Halloween


Wie seine Schüler einen Erleuchtungsversuch des erhabenen Meisters vereitelten (der Erleuchtung aber doch nicht endgültig entkamen)

So habe ich gehört:

Als der erhabene Meister einmal mit seinen Schülern in der Natur umherwandelte, fasste er bei sich den Entschluss, eine erleuchtende Lehrrede zu halten. Er setzte sich auf einen großen Stein, versammelte seine Schüler um sich und begann:
«Meine Schüler! Ich habe den Entschluss gefasst, euch mit einer weisen, wohldurchdachten Lehrrede zu erfreuen und euch die Erleuchtung nahe zu bringen. Hört auf meine Worte, und ihr werdet das Licht sehen!»
Die Schüler sahen ihn erwartungsvoll und demütig an, und er fuhr fort:
«Erinnert ihr euch, meine strebenden Schüler, wie ich gestern den Tee zubereitete?»
Die Schüler nickten: «Ja, erhabener Meister, wir erinnern uns deutlich!»
Der Meister fuhr fort in seiner erleuchtenden Rede: «Dabei ist mir der Gedanke gekommen, wie ich euch die Erleuchtung nahe bringen kann. Mit der Erleuchtung ist es nämlich ganz ähnlich wie mit der Teezubereitung. Hört, und seht das Licht!»
Da baten die Schüler: «O erhabener Meister! Wir hören! Lass Du uns das Licht sehen!»
Indessen bemerkte einer der Schüler, dass am Horizont, im Rücken des Meisters und somit von ihm nicht zu bemerken, dunkle Wolken aufzogen, die schnell näherkamen.
Erschrocken sprang er auf und rief: «Lass gut sein für jetzt, erhabener Meister! Es zieht ein Gewitter auf, und wir alle stehen in der Gefahr, durchnässt zu werden! Verschiebe Deine erleuchtende Rede auf später und lass uns Zuflucht suchen!»
Und er lief zu einem nahegelegenen Ziegenstall, wobei ihm die anderen folgten.
Nur der Meister blieb auf seinem Stein sitzen und sah ihnen in Gedanken versunken nach:
«Ihr närrischen Schüler! Ich habe euch den Tee der Erleuchtung angeboten, ihr aber wollt Ziegenmilch!»
Und mit diesen Gedanken nahm er gelassen seinen Schirm vom Rücken und spannte ihn achtsam auf.
Lieber Rentner,

die Geschichte passt gut zum Buddhismus. Dort ist ja der Gedanke, dass letztlich jeder sich selbst erlösen muss stark vorhanden. Im Christentum ist das ganz anders - in den Himmel zu wollen ohne die Anderen ist aus christlicher Sicht völlig absurd. Der Himmel ist ja Gemeinschaft mit Gott und den Lieben.

Der Christ, vor Allem der Priester und der Seelsorger, müsste in dem Beispiel in den Stall vorauslaufen - den "Stallgeruch" sogar annehmen. Papst Franziskus lehrt, dass Geistliche sich als Hirten mitten unter die Herde mischen und den "Geruch der Schafe" annehmen müssen. Andernfalls drohten sie zu "traurigen Priestern" zu werden, die den Kontakt zu den Menschen verloren hätten.

http://m.welt.de/politik/deutschlan.....er-Schafe-anzunehmen.html
Burkl hat folgendes geschrieben:
luschn hat folgendes geschrieben:
Schon mal daran gedacht, dass es Menschen gibt, die keine Heilssehnsucht (was auch immer das sein mag) in sich tragen?


Nenne es "Sehnsucht nach bleibendem Glück und Frieden".

Mir ist noch kein Mensch begegnet, der die nicht hat.

Ich bin der Meinung, jeder Mensch ist selber für sein Glück und seinen "inneren" Frieden verantwortlich. Sehnsucht ist ja nach Definition schon fast krankhaft mit Leid verbunden. Was ja wiederum zu den Katholiken passt.

Burkl hat folgendes geschrieben:

luschn hat folgendes geschrieben:
Unter grundlogisch verstehe ich etwas anderes. Bist du mir dankbar, wenn ich dir einen Fuß absäge und dann Krücken gebe?


Wenn du so willst haben wir den Verlust unseres wichtigsten Standbeines - das ewige Leben - durch einen selbst verschuldeten Unfall bewirkt.

Ein anderes Bild:

Die Situation ist wie nach einem durch eigenes schuldhaftes Verhalten verursachten Schiffbruch. Es schwimmt am Meer die Planke an der man sich anhalten kann und die Hoffnung mit ihrer Hilfe am rettenden Land anzukommen. Man hat aber auch die Möglichkeit das für völlig unrealistisch und aussichtslos zu halten und die Planke erst gar nicht zu ergreifen.

Vorbereitung ist eben alles. Wenn man ein Rettungsboot dabei hat, muss man sich nicht an einer Planke festkrallen. Aber warum den leichten Weg, wenn es auch schwierig geht ...
Hallo Burkl,
Burkl hat folgendes geschrieben:
Lieber Rentner,

die Geschichte passt gut zum Buddhismus. Dort ist ja der Gedanke, dass letztlich jeder sich selbst erlösen muss stark vorhanden.

das ist allenfalls ungenau formuliert. Das trifft vielleicht auf den Theravada-Buddhismus zu, aber

Wikipedia hat folgendes geschrieben:

Im Mahayana-Buddhismus werden Bodhisattvas als nach höchster Erkenntnis strebende Wesen angesehen, die auf dem Wege der „Tugendvollkommenheit“ (sanskrit: paramita) die „Buddhaschaft“ anstreben bzw. in sich selbst realisieren, um sie zum Heil aller lebenden Wesen einzusetzen. Diese Ausgangsmotivation wird „Erleuchtungsgeist“ (bodhicitta) genannt. Praktizierende verschiedener Traditionen des Mahayana rezitieren Bodhisattva-Gelübde und bekunden damit ihren Willen, auch selbst diesen Weg zu gehen.

Kern der Bodhisattva-Philosophie ist der Gedanke, nicht nur selbst und allein für sich Erleuchtung zu erlangen und damit in das Nirwana einzugehen, sondern stattdessen zuvor allen anderen Wesenheiten zu helfen, sich ebenfalls aus dem endlosen Kreislauf der Reinkarnationen (Samsara) zu befreien.

[...]

Die Lehre vom Bodhisattva ist auch im Theravada-Buddhismus, der ältesten und einzigen noch existierenden Schule des Hinayana, bekannt. Der Theravada lehrt jedoch neben dem Erreichen des Bodhi mit Hilfe eines Bodhisattva vor allem das Erlangen der „Erleuchtung“, des „Erwachens“, durch eigenes Bemühen. Dieses Ideal des Arhat, des „Heiligen“, der die Überwindung des Kreislaufs der Reinkarnationen (siehe auch Samsara) aus eigenem Bemühen anstrebt, wird vom Mahayana nicht als vollständige Befreiung verstanden. Der einzige im Theravada bekannte Bodhisattva ist der kommende Buddha Maitreya.

Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodhisattva

Entsprechend ist deine Aussage so als würde man behaupten, alle Christen würden zur Buße auf den Beichtstuhl gehen

Liebe Grüße,
Cacau
_________________
Die Gottheit lebt in den Details.
Lieber Cacau,

ließ bitte noch einmal genau, was ich geschrieben habe. Ich habe gesagt der Gedanke der Selbsterlösung sei im Buddhismus stark vorhanden. Auch wenn sich viele Buddhisten darum bemühen Anderen spirituell weiterzuhelfen ändert das nichts an dem Umstand, dass für seine Erlösung jeder letztlich selbst verantwortlich bleibt und nicht sicher ist, ob die Erlösung gelingt. Im Christentum geht uns mit Tod und Auferstehung Jesu das einmalige, undwiederholbare und universelle Erlösungsgeschehen geschenkhaft voraus. Das Wesentliche - die Erlösung - ist also schon für alle Menschen geschehen. Es geht um die Annahme dieses Geschenkes, der Glaube hat "Antwortcharakter".
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Cacau,

Zitat:
Kaum ist ein Event verflogen, kommt ja schon das nächste auf uns zu.
Um nochmal den Bogen zum eigentlichen Thema zu schlagen: Gerade Halloween ist ein sehr gutes Beispiel für diesen Ausbau einzelner Ereignissen zu großen Events, die die Werbeindustrie entsprechend ausschlachten kann. Besonders tragisch wird meiner Meinung nach dann, wenn wie beim Holi-Festival, das Sören bereits ansprach, Bräuche aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen und nur des Spaßes wegen importiert werden.


hmm, ich denke, dies ist wirklich nur eine Zeiterscheinung oder auch Altersgruppenerscheinung. Bräuche haben sich in ihrer Bedeutung und Ausübung ständig geändert.

Pjotr Kala

Hallo Pjotr,
da stimme ich dir natürlich zu. Trotzdem heißt das eben nicht, dass man alles ungefragt mitmachen sollte, was einem der "Zeitgeist" so an Flausen in den Kopf setzt. Ich sollte meinen Mitmenschen bspw. Respekt entgegenbringen, unabhängig vom Zeitgeist. Wenn ich bei einem gemeinsamen Essen nur aufs Handy schaue, halte ich das für höchst bedenklich. Ich denke das ist auch genau das, was Burkl meint

Liebe Grüße,
Cacau
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Burkl hat folgendes geschrieben:
Lieber Cacau,

ließ bitte noch einmal genau, was ich geschrieben habe. Ich habe gesagt der Gedanke der Selbsterlösung sei im Buddhismus stark vorhanden. Auch wenn sich viele Buddhisten darum bemühen Anderen spirituell weiterzuhelfen ändert das nichts an dem Umstand, dass das für seine Erlösung jeder letztlich selbst verantwortlich bleibt und nicht sicher ist, ob die Erlösung gelingt. Im Christentum geht uns mit Tod und Auferstehung Jesu das einmalige, undwiederholbare und universelle Erlösungsgeschehen geschenkhaft voraus. Das Wesentliche - die Erlösung - ist also schon für alle Menschen geschehen. Es geht um die Annahme dieses Geschenkes, der Glaube hat "Antwortcharakter".

Hallo Burkl,
ich glaube im Gegenteil, dass du mein Zitat nochmal sorgfältig lesen solltest^^ Dort steht, dass im Mahayana das eigene Bemühen eben NICHT reicht.

Liebe Grüße,
Cacau
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Rentner hat folgendes geschrieben:
Also, wenn ich mal krank war, dann war ich ziemlich dankbar, dass der medizinische Fortschritt bis zu meinen Lebzeiten weitergegangen war und mir medizinische Hilfe und Heilung zuteil wurde, wo ich zu anderen Zeiten an ein und derselben Krankheit entweder gestorben oder zum Krüppel geworden wäre. Und ich glaube auch, insofern fortschrittsgläubig, dass der Fortschritt weitergeht, um Krankheiten zu heilen, die heute noch weder behandelbar noch heilbar sind. Wo sollte man denn da ein Stop-Schild aufstellen? Ich finde, nirgends. Und der technische Fortschritt? Ohne den würde es diesen wunderbaren Gedankenaustausch in diesem Forum nicht geben, und vielleicht kommt ja ab und zu jemand durch das Lesen von Burkls Beiträgen zur katholischen Religion?
Ja sicher müssen wir die Maximierung des Fortschritts in allen Bereichen anstreben, erreichen werden wir dieses Maximum weder in diesem noch im nächsten Jahrhundert, da kann Burkl ganz beruhigt sein.
"Genug" ist nicht zu definieren. Wer es doch tut, hat genug definiert.

Hallo Rentner,
ein beliebtes Thema zur Zeit ist ja Sterbehilfe. Das ist gleichzeitig auch ein Paradabeispiel dafür, was wir mit unserer Technik so alles "anrichten" können. Kann ein Mensch wirklich dankbar sein, wenn er über Jahre künstlich am Leben gehalten wird, nur weil wir es KÖNNEN?
Entscheidend sind meiner Meinung nach nicht die Lebenszeit oder die Anzahl der Krankheiten, sondern was du aus der Zeit machst und wie du mit den Krankheiten umgehst. Das das nicht immer einfach ist, ist mir klar, obgleich ich junger Hüpfer glücklicherweise noch nie ernste gesundheitliche Probleme hatte^^

Liebe Grüße,
Cacau
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Cacau hat folgendes geschrieben:

Hallo Burkl,
ich glaube im Gegenteil, dass du mein Zitat nochmal sorgfältig lesen solltest^^ Dort steht, dass im Mahayana das eigene Bemühen eben NICHT reicht.

Liebe Grüße,
Cacau


Dort steht aber nicht, dass der Buddhismus davon ausgeht, dass wir alle bereits erlöst sind.

Es ist ein Unterschied, ob es Werk jedes Einzelnen ist und ich Anderen aus Mitgefühl helfe das zu schaffen oder ob Erlösung ein bereits für alle stattgefundes universales Geschehen ist, das nur allen gemeinsam gehört.
@all!

Einerseits sind wir erlöst, andererseits nicht, denn das Göttliche empfängt uns mit offenen Armen, was jeder einzelne aber selber annehmen muss. Nimmt jemand es nicht an, so schaufelt sich derjeneige sein eigenes Grab.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!