Sexuelle Enthaltsamkeit


Ist sexuelle Enthaltsamkeit für den geistigen Aufstieg förderlich?


Wie ist der Standpunkt der verschiedenen Religionen/Konfessionen/Sekten ?
Ich glaube, wenn die innere Bereitschaft dafür da ist,
so dass die Liebe zum Göttlichen so stark ist,
dass körperliche Dinge keinen Reiz mehr haben,
dann ergibt sich das von selbst.

Man denke an das Buch: "Devine Romance" von Yogananda.

Wenn diese innere Bereitschaft jedoch noch nicht da ist,
und die Enthaltsamkeit folglich eine Unterdrückung der eigenen Natur ist,
dann ist die Enthaltsamkeit mehr hinderlich als förderlich.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Zitat:
...so dass die Liebe zum Göttlichen so stark ist,
dass körperliche Dinge keinen Reiz mehr haben,...


PapaLoooo, heißt das, das wenn die Liebe zum Göttlichen grösser wird, dann wird der körperliche Reiz kleiner?


Verstehe ich nicht

Woher stammt diese Erkenntnis?
Nein, so glaube ich das nicht.
Der Reiz wird nicht kleiner,
aber die Erfahrung der Transzendenz ist einfach viel berauschender.

(Eigene Erfahrung).
Aber: es ist nicht leicht, in diesem Zustand zu verweilen!
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Rowanny hat folgendes geschrieben:
Ist sexuelle Enthaltsamkeit für den geistigen Aufstieg förderlich?


Wie ist der Standpunkt der verschiedenen Religionen/Konfessionen/Sekten ?


Es ist die Frage, was du unter "sexueller Enthaltsamkeit" verstehst. Wenn du damit ein freiwillig gewähltes lebenslanges Zölibat meinst, kann das aus Bahá'í-Sicht nur in besonderen Ausnahmefällen gutgeheißen werden (zum Beispiel wenn jemand sich bewusst dafür entscheidet, nicht zu heiraten). Generell ist das Zölibat aber für die Bahá'í keine erstrebenswerte Lebensform und auch berufsmäßige Enthaltsamkeit (Priestertum) gibt es nicht.

Auf der anderen Seite ist das Stichwort für Liebespaare aber nicht Enthaltsamkeit, denn es geht nicht darum, sich etwas zu verwehren, sondern es in die richtigen Bahnen zu lenken. Sex ist eine wundervolle Sache, deren Wert weit über die bloße Zeugung hinaus auch von den Bahá'í-Institutionen anerkannt wird, aber gerade weil Sex in die intimsten Lebensgrundlagen eingreift, sollte sie nicht leichtfertig verschleudert werden. Inzwischen gibt es viele Studien, die belegen, dass sexueller Kontakt in gewisser weise einen Abdruck auf der Seele hinterlässt und einen Menschen lebenslang begleitet und prägt. Ich kann das - leider - aus eigener Erfahrung belegen.

Deshalb ist es notwendig, sich sehr genau zu überlegen, wen man in diesen intimsten Teil seines Lebens hineinlässt, auch und vor allem, um Verletzungen vorzubeugen. Die Wertschätzung für das Besondere der Sexualität geht wie bei allen anderen Dingen mit dem Überfluss verloren. Es wird gewöhnlich - und das ist seiner Bedeutung nicht angemessen. Deshalb schreiben die Bahá'í-Schriften vor, dass der sexuelle Kontakt auf den eigenen Ehepartner beschränkt werden sollte, wodurch man (hoffentlich) auch deutlich mehr Zeit dafür aufwendet, sich den oder die Richtige auszusuchen.

Natürlich gibt es auch die Bewegung, möglichst schnell zu heiraten, um möglichst schnell Sex haben zu können (was ja ein allgemeines gesellschaftliches Problem ist und nicht auf die Bahá'í beschränkt), aber das ist nicht der Sinn der Sache. Diese Regelung soll im Gegenteil sicherstellen, dass die Ehe kein Schnellschuss wird oder die Sexualität zu Beginn der Beziehung schon wesentliche Unterschiede in den jeweiligen Wertvorstellungen überdeckt, die aber wesentlich sind, wenn man eine Familie gründen und Kinder erziehen will. Das ist auch ein wesentlicher Punkt, dass Beziehung und Sex kein Selbstzweck sind, der nur der gegenseitigen persönlichen Befriedigung der Partner dient, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Funktion erfüllen.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Also ich denke, dass eine sexuelle Enthaltsamkeit eventuell im Einzelfall zum Beispiel auf zeitlich begrenzte Sicht hin Sinn machen kann, aber mit Maß und Ziel und nicht aus Zwang.
Zitat:
Natürlich gibt es auch die Bewegung, möglichst schnell zu heiraten, um möglichst schnell Sex haben zu können



Ist Heiraten in der heutigen Zeit noch eine Notwendigkeit um Sex zu haben?

Ich glaube die Menschen die diesen (begrüßenswerten) Weg gehen, sind die Exoten.

Sören, ansonsten sehe ich es so wie Du.


PS: Den Zwangszölibat sehe ich allerdings als eine Anordnung und Auflehnung gegen Gottes wundervolle, vollkommene Schöpfung.
Rowanny hat folgendes geschrieben:
Ist Heiraten in der heutigen Zeit noch eine Notwendigkeit um Sex zu haben?


Die Ehe soll aus Bahá'í-Sicht in erster Linie eine gesellschaftliche Funktion erfüllen, nämlich auf der einen Seite einen geschützten Rahmen für das gemeinsame gemeinschaftsdienliche Handeln zu schaffen, zum anderen aber auch, Kindern einen geschützten und eindeutig definierten und anerkannten Rechtsrahmen zu gewähren, in dem sie aufwachsen können. Da geht es dann weniger um den Sex, sondern um dessen biologische Konsequenz, das Kinderkriegen, was sich auch mit den besten Verhütungsmitteln nie ganz ausschließen lässt. Es soll verhindern, dass Kinder in instabilen Verhältnissen aufwachsen. Klar gibt es Alleinerziehende oder Patchworkfamilien, wo das alles kein Problem ist, aber es sollte nicht der Regelfall werden, dass Frau die Kinder alleine erzieht und Mann sich geschickt aus der Affäre zieht, weil alles ja ganz unverbindlich war. Davon abgesehen macht das auch die Frage einfacher, ob Papa mein richtiger Papa ist...
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Guten Tag,

es gibt nicht die Form der Sexualität, die für jeden gültig ist.
Das ist ein Kardinalsfehler vieler Religionen, daß sie meinen, sie hätten die
"Weltformel für das Umgehen mit der Sexualität" gefunden.

Ich bin zwar auch der Meinung, daß die Ehe für die meisten Menschen wahrscheinlich die zur Zeit beste Lösung für die Sexualität und die Erziehung von Kindern ist.

Das bedeutet aber nicht, daß es nicht andere Formen gibt, die genau die gleichen Ergebnisse vorweisen, die aber rechtlich immer noch nicht ganz gleichgestellt sind.

Hier ist noch etliches an Aufklärung zu leisten.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Die wertvollen Antworten gingen an die Frage vorbei, denn die Frage lautet:

Ist sexuelle Enthaltsamkeit für den geistigen Aufstieg förderlich?

Folgenden Vortrag fand ich von Abd Ru Shin:

IST GESCHLECHTLICHE ENTHALTSAMKEIT GEISTIG FÖRDERND?

Wenn sich die Menschen erst von dem Irrtume geschlechtlicher Enthaltsamkeit werden losgerungen haben, wird auch viel Unglück weniger sein. Erzwungene Enthaltsamkeit ist ein Übergriff, der sich bitter rächen kann.

Die Gesetze in der ganzen Schöpfung zeigen doch deutlich genug den Weg, wohin man auch blickt. Unterdrückung ist widernatürlich. Alles widernatürliche aber ist ein Aufbäumen gegen die natürlichen, also die göttlichen Gesetze, das wie in allen Dingen auch hierin keine guten Folgen bringen kann.

Es wird nicht gerade in diesem einen Punkte eine Ausnahme gemacht. Nur darf sich der Mensch nicht von der geschlechtlichen Regung beherrschen lassen, darf sich nicht zum Sklaven seiner Triebe machen, sonst zieht er diese zur Leidenschaft groß, wodurch das Natürliche, Gesunde zum krankhaften Laster wird.

Der Mensch soll darüber stehen, das heißt, nicht etwa Enthaltsamkeit erzwingen, sondern mit inneren, reinen Moral eine Kontrolle ausüben, damit ihm und anderen dadurch nicht Übel widerfahre.

Wenn mancher Mensch wähnt, durch Enthaltsamkeit geistig höher zu kommen, so kann es ihm leicht geschehen, dass er damit gerade das Gegenteil erreicht. Je nach seiner Veranlagung wird er mehr oder weniger dauernd im Kampf mit den natürlichen Trieben stehen. Dieser Kampf nimmt einen großen Teil seiner geistigen Kräfte in Anspruch, hält sie im Bann, so dass sie anderweitig sich nicht betätigen können. Somit ist eine freie Entfaltung der geistigen Kräfte verhindert. Ein solcher Mensch leidet zu Zeiten an einer drückenden Gemütsschwere, die ihn an einem inneren, frohen Aufschwunge hindert.

Der Körper ist ein vom Schöpfer anvertrautes Gut, das der Mensch zu pflegen verpflichtet ist. Ebenso wie er sich dem Verlangen des Körpers nach Essen, Trinken, Ruhe, Blasen und Darmentleerung nicht ungestraft enthalten kann, wie Mangel an frischer Luft und zu geringer Bewegung sich bald unangenehm fühlbar machen, so wird er auch nicht an dem gesunden Verlangen eines reifen Körpers zu geschlechtlicher Betätigung herumkünsteln können, ohne sich irgendeinen Schaden damit zuzufügen.

Erfüllung des natürlichen Verlangens des Körpers kann das Innere des Menschen, also die geistige Entwicklung, des Geistigen, nur fördern, niemals hemmen, sonst würde es der Schöpfer nicht hinein gelegt haben.

Aber wie überall, so schadet auch hierin jede Übertreibung. Es muss scharf darauf geachtet werden, dass das Verlangen nicht etwa nur die Folge einer durch Lesen oder anderer Ursache künstlich angelegter Phantasie, eines geschwächten Körpers oder überreizter Nerven ist. Es muss sich wirklich nur um die Forderung eines gesunden Körpers handeln, die durchaus nicht sehr oft an den Menschen herantritt.

Das wird nur geschehen, wenn vorher zwischen beiden Geschlechtern bereits eine vollkommene Harmonie eingesetzt hat, die zum Schluss manchmal auch einer körperlichen Vereinigung zustrebt.

Alle anderen Ursachen sind für beide Seiten entehrend, unrein, unsittlich, auch in der Ehe.

Dort, wo geistige Harmonie nicht vorhanden ist, wird die Fortsetzung eine Ehe zur unbedingten Unsittlichkeit.

Wenn die gesellschaftliche Ordnung hierin noch keinen rechten Weg fand, so vermag dieser Mangel nichts an den Naturgesetzen zu ändern, die sich nach menschlichen Anordnungen und falsch erzogenen Begriffen niemals richten werden.
Den Menschen dagegen wird nichts weiter übrig bleiben, als ihre staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen zuletzt den Naturgesetzen, also den göttlichen Gesetzen, anzupassen, wenn sie wirklich inneren Frieden haben und gesunden wollen.

Die geschlechtliche Enthaltsamkeit, hat auch mit Keuschheit nichts zu tun.
Enthaltsamkeit könnte höchstens in den Begriff „Züchtigkeit“ mit eingereiht werden, von Zucht, Erziehung oder Selbstzucht abgeleitet.

Unter wahrer Keuschheit ist die Reinheit der Gedanken zu verstehen, aber in allen Dingen, bis hinab zu den beruflichen Gedanken. Keuschheit ist eine rein geistige Eigenschaft, keine körperliche. Auch in der Erfüllung des Geschlechtstriebes, kann die Keuschheit voll gewahrt werden durch gegenseitige Reinheit der Gedanken.

Außerdem hat die körperliche Vereinigung nicht nur den Zeugungszweck, sondern es soll dabei der nicht minder wertvolle und notwendige Vorgang einer innigen Verschmelzung und eines Austausches gegenseitiger Fluide zu höherer Kraftentfaltung erfolgen. Vortrag Ende