Wissenschaft, Religion, Unfehlbarkeit


gg, es bleibt dabei, es ist die Frage, wie Diebstahl definiert wird. Und das ist zwar für die meisten Fälle unumstritten, für einige Grenzfälle (kleine soziologische Gruppen) eben nicht. Vor allen Dingen dann nicht, wenn die bekannte Handlung zwar eigentlich der Diebstahlsorm entspricht, aber weder ein Verweis noch eine Strafe nac h sich zieht.

Sie kann also zwar zu einem hohen %Satz eindeutig beantwortet werden aber eben nicht zu 100%.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
es ist die Frage, wie Diebstahl definiert wird.

So wie es geschrieben habe.

Du begehst den logischen Fehler die konkrete sozial-normative Bewertung des Gewahrsamsbruches, die Teil dieser Definition ist, und die tatsächlich zeit- und kulturvariabel ist, mit der Definition an sich gleichzusetzen. Es geht im Endeffekt um die Frage, ob es eine Gesellschaft oder soziologische Einheit geben kann, die einen sozialwidrigen Gewahrsamsbruch an Gegenständen überhaupt nicht kennt.

Aber gut - keine Antwort ist manchmal auch eine.

Aber immerhin können wir festhalten, dass du quasi zu 99,9% davon ausgehst, dass das Verbot des Diebstahls moralisch zeitlos ist, ich zu 100% - weit liegen wir also nicht auseinander.
"An Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit" ist in den meisten Rechtsordnungen der absoluten Sicherheit (deren Erreichbarkeit ein philosophisches Problem ist) an Beweiskraft gleichgestellt. Also sind wir uns unter diesem Aspekt eigentlich einig. Einige unabänderliche Konstanten der Moral dürfte es also sehr wohl geben. Ich glaube wir können unser gemeinsames Endergebnis zum zeitlosen Verbot des Diebstahls auch analog auf das Verbot der Lüge, des Ehebruches, des Mordes sowie auf das Gebot der Ehrung der Eltern anwenden.
ja, bei Diebstahl wird es eine Definition geben, die sich kaum noch verändern wird. Kleinere Gemeinschaften können allerdings den Eigentumsbegriff ganz anders auslegen (Gemeinschaftseigentum usw).

Eine solch starre Definition allerdings auf die Lüge, den Ehebruch dem Mord, oder die Ehrung der Eltern halte ich für total verfehlt, da hier schon die Definitionen in den verschiedenen Zeiten und Kulturen unterschiedlich waren.
Grob gesagt, wir unterscheiden heute schon zwischen Lüge und Notlüge (und, was die kath. Kirche bis zur Vollendung beherrscht, die Wahrheit verschweigen), was als Ehebruch definiert wird, ist eine Angelegenheit der Sexualpartner und was die Ehrung der Eltern betrifft, gehört das überhaupt nicht in diesen Bereich. Schon mal was davon gelesen, daß es in einigen Wanderstämmen es üblich war, Alte, Kranke und Schwache ihrem Schicksal zu überlassen, weil sonst der ganze Stamm die Strapazen nicht überlebt hätte?

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Eine solch starre Definition allerdings auf die Lüge, den Ehebruch dem Mord, oder die Ehrung der Eltern halte ich für total verfehlt, da hier schon die Definitionen in den verschiedenen Zeiten und Kulturen unterschiedlich waren.

Auch hier wird der Grundsatz gelten, dass wohl keine soziologische Konstellation denkbar ist, die hinsichtlich der aufgezählten Eingriffe in Rechtsgüter (Leib und Leben, eheliche Treue, Wahrhaftigkeit der Rede, Ehrerbietung gegenüber den Eltern) gar keine moralischen Normierungen trifft. Oder anders gesagt: Es wird auf diesen Gebieten menschlichen Miteinanders immer grundlegende Regelungen brauchen, um ein Gemeinwesen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Die Religion hat einen entscheidenden Beitrag dazu zu leisten, dass diese soziologisch variierenden, aber im Kern beständigen, sittlichen Normierungen auch tief verwurzelt sind und nicht beim ersten Gegenwind umknicken. Die letzte, eigentliche und als einzige wirklich tragfähige Begründung für die Sittlichkeit ist nicht die Sittlichkeit selbst, auch nicht irgendein Pragmatismus, sondern die Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit, die einen Namen hat und ansprechbar ist.

"Verliere die Scheu, den Herrn bei seinem Namen - Jesus - zu rufen und Ihm zu sagen, dass du Ihn liebst."

Hl. Josémaria Escrivá, Der Weg, Nr. 303
Moralische Normierungen haben nur in wenigen Bereichen (zB Goldene Regeln) einen längerfristigen fast unveränderten Wert.

Daher ist der Anspruch, religiöse Werte auf alles und für alle und das für alle Zeiten festzuschreiben, ein absurder Vorgang.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Ich sehe das so, dass wahre religiöse Werte immer auf die Wertschätzung Gottes und/oder des/der Nächsten gerichtet sein sollen, damit sie als allgemein gültig durchgehen.