Betteln statt beten!


Immer wieder lese und höre ich in "frommen" Kreisen:

"Herr gib..."; Herr tue..."; "Herr mache..." und sehr oft ist dabei auch der "frömmelnde" Augenaufschlag vorhanden und sie dünken sich dabei besonders demutsvoll.

Aber sind sie das wirklich? Warum soll der Herr mir meine Verantwortung abnehmen? Warum gab der Schöpfer uns nicht nur den freien Willen und damit Eigenverantwortung? Warum soll der Herr meine Trägheit unterstützen?"

"Suchet so werdet ihr finden", lesen wir in der Bibel. Aber suchen hat etwas mit Bewegung zu tun, oder?

Z.B. "Herr schenke mir einen festen Glauben", heißt in Wahrheit: "Ich bin zu träge ihn mir zu besorgen, mich selbst darum zu kümmern wie Deine wunderbare Schöpfung funktioniert"

Hat der vollkommene Schöpfer nicht schon für alles gesorgt?
"Bete als hinge alles von dir ab, handle, als hinge alles von Gott ab."

Dieser Satz des hl. Ignatius wird oft falsch wiedergegeben und lautet dann: Bete, als hinge alles von Gott ab, handle, als hinge alles von dir ab. Das heißt dann soviel wie: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Eine solche Formel ist zwar leicht verständlich, im Grunde aber unchristlich. Auch die hl. Theresia vom Kinde Jesu sagte es ähnlich wie der hl. Ignatius:
Bete, als hinge alles von dir ab - doch vergiss beim Gebet nie, dass du das Deine tun musst -, und handle, als hinge alles von Gott ab, doch vergiss nie bei deinen Taten, dich der Gnade zu vergewissern.
Es bleibt uns letztlich unbegreiflich, wie das Handeln des Menschen und der Beistand Gottes zusammenwirken. Wir dürfen getrost alles in Gottes Hände legen und ihm alles überlassen. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir dazu berufen sind, im Gebet Gottes Willen zu suchen und danach zu leben, denn wir sind Mitarbeiter an Gottes Werk auf Erden.

http://www.praedica.de/Heilige-Feste/0731_Ignatius_Loyola.htm
Rowanny hat folgendes geschrieben:
[...]

Z.B. "Herr schenke mir einen festen Glauben", heißt in Wahrheit: "Ich bin zu träge ihn mir zu besorgen, mich selbst darum zu kümmern wie Deine wunderbare Schöpfung funktioniert"

[...]


„Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ - Jesus Christus (Joh. XV, 5)

Ohne Gott können wir nichts Gutes vollbringen, nicht einmal glauben. Wir bekennen vor Gott unsere Nichtigkeit und das ist mit der Demut verbunden.

Was sagte der gerechte Abraham von sich selbst, der die Würde erlangte mit Gott zu reden?: „Ich bin Staub und Asche“ (I. Mos. XVIII, 27)

Was sagte der König David?: „Ich bin ein Wurm und kein Mensch“ (Ps. XXII, 7)

Sie bekannten ihre Nichtigkeit vor Gott in Demut.
Rowanny hat folgendes geschrieben:
[...]

Z.B. "Herr schenke mir einen festen Glauben" [...]


„Und die Apostel sprachen zum Herrn [Jesus]: Mehre uns den Glauben!“ (Luk. XVII, 5)
Danke für Eure Beiträge, leider gehen sie am Thema vorbei.
Danke für Eure Beiträge, leider gehen sie am Thema vorbei.
Rowanny hat folgendes geschrieben:
Danke für Eure Beiträge, leider gehen sie am Thema vorbei.


Ich denke nicht.

Vielleicht hilft dir der heilige Kirchenvater Johannes Chrysostomus (+ 407):

Zitat:
Hieraus lernen wir die große Glaubenswahrheit kennen, dass die Bereitwilligkeit des Menschen nicht hinreicht, wenn ihm nicht auch der übernatürliche Beistand zuteil wird, und dass anderseits auch die übernatürliche Hilfe nichts frommt, wenn es am guten Willen fehlt...Beides muß zusammentreffen, wenn ein Tugendwerk zustandekommen soll. Daher bitte ich, lasset uns nicht schlafen und nicht alles Gott allein überlassen, noch auch Anstrengungen machen in der Meinung, wir können alles aus eigenen Kräften zuwegebringen. Gott will nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen, deshalb tut er nicht alles allein; er will aber auch nicht, dass wir eingebildet werden, deshalb hat er nicht alles uns anheimgestellt; er hat vielmehr in beiden Beziehungen das Nachteilige beseitigt, und uns nur das Nützliche übriggelassen.
Im Gebet kommt doch vor:
"Herr, Dein Wille geschehe"
Aber wenn er dann geschieht, dann kommt das Klagen.

Ich glaube, die eigentliche Hingabe an Gott ist nicht,
alles zu geben (was ich meine nachher),
als dies und das zu fordern.

Alles zu Geben bedeutet jetzt nicht,
ab morgen spärlich bekleidet auf der Straße zu wohnen.
Es bedeutet vielmehr, Gott das Vertrauen entgegenzubringen,
das was immer geschieht, letztlich dem eigenen höchsten Wohl dient.
Wenn es auch in dem Augenblick, in dem es geschieht,
nach allem anderen als danach ausschauen mag.

Hierzu wieder ein Auszug von einer von Meister Eckhardts Reden.



Wir lesen im heiligen Evangelium,
daß unser Herr in den Tempel ging
und hinauszuwerfen begann,
die da kauften und verkauften,
und zu den anderen sprach,
die da Tauben und dergleichen Dinge feilhielten,
»Tut dies fort, schafft dies hinweg!« (Joh 2, 16).

Warum begann Jesus hinauszuwerfen,
die da kauften und verkauften,
und hieß die wegräumen,
die da Tauben feilhielten?

Er meinte damit nichts anderes,
als daß er den Tempel ledig haben wollte,
recht, als ob er hätte sagen wollen:
Ich habe das Recht auf diesen Tempel
und will allein darin sein
und die Herrschaft darin haben.

Was will das besagen?

Dieser Tempel,
darin Gott mächtig herrschen will
nach seinem Willen,
das ist des Menschen Seele,
die er so recht als ihm selbst gleich
gebildet und geschaffen hat,
wie wir lesen, daß unser Herr sprach:
»Machen wir den Menschen
nach unserm Bilde und zu unserm Gleichnis!«
(Gen 1,26).

Und dies hat er auch getan.

So gleich ihm selber
hat er des Menschen Seele gemacht,
daß im Himmelreich noch auf Erden
unter allen herrlichen Kreaturen,
die Gott so wundervoll geschaffen hat,
keine ist, die ihm so gleicht,
wie einzig des Menschen Seele.

Hierum will Gott diesen Tempel ledig haben,
auf daß denn auch nichts weiter darin sei
als er allein.

Das ist deshalb so,
weil ihm dieser Tempel so wohl gefällt,
da er ihm so recht gleicht
und es ihm selber so wohl behagt in diesem Tempel,
wenn immer er allein darin ist.

Wohlan, nun gebt acht!
Wer waren die Leute, die da kauften und verkauften,
und wer sind sie noch?

Nun hört mir genau zu!
Ich will jetzt überhaupt nichts predigen
als nur von guten Leuten.

Dennoch will ich diesmal aufzeigen,
welches die Kaufleute waren und noch sind,
die so kauften und verkauften und es noch tun,
die unser Herr hinausschlug und hinaustrieb.

Und dies tut er immer noch allen denen,
die da kaufen und verkaufen in diesem Tempel;
von denen will er keinen einzigen darin lassen.

Seht, alle die sind Kaufleute,
die sich hüten vor groben Sünden
und wären gern gute Leute
und tun ihre guten Werke Gott zu Ehren,
wie Fasten, Wachen, Beten
und was es dergleichen gibt,
allerhand gute Werke,
und tun sie doch darum,
daß ihnen unser Herr etwas dafür gebe
oder daß ihnen Gott etwas dafür tue,
was ihnen lieb wäre:
dies sind alles Kaufleute.

Das ist im groben Sinn zu verstehen,
denn sie wollen das eine um das andere geben
und wollen auf solche Weise markten
mit unserm Herrn.

Bei solchem Handel sind sie betrogen.

Denn alles, was sie besitzen,
und alles, was sie zu wirken vermögen,
gäben sie das alles um Gottes willen hin,
was sie haben,
und wirkten sich um Gottes willen gänzlich aus,
so wäre ihnen Gott dafür ganz und gar nichts
zu geben oder zu tun schuldig,
es sei denn, daß er es freiwillig umsonst tun wolle.

Denn, was sie sind, das sind sie durch Gott,
und was sie haben, das haben sie von Gott
und nicht von sich selbst.

Darum ist ihnen Gott für ihre Werke
und für ihr Geben gar nichts schuldig,
es sei denn, er wolle es gerne tun aus seiner Gnade
und nicht für ihre Werke noch für ihre Gaben;
denn sie geben nicht von dem Ihren,
sie wirken auch nicht aus sich selbst,
wie Christus selbst sagt:
»Ohne mich könnt ihr nichts tun« (Joh. 15, 5).

Dies sind sehr törichte Leute,
die so markten wollen mit unserm Herrn;
sie erkennen von der Wahrheit wenig oder nichts.

Darum schlug sie unser Herr aus dem Tempel
und trieb sie hinaus.

Es kann nicht miteinander bestehen
das Licht und die Finsternis.

Gott ist die Wahrheit und ein Licht in sich selbst.

Wenn denn Gott in diesen Tempel kommt,
so vertreibt er daraus die Unwissenheit,
das ist die Finsternis,
und offenbart sich selbst mit Licht und mit Wahrheit.

Dann sind die Kaufleute fort,
wenn die Wahrheit erkannt wird,
und die Wahrheit begehrt nicht
nach irgendwelchem Kaufhandel.

Gott sucht das Seine nicht;
in allen seinen Werken ist er ledig und frei
und wirkt sie aus echter Liebe.

Ganz ebenso tut auch der Mensch,
der mit Gott vereint ist;
der steht auch ledig und frei in allen seinen Werken
und wirkt sie allein Gott zu Ehren
und sucht das Seine nicht,
und Gott wirkt es in ihm.

Ich sage noch weitergehend:
Solange der Mensch irgend etwas sucht
mit allen seinen Werken
von all dem,
was Gott zu geben vermag oder geben will,
so ist er diesen Kaufleuten gleich.

Willst du der Kaufmannschaft gänzlich ledig sein,
so daß dich Gott in diesem Tempel belasse,
so sollst du alles,
was du in allen deinen Werken vermagst,
rein nur Gott zum Lobe tun
und sollst davon so ungebunden bleiben,
wie das Nichts ungebunden ist,
das weder hier noch dort ist.

Du sollst gar nichts dafür begehren.

Wenn du so wirkst,
dann sind deine Werke geistig und göttlich,
und dann sind die Kaufleute
allzumal aus dem Tempel vertrieben,
und Gott ist allein darin;
denn dieser Mensch hat nur Gott im Sinn.

Seht, in solcher Weise ist dieser Tempel
ledig aller Kaufleute.

Seht, der Mensch, der weder sich im Sinn hat,
noch irgend etwas außer Gott allein und Gottes Ehre
der ist wahrhaft frei und ledig aller Kaufmannschaft
in allen seinen Werken
und sucht das Seine nicht,
so wie Gott ledig und frei ist in allen seinen Werken
und das Seine nicht sucht.


Ich habe weiterhin auch gesagt,
daß unser Herr zu den Leuten sprach,
die da Tauben feilhielten:
»Schafft dies hinweg, tut dies fort!«

Diese Leute trieb er nicht
noch auch schalt er sie sehr,
sondern er sprach gar gütlich: »Schafft dies hinweg!«,
als hätte er sagen wollen:
Dies ist nicht böse,
und doch bringt es Hindernis für die lautere Wahrheit.

Diese Leute, das sind alles gute Leute,
die ihre Werke rein um Gottes willen tun
und des Ihren nichts darin suchen
und tun sie doch mit Eigensinn,
mit Zeit und mit Zahl, mit Vor und mit Nach.

In diesen Werken sind sie gehindert
an der allerbesten Wahrheit:
daß sie nämlich sollten frei und ledig sein,
wie unser Herr Jesus Christus frei und ledig ist
und sich allzeit ohne Unterlaß und zeitlos
neu empfängt von seinem himmlischen Vater
und will sich im selben Nun
ohne Unterlaß vollkommen wieder eingebären
mit dankerfülltem Lobe in die väterliche Hoheit,
in gleicher Würde.

Ganz so sollte der Mensch dastehen,
der für die allerhöchste Wahrheit empfänglich werden
und darin leben möchte ohne Vor und ohne Nach
und ohne Behinderung durch alle Werke
und alle jene Bilder, deren er sich je bewußt wurde,
ledig und frei in diesem Nun
neu empfangend göttliche Gabe
und sie ungehindert wieder eingebärend
in diesem gleichen Lichte
mit dankerfülltem Lobe
in unserm Herrn Jesus Christus.

So wären die Tauben hinweg,
das heißt die Behinderung
und der Eigensinn all jener Werke,
die ansonsten gut sind,
in denen der Mensch das Seine nicht sucht.

Darum sprach unser Herr gar gütlich:
»Tut dies fort, schafft dies hinweg!«,
als hätte er sagen wollen:
Es ist zwar gut, doch bringt es Behinderung mit sich.

Wenn dieser Tempel
so frei wird von allen Hindernissen,
das heißt von Eigensinn und Unwissenheit,
so glänzt er so schön
und leuchtet so lauter und klar über alles hinaus,
das Gott geschaffen hat,
und durch alles hindurch, das Gott geschaffen hat,
daß niemand ihm Widerschein zu geben vermag
als einzig der ungeschaffene Gott.



* * *


Über dies hinaus möchte ich (gegen wahrscheinlichen nachfolgenden Protest)
zum Erkennen einer Allegorie einladen:

- Vater: das Verströmende
- Sohn (Jesus): das Empfangende (Manifestierende)
- Heiliger Geist: die göttliche Gabe

Und so werden dann engere religiöse Gebundenheiten erweitert,
und es entstehen neure Offenheiten.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Beten kommt von "bitten"...

Etymologisches Wörterbuch:

beten Vb. ‘sich in innerer Sammlung an Gott wenden, zu Gott sprechen’. Mit Einführung des Christentums wird für den bei den Germanen unbekannten Begriff des Betens ein von ahd. beta, asächs. beda, mnl. bede ‘Bitte’ (bes. ‘Bitte an Gott’), germ. *bedō abgeleitetes Verb ahd. betōn ‘beten’ (8. Jh.), mhd. beten, asächs. bedon, mnd. bēden, mnl. beden geschaffen, das im Unterschied zu den Formen von bitten (s. d.) den neuen religiösen Gehalt wiedergeben soll. Diese Erscheinung ist nur im Hd., Nd. (und Mnl.) zu beobachten; in anderen Sprachen schließen die entsprechenden Wörter für ‘bitten’ auch die Bedeutung ‘beten’ ein, vgl. schwed. bedja, engl. to pray, frz. prier, ital. pregare. – anbeten Vb. ‘eine Gottheit betend verehren’, ahd. anabetōn ‘durch Anrufen einer höheren Macht etw. auf einen anderen übertragen, anbeten’ (8./9. Jh.), mhd. anbeten, mnd. anbēden, mnl. aenbeden. Unter Einfluß von frz. adorer ‘anbeten, leidenschaftlich lieben, verehren’ wird im 17. Jh. das bis dahin allein im Religiösen beheimatete Wort auf die Verehrung der geliebten Person in der Liebesdichtung erweitert. Während Anbetung f., spätmhd. anebetunge, im kirchlichen Anwendungsbereich verbleibt, nimmt Anbeter m., ahd. anabetāri ‘Wahrsager, heidnischer Priester’ (8./9. Jh.), mhd. anbetære ‘Anbeter’, schon um 1700 die heute allein gültige Bedeutung ‘Verehrer’ an.
http://www.dwds.de/?qu=beten
Ich glaube, ob man bitten will, oder nicht, hängt mit dem eigenen Gottesbild zusammen. Ist mein Gott liebend und gebend? Verlangt Gott vor allem, dass ich mich niederwerfe? Was kann man von Gott verlangen?

Viel schlimmer, als das "faule" da sitzen und bitten, finde ich ja den "Tauschhandel" mit Gott...wenn ich mein Gebet brav mache, ist Gott mir wohlgesonnen. Im Islam ist es ja so, dass man das Pflichtgebet noch nicht mal wörtlich verstehen muss, Hauptsache man rezitiert auf Arabisch, dann bringt das Punkte bei Gott.

Im evangelischen Christentum ist bitten ziemlich ok...man kann alle Sorgen auf Gott werfen.
Es ist ein Misskonzept, dass man dabei passiv sein kann, wird aber auch nicht anders gelehrt. Wie ist das denn, wenn man von Gott was hilft?

Ich finde das Baha'i Konzept davon ganz gut: Wenn man sich in Bewegung setzt und was tut, kriegt man Hilfe von Gott.
Das wird im Christentum leider nicht so klar, obwohl das Gebet ja kaum anders funktionieren kann.