"Die Wahrheit" in der Presse


Vorhin habe ich einen Leserkommentar online gefunden, in dem jemand fordert, dass "die Presse" doch "endlich" mal "die Wahrheit" schreiben solle.

Das verwirrt mich etwas. Wenn er weiß, dass die Presse das nicht tut, dann kennt er "die Wahrheit" ja offenbar schon. Wozu braucht er dann noch die Presse, um sie ihm zu berichten?

Und ich frage mich, warum er in der Presse nach "der Wahrheit" sucht. Ausgerechnet in der Presse. Soll er doch lieber die Bibel lesen. Oder meinetwegen Lenins Gesammelte Werke oder auch Hitlers "Mein Kampf". Da findet er garantiert "die Wahrheit".

Ansonsten hätte ihm vielleicht aufgefallen sein können, dass es für Gewöhnlich immer mindestens soviele "Wahrheiten" gibt, wie gerade Leute im Raum sind. Und in einer pluralistischen Gesellschaft geht es nur darum, dass jeder seine äußern darf und politische Entscheidungen anhand allgemein anerkannter Regeln legitimiert werden.

Deswegen denke ich, dass der ewige Ruf nach "der Wahrheit" nur ein verkappter Ruf nach dem Führer ist, der sie verkünden soll. Und diese Sprallos merken es selbst wahrscheinlich nicht einmal.

Die Deutschen leiden halt einfach unter einem ganz schlimmen Fall von posttotalitärem Phantomschmerz. An der Stelle, wo Er sein sollte, ist einfach nichts und das tut weh.

Naja, freiheitliche Demokratie ist ja auch ne komplizierte Sache. Man kann von niemandem erwarten, das innerhalb von nur 66 Jahren zu lernen.
Ich denke mit "der Wahrheit" ist etwas anderes gemeint. Meiner Meinung nach geht es da eher darum, dass die Presse mehr ausgeglichener schreiben soll. Nimm dir doch zum Beispiel mal meine "Kumpels" vom vier Buchstaben Blatt des Axel-Springer-Verlages. Die Zeitung des "einfachen Mannes". Les dir mal durch, was diese so schreiben. Mir geht es hier jetzt nicht mal um den unterirdisch schlechten Inhalt, sondern um die Themen für sich. Man liest hier fast nur: wir müssen den Flüchtlingen mehr helfen, jeder der was gegen Ausländer sagt ist ein Nazi, Deutschland hat Schuld weil 2316 vor Christus einem schwarzen Moslem mit Behinderung das Kamel geklaut wurde, Deutschland soll doch überall mehr zahlen usw. Ist das die Wahrheit? Oder ist die Wahrheit eher, dass wir Angst haben, wie es mit den ganzen Flüchtlingen weiter gehen soll, dass es nicht sein kann, dass viele Länder die Flüchtlinge nach Deutschland durchschieben und dann noch Geld von uns verlangen. Auch kann ich es nicht mehr hören, dass egal was ist, man ständig darauf hingewiesen wird, dass man aufgrund der deutschen Geschichte doch eine besondere Verantwortung hat. Da schnallen die Leute wohl nicht, dass wir mittlerweile 2-3 Generationen weiter sind und wir nicht für die Verbrechen unserer Vorfahren schuld sind. Oder würdest du für einen Mord den dein Opa begangen hat dein ganzes Leben lang zahlen wollen und als Mörder beschimpft werden?
Es muss einfach mal die Wahrheit geschrieben werden: was denkt das Volk wirklich, wie sind wir wirklich, ist wirklich nur Putin der Böse oder auch etwas der Obama usw. Das alles sind nur Beispiele, aber ich denke das trifft es in etwa
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Der Sinn des Lebens beschränkt sich darauf, die Meinung desjenigen wiederzugeben, der uns über genau diesen Sinn belehren will. -D. Graf-
Als langjähriger Rundfunkmitarbeiter nehme ich wie folgt kurz dazu Stellung:
Es kann nur darum gehen, dass das, was die Medien verbreiten, inhaltlich "wahr" ist, also mit den Tatsachen übereinstimmt. Dies ist allgemein der Fall. Was nicht zu erwarten ist, ist, dass ein Presseorgan, das Fernsehen oder der Hörfunk sämtliche Aspekte, Auswirkungen usw. eines Sachvhverhalts darstellen wird bzw. kann, das ist weder vom Platz noch von der Zeit her möglich.
Der Medienkonsument bleibt aufgefordert, sich aus möglichst vielen ihm zugänglichen Quellen zu informieren und sich daraus ein Urteil zu bilden. Bei der Auswahl bzw. der Auswertung der Quellen ist es nützlich, sich an seinen Interessen bzw. den Interessen der Gesellschaftlichen Gruppe, der er angehört, zu orientieren.
Das ist nicht einfach und auch nicht zu jedem Thema möglich. Aber weder aus der BILD-Zeitung noch aus der New York Times allein ist eine umfassende "Wahrheit" zu destillieren. Mehrsprachigkeit beim Medienkonsum ist allerdings von Vorteil.
vadda hat folgendes geschrieben:
Ich denke mit "der Wahrheit" ist etwas anderes gemeint. Meiner Meinung nach geht es da eher darum, dass die Presse mehr ausgeglichener schreiben soll. Nimm dir doch zum Beispiel mal meine "Kumpels" vom vier Buchstaben Blatt des Axel-Springer-Verlages. Die Zeitung des "einfachen Mannes". Les dir mal durch, was diese so schreiben. Mir geht es hier jetzt nicht mal um den unterirdisch schlechten Inhalt, sondern um die Themen für sich. Man liest hier fast nur: wir müssen den Flüchtlingen mehr helfen, jeder der was gegen Ausländer sagt ist ein Nazi, Deutschland hat Schuld weil 2316 vor Christus einem schwarzen Moslem mit Behinderung das Kamel geklaut wurde, Deutschland soll doch überall mehr zahlen usw. Ist das die Wahrheit? Oder ist die Wahrheit eher, dass wir Angst haben, wie es mit den ganzen Flüchtlingen weiter gehen soll, dass es nicht sein kann, dass viele Länder die Flüchtlinge nach Deutschland durchschieben und dann noch Geld von uns verlangen. Auch kann ich es nicht mehr hören, dass egal was ist, man ständig darauf hingewiesen wird, dass man aufgrund der deutschen Geschichte doch eine besondere Verantwortung hat. Da schnallen die Leute wohl nicht, dass wir mittlerweile 2-3 Generationen weiter sind und wir nicht für die Verbrechen unserer Vorfahren schuld sind. Oder würdest du für einen Mord den dein Opa begangen hat dein ganzes Leben lang zahlen wollen und als Mörder beschimpft werden?
Es muss einfach mal die Wahrheit geschrieben werden: was denkt das Volk wirklich, wie sind wir wirklich, ist wirklich nur Putin der Böse oder auch etwas der Obama usw. Das alles sind nur Beispiele, aber ich denke das trifft es in etwa


Kannst du belegen, dass "die Presse" "immer nur" schreibt, " wir müssen den Flüchtlingen mehr helfen, jeder der was gegen Ausländer sagt ist ein Nazi, Deutschland hat Schuld weil 2316 vor Christus einem schwarzen Moslem mit Behinderung das Kamel geklaut wurde, Deutschland soll doch überall mehr zahlen usw." ?

Ich habe so etwas noch nie(!) in irgendeiner deutschen Zeitung gelesen (aber ok, BILD lese ich normalerweise auch nicht).

Das ist doch dann wohl eher die Interpretation von Leuten, die zu dumm sind zu verstehen, was sie da eigentlich gerade gelesen haben?

Und erst recht das hier:
"Auch kann ich es nicht mehr hören, dass egal was ist, man ständig darauf hingewiesen wird, dass man aufgrund der deutschen Geschichte doch eine besondere Verantwortung hat. Da schnallen die Leute wohl nicht, dass wir mittlerweile 2-3 Generationen weiter sind und wir nicht für die Verbrechen unserer Vorfahren schuld sind. Oder würdest du für einen Mord den dein Opa begangen hat dein ganzes Leben lang zahlen wollen und als Mörder beschimpft werden?"

Häh? In keiner einzigen Zeitung, die ich seit Beginn der Flüchtlingskrise gelesen habe, stand, dass man etwa Flüchtlinge deswegen aufzunehmen hätte, weil man irgendwie "schuldig" sei.

Solche dummen Aussagen habe ich nur mal gelegentlich von Linksautonomen gehört. Vielleicht gibts auf der Meinungsseite klar als solches markiert mal einen Kommentar, der in diese Richtung geht. Das ist alles.

Stattdessen tagein, tagaus in der "Lügenpresse": Berichte und Interviews mit Leuten vor Ort, die sich besorgt äußern, ob der Flüchtlingsandrang denn zu bewältigen sei. Jeden Tag mindestens ein Artikel pro Zeitung, in dem es um "die Ängste" der Bevölkerung geht. Berichte darüber, dass die CDU-Basis der Politik Merkels äußerst skeptisch gegenübersteht. Meinungsumfragen, die zeigen, wieviele Deutsche welche Ängste haben. Und dann auch Meinungen, die all das abzuwägen und zu erklären suchen. Etc pp.

Vielleicht ist das in der BILD ja anders, aber wenn man die nicht mag, soll man lieber eine der dutzenden anderen Zeitungen lesen, anstatt dumpf auf "die Presse" zu meckern.

Woher nehmen diese Leute diese schlicht völlig absurde Wahrnehmung davon, was angeblich in "der Presse" stünde? Ganz offensichtlich jedenfalls NICHT daher, dass sie sie lesen würden. Aber mal einfach so dummes Zeug in die Welt posaunen.
Rentner hat folgendes geschrieben:
Als langjähriger Rundfunkmitarbeiter nehme ich wie folgt kurz dazu Stellung:
Es kann nur darum gehen, dass das, was die Medien verbreiten, inhaltlich "wahr" ist, also mit den Tatsachen übereinstimmt. Dies ist allgemein der Fall. Was nicht zu erwarten ist, ist, dass ein Presseorgan, das Fernsehen oder der Hörfunk sämtliche Aspekte, Auswirkungen usw. eines Sachvhverhalts darstellen wird bzw. kann, das ist weder vom Platz noch von der Zeit her möglich.
Der Medienkonsument bleibt aufgefordert, sich aus möglichst vielen ihm zugänglichen Quellen zu informieren und sich daraus ein Urteil zu bilden. Bei der Auswahl bzw. der Auswertung der Quellen ist es nützlich, sich an seinen Interessen bzw. den Interessen der Gesellschaftlichen Gruppe, der er angehört, zu orientieren.
Das ist nicht einfach und auch nicht zu jedem Thema möglich. Aber weder aus der BILD-Zeitung noch aus der New York Times allein ist eine umfassende "Wahrheit" zu destillieren. Mehrsprachigkeit beim Medienkonsum ist allerdings von Vorteil.


Genauso isses! Danke für diese Aussagen, Rentner!

Eigentlich sollte das ja auch für jeden offensichtlich sein. Viele möchten aber lieber eine vorgekaute "Wahrheit" von irgendwem gesagt bekommen, ohne dafür auch nur lesen oder denken zu müssen, am besten wohl von einem Führer. Und dann drischt man auf "die Medien" ein, wenn sie nicht genau das berichten, was man sich "schon immer so gedacht" hat und was deswegen "wohl schon stimmen muss".
Bernh deine Beleidigungen kannst du getrost stecken lassen. Und wenn du es selbst nicht mal fertig bringst was anderes als den Sportteil oder die Partnerbörse in der Zeitung zu lesen dann tut es mir echt leid. Du willst mir doch wohl nicht ernsthaft erzählen, dass du nirgendwo etwas von dem gelesen hast was ich oben genannt habe. Ich lese jeden Tag in mindestens in der Welt, Focus, Spiegel und Stern, da bekanntlicherweise auch die Zeitungen ein bisschen mehr von der einen oder anderen Partei angehaucht sind. So sieht man verschiedene Ansichten.
So wie ich deinen Post lese kommt bei mir eher der Gedanke , dass du das von mir geschriebene nicht einmal annähernd verstanden hast. Aber nun gut, ich werde es dir erklären. Natürlich schreiben die Zeitungen nicht dass sie es explizit fordern (mal abgesehen von der supiden Bild), es kommt eher darauf an wen, was und wie ich ihn zitiere und in welcher Itensität. Wenn ich 50 mal einen Politiker zitiere, der schimpft dass die ausländerfeindlichen dauernd Flüchtlingsheime anzünden (wobei er die Tat selbst natürlich zurecht verurteilt!), aber jemand der darauf hinweist, dass es (mittlerweile oft) vieleicht gar nicht um die Flüchtlinge selbst sondern darum geht, dass die Bevölkerung sorgen und Nöte hat, die von den meisten Politikern als (übertrieben gesagt) quatsch abgetan werden und sie sich aufgrund dessen, dass sie keinerlei Möglichkeit haben nach der Wahl etwas in der Politik zu ändern, nicht mehr anders zu helfen wissen, nur einmal in der selben Zeit und das nur in einem Nebensatz zitiert wird, ist das dann nicht eine Falschdarstellung der Wahrheit?

Ich denke schon! Und das war jetzt nur ein, wenn auch etwas überspitztes, Beispiel. Wie oft sieht man in den Medien Flüchtlingsheime brennen und dann kommt noch die böse Pegida und die AfD und was weiß ich noch wer alles in diese Ecke passt und es wird erzählt dass wieder überall ausländerfeindliche und rechtsradikale Extremisten unterwegs sind? Und wie oft werden Leute gezeigt, die wegen Flüchtlingen aus der Wohnung geworfen wurden? Oder wer hat mitbekommen, dass in Landsberg eine Eisenstange nach Kindern einer Kita geworfen hat? Sollte dir hier der Nachweis fehlen kann ich diesen auf Nachfrage noch heraussuchen.
Die Wahrheit muss auch Gleichberechtigung sein, dass heißt das auch alle Seiten mit gleicher Itensität gehört und zitiert werden müssen. In einer Gerichtsverhandlung darf sich der Beklagte ja auch äußern und wird nicht mundtod gemacht.
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Der Sinn des Lebens beschränkt sich darauf, die Meinung desjenigen wiederzugeben, der uns über genau diesen Sinn belehren will. -D. Graf-
vadda hat folgendes geschrieben:
Bernh deine Beleidigungen kannst du getrost stecken lassen. Und wenn du es selbst nicht mal fertig bringst was anderes als den Sportteil oder die Partnerbörse in der Zeitung zu lesen dann tut es mir echt leid. Du willst mir doch wohl nicht ernsthaft erzählen, dass du nirgendwo etwas von dem gelesen hast was ich oben genannt habe. Ich lese jeden Tag in mindestens in der Welt, Focus, Spiegel und Stern, da bekanntlicherweise auch die Zeitungen ein bisschen mehr von der einen oder anderen Partei angehaucht sind. So sieht man verschiedene Ansichten.
So wie ich deinen Post lese kommt bei mir eher der Gedanke , dass du das von mir geschriebene nicht einmal annähernd verstanden hast. Aber nun gut, ich werde es dir erklären. Natürlich schreiben die Zeitungen nicht dass sie es explizit fordern (mal abgesehen von der supiden Bild), es kommt eher darauf an wen, was und wie ich ihn zitiere und in welcher Itensität. Wenn ich 50 mal einen Politiker zitiere, der schimpft dass die ausländerfeindlichen dauernd Flüchtlingsheime anzünden (wobei er die Tat selbst natürlich zurecht verurteilt!), aber jemand der darauf hinweist, dass es (mittlerweile oft) vieleicht gar nicht um die Flüchtlinge selbst sondern darum geht, dass die Bevölkerung sorgen und Nöte hat, die von den meisten Politikern als (übertrieben gesagt) quatsch abgetan werden und sie sich aufgrund dessen, dass sie keinerlei Möglichkeit haben nach der Wahl etwas in der Politik zu ändern, nicht mehr anders zu helfen wissen, nur einmal in der selben Zeit und das nur in einem Nebensatz zitiert wird, ist das dann nicht eine Falschdarstellung der Wahrheit?

Ich denke schon! Und das war jetzt nur ein, wenn auch etwas überspitztes, Beispiel. Wie oft sieht man in den Medien Flüchtlingsheime brennen und dann kommt noch die böse Pegida und die AfD und was weiß ich noch wer alles in diese Ecke passt und es wird erzählt dass wieder überall ausländerfeindliche und rechtsradikale Extremisten unterwegs sind? Und wie oft werden Leute gezeigt, die wegen Flüchtlingen aus der Wohnung geworfen wurden? Oder wer hat mitbekommen, dass in Landsberg eine Eisenstange nach Kindern einer Kita geworfen hat? Sollte dir hier der Nachweis fehlen kann ich diesen auf Nachfrage noch heraussuchen.
Die Wahrheit muss auch Gleichberechtigung sein, dass heißt das auch alle Seiten mit gleicher Itensität gehört und zitiert werden müssen. In einer Gerichtsverhandlung darf sich der Beklagte ja auch äußern und wird nicht mundtod gemacht.


Du hast also ein Bild im Kopf, wie "die Wahrheit" aussieht, das sich ausschließlich auf deine Gefühle und sonst nichts stützt, und beschuldigst dann "die Presse", sie würde "lügen", wenn sie nicht jedes deiner Vorurteile eins zu eins bestätigt.

So kann man da natürlich auch rangehen.

Wenn ich dich richtig verstehe, dann willst du, dass die Presse die ausländerfeindlichen Anschläge verschweigt oder schönredet, weil das eher deiner Vorstellung von "Wahrheit", wie sie denn sein sollte (nicht, wie sie ist) entspricht.

Wenn du also eh schon weißt, was "die Wahrheit" ist, dann brauchst du doch gar keine Presse mehr, die sie dir erklärt? Verwirrend.

Du "weißt" einfach irgendwie, dass die Flüchtlinge kriminell sind und Verbrechen verüben, weswegen Du langweilige Statistiken zu dem Thema als Bestätigung dafür nimmst, das Problem werde verharmlost, was natürlich belegt, dass die Presse lügt. Stattdessen solle sie mal lieber mehr über kriminelle Flüchtlinge bringen, damit dein Weltbild bestätigt wird.

Achso, es sollen "alle Seiten gleich" zu Wort kommen. Das stimmt, die Presse ist wirklich sehr unfair bei der Verteilung von Beiträgen, wenn es verschiedene Meinungen zu einem Thema gibt. Zum Beispiel finde ich es empörend, wie bei der Diskussion, ob die Erde eine Scheibe ist, die Befürworter der Theorie schamlos bevorzugt werden, sie sei rund. Die auf der Seite der Flachen-Erde-Theorie kommen kaum zu Wort und werden mundtot gemacht. Eine wirklich freie Presse sollte beiden Meinungen gleich viel Platz einräumen!


Wie ich schon sagte, man findet selbst in sehr auflagenstarken, "mainstreamigen" Medien dutzend-, ja hundertfach Beiträge, die über Probleme und Sorgen im Zusammenhang mit den Flüchtlingen berichten. Du aber liest dies entweder gar nicht, oder nur sehr selektiv.

Aber dir gehts ja nur ums Bauchgefühl. Solange in den Zeitungen nicht offen zum Brandanschlag aufgerufen wird, hast du vermutlich das Gefühl, sie würden irgendwas verharmlosen oder weglassen.


Dass "die Bürger" sich "nicht wehren" könnten oder "keine Wahl" hätten, ist schlicht dummer Unfug. Ich weiß nicht, woher das ganze Pack dieses abstruse Geraune immer herhat. Es hört sich halt irgendwie "wahr" an, deswegen muss es wohl stimmen. Einer plappert es vor, und der dumpfe Nachhall davon verbreitet sich dann im geistigen Vakuum.

Wer so redet, hat jedenfalls mit absoluter Sicherheit keinen einzigen Artikel gelesen, der z.B. Horst Seehofer zitiert. Und AfD zu wählen, steht auch jedermann frei.

Wenn man denn schon mit der Regierungspolitik in Punkto Flüchtlinge nicht einverstanden ist.
Und wenn du bei PEGIDA-Rednern wie Pirincci allen ernstes auf die Idee kommst zu behaupten, eine Unterstellung der Nähe zum Rechtsextremismus oder Verfassungsfeindlichkeit sei aus der Luft gegriffen, dann ist dir echt nicht mehr zu helfen.

Aber vermutlich hast du von Pirincci etc. auch gar nichts mitbekommen, weil du die Presse ja nicht liest, weil da nicht drinsteht, was du gerne hören willst. Aber mach dann nicht andere für dein Totalversagen verantwortlich.

Achso... es sollen "alle Seiten gleich" behandelt werden... vielleicht sollten die Redaktionen dann jedesmal, wenn einer wie Pirincci den Mund aufmacht, ganz schnell zwanghaft irgendeinen kriminellen Flüchtling finden, über den sie dann auch berichten können. Damits wieder "stimmt" und "gerecht" ist.


Und wer genau beschuldigt z.B. die AfD ganz allgemein als "rechtsextrem" oder "Neo-Nazis"? Sicher nicht pauschal "die Presse".

Es gibt einzelne Politiker, die das tun, die auch namentlich genannt werden. Es gibt ggf. Experten, die auf Tendenzen hinweisen und das begründen. Dich diesen Meinungen anzuschließen, dazu zwingt dich niemand.

Es ist in einer Demokratie normal, dass Anhänger von Parteien, die sich im Konkurrenzverhältnis befinden, kein gutes Wort an anderen Parteien lassen.

So haben Politiker der CDU/CSU lange Zeit die Linke in die Nähe des Linksextremismus gerückt. Umgekehrt haben viele Linken-Politiker ständig und fortdauernd Politiker anderer Parteien des "Neoliberalismus" beschuldigt. Etc pp.

Wenn du mit einem solchen Meinungsstreit nicht klarkommst, oder Schwierigkeiten hast, nicht sofort alles für bare Münze zu nehmen, was irgendwer als Meinungsäußerung von sich gibt, dann bist du in einer parlamentarischen Demokratie schlicht falsch.

Du musst halt damit leben, dass andere Menschen bei ihrer Meinungsfindung zu anderen Ergebnissen kommen als du, so etwa, wenn sie PEGIDA oder AfD widerlich finden und das dann auch offen sagen. Mir scheint, du willst einfach allen den Mund verbieten, die anderer Meinung sind.
Rentner hat folgendes geschrieben:
Es kann nur darum gehen, dass das, was die Medien verbreiten, inhaltlich "wahr" ist, also mit den Tatsachen übereinstimmt.


Darüber hinaus sollte es keine ethischen Kriterien geben?

Zitat:
Dies ist allgemein der Fall.


Dass das, was in der Zeitung steht den Tatsachen entspricht? Bist du da sicher?

Eine andere Frage: Wie würdest du eigentlich eine Biographie über dich bewerten, die überwiegend oder ausschließlich über die negativen Vorkommnisse in deinem Leben berichtet? Nach deiner oben stehenden Definition ist sie "wahr". Es entspricht ja den Tatsachen, was da zu lesen ist.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Rentner hat folgendes geschrieben:
Es kann nur darum gehen, dass das, was die Medien verbreiten, inhaltlich "wahr" ist, also mit den Tatsachen übereinstimmt.


Darüber hinaus sollte es keine ethischen Kriterien geben?


Die herkömmlichen Medien haben bisher auch meist eine "Gatekeeper"-Funktion erfüllt. D.h. sie haben meist Hetze oder Aufruf zum Hass nicht zu Wort kommen lassen, um nicht mitverantwortlich für Verbrechen gemacht zu werden, zu denen solches aufruft/aufstachelt.

Aus ähnlichen Gründen gibt es die Abmachung, über Selbstmorde nur im Ausnahmefall ausgiebig zu berichten, weil Studien gezeigt haben, dass Berichte über Selbstmorde immer auch Nachahmungen zur Folge haben.



Zitat:
Zitat:
Dies ist allgemein der Fall.


Dass das, was in der Zeitung steht den Tatsachen entspricht? Bist du da sicher?
[/quote]

Rentner kann dazu als ehemaliger Journalist sicher mehr sagen, aber ich würde sagen, es verhält sich im Allgemeinen in Zeitungen nicht anders als anderswo auch:

Die meisten Journalisten wollen Tatsachen nach besten Wissen und Gewissen berichten, sind aber auch nur Menschen, so dass es immer mal zu Fehlern kommt -- selbstverschuldeten oder auch nicht.

Dazu kommt, dass je nach Zielgruppe und Format der jeweiligen Zeitung mal mehr, mal weniger Wert auf Genauigkeit und sauberer Quellenangabe gelegt wird, wenn auf der anderen Seite reißerische Schlagzeilen bessere Verkaufszahlen erhoffen lassen.

Themenauswahl und ggf. Meinungstendenz hängen sicher auch von den vermuteten Erwartungen der Zielgruppe ab und spielen als Faktor hinein.