Diskussion zu 'Ein Thema - Viele Religionen'


Burkl hat folgendes geschrieben:
SphinXx87 hat folgendes geschrieben:
Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.

Glaube nichts, weil alle es glauben.

Glaube nichts, weil es geschrieben steht.

Glaube nichts, weil es als heilig gilt.

Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.

Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast."

Buddha

Empfehlung 6 und 1 stehen zueinander in Widerspruch.

SphinXx87 hat folgendes geschrieben:
Ich verstehe nicht wie du da ein wiederspruch sehen kannst?
Die beiden haben miteinander fast nix zu tun ?
Sind zwei verschiedene dinge! ?

Das 6. kann ein Artikel sein, a katze oder ein bambusbaum..


Hallo und herzlich willkommen SphinXx87,

ich habe mal diesen Thread aufgemacht, um mich mit dir weiter auszutauschen.
Ich vermute das Zitat, das du dem Buddha zuschreibst, geht auf die Rede an die Kalamer zurück. Du kannst sie hier nachlesen:
http://www.buddha-heute.de/rubrik-01/kalama-sutta.htm
Deshalb sehe ich den Einwand von Burkl als nicht ganz unberechtigt, auch wenn ich bezweifle, dass er dabei an das gleiche denkt, wie ich.
In dieser sehr bekannten Rede schlägt der Buddha zur Überprüfung einer Glaubensüberzeugung immer wieder dieses Kriterium vor:
"Werden diese Dinge von Weisen gepriesen oder getadelt?"

Weshalb 6. auch eine Katze oder ein Bambusbaum sein könnte, verstehe ich nicht. Erkläre doch noch, was du meinst.

Liebe Grüße!
[quote="ziraki"]
Burkl hat folgendes geschrieben:
SphinXx87 hat folgendes geschrieben:


Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.

Glaube nichts, weil alle es glauben.

Glaube nichts, weil es geschrieben steht.

Glaube nichts, weil es als heilig gilt.

Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.

Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast."

Buddha

Empfehlung 6 und 1 stehen zueinander in Widerspruch.


Nein, nicht wirklich.

Siddhartha Gautama hat niemals behauptet, dass seine Worte irgendeiner Wahrheit entsprechen. Wer das glaubt, hat den Buddhismus nicht verstanden bzw. noch nicht realisiert, dass alles völlig beliebig und variabel und vorallem ENDLICH ist. Dem Samsara entzieht man sich nicht, indem man wohlgefeilte religiöse Aussagen trifft, die ein religiöses Potential tragen bzw. Gedankenketten oder Emotionen bei irgendwelchen Idi0ten auslösen.
Nirvana ist ja angeblich "unbedingt"... Aber ein Stein tut nichts.... Die beste Vorraussetzung zumindest erstmal aus dem Leiden durch Inkarnationen auszusteigen... Und malt man einem Stein Augen, Nase und Mund... sieht er aus wie?
Life hat folgendes geschrieben:
Nein, nicht wirklich.

Siddhartha Gautama hat niemals behauptet, dass seine Worte irgendeiner Wahrheit entsprechen. Wer das glaubt, hat den Buddhismus nicht verstanden bzw. noch nicht realisiert, dass alles völlig beliebig und variabel und vorallem ENDLICH ist. Dem Samsara entzieht man sich nicht, indem man wohlgefeilte religiöse Aussagen trifft, die ein religiöses Potential tragen bzw. Gedankenketten oder Emotionen bei irgendwelchen Idi0ten auslösen.
Nirvana ist ja angeblich "unbedingt"... Aber ein Stein tut nichts.... Die beste Vorraussetzung zumindest erstmal aus dem Leiden durch Inkarnationen auszusteigen....


Der Buddhismus lehrt völlig unzweideutig, dass die Lehre Buddhas die reine Wahrheit ist, nichts davon ist relativ und keine Erkenntnis ist auch nur halb so gut wie seine. Nur wer zu genau derselben Erleuchtung kommt wie Buddha und deren Konsequenzen zu 100% verinnerlicht, kann verlöschen.

Das bedeutet aber auch, dass man religiöse Gebote halten muss, die sich aus dieser Wahrheit ergeben. Insofern ist der Buddhismus in seiner Nicht-verwestlichten Form eine ebenso exklusivistische und legalistische Religion wie z.B. der Islam oder die Bahá'í-Religion auch.

Das, was im Westen heute vielfach unter Buddhismus verstanden wird, ist ein Kunstprodukt, geboren aus dem mystischen Touch, den alles Fernöstliche hat und dem Wunsch, eine tolerante Religion ohne Gott zu finden. Mit dem Buddhismus, wie er wirklich im Fernen Osten existiert, hat das aber nix zu tun. Dieser Buddhismus wurde im 19. Jahrhundert von der 'Urmutter der Esoterik' Helena Petrowna Blawatski erfunden.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Zitat:
Nur wer zu genau derselben Erleuchtung kommt wie Buddha und deren Konsequenzen zu 100% verinnerlicht, kann verlöschen.


"Verlöschen"... Finde ich fast so gut wie "Verwehen"...

Zitat:
Das, was im Westen heute vielfach unter Buddhismus verstanden wird, ist ein Kunstprodukt, geboren aus dem mystischen Touch, den alles Fernöstliche hat und dem Wunsch, eine tolerante Religion ohne Gott zu finden. Mit dem Buddhismus, wie er wirklich im Fernen Osten existiert, hat das aber nix zu tun. Dieser Buddhismus wurde im 19. Jahrhundert von der 'Urmutter der Esoterik' Helena Petrowna Blawatski erfunden.


Ja ich finde es auch schade. Viele Buddhisten beten sogar Buddhastaturen an... Das kann man in vielen Ländern beobachten. Auch wenn Buddha niemals angebetet werden wollte... im Gegenteil...
Und soweit ich das verstanden haben, "verschwindet" ja das Bewusstsein einen Individuums, wenn es in's Nirvana dringt... Oder sehe ich das falsch? Wie sollte jemand sonst aus dem Kreislauf vom Leid (Samsara) befreit werden?
Zitat:
Der Buddhismus lehrt völlig unzweideutig, dass die Lehre Buddhas die reine Wahrheit ist, nichts davon ist relativ und keine Erkenntnis ist auch nur halb so gut wie seine.


Unzweideutig ist klar. Aber "rein" und "gut" sind doch nur Worthülsen, deren Bedeutung sui generis sind.

Ich habe vor Jahren neben dem pali kanon mal das tibetanische Totenbuch gelesen. Mir ist es leider entfallen... Wie nennt man nochmal den Bewusstseinszustand, in dem man Halbgötter wahrnehmen kann?
Life hat folgendes geschrieben:
Unzweideutig ist klar. Aber "rein" und "gut" sind doch nur Worthülsen, deren Bedeutung sui generis sind.


Nichts, was eine Bedeutung "aus sich selbst heraus" hat, kann eine Worthülse sein. Tatsächlich waren sie aber in meinem Beitrag dazu gedacht, anzudeuten, welches Gewicht der ursprüngliche Buddhismus auf seinen exklusivistischen Wahrheitsanspruch legt.

Life hat folgendes geschrieben:
Ich habe vor Jahren neben dem pali kanon mal das tibetanische Totenbuch gelesen. Mir ist es leider entfallen... Wie nennt man nochmal den Bewusstseinszustand, in dem man Halbgötter wahrnehmen kann?


Das tibetische Totenbuch ist eine pagane Quelle, die in ihrer Grundform nix mit dem Buddhismus zu tun hat, sondern der ursprünglichen tibetischen Religion des Bön entstammt.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Life hat folgendes geschrieben:
Ja ich finde es auch schade. Viele Buddhisten beten sogar Buddhastaturen an... Das kann man in vielen Ländern beobachten. Auch wenn Buddha niemals angebetet werden wollte... im Gegenteil...
Und soweit ich das verstanden haben, "verschwindet" ja das Bewusstsein einen Individuums, wenn es in's Nirvana dringt... Oder sehe ich das falsch? Wie sollte jemand sonst aus dem Kreislauf vom Leid (Samsara) befreit werden?


Ich glaube, du hast mein Argument nicht wirklich verstanden. Gerade der atheistisch geprägte esoterisierte Buddhismus, den wir im Westen als solchen zu kennen glauben, hat nichts mit dem Buddhismus zu tun, wie er eigentlich angelegt war. Natürlich gehören auch Götterstatuen nicht dazu, aber eine Verehrung Buddhas selbst ist trotzdem Kernbestandteil der Lehre. Dass sich das schließlich in Statuen ausdrückte statt in Mantras, ist die Schuld der Griechen, die im 3. vorchristlichen Jahrhundert in Indien eingefallen sind und ihre Vorstellungen von religiöser Ästhetik mitbrachten.

Das Bewusstsein des Individuums verschwindet sowieso bei jeder Reinkarnation. Es ist keine klassische Wiedergeburt. Das, was weitergegeben wird, ist lediglich der Impuls, das gesammelte Karma. Daran erfreut sich oder leidet aber letzten Endes ein Anderer, denn du bist tot. Der Buddhismus kennt die Vorstellung einer individuellen Seele nicht -im Gegensatz zum tibetischen Bön und in der Folge auch dessen, was die Tibeter aus dem Buddhismus gemacht haben...
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,

was hat eine Bedeutung aus sich selbst heraus?
Maximal die Axiome in der Mathematik.
Alles Übrige ist hauptsächlich menschliche Interpretation und unterliegt damit der Veränderung.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

was hat eine Bedeutung aus sich selbst heraus?
Maximal die Axiome in der Mathematik.
Alles Übrige ist hauptsächlich menschliche Interpretation und unterliegt damit der Veränderung.

Pjotr Kala


Ich behaupte nicht, dass die genannten Begriffe eine bestimmte Bedeutung haben würden. Life meinte, sie hätten eine Bedeutung "sui generis", und wenn sie eine Bedeutung ganz eigener Art haben, ohne dafür auf Relationen angewiesen zu sein, haben sie diese Bedeutung aus sich selbst heraus. Das war nur der Versuch, sein Argument zu widerlegen, "rein" und "gut" in Bezug auf religiöse Wahrheit seien im buddhistischen Verständnis Worthülsen.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,

gut, dann stimmen wir ja grundsätzlich in dieser Frage überein.

Pjotr Kala
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