Keine Freude, kein Spaß, keine Zufriedenheit - was tun?


Hallo,

Ich habe folgendes Problem und weiß einfach nicht wie ich es lösen kann.

Egal was mein Leben bringt ich kann einfach keine positiven Gefühle spüren. Freude, Spaß, Zufriedenheit und Stolz habe ich seit unendlich langer Zeit nicht mehr wirklich gespürt. Sobald etwas positives passiert fallen mir tausend negative Gründe ein um mich nicht zu freuen etc. Auch bin ich im Kopf nicht frei, dass ich mich mal bei irgendetwas fallen lassen kann. Egal was ist, ich stehe ständig unter Druck und weiß nicht mal warum.
Kennt ihr diese Gefühle auch und wenn ja was habt ihr dagegen unternommen?

LG

V.
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Der Sinn des Lebens beschränkt sich darauf, die Meinung desjenigen wiederzugeben, der uns über genau diesen Sinn belehren will. -D. Graf-
Ich meine, dass viele Menschen das kennen. Da ist es wichtig, einen Weg zu suchen, um vom Alltag mal ordentlich abzuschalten und dir ein Kontrastprogramm zu gönnen.
Klingt nach Depressionen. Hast du es mal mit Antidepressiva probiert?
Nein, ich will nicht unbedingt Tabletten nehmen etc nehmen. Das muss doch auch anders gehen
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Zitat:
Nein, ich will nicht unbedingt Tabletten nehmen etc nehmen. Das muss doch auch anders gehen


Wenn du tatsächlich Depressionen und nicht nur einen Durchhänger hast, ist das eine Krankheit. Und die lässt sich nicht mit Sonnenschein und einem neuen Hobby behandeln.

Wenn du dich nicht überwinden kannst morgens eine Tablette zu nehmen, kann die Situation ja nicht so deprimierend sein, wie du sie hier schilderst.

Wenn du Angst vor Nebenwirkungen hast: Bei den neueren Antidepressiva sind die wirklich ein Witz. Falls doch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, kannst du das Medikament jeder Zeit vom Arzt austauschen lassen. Es gibt mehr als genügend und die positive Wirkung ist nicht unerheblich.

Zitat:
Egal was mein Leben bringt ich kann einfach keine positiven Gefühle spüren. Freude, Spaß, Zufriedenheit und Stolz habe ich seit unendlich langer Zeit nicht mehr wirklich gespürt.


Das klingt nach sehr stark pathologischen Depressionen. Es gibt kaum einen, der sowas länger als eine Woche aushält ohne Suizid zu begehen oder durchzudrehen.

Wirklich ausgeschlossen gar keine positiven Gefühle mehr? Fällt mir schwer zu glauben. Sowas gibts nur ganz ganz selten und wird gleich mit mehreren Antidepressiva (und stärkerer Arznei am Anfang, weil Antideppresiva nicht immer sofort wirken) behandelt, weil sowas für den Mensch unerträglich ist.
Sicher hört sich das nach einer Depression an, es kann aber auch vieles andere vorliegen. Ich würde davon abraten, zum Psychiater zu gehen und mir mal eben Antidepressiva verschreiben lassen. Leider reagieen manche Psychiater so, wenn ihnen so eine Geschichte erzählt wird, liegt an der Überlastung der Psychiater. Psychiater sind, was viele nicht wissen, Ärzte, und Ärzte verschreiben nun mal Medikamente. Grundsätzlich ist das auch nicht schlecht, denn in einschlägigen Fällen ist ein Antidepressiva tatsächlich das Mittel der Wahl.
Der zweite Weg ist der Psychotherapeut. Ein Psychotherapeut ist KEIN Arzt, sondern ein Psychologe, sprich Diplompsychologe. Er darf gar keine Medikamente verschreiben, sondern arbeitet mit psychologischen Mitteln, je nach Therapiemethode.
Es gibt Tests und Merkmale für die Diagnose einer Depression. Ein Psychotherapeut wird zunächst mit dem Klienten sprechen, eventuell bei Unklarheit Tests anwenden und dann die Diagnose stellen und eine psychotherapeutische Methode vorschlagen und mit dem Klienten besprechen. Ist der Klient damit einverstanden, wird der therapeut bei der jeweils zuständigen Krankenkassse einen Therapieplan vorlegen und einen Antrag auf Kostenübernahme durch die KK einreichen. Ist das genehmigt, kann die Therapie beginnen.
Übrigens sind einige vorgeschaltete "Probestunden" die Regel, und nach diesen Probestunden können beide, Therapeut und Klient, entscheiden, ob sie miteinander "klarkommen.
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Psychotherapie für eine Weile medikamentös zu unterstützen. Wenn es dem Therapeuten scheint, dass das angebracht ist, wird er den Klienten zum Psychiater schicken, um sich ein entsprechendes Medikament verschreiben zu lassen.
Es gibt viele verschiedene Antidepressiva, und die Wahl des zum Klienten passenden Medikaments, es können auch mehrere sein, trifft der Psychiater, möglichst in Rücksprache mit dem Psychotherapeuten.
Auch in dem Fall, dass sich der hier geschilderte Fall nicht als Depression diagnostizieren lässt, kann ein Psychotherapeut hilfreich sein. Die Gefühlssituation, in der sich der Klient befindet kann auch auch Ursachen zB in seiner sozialen Situation haben oder auch körperlich bedingt sein, Stichwort Wechseljahre oder eine andere hormonelle, eben körperliche Störung. Dies zu diagnostizieren wäre wieder Aufgabe des Psychiaters, soziale oder sonst nicht körperlich bedingte Ursachen wären wiederum ein Fall für den Psychotherapeuten.
Also bitte nicht alles über einen Kamm scheren, sondern eine vernünftige Diagnose einholen, erst dann können sinnvolle Maßnahmen unterschiedlicher Art eingeleitet werden.
Ich versuche es dir mal so gut ich es kann zu beschreiben...

Zuerst zur Zufriedenheit und Stolz.
Diese beiden kann ich wirklich niemals fühlen. Egal was ich tue oder geschafft habe, ich habe immer das Gefühl dass ich es hätte besser machen können, bzw schon viel früher hätte so leisten können. Ich schaffe es nicht zu sagen, dass ich etwas gut gemacht habe oder dass das was ich erreicht habe ausreichend ist.

Zur Freude:

Freude ist für mich ein wahnsinnig schweres Thema. Ich kann mich kurz für wenige Sekunden freuen (z.B. wenn meine Lieblingsmannschaft ein Tor geschossen hat), aber das ist wirklich nur für 3-5 Sekunden. Auf irgendwas richtig freuen, im Sinn von man ist schon richtig aufgeregt und kann es kaum erwarten und man ist schon zappelig) kann ich mich gar nicht. Auch über positive Dinge, die mir passieren, kann ich mich nicht. Es fühlt sich dann eher so an, als dass es auch mal Zeit wurde.

Spaß:
Auch hier ist es für mich richtig schwer. Es gibt Dinge, die ich gerne tue, aber ich kann dabei nie so frei werden, dass ich diese wirklich genießen kann. Für mich fühlt sich alles irgendwie trotzdem wie gefühlsmäßig gefangen an.

Ich hoffe ich konnte es jetzt besser rüber bringen.
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Der Sinn des Lebens beschränkt sich darauf, die Meinung desjenigen wiederzugeben, der uns über genau diesen Sinn belehren will. -D. Graf-
OK, bei mir steigt so langsam ein Bild auf, aber ich werde mich vor einer Ferndiagnose hüten. Ein diagnostisches Gespräch findet face to face statt und dauert meistens länger als eine Sitzung. Zum Beispiel wäre zu klären, wann diese Erscheinungen zum ersten Mal aufgetreten sind, mit welcher/welchen Lebenssituation/en das verbunden ist bzw. war und vieles mehr. Ich führe das hier nicht weiter aus, weil es nichts bringen würde, wenn du mir das hier im Forum erzählen würdest oder mir eine PN schickst.
Ich habe also meinen obigen Ausführungen nichts hinzu zu fügen und kann nur noch darauf hinweisen, dass die Wartezeiten für eine Psychotherapie nicht selten 3 Monate oder mehr betragen kann. In dieser Wartezeit kann es hilfreich sein, sie medikamentös abzufedern, das ist eine Entscheidung des behalndelnden Arztes/Psychiaters.
Was du beschreibst, ist nicht selten. Ärzte und vor allem Psychotherapeuten müssten damit umgehen können. Falls nicht, Arzt oder Therapeuten wechseln.
Klare Empfehlung: Such einen Fachmann auf. Eine Ferndiagnose über das Internet ist kaum möglich, schon gar nicht, wenn sie von Menschen gestellt wird, die keine Fachleute sind.

Deswegen: Schildere Deine Probleme einem Psychiater bzw. Psychologen. Der wird dann diagnostische Methoden zur Hand haben, um dem Problem auf den Grund zu gehen und passende Therapiemöglichkeiten zu finden.

Persönlich bin ich Psychologen zwar mehr als skeptisch gegenüber, weil sie, wie ich selbst erfahren durfte, ernsthaften psychiatrischen (sprich: medizinischen) Problemen oft sehr ignorant gegenüberstehen. Aber das ist vielleicht auch nur ein Sonderfall.

Alles Gute!
Vadda, wie gesagt, ich werde nicht weiter auf das Thema eingehen. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Aber es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass andere Leute hier im Forum nützliche Hinweise für dich haben.
(Der Frosch liest mit.)