Menschen helfen - ohne Ausbildung/Studium


Hallo ihr Lieben,

bisher habe ich das Thema noch nicht gefunden und ich schätze es auch als relativ individuell ein, daher habe ich es einfach mal neu eröffnet.

Es geht darum, dass ich ein wenig verzweifelt bin. Es gibt wirklich wenig im Leben, was mich erfüllt. Und damit meine ich jetzt nicht hobbymäßig (ich habe viele Hobbies, die mir viel Freude bereiten, ich habe viele Freunde, die ich sehr gerne habe und die mir jederzeit zur Seite stehen). Nein, ich meine etwas, das mein LEBEN erfüllt. Eine Aufgabe, die mir geistig/seelisch einfach so gut tut, dass ich dadurch nicht nur zeitweise Erfüllung beschert (wie eben Hobbies es tun), sondern wirklich das, was mir wirklich (übertrieben gesagt) tiefsten Seelenfrieden beschert - Menschen zu helfen.
Damit meine ich nicht, dass ich Flüchtlingen oder Obdachlosen helfe. Das ist eine wirklich wundervolle Arbeit und ich bewundere jeden, der hilft, wo er nur kann. Aber ich meine die Hilfe, die Psychologen leisten.
Um zu verstehen, was ich meine, ein Beispiel (ein Hoch auf die Anonymität des Internets): Ich hatte eine stark depressive Freundin. Sie war bei 3 verschiedenen Psychologen, hat Antidepressiva genommen, war in zig Therapien - nichts hat geholfen. Eines Abends schrieb sie mir, sie hielte das alles nicht mehr aus, sie würde dem nun ein Ende setzen. Ich bin natürlich sofort zu ihr gefahren, wir haben die ganze Nacht geredet, geredet und geredet. Bis zum nächsten Nachmittag. Sie hat sich ihr Herz ausgeschüttet und ich habe zugehört und ihr Ratschläge gegeben, wie sie ihr Leben auf die Reihe bekommt. Ich war direkt, objektiv und ehrlich, habe ihr auch gesagt, was sie falsch gemacht hat, aber dass es eben jene Auswege gibt. Es hat ihr geholfen. Es geht ihr besser, sie geht noch hin und wieder zum Psychologen, nimmt mittlerweile aber keine Antidepressiva mehr, hat einen Job und fühlt sich einfach besser. Und sie meinte zu mir, so dramatisch es auch klingt, dass sie ohne mich nicht mehr wäre...
DAS ist es, was mich erfüllt. Objektive Hilfe zu leisten, Menschen aus ihren Depressionen zu holen. Ich hatte einige Freunde und Bekannte, denen ich helfen konnte, einfach durch Ehrlichkeit und objektive Einschätzungen und Ratschläge.

Ich würde es zu gerne zu meinem Beruf machen, denn ich habe endlich etwas gefunden, das ich gut kann. Ich verfüge über eine sehr gute Menschenkenntnis, bin in der Lage, Menschen in Sekundenbruchteilen zu analysieren und einzuschätzen und ihnen (ohne dabei mitleidig zu sein) mit gnadenloser Ehrlichkeit aufzuzeigen, wo die Probleme liegen und was man dagegen tun kann. Einfach so, von Mensch zu Mensch, nicht von Arzt zu Patient. Ich glaube, das hilft vielen Menschen sehr, auch weil ich selbst in jahrelanger psychologischer Behandlung war und weiß, dass es mitunter schwierig ist, sich überhaupt zu öffnen und einem Urteil zu trauen von jemandem, der einem meist nur eine Stunde seiner Zeit schenkt, obwohl man noch so viel mehr zu erzählen und zu erklären hätte... Als Freund aufzutreten, nicht als Arzt (natürlich vorausgesetzt ich schätze die Situation als für mich händelbar ein, bei bestimmten Sachen braucht man einfach einen ausgebildeten Arzt/Psychologen). Aber das ist es auch eben, was es für mich zu einem Ding der Unmöglichkeit macht. Ich habe keinerlei Ausbildung, studiere etwas ganz anderes und würde mir niemals ein Psychologiestudium oder eine Ausbildung in dieser Hinsicht leisten können. Ich kann diesen Traum niemals verwirklichen...

Das macht mich sehr traurig, denn endlich hatte ich mal das Gefühl, wirklich nützlich zu sein und über die Probleme anderer hinweg meine eigenen zu vergessen - oder vielmehr: aus meinen eigenen Problemen die Lehre für andere Menschen zu ziehen.
Was ich mir von diesem Thread erhoffe? Vielleicht ein paar aufmunternde Worte oder einen erhobenen Zeigefinger, dass ich lieber die Finger von soetwas lassen sollte. Ich weiß es nicht. Aber es tat gut, sich das Ganze mal von der Seele zu schreiben.
Ob man Menschen am Abgrund ohne Fachwissen therapieren sollte, halte ich für zweifelhaft. Rentner ist ja vom Fach, hoffe er liest sich das Thema durch.

Warum kannst du dir kein Psychologiestudium leisten?
In Österreich gibt es das Berufsbild der "Lebensberatung". Das dürfte auf deine Vorstellungen am ehesten zutreffen. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland bzw. der Schweiz ein Pendant dazu gibt.

http://www.wecarelife.at/gesundheit.....s-und-sozialberatung.html
Es gibt auch in Deutschland den Begriff "LebensberaterIn" oder auch "psychologischer Berater", der ist glaube ich noch nicht mal gesetzlich geschützt, die Anbieter von "Ausbildung" zur LebensberaterIn halte ich für nicht besonders seriös im Sinne von kompetent. Der Punkt ist, dass du dafür meines Wissens nur einen Gewerbeschein bei deiner Stadtverwaltung beantragen musst, bist aber ständig in der Praxis in der Gefahr, über deine Zulässigkeit hinaus zu schießen und kannst leicht juristische Schwierigkeiten bekommen, und zwar seitens der Klienten.
Dir steht noch ein etwas seriöserer Weg offen und das ist die Zulassung als Heilpraktiker mit Einschränkung auf Psychotherapie, dazu brauchst du nicht Psychologie studiert zu haben. Das ist der sog. "kleine Heilpraktiker".
Manche Heilpraktikerschulen bieten die Ausbildung bzw. die Vorbereitung auf die Zulassungsprüfung an, die Inhalte dieser Ausbildung differieren aber stark voneinander. Die Kosten belaufen sich immer noch auf einige Tausend Euro, 2000 sind es meines Wissens immer.
Dritter Weg, der auch nicht schlecht ist, aber etwas komplizierter:
Schritt 1: Du schließt dich einer Selbsthilfegruppe an, deren Mitglieder ein Thema bearbeiten, das dir liegt und mit dem du selbst Erfahrung hast.
Schritt 2: Du machst eine Ausbildung in "Peer Counseling".
Schritt 3: Du bietest diese Methode in der Selbsthilfegruppe an.
Peer Counseling ist eine Methode, die auf der "Gesprächspsychotherapie" beruht. Ich habe selbst jahrelang Laien in dieser Methode ausgebildet und halte sehr viel davon.
Etwas zurückhaltend bin ich, wenn du klinisch depressive Menschen behandeln willst, dazu reicht die Kompetenz eines "kleinen Heilpraktikers" oder eines Peer Counselors nicht aus.
Hast du den "Kleinen HP", könntest du aber eine Praxisgemeinschaft mit einem Diplompsychologen versuchen. Da klinisch depressive Menschen in aller Regel auch medikamentös versorgt werden müssen, ist es immer wichtig, sich in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Psychiater/Arzt der Empfehlung einer psychotherapeutischen Begleitung zu versichern, um juristische Probleme zu vermeiden.
Laien, und dazu rechne ich auch sog. Lebensberater, an die Behandlung von klinisch Depressiven zu lassen, ist illegal.
Der kleine HP und der Peer Counselor ist aber gut geeignet, Menschen durch Phasen von allgemeinen oder auch spezielleren Lebensschwierigkeiten zu begleiten und brauchen auch keine juristischen Schwierigkeiten zu befürchten, sofern sie sich an die gesetzlichen Vorgaben halten.
Im übrigen möchte ich noch darauf hinweisen, dass es bei der Behandlung von Menschen in Lebensschwierigkeiten nicht darum geht, ihnen offen die Wahrheit zu sagen, was immer das bedeuten mag, oder ihnen "gute" Ratschläge zu geben nach dem Motto: Mach dies oder das. Es geht bei der Begleitung von Menschen in Lebensschwierigkeiten immer ausschließlich darum, sie ihren eigenen Weg finden zu lassen, auch wenn der nicht mit der Meinung des psychologischen Beraters übereinstimmt.
Psychologische bzw. psychotherapeutische Begleitung ist kein Spaß. Ein gewisses Talent ist sicher eine gute Startvoraussetzung, reicht aber nicht aus. Man muss damit rechnen, mit "Tod und Teufel" konfrontiert zu werden, und wer darauf nicht vorbereitet ist, hinterlässt den Klienten in einer schwierigeren Situation als vorher.
Auch eine begleitende Supervision ist vonnöten, in der du deine eigenen Belastungen aufarbeitest, die sich aus der Arbeit mit den Menschen ergeben.
Ich weiß, dies ist nur sehr bruchstückhaft geschildert, falls du interessiert bist, schreib mir eine PN, dann geb ich dir meine private Mailadresse und wir können uns näher austauschen.
Ich moechte dazu nur bemerken, dass in Oestereich die Ausbildung zum Lebens-u. Sozialberater zwischen fuenf und acht Semester dauert, also keineswegs mit dem deutschen Lebensberater zu vergleichen ist, der sich nur einfach einen Gewerbeschein holt.
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Ich moechte dazu nur bemerken, dass in Oestereich die Ausbildung zum Lebens-u. Sozialberater zwischen fuenf und acht Semester dauert, also keineswegs mit dem deutschen Lebensberater zu vergleichen ist, der sich nur einfach einen Gewerbeschein holt.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten