Den Islam kennen- und verstehen lernen


Guten Tag,

die letzte Woche habe ich wieder verstärkt damit verbracht, mehr über den Islam zu lernen, und auch Moslems und wie sie ihn leben.

Tobias wird aus religionswissenschaftlicher Perspektive sicher einiges dazu sagen können.

Den Koran hatte ich in verschiedenen Übersetzungen schon seit einigen Jahren gelesen, auszugsweise immer mal wieder. Dabei hat mir die Übersetzung von Bobzin sprachlich am besten gefallen, für Genauigkeit habe ich Paret gelegentlich zu Rate gezogen. Ansonsten habe ich auch in Henning, Khorchide und die Ahmadiyya-Übersetzungen gelegentlich hineingesehen.

Sprachlich besonders schön, aber wohl philologisch nicht sehr genau und auch nicht vollständig, ist die Übertragung von Friedrich Rückert. Die ist wirklich ein Lesegenuss, sehr poetisch.

An der Stelle könnte man jetzt schon ein Fass aufmachen, eher mehrere: Wie verhält es sich mit der Gewalt und den Frauen im Koran? Beruft sich z.B. der IS zurecht auf eine mögliche Lesart des Koran? Ist der Koran mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar?

Aber allein auf Basis des Koran solche Fragen aufzuwerfen, hat sicher wenig Sinn. Worauf es ankommt ist, wie die Moslems den Koran mehrheitlich verstehen, anwenden und leben. Wie sieht die Praxis aus?


Dazu habe ich mir das "Handbuch Islam" von Ahmed A. Reidegeld besorgt. Der ist wohl ein islamischer Rechtsgelehrter, der in seinem an deutschsprachige Muslime gerichtetem ca. 1000seitigem Buch die "Glaubens- und Gesetzesgrundlagen des Islam" erklärt. Er berücksichtigt dabei die vier maßgebliches Rechtschulen des Islams gleichermaßen.

Mit anderen Worten: Er sagt Moslems, was sie aus Sicht der islamischen Rechtsgelehrten zu glauben und an Regeln zu berücksichtigen haben, um als "gute Moslems" zu gelten und nicht etwa sogar als "kufar" (Ungläubige).

Sehr weit bin ich bei der Lektüre noch nicht gekommen. Aber bereits nach Kapitel eins fiel mir eine grundlegende Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz auf: So gilt jeder Moslem als "kufar", wenn er eine andere Autorität als Gott, bzw. von Gott nicht legitimierte Autoritäten anerkennt.

Von Gott legitimierte weltliche Autoritäten, z.B. Herrscher, sind nur solche, die "nicht verbieten, was Gott gebietet, und nicht erlauben, was Gott verbietet". Mit anderen Worten: Ein Moslem, der Merkel anerkennt, ist ein "kufar", solange sie nicht die Scharia einführt.

Das wohlgemerkt aus Sicht der vier Rechtsschulen, die die übergroße Mehrheit der Moslems anhängen. Nicht Salafisten, nicht radikale Islamisten, nicht Dschihadisten. Nein, das sagen die "Moderaten".

Nun würde mich interessieren, was es für einen Moslem bedeutet, von seinen maßgeblichen Religionsgelehrten als "kufar" definiert zu werden. Wie lebt es sich so als "kufar", und was darf man so alles mit einem "kufar" machen? Mal sehn, was dazu später noch drinsteht. Ich bin gespannt.


Weitere Bücher, die ich verschlungen habe, waren "Mein Abschied vom Himmel" und "Der islamische Faschismus" von Hamed Abdel-Samad.

Der hat ja neulich erst wieder für Aufsehen gesorgt, als er mit seinem neuen Buch mit Mohammed abrechnen wollte, von wegen psychisch gestörter Stalker und Kinderschänder.

Normalerweise bin ich bei derart populären Herangehensweisen skeptisch, habe mir eine gewisse Skepsis auch bewahrt, aber wollte einfach mal selbst ein Urteil finden.

"Mein Abschied vom Himmel" war auch wirklich eine sehr mit- und ergreifende Lektüre. Darin steht weniger eine Abrechnung mit dem Islam im Vordergrund, sondern eher mit den sozialen Verhältnissen in Ägypten. In einer extrem persönlichen, schmerzhaft offenen Weise schildert Samad seine grausame Kindheit und Jugend in einem ägyptischen Dorf bzw. Kleinstadt, inklusive seinen Missbrauch als 4jähriger. Er ist dabei auch schonungslos ehrlich zu sich selbst, oder zumindest wirkt es so. Später ist auch sein Kulturschock nach der Ankunft in Deutschland mit 23 Jahren ein Thema.

Dieses autobiographische Buch, das vor allem Verlogenheit und Heuchelei in einem religionsbestimmten Umfeld voll sozialer Kontrolle beschreibt, erinnerte mich streckenweise an vergleichbare Bücher, die Katholiken in den 70er-Jahren über ihre Zeit in ländlichen katholischen Gegenden geschrieben hatten.

Er hat es zunächst in Ägypten veröffentlicht, was zur Folge hatte, dass die maßgeblichen Kleriker dort eine Todes-Fatwa gegen ihn erlassen haben. Seitdem muss er sogar in München unter Polizeischutz leben. Da dachte er sich dann wohl, "na gut, jetzt erst recht", und hat mehrere islamkritische Bücher geschrieben.


"Der islamische Faschismus" sehe ich schon eher zwiespältig. Seine herangehensweise, den politischen Islam bzw. Islamismus pauschal mit dem italienischen und deutschen Faschismus zu vergleichen, mag in der Sache grundsätzlich stimmen, ist aber alles andere als wissenschaftlich.

So ist seine Definition von Faschismus sicher mit keiner wissenschaftlichen Definition vereinbar. Aber den Islamismus schlicht als "autoritär" oder "intolerant" zu bezeichnen, war Samad wohl nicht scharf genug. Und irgendwie muss sich das Buch ja auch verkaufen.

Trotz dieser Mängel finde ich aber, dass es, bei aller Vorsicht, durchaus interessanten Einblick in die verschiedenen Gruppierungen des politischen Islams insb. in Ägypten geben kann. So wird etwa die Entstehung der Muslimbrüder und ihre historischen Verquickungen mit den europäischen faschistischen Bewegungen ganz gut dargestellt.

Als recht populär gehaltene Einführung ganz nett, aber kann sicher keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben.


Ach ja, und dann habe ich noch eine ganze Weile mit drei islamisch-ägyptischen Freundinnen im Internet diskutiert. Die drei kenne ich schon seit einigen Jahren, habe sie aber nie persönlich getroffen.

Durch die drei konnte ich unterschiedliche Facetten des Lebens in Ägypten kennenlernen.

So ist eine lesbisch, weitgehend religionskritisch und war begeistert vom Arabischen Frühling. Nach Mursi und Sisi ist sie aber ziemlich resigniert.

Eine andere ist sehr gläubig. Letzte Woche hat sie geheiratet. Es scheint nicht unbedingt eine Liebesangelegenheit zu sein von ihrer Seite.

Die dritte entstammt der gebildeten, kosmopolitischen Oberschicht und lebt seit einer Weile in Hamburg.


Was denkt Ihr zu diesem Thema? Was sind Eure Erfahrungen mit dem Islam und Moslems?
Mohammed der Gesandte Gottes - Der Film

Diesen Film sollte man unbedingt gesehen haben.
Mit Sicherheit können viele Vorurteile abgebaut werden.
Er ist zwar sehr lang. Ich habe ihn mir deshalb Stück für Stück angeschaut.


http://vimeo.com/52965977
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Und noch eine Empfehlung:

Glaubenswissenschaftliche
Texte und Studien

Glaubenswelt Islam
Eine Einführung

von Udo Schaefer

Georg Olms Verlag
Hildesheim - Zürich - New York
ISBN 3-487-10159-9
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Linde hat folgendes geschrieben:
Mohammed der Gesandte Gottes - Der Film

Diesen Film sollte man unbedingt gesehen haben.
Mit Sicherheit können viele Vorurteile abgebaut werden.
Er ist zwar sehr lang. Ich habe ihn mir deshalb Stück für Stück angeschaut.


ich habe diesen Film auch gesehen und würde ihn von Herzen so manchen Muslimen empfehlen, die eine ganz andere Sicht haben.

Wie Bernhard muss ich nämlich leider auch sagen, dass ich mit Muslimen keine besonders guten Erfahrungen gemacht habe.
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
linde hat folgendes geschrieben:
Mohammed der Gesandte Gottes - Der Film

Diesen Film sollte man unbedingt gesehen haben.
Mit Sicherheit können viele Vorurteile abgebaut werden.
Er ist zwar sehr lang. Ich habe ihn mir deshalb Stück für Stück angeschaut.


http://vimeo.com/52965977


Danke für die Empfehlung!
Welche Perspektive nimmt der Film denn ein? Ist er ein von Moslems gedrehter "Huldigungsfilm", ist er ein Blick "von außen", ist er gar eine Dokumentation?

Ja, das Thema Vorurteile zum Islam ist schwierig. Die schlimmsten Vorurteile haben meiner Meinung nach die, die aus Ignoranz oder falsch verstandener Toleranz den Islam zu romatisieren und alle möglichen Konfliktpunkte unter den Teppich zu kehren suchen.

Aber die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben kann nur Verständigung sein, und Verständigung bedeutet, dass man offen darüber redet und diskutiert, wo Konflikte und "Zusammenstöße" liegen, oder auch welche Probleme es für viele Menschen innerhalb muslimischer Gemeinden gibt.

Einer Frau z.B., die erst als Kind genitalverstümmelt wird, dann als Minderjährige zwangsverheiratet, und schließlich von ihrem Mann misshandelt, ist sicher nicht mit Hinweisen geholfen, dass das "nicht wirklich der Islam sei". Das mag zwar stimmen (oder eben auch nicht), aber es gibt eben viele Moslems, die doch denken, dass das "islamisch" sei.

Genausowenig ist uns allen, weder im Westen lebenden Moslems noch den Einheimischen damit geholfen, wenn man aus falsch verstandener "Toleranz" ignoriert, dass viele Moslems Einstellungen gegenüber Frauen, Juden, Homosexuellen und Gewalt haben, die nicht-muslimische Westler für gewöhnlich für unakzeptabel halten und in ihren Gesellschaften nicht dulden wollen. Ob diese Einstellungen nun "am Islam" liegen, oder nur einer spezifischen regionalen Kultur, die zufällig islamisch beeinflusst wird, ist deswegen nicht wirklich von bedeutung, weil viele Moslems sie eben tatsächlich mit ihrer Religion begründen oder rechtfertigen.

Diese Probleme sollten aber natürlich nicht Anlass zu Verteufelung oder Hass gegen Muslime geben. Ziel sollte eine sehr offener Dialog sein, der auch keine Probleme verschweigt, mit dem Ziel, zu einem besseren Zusammenleben zu finden.


Dass der Islam nicht zwangsläufig so verstanden werden muss und potentiell eine sehr friedfertige, humanistische Religion sein *kann*, sieht man daran, dass es z.B. muslimischen Theologen wie Mouhanad Khorchide gelingt, ein solches Islamverständnis mit Koran und Sunna zu begründen.

Leider stößt jemand wie er bei einer großen Zahl der in Deutschland lebenden Muslime aber auf Ablehnung und sogar Verachtung für seine Aussagen. Sie sind der Meinung, das Bild von einem friedlichen Islam sei "Ketzerei".
Minou hat folgendes geschrieben:
Linde hat folgendes geschrieben:
Mohammed der Gesandte Gottes - Der Film

Diesen Film sollte man unbedingt gesehen haben.
Mit Sicherheit können viele Vorurteile abgebaut werden.
Er ist zwar sehr lang. Ich habe ihn mir deshalb Stück für Stück angeschaut.


ich habe diesen Film auch gesehen und würde ihn von Herzen so manchen Muslimen empfehlen, die eine ganz andere Sicht haben.

Wie Bernhard muss ich nämlich leider auch sagen, dass ich mit Muslimen keine besonders guten Erfahrungen gemacht habe.


Mit vielen Muslimen, die ich bisher getroffen habe, bin ich bestens ausgekommen und ich hatte keinen Grund, sie nicht zu mögen.

Es gibt aber eben auch andere Erfahrungen, von denen ich hoffe, dass sie nicht repräsentativ für Muslime sind. Ich befürchte aber, dass sie doch zumindest auf eine bedeutende Minderheit innerhalb der Muslime in Deutschland leider zutreffen:

Vor 8 Jahren hatte ich eine Beziehung mit einer deutschen Frau, die ein damals zweijähriges Kind von einem türkischen Moslem hatte. Von dem hatte sie sich kurz nach der Geburt getrennt.

Nachdem unsere Beziehung (zwischen ihr und mir) zu einem Ende gekommen war, hat sie sich dem Vater ihrer Tochter wieder angenähert. Jedoch wollte sie sich schon nach kurzer Zeit wieder von ihm trennen.

Das hatte zur Folge, dass seine Familie, die ihm eingeredet hatte, es sei eine "Schande" und "ehrlos", dass er "seine" Frau nicht im Griff habe, ihn dazu gedrängt hat, mit Gewalt auf seinem Recht zu bestehen. In seinen Augen war die Mutter seines Kindes, sowie das Kind, sein Besitz.

Er hat sie mehrere Wochen gestalked, was in einer Vergewaltigung mündete. Sie musste unter Polizeischutz aus der Stadt gebracht werden und an unbekanntem Ort -- den nichtmal ihre Eltern und Geschwister erfahren durften, weil das zu gefährlich war -- unter neuer Identität leben. Das Recht konnte sie nicht hinreichend schützen, weil keine ausreichenden Beweise vorlagen.


Eine andere Freundin (rein platonisch) von mir ist Deutsche mit türkischen Eltern. Sie wuchs in einer traditionell-muslimischen Familie auf. Im Jugendalter, etwa 16, beschloss sie, sich nicht länger den Einschränkungen ihrer Eltern zu beugen: Kein Kopftuch, kein Verbot im Umgang mit Jungs. Sie find an, wie ihre deutschen Freundinnen zu leben.

Das Ergebnis war, dass ihre Eltern sie mit einem Cousin in der Türkei zwangsverheiraten wollten, um "ihre Ehre zu bewahren". Als sie sich dagegen streubte, hat ihr Bruder sie als "H*re" bezeichnet und damit gedroht, sie "abzustechen".

Sie ist von zuhause abgehauen, hat mehrere Jahre bei wechselnden deutschen Freunden gelebt, hatte viel Spaß und ein sehr weltliches "deutsches" Leben. Schließlich hat sie einen Deutschen nicht-Moslem geheiratet.

Auch dank der Tatsache, dass ihr Vater wegen Sozialbetrugs eine Zeitlang in die Türkei abgeschoben wurde, konnte sie sich ihrer Mutter schließlich wieder annähern. Inzwischen scheinen ihre Eltern halbwegs zu akzeptieren, dass sie so lebt, wie sie es nun tut. Zwar ist sie nicht mit einem Moslem verheiratet, was schon schwer zu schlucken ist, aber immer noch besser als eine "H*re" zu sein.

Ihr Onkel hat übrigens für einiges Aufsehen gesorgt, weil er mit Heroin gehandelt hat und bei einer Polizeirazzia mit einem Baseballschläger auf die Beamten losgegangen ist.

Von den unzähligen Fällen, in denen die Gespräche mit Moslems richtig eklig wurden, sobald das Thema auf "die Juden" kam, möchte ich jetzt nicht weiter sprechen.
Bernh hat folgendes geschrieben:

Dazu habe ich mir das "Handbuch Islam" von Ahmed A. Reidegeld besorgt. Der ist wohl ein islamischer Rechtsgelehrter, der in seinem an deutschsprachige Muslime gerichtetem ca. 1000seitigem Buch die "Glaubens- und Gesetzesgrundlagen des Islam" erklärt. Er berücksichtigt dabei die vier maßgebliches Rechtschulen des Islams gleichermaßen.

Mit anderen Worten: Er sagt Moslems, was sie aus Sicht der islamischen Rechtsgelehrten zu glauben und an Regeln zu berücksichtigen haben, um als "gute Moslems" zu gelten und nicht etwa sogar als "kufar" (Ungläubige).

Sehr weit bin ich bei der Lektüre noch nicht gekommen. Aber bereits nach Kapitel eins fiel mir eine grundlegende Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz auf: So gilt jeder Moslem als "kufar", wenn er eine andere Autorität als Gott, bzw. von Gott nicht legitimierte Autoritäten anerkennt.

Von Gott legitimierte weltliche Autoritäten, z.B. Herrscher, sind nur solche, die "nicht verbieten, was Gott gebietet, und nicht erlauben, was Gott verbietet". Mit anderen Worten: Ein Moslem, der Merkel anerkennt, ist ein "kufar", solange sie nicht die Scharia einführt.



Kannst du da noch die Seite(n) angeben, ich hätte es gerne nachgelesen, habe es aber nicht gefunden.

Vor einiger Zeit habe ich einiges von Tariq Ramadan zum Thema 'europäischer Islam' gelesen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich die Bücher noch habe. Soweit ich mich erinnere, hat er aus dem Koran abgeleitet, dass Muslime verpflichtet sind Verträge einzuhalten und sogar als sehr verlässliche Vertragspartner angesehen wurden. Des Weiteren hat er die Einhaltung der Gesetze eines Staates unter dieser vertraglichen Verpflichtung eingeordnet.

Mir haben seine Denkansätze gefallen, aber seine Person und seine Absichten werden wohl auch recht kontrovers diskutiert.
Auch dazu fände ich die Meinung von Tobias und natürlich auch von anderen sehr interessant.
Wer den Islam kennt, versteht ihn auch.
ziraki hat folgendes geschrieben:
Bernh hat folgendes geschrieben:

Dazu habe ich mir das "Handbuch Islam" von Ahmed A. Reidegeld besorgt. Der ist wohl ein islamischer Rechtsgelehrter, der in seinem an deutschsprachige Muslime gerichtetem ca. 1000seitigem Buch die "Glaubens- und Gesetzesgrundlagen des Islam" erklärt. Er berücksichtigt dabei die vier maßgebliches Rechtschulen des Islams gleichermaßen.

Mit anderen Worten: Er sagt Moslems, was sie aus Sicht der islamischen Rechtsgelehrten zu glauben und an Regeln zu berücksichtigen haben, um als "gute Moslems" zu gelten und nicht etwa sogar als "kufar" (Ungläubige).

Sehr weit bin ich bei der Lektüre noch nicht gekommen. Aber bereits nach Kapitel eins fiel mir eine grundlegende Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz auf: So gilt jeder Moslem als "kufar", wenn er eine andere Autorität als Gott, bzw. von Gott nicht legitimierte Autoritäten anerkennt.

Von Gott legitimierte weltliche Autoritäten, z.B. Herrscher, sind nur solche, die "nicht verbieten, was Gott gebietet, und nicht erlauben, was Gott verbietet". Mit anderen Worten: Ein Moslem, der Merkel anerkennt, ist ein "kufar", solange sie nicht die Scharia einführt.



Kannst du da noch die Seite(n) angeben, ich hätte es gerne nachgelesen, habe es aber nicht gefunden.

Vor einiger Zeit habe ich einiges von Tariq Ramadan zum Thema 'europäischer Islam' gelesen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich die Bücher noch habe. Soweit ich mich erinnere, hat er aus dem Koran abgeleitet, dass Muslime verpflichtet sind Verträge einzuhalten und sogar als sehr verlässliche Vertragspartner angesehen wurden. Des Weiteren hat er die Einhaltung der Gesetze eines Staates unter dieser vertraglichen Verpflichtung eingeordnet.

Mir haben seine Denkansätze gefallen, aber seine Person und seine Absichten werden wohl auch recht kontrovers diskutiert.
Auch dazu fände ich die Meinung von Tobias und natürlich auch von anderen sehr interessant.


Hallo Zarika!

Die Stelle ist von 2. Auflage 2008, S 34, zweiter Absatz "Daß man nur Gott in den verschiedenen Formen des Gottesdienstes anbetet".

"Mushrik" (Götzendiener) ist demnach: "...der den Islam zugunsten nationaler Interessen verfälscht, indem er verbietet, was Gott und Prophet befehlen, und umgekehrt gebietet, was Gott und Prophet verbieten".

Demnach sind nicht nach der Scharia Gesetze erlassende Politiker "mushrik".

Moslems dürfen ihnen nicht folgen, da sie sonst ebenfalls als "mushrik" gelten. Weiter oben im selben Absatz: "Wenn jemand das Wort eines Menschen als einzig entscheidendes Gesetz ansieht, sei es für sich oder andere, gleich ob das betreffende Wort dieses Menschen nun mit den Regeln Gottes übereinstimmt oder nicht, ist Mushrik (Götzendiener)."

Mit anderen Worten: Wenn man z.B. die Bundesregierung bzw. Bundestagsabgeordneten als einzige Instanz ansieht, die für alle verbindliche Gesetze erlassen darf, ist man wohl "mushrik".


Ich muss mich also korrigieren: Es geht hier nicht um "kufar", sondern um "mushrik". Also nicht um Ungläubigkeit, sondern Götzendienst. Wobei ich mal vermute, dass "mushrik" sogar schlimmer ist als "kufar".

Gruß,
Bernhard
Rentner hat folgendes geschrieben:
Wer den Islam kennt, versteht ihn auch.


Und wer ihn versteht, kennt ihn auch.

Wer ihn kannte, liebte ihn. Und wer ihn liebte, der kannte ihn auch. Jeder, der ihn kannte, liebte ihn. Und wer ihn nicht kannte, der bewunderte ihn, aus der Ferne.