Was ist die Bibel?


Was ist die Bibel?
(Die Frage richtet sich nicht nur an Juden und Christen, sondern auch an Angehörige anderer Religionen und religionslose Menschen, sie kann auch je nachdem auf das Erste oder Zweite Testament oder auf beide zusammen bezogen sein)
Zentrale Frage: ENTHÄLT sie Gottes Wort oder IST sie Gottes Wort?
Wie auch immer eure Antwort ausfällt, könnt ihr mir eine Begründung für eure Antwort geben?
Hallo Abu Riha,

wie jede "heilige Schrift" ist auch die Bibel eine Zusammenstellung von zeitgenössischen moralischen Vorstellungen des jeweiligen Kulturkreises.

Sie soll zwar Gottes Wort verkörpern, ist aber durch ihre internen Widersprüche und Unvollständigkeiten wohl mehr der menschliche Ausdruck der Gottesvorstellungen des jeweiligen Kulturkreises und wird schon allein durch den Unfehlbarkeitsanspruch der daraus abgeleiteten Religion ad absurdum geführt.
Egal welche Religion du nimmst, jeder Mensch sucht sich die für ihn passenden Aussagen aus dem Gesamtkomplex heraus und formt daraus seine ganz individuelle Religion.
So gesehen, ist jeder Anspruch auf Unfehlbarkeit von vornherein ausgeschlossen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Abu Riha hat folgendes geschrieben:
Zentrale Frage: ENTHÄLT sie Gottes Wort oder IST sie Gottes Wort?

Die Bibel macht uns Gottes Wort zugänglich.

Zentral für den christlichen Glauben ist für das Wort Gottes dabei der Begriff des "logos" (vgl. Johannes 1,1), welcher im Sinne von Wort und Rede sowie deren Gehalt („Sinn“) gebraucht wird, aber auch das geistige Vermögen und was dieses hervorbringt (z. B. „Vernunft“) umfasst.

Dieser Logos, diese allumfassende Vernunft, welche die ganze sichtbare und unsichtbare Wirklichkeit hervorgebracht hat, hat nach christlichem Glauben in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen, damit der Mensch dadurch erhöht wird und sich innigst mit Gott verbinden kann.

Die Bibel steht daher nicht im Zentrum der christlichen Religion, sie ist sozusagen "Hilfsmittel", um sich mit dem fleischgewordenen Wort Gottes Jesus Christus zu verbinden und zu vereinigen, um mit Ihm eine lebendige Beziehung zu führen - und dadurch unmittelbar mit Gott.
Hallo Burkl,

hmm, diese "allumfassende Vernunft" ist aber bei den meisten Religionsangehörigen nicht vorhanden.

Und dafür, daß die Bibel nicht im Zentrum der christlichen Religion steht, zitierst du sie zu oft.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Burkl schreibt, die Bibel "macht das Wort Gottes zugänglich", dann schreibt er dazu, wie er Jesus versteht.
Das war aber nicht meine Frage.
Verstehe ich es richtig, dass Christen in der Bibel das Wort Gottes finden, damit meine ich das aufgeschriebene Wort, den Willen, das Gebot oder die Gebote. Dies und auch die Geschichten, die in der Bibel zu finden sind, sind nicht unmittelbar aus Gott, sondern schildern Gott oder Gottes Willen so, wie die Schreiber es verstanden und müssen in die heutige Zeit übertragen oder übersetzt werden. Die Frage wäre auch, ob alle Gebote, die in der Bibel aufgeschrieben sind, Gottes Willen für alle Zeit darstellen.
Meine Frage beantwortet Burkl also so, dass die Bibel, beide Teile, Gottes Wort enthält, aber nicht Gottes Wort ist?
Zur Zeit der Abfassung des Ersten Testaments war Jesus ja noch nicht unter den Menschen, die Leute mussten sich an das geschriiebene oder gesprochene Wort halten. Haben die Juden das Erste Testament als unmittelbares Wort Gottes verstanden, dass ihnen durch die Schreiber überliefert wurde?
Die Profeten des ERsten testaments erhielten ihre Botschaften doch jedenfalls direkt von Gott, denn sie übermitteln ihre Botschaft immer mit dem Eingangswort "So spricht der Herr".
Das tun die Schreiber anderer Teile der Bibel nicht.
So scheint mir die hervorragende Rolle der Profeten klar zu sein, deren Botschaften bezogen sich aber auf die Zeit in der sie ihre Botschaft übermittelten, auch auf die nähere oder fernere Zukunft. Manche profetischen Teile des Ersten Testaments werden aber auch mit "dies ist ein ewiges Gebot" eingeleitet oder beendet, bei diesen Teilen ist es anders, sie umgreifen alle Zeit.
Jedenfalls stehen die profetischen Botschaften deswegen im Mittelpunkt, weil sie unmittelbar Gottes Botschaft übermitteln.
Ja: Nicht was einer schrieb, ist wichtig, von wo seine Botschaft kommt, ist entscheidend.
Der Koran ist die wichtigste Geschriebene, weil er nichts als das Wort Gottes enthält, das durch einen, den Profeten, übermittelt wurde.
Dies wird auch im Vergleich zu den Worten Gottes im Ersten Testament mit den Worten des Koran klar, denn die Sprache gleicht sich, so erkkenen es die Muslime.
Abu Riha hat folgendes geschrieben:
Meine Frage beantwortet Burkl also so, dass die Bibel, beide Teile, Gottes Wort enthält, aber nicht Gottes Wort ist?

Sicher ist die Bibel Gottes Wort. Aber nicht etwa im Sinne eines wörtlichen Diktats oder einer Abschrift eines Buches, das im Himmel im Original aufliegen würde - sondern in Form der Inspiration menschlicher Autoren durch den Heiligen Geist Gottes. Die Bibel ist also göttlich inspiriert, aber nicht wortwörtliche Rede Gottes, sondern durch menschliche Sprecher, die dem Wort Gottes auch ihre spezifische menschliche Prägung geben, vorgetragen.
Wie sollte der erhabene und vollkommene Gott auch in einer bestimmten menschlichen Sprache, also zwangsläufig unvollkommenen und unvollständigen Weise, direkt und wortwörtlich zu uns sprechen - womöglich auch noch abschließend, obwohl Er unendlich ist?
Es geht darum, dass Gott das Volk Israel leitet und zu einem bestimmten Punkt hinführen will, an dem es bereit ist das eigentliche Wort Gottes aufzunehmen - und das ist nicht geschriebener Buchstabe, sondern eben das menschgewordene Wort Gottes - Jesus Christus. Eine Person als "Offenbarungsmedium" vermag die Tiefe und Größe Gottes in wesentlich höherem Maße zu fassen als Buchstaben auf Papier.

Zitat:
Die Frage wäre auch, ob alle Gebote, die in der Bibel aufgeschrieben sind, Gottes Willen für alle Zeit darstellen.

Die Propheten des Alten Bundes haben von Gott den Auftrag erhalten eine bestimmte Botschaft zu überbringen, um sein Volk in bestimmten örtlichen und zeitlichen Umständen zu leiten. Bei Jesus Christus ist mehr als das der Fall: Er überbringt nicht nur eine Botschaft - er IST die Botschaft.

Im Kern der christlichen Religion steht daher nicht wie im Islam ein Buch, sondern eine Person - Jesus Christus. Er ist der Maßstab für Alles - für das, was vor ihm und nach ihm jemals als "Gottes Wort" aufgeschrieben und verkündet wird. Das Denken, Reden und Tun des Propheten des Islams Mohammed wird genauso wie deines und meines am jüngsten Tag durch Gott an Jesus Christus gemessen werden.

"Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat." (Hebr 1,1 u. 2)
Es hat einmal jemand behauptet, daß Gott die Bibel geschrieben und daß der Teufel sie publiziert hätte, und wenn diese Behauptung in dem Sinne aufgefaßt wird, wie sie gemeint war, so hat es wohl damit seine Richtigkeit, denn das Wahre kommt aus der Wahrheit und tut viel Gutes in der Welt, aber die mißverstandene Wahrheit wird zur Lüge, welche nur Unheil gebiert.

Die Bibel ist für diejenigen, die ihren tieferen Sinn verstehen, ein wissenschaftliches Buch, in welchem die höchsten Wahrheiten der Religionsphilosophie, welche sich auf geistige und göttliche, nicht aber auf sichtbare, äußerliche und materielle Dinge bezieht, niedergelegt sind; aber diejenigen, welche die darin enthaltenen Angaben im äußerlichen und buchstäblichen Sinne auffassen, werden dadurch in die Irre geführt.

Die Bibel ist in der Tat ein Lehrbuch der okkulten (verborgenen) Wissenschaft, das deshalb nur dem Okkultisten verständlich sein kann. „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört, und in keines Menschen Gemüt gekommen ist, das hat Gott denen, die ihn lieben, bereitet.“ Die göttlichen Geheimnisse in der Natur sind nicht den äußeren Sinnen offenbar; sie werden nur durch den Geist Gottes im Menschen erkannt.

*Dr. Franz Hartmann (1838 – 1912)

siehe auch: Die Sprache der Zweige - Kabbala
https://www.youtube.com/watch?v=YeTnfF1tQac

Betrachtet man die Wunder und Legenden etwa der Bibel als spirituelle Metaphern, und nicht als historische Berichte, so stößt man bald zu einer Verständnisweise vor, die der christlichen Urkirche der ersten Jahrhunderte nähersteht als der Lehrmeinung der Weltkirchen, und die mit den Erfahrungen der Mystik übereinstimmen: Der Erkenntnis, dass alles Geist ist.

Eine Fokussierung auf die Wahrheit der Mystik bedeutet somit keine Infragestellung von Religion, vielmehr ermöglicht sie eine Neubelebung religiöser Weltdeutung. Die Aufhebung der Grenzen zwischen Mensch und Gott, Kosmos und Transzendenz, muss keineswegs Säkularisierung bedeuten; Sie kann im Gegenteil zu der Erfahrung führen, dass alles heilig ist — eine Erfahrung, die glücklicherweise nicht legendären Gestalten wie etwa dem indischen Mystiker Ramakrishna vorbehalten ist, sondern heute von zahlreichen Menschen gemacht wird.

*Joseph Campbell (1904 – 1987)
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http://azmuto.blogspot.de
AZMUTO hat folgendes geschrieben:

Die Bibel ist für diejenigen, die ihren tieferen Sinn verstehen, ein wissenschaftliches Buch, in welchem die höchsten Wahrheiten der Religionsphilosophie, welche sich auf geistige und göttliche, nicht aber auf sichtbare, äußerliche und materielle Dinge bezieht, niedergelegt sind; aber diejenigen, welche die darin enthaltenen Angaben im äußerlichen und buchstäblichen Sinne auffassen, werden dadurch in die Irre geführt.

Ganz sicher ist die Botschaft der Bibel nicht nur Wissenschaftlern und Menschen mit IQ≥130 offenstehend.
Im Gegenteil - die ersten Menschen, die Gott auserwählt hat, um das Jesuskind zu sehen waren ein paar rauhe und ungebildete Hirten. Und sie beteten das ganz sichtbare und einfache göttliche Kind im Stall an.
Es ist wohl schwer, der Bibel den rechten Stellenwert zu geben? Pjotr Kala schreibt, die heiligen Schriften spiegeln die Vorstellungen der Schreiber, Burkl hält die Bibel für nicht so wichtig, obwohl der Weg zu Gott darin zu finden ist und verweist auf Jesus, der in seiner Person das lebendige Wort darstellt. Das war zur Zeit, als Jesus in der Welt erschien so, dass er die Wahrheit über Gott sprach, aber es gibt ja wiederum nur schriftliche Berichte darüber, niemand von uns war dabei. Und es soll ja eine große Zahl von Verfälschungen in der Bibel geben, so dass wir uns nicht auf die Wahrhaftigkeit der Berichte in der Bibel verlassen können. Wie kann man ein neu geborenes Kind anbeten, das noch nicht einmal gesprochen hat? Nur zu Gott soll man beten, nicht zu einem Kind, das vielleicht später sich als Gottes Bote erweist. So denke ich.
Dann schreibt hier jemand, man müsste eine Wissenschaft kennen, um die Bibel zu verstehen, und das sei eine okkulte Wissenschaft? Okkult heißt geheim, wie soll man das Geheimnis kennen? Wer erklärt mir dieses Geheimnis? Auch Christen habe ich vom Geheimnis des Glaubens sprechen hören. Ist das nicht eine Verwirrung?
Es ist wohl recht, dass es Menschen gibt, die den Koran in Universitäten studieren und vieles wissen, was übliche Muslime nicht wissen. Aber jeder Muslim kann den Koran auf seine Weise lesen und genießen und selbst auslegen, er muss es und soll es. Es gibt natürlich Hinweise zum Verständnis, aber sie sind nicht geheim.
Wie ich gehört habe, sind aber geheime Lehren aus vorbiblischer Zeit in die Bibel eingeflossen, die heutige Christen gar nicht mehr kennen, vielleicht noch ihre Theologen. Bestes Beispiel hierfür ist die Lehre vom dreifachen Gott, was die Christen glauben aber nicht mehr verstehen.
Manche sagen, man soll die ganze Bibel wörtlich nehmen, andere sagen, man soll die Bibel als Gleichnis oder Symbol nehmen, andere sagen, mal ist ein #abschnitt der Bibel wörtlich zu nehmen, mal als ein Gleichnis. Aber woran man erkennen soll, ob dies wörtlich und das andere symbolisch zu verstehen ist, wissen sie nicht.
Abu Riha hat folgendes geschrieben:
Burkl hält die Bibel für nicht so wichtig

Wo habe ich das geschrieben?

Zitat:

Das war zur Zeit, als Jesus in der Welt erschien so, dass er die Wahrheit über Gott sprach, aber es gibt ja wiederum nur schriftliche Berichte darüber, niemand von uns war dabei. Und es soll ja eine große Zahl von Verfälschungen in der Bibel geben

Und warst du dabei als die Bibel verfälscht wurde?

Zitat:
Wie kann man ein neu geborenes Kind anbeten, das noch nicht einmal gesprochen hat? Nur zu Gott soll man beten,

Das kleine Kind in der Krippe ist das menschgewordene Wort Gottes. Gott sagt uns damit mehr als mit tausend Worten und vor Allem möchte Er uns damit etwas zeigen - ich liebe euch so sehr, dass ich mich ganz klein mache euch ganz nahe sein will.

Zitat:

Wie ich gehört habe, sind aber geheime Lehren aus vorbiblischer Zeit in die Bibel eingeflossen, die heutige Christen gar nicht mehr kennen, vielleicht noch ihre Theologen. Bestes Beispiel hierfür ist die Lehre vom dreifachen Gott, was die Christen glauben aber nicht mehr verstehen.

Die Dreifaltigkeit Gottes ist keine Geheimlehre, sondern beschreibt, dass Gott die Liebe ist. Er kann es nur deshalb sein, weil es in Ihm selbst Beziehung gibt. Ein Gott, der im strengen Sinne mit sich selbst alleine wäre, könnte nicht lieben.

Zitat:
Manche sagen, man soll die ganze Bibel wörtlich nehmen, andere sagen, man soll die Bibel als Gleichnis oder Symbol nehmen, andere sagen, mal ist ein #abschnitt der Bibel wörtlich zu nehmen, mal als ein Gleichnis. Aber woran man erkennen soll, ob dies wörtlich und das andere symbolisch zu verstehen ist, wissen sie nicht.

Gleiches ist beim Koran auch der Fall.