Wissenschaft, Religion, Unfehlbarkeit


gg, vielleicht sollte man tatsächlich etwas genauer lesen!

Der Satz wurde von mir berichtigt. Hier noch mal der berichtigte Satz:
"Ein Diebstahl wäre nur dann weniger wahrscheinlich, wenn wenn es zu einer gleichmäßigen und gerechten Verteilung aller Güter dieses Universums käme".

Nur wenn jedes Gut zu jeder Zeit jedem zur Verfügung stehen würde, wäre ein Diebstahl überflüssig.
Ja, auch das Rechtssystem kennt einige Regeln, die wahrscheinlich nur selten geändert werden müssen.
Allerdings gab es wohl einige kleinere Volksstämme, bei denen es so gut wie kein privates Eigentum gab. Für eine globalisierte Gemeinschaft halte ich das für undenkbar.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
@Pjotr Kala

Gab oder gibt es also deiner Meinung nach irgendwann und irgendwo eine denkbare wie immer geartete soziale Konstellation (im Kleinen oder im Großen) oder kann es sie zukünftig geben, in welcher Diebstahl als moralische Grundregel legitim wäre?

P.S.: Das ist eine sog. Entscheidungsfrage - sie kann eindeutig mit ja oder nein beantwortet werden.
gg, falsch!
Es ist zunächst einmal die Frage, wie man Diebstahl definiert.
Nach der üblichen heutigen Definition war ein Diebstahl in kleineren Volksstämmen, die kein Eigentum kannten, unmöglich.
Allerdings ist dies nicht auf unsere heutige Zivilisation übertragbar und wird wahrscheinlich auch für zukünftige Generationen keine Option sein.

Die Frage kann also nicht mit ja oder nein beantwortet werden.

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Es ist zunächst einmal die Frage, wie man Diebstahl definiert

Ganz breiter Konsens in der Rechtswissenschaft:
Die heimliche Wegnahme einer Sache, die sich in jemandes Verfügungsgewalt befindet und zu welcher der Inhaber selbst weder gewaltsam, noch heimlich noch unredlich (z.B. durch Täuschung) gelangt ist.
Zitat:

Nach der üblichen heutigen Definition war ein Diebstahl in kleineren Volksstämmen, die kein Eigentum kannten, unmöglich.

Warum? Ich nehme mir deine Essensportion während du kurz wegschaust geht wohl bis in die tiefste Steinzeit als Diebstahl durch. Ich wäre gespannt zu sehen, wie damals reagiert wurde. Aber ich kann es mir ca. vorstellen - Stachelkeulen und so...
Auch dieser Konsens ist zeitgebunden und wird nicht in alle Ewigkeit gelten.
Und diese Formulierung hat sich erst langsam in der sozialen Evolution des Menschen herausgebildet und die Übergänge sind fließend.
ZB eine Mutter akzeptiert stillschweigend, daß ihre Tochter ihr die beste Erdbeere vom Teller nimmt, der Bruder aber beschwert sich sofort bei der Mutter, wenn die Tochter das bei ihm macht.
Es sind viele Faktoren, die man bei der Definition von Diebstahl oder geduldete Wegnahme beachten muß und die sind immer zeit- und kulturabhängig.

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Es sind viele Faktoren, die man bei der Definition von Diebstahl oder geduldete Wegnahme beachten muß und die sind immer zeit- und kulturabhängig.

Wenn für den Entwender die ausdrückliche oder schlüssige Zustimmung des Besitzers zur Wegnahme der Sache vorliegt, dann ist es kein Diebstahl. Das ist ein Ausschlusskriterium für das Vorliegen eines Diebstahls ist nicht zeit- und kulturabhängig.
gg, bei meinem Beispiel liegt in einem Fall eine Duldung aber nicht unbedingt eine Zustimmung vor, im anderen Fall ist es ein Diebstahl. Die Handlung ist die gleiche. Ich bleibe dabei, es gibt Übergänge, die je nach Zeit und Kultur beurteilt werden müssen.

Pjotr Kala
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Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
bei meinem Beispiel liegt in einem Fall eine Duldung aber nicht unbedingt eine Zustimmung vor, im anderen Fall ist es ein Diebstahl. Die Handlung ist die gleiche. Ich bleibe dabei, es gibt Übergänge, die je nach Zeit und Kultur beurteilt werden müssen.

Pjotr Kala

Was je nach Zeit und Kultur beurteilt werden muss ist die Äußerlichkeit. Nehmen wir das Beispiel mit der Zustimmung der Mutter zur Wegnahme eines Nahrungsmittels. Einmal nicht sie mit dem Kopf, beim zweiten Mal macht sie eine bestimmte Handbewegung, beim dritten Mal ist aufgrund des sozialen Reglements klar, dass das der dreijährigen Tochter grundsätzlich erlaubt ist. All diesen denkbaren soziologischen und Konstellationen ist aber gemein, dass für eine Sachwegnahme soziologisch betrachtet eine anzunehmende Einwilligung vorliegen muss, damit es kein Diebstahl ist. Dieser Faktor ist unabänderlich. Und damit auch die Definition des Diebstahls als soziologisch nicht geduldeter Gewahsrsamsbruch an einer Sache.
Zitat:
All diesen denkbaren soziologischen und Konstellationen ist aber gemein, dass für eine Sachwegnahme soziologisch betrachtet eine anzunehmende Einwilligung vorliegen muss, damit es kein Diebstahl ist


Wer stellt fest, daß eine Einwilligung anzunehmen ist? Gerade diese Regelungen sind zeit- und kulturbedingt. Daß für den größten Teil von "Wegnahmen" die Definition gültig ist und auch war, ist unbestritten. Aber es gibt eben auch Ausnahmen. Hier gilt der Satz: "Der Buchstabe des Gesetzes (oder einer Definition) tötet.
Besonders gut ist es an einem anderen Beispiel zu sehen. Weil die Mehrzahl der Menschen heterosexuell veranlagt ist, werden deren Verhaltensweisen als Norm gesetzt und abweichende Verhaltensweisen diffamiert oder sogar verfolgt und bestraft.

Pjotr Kala
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@Pjotr Kala

Zurück zur Ausgangsfrage:

Ist die moralische Verwerflichkeit des Diebstahls, definiert als sozial-normativ nicht geduldeter Gewahrsamsbruch an einer Sache, ein zeitgebundenes Phänomen?
Oder anders formuliert: Kann es denkbarerweise eine soziologische Konstellation geben, die Diebstahl in keiner Art und Weise kennt und inkriminiert?

P.S.: Das ist eine sog. Entscheidungsgfrage, die eindeutig mit ja oder nein beantwortet werden kann.