Übernahme einer äußerlichen Funktion. Eine der Auxiliarnumerarierin entsprechende Berufung gibt es für Männer im Opus Dei nicht.
"Hausmeister" und vergleichbares männliches Personal kann es dennoch in den Zentren und den von Opus Dei Mitgliedern getragenen korporativen Werken und deren Nahefeld geben. Es gibt neben Mitgliedern auch sog. "Mitarbeiter" des Opus Dei. Das sind Frauen und Männer, auch nichtkatholische Christen und Angehörige anderer Religionen, die ohne eine Berufung zum Opus Dei erhalten zu haben, das Werk mit ihrem persönlichen Einsatz unterstützen. Das geht auf vielfältige Weise. Eine angestellte Tätigkeit im Umfeld des Werkes führt auch oft dazu, dass Frauen und Männer zum Mitarbeiter des Werkes ernannt werden wollen.

http://opusdei.at/de-at/article/mitarbeiter/
Hat das Buch jemand gelesen?

http://www.amazon.de/Hinter-Schwell.....armen-Tapia/dp/3545210693
Andrea Feehery arbeitet im Shelbourne Conference Center (USA).Sie erzählt in diesem Video über ihre Berufung als Auxiliarnumerarierin des Opus Dei und über die Reaktionen ihrer Freunde und Familienangehörigen.

http://opusdei.at/de-at/video/video-andrea-feehery/
Oskari kam über Google ins Opus Dei

Ein junger Finne begann sich im Jahre 2001 für den christlichen Glauben zu interessieren. Heute ist Oskari Numerarier des Opus Dei. In einem Fernsehinterview erklärt er seinen Weg und sein jetziges Leben in apostolischer Ehelosigkeit.

http://opusdei.at/de-at/search/?query=Oskari