Alles erscheint mir surreal


Hallo,
ich bin noch nicht lange auf diesem Forum. Um genau zu sein hab ich es erst Gestern entdeckt. Aber ich habe das Gefühl ich bin hier richtig, um eine Antwort auf meine Frage zu finden.
Ich bin 15 Jahre alt und vielleicht steiger ich mich manchmal zu sehr in manche Gefühle, aber ich habe das Bedürfniss mal darüber zu reden.

Es geht um folgendes. Ich habe seit langem das Gefühl, alles was ich tue und was ich erlebe ist nicht real. Es kommt mir vor wie in einem Traum. Ich habe noch nicht viele Erfahrungen mit Tod oder Schmerz gesammelt. Liegt es vielleicht daran, dass ich erst solchen Schmerz spüren muss, damit mir alles etwas realer erscheint? Oder ist dieses Gefühl normal.
Ich würde gerne wissen ob das wieder weg geht oder ob das für immer bleibt. Wie schon gesagt mit 15 hab ich noch nicht viel erlebt, weshalb ich mir diese Frage nicht selber beantworten kann.
Es ist so als würde ich mein eigenes Leben durch eine Glasscheibe beobachten. Ich kann es schwer beschreiben aber vielleicht kennt der ein oder andere das ja auch.

Danke schonmal im Vorraus
LG Hannah
Liebe Hannah,

ich kann dieses Gefühl nachvollziehen. Ich glaube aber nicht, dass Schmerz und Leid notwendige Voraussetzungen sind, um sich lebendig zu fühlen.

Ich glaube viel eher, dass es etwas damit zu tun haben könnte, dass du unterbewusst spürst, dass dir irgendetwas fehlt und du nur so vor dich hinlebst, dass insofern du den Sinn deines Lebens noch nicht gefunden hast.

Ich würde dir raten, einfach mal mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und nach Dingen zu suchen, die dir Freude machen und die dich ausfüllen.

Natürlich sind das alles nur Spekulationen, aber vielleicht habe ich ja zumindest in Teilen deine Gefühle getroffen.

Liebe Grüße und Willkommen im Forum!
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Hannah Willkommen an Board

Es gibt wahrscheinlich viele Möglichkeiten dein Empfinden zu erklären, es könnte damit zusammenhängen dass du gerade dabei bist erwachsen zu werden und deinen Platz in dieser Welt suchst... da kommt es vor dass man meint ständig neben sich zu stehen.

Wenn du das was du empfindest als Leid wahrnimmst und das Gefühl hast dass das zu einem Problem wird, macht es Sinn mal deinem Hausarzt darüber zu berichten, sollte das aus irgendwelchen Gründen keine gute Idee sein, suche dir einen anderen Arzt der sich mit sowas auskennen könnte.
Ich könnte dir nun ein oder zwei medizinische Begriffe zuwerfen, halte es aber für sinnvoller das mit einem Arzt persönlich zu analysieren.
Es klingt nicht so als wäre dein Erleben eine schlimme Angelegenheit, wenn du möglichst früh mit jemandem darüber sprichst der sich damit auskennt, hast du gute Chancen dass es nicht irgendwann zu einem starken Problem wird.
Es macht Sinn ein medizinisches Problem herrauszufinden oder ausschliessen zu können, kann ja sein durchaus sein dass in der Hinsicht alles OK ist, das würde dich dann wohl beruhigen.

Hüte dich vor Onlinediagnosen, die sind schnell erstellt, können aber problematisch werden wenn sie nicht zutreffen und mit den falschen Ratschlägen einhergehen...

Ich möchte noch hinzufügen dass es Medikamente und gewisse Substanzen gibt die so ein Gefühl hervorrufen können, da schaust du am besten selbst ob es da etwas gibt was man nicht unbedingt rumerzählen möchte... ein Arzt unterliegt in dem Fall der Schweigepflicht.

LG
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Vielen Dank für eure schnellen Antworten. Ich werde mir das zu Herzen nehmen und mal drüber nachdenken. Es hat mir wirklich sehr geholfen.
Da
Hallo Hannah, vielleicht bist du mit den bisherigen Antworten schon zufrieden, aber ich möchte doch noch etwas hinzufügen.
Die Symptomatik, die du (nur unzureichend) beschreibst, findet sich bei Jugendlichen nicht selten, und tatsächlich verliert sich das von selbst nach kürzerer oder längerer Zeit. Bei manchen Jugendlichen liegt aber noch eine andere Problematik dahinter, die die beschriebenen Symptome hervorruft, ist die Problematik gelöst, verschwinden die Symptome. Das heißt, unter Umständen geht es nicht darum, die Symptome "wegzukriegen", sondern das eigentliche dahinterliegende Problem zu finden bzw. zu sehen und zu bearbeiten.
Es ist sicher nicht verkehrt, mit einem Arzt darüber zu sprechen, ob er aber letztlich die "richtige Adresse" ist, ist aus meiner Sicht nicht sicher. Trotzdem solltest du das tun, um mögliche körperliche Ursachen (z.B. Stichwort: Hormone) abzuklären.
Leider haben Ärzte heutzutage nicht viel Zeit und verschreiben leider schnell Medikamente, die zwar oft die Symptome beseitigen oder mildern, aber nicht wirklich an die Problematik herangehen.
Eine zweite Möglichkeit ist der Weg zu einer Beratungsstelle oder zu einem Pssychotherapeuten / einer Psychotherapeutin (möglicherweise GesprächstherapeutIn), die ja eben gerade keine Medikamente verschreibt und auch keine verschreiben kann. Hier kann eine Reihe von Gesprächen helfen, die Ursache(n) und Wege zur Bearbeitung zu finden.
Ich denke, dass dein Arzt bzw. Hausarzt dir eine Beratungsstelle und einen Psychotherapeuten bzw. eine Psychotherapeutin nennen kann. Es gibt TherapeutInnen, die sich besonders auf die Probleme von Jugendlichen spezialisiert haben, aber auch andere Therapeuten können in deinem Fall kompetent sein.
Ich will deine Schwierigkeiten nicht zu hoch spielen, womöglich hat sich das in kurzer Zeit von selbst erledigt. Beobachte deinen "Leidensdruck", also wie sehr du dich in deiner Lebendigkeit und Lebensfreude gehindert fühlst. Merkst du, dass dieser "Leidensdruck" steigt und sich verstärkt, dann spätestens ist es Zeit, zum Arzt, einer Beratungsstelle oder zu einem Therapeuten zu gehen.
Ich denke, es ist keine Krankheit, die das verursacht, sondern das hängt womöglich damit zusammen, dass Vieles auf der Welt im Umbruch ist. Ich bin jetzt bald 34 Jahre alt und erlebe gerade einen Umbruch in einigen grundlegenden Dingen. Als ich 15 Jahre alt war, gab es irgendwo bezüglich gewisser Sachen klarer definierte Richtlinien. Gewisse Dinge liefen irgendwo eher noch so ab, wie man es erwartete. Heute gibt es irgendwo eine Reihe an Gegebenheiten, die nicht mehr so klar einschätzbar sind. Zum Beispiel habe ich schon inzwischen erlebt, dass zunehmend sehr alte und zunehmend irgendwo gebrechlichere Menschen nicht mehr wie üblicherweise früher den Erwartungen gemäß bald das Zeitliche segnen, sondern dass sich altersbedingte Krankheiten mehr und mehr in die Länge ziehen. Das kann viele Jahre und sogar teils ungefähr ein Jahrzehnt zu erwarten sein. Diese Tendenz zum Beispiel wird allmählich zur Norm. Ein weiterer Aspekt ist das sogenannte "Adipositas-Paradoxon". Hier geht es darum, dass fettleibigere Menschen aus medizinischer Sicht gewisse Kreislauferkrankungen eher länger überleben als sportlichere oder schlanke Menschen, allerdings bleiben die dann länger krank und sterben trotzdem eher später als gesündere Menschen. Dann hat sich der durchschnittliche Körperbau der Menschen auch grundlegend geändert. Früher waren speziell Männer eher kleiner und deutlich stämmiger, schon von der Muskulatur her. Heute nimmt die Tendenz zu, dass vermehrt Männer im mittleren Lebensalter ihre fitteste Phase des Lebens haben, während die im jüngeren Alter teils deutlich molliger und weniger sportlich waren, wobei die jetzigen Männer mittleren Alters im Durchschnitt teils größer und doch eher viel schmäler sind meiner Meinung nach als dieselbe Altersgruppe vor 15-50 Jahren. Eine gewisse Schlaksigkeit oder Sportlichkeit mancher Männer tritt aber im Gegensatz zu früher oftmals nicht bereits in früher Jugend auf, sondern oft erst in der früheren Lebensmitte, da scheinbar der "Baby-Speck", der normalerweise bis zum 7. Lebensjahr dauerhaft verschwunden ist, dann oft in der weiteren Kindheit oder Jugend eventuell wieder angereichert wird und durch Disziplin vermehrt erst dann im frühen bis mittleren Erwachsenenalter oder im späteren Jugendalter nachträglich abgearbeitet wird. Dies mag allerdings auch die weiblichen Zeitgenossen betreffen. So sehen dann Männer und Frauen vermehrt über Jahrzehnte unverändert jung oder alt aus, da sich durch den tendentiellen aktuellen Lebensrhythmus die Hormone irgendwo anders auf den menschlichen Organismus auszuwirken scheinen, als es mit dem durchschnittlichen Lebenswandel früherer Zeiten vielleicht der Fall war. Es ist auch zu beobachten, dass vermehrt Menschen bereits in sehr jungen Jahren chronisch krank werden, während sich das über Jahrzehnte zieht. Es gibt generell scheinbar sehr wenige völlig gesunde und unversehrte Menschen wie vielleicht stark vermehrt in früheren Zeiten, als viel weniger Menschen als heute den Zahnarzt oder Augenarzt beispielweise schon in der Kindheit oder Jugend nötig hatten. Das sind nur einige Sachen, die mir auffallen. Ich denke mir, das hat mit der Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt zu tun, was seit den letzten Jahrzehnten zunehmend verändernd auf den menschlichen Organismus wirkt. Dazu mögen die Chromosomen kommen, die leider auch dadurch mitunter zumehmend kaputt gehen und die wir dann unseren Kindern weitergeben oder weitergegeben haben oder die wir bereits abbekommen haben. Dadurch mag Einiges schwieriger einschätzbar und weniger kontinuierlich und unberechenbarer ablaufen, sodass es jetzt bereits stark ersichtlich ist, dass sich das Leben mit seinen Bedingungen auf unserer Welt in den letzten Jahrzehnten sehr geändert hat.
Was soll denn jetzt dieser Vortrag? Ich sehe da keinen Zusammenhang mit der Fragestellung.
Ist doch egal. Ich finde das amüsant. Leute, die nämlich nicht mal Biologie studiert haben, treffen in Religionsforen immer die größenwahnsinnigsten Erklärungsmodelle für so gut wie jede Frage.
Und Leute, die wirklich Ahnung haben, nehmen sich eher zurück bzw. lassen sich in solchen Foren gar nicht blicken. Woran liegt das?
Vielen Dank auch für diese Antworten. Das alles hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Ich glaube ich werde mal eine Zeitlang abwarten und je nach dem wie es mir geht eine(n) Therapeut/in aufsuchen.
Liebe Grüße Hannah
Liebe Hannah!
Denk in ruhe darüber nach, aber lass dich nicht, auch von noch so gut gemeinten Ratschlägen,
davon abschrecken, dir helfen zu lassen.
Manchmal braucht man mehr Energie oder es ist der Leidensdruck größer, wenn man das Problem
vor sich hat, als die Bearbeitung selbst.
Liebe Grüße!
Monaliesa