Thomasevangelium


Ich beginne hier mit einem Beitrag von Burkl aus dem aus "Eure Lieblingszitate", da dort das Thema nicht weiter diskutiert werden kann.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Minou hat folgendes geschrieben:
Wenn ihr eure Ebenbilder seht, freut ihr euch. Wenn ihr
aber eure Bilder seht, die vor euch entstanden sind, die weder sterben noch
sich offenbaren, wie viel werdet ihr dann ertragen?

Thomasevangelium


Es kann durchaus sein, dass hier eine Art (Re)-inkarnation gemeint ist. Das Thomas-Evangelium enthält gnostisches Gedankengut. Die Gnostiker lehrten die Reinkarnation, einige von ihnen behaupteten sogar, dass Jesus zu seinen Jüngern über die Reinkarnation gesprochen hätte.

Die christliche Lehre unterscheidet sich davon. Die Seele hat einen Anfang - nämlich den Augenblick der Zeugung des Menschen, aber kein Ende. Keinesfalls kann sie älter als der Mensch sein zu dem sie gehört oder gar eine Art eigenständige Existenz innehaben. Der Mensch ist ja im christlichen Glauben eine Leib-Seele. Darum ist ja auch die Auferstehung, die Wiedervereinigung der Seele mit dem neuen Auferstehungsleib, der Punkt, in dem das neue Leben beginnt.


Ich wollte Burkl fragen, was "gnostisches Gedankengut" eigentlich bedeutet. So viel ich weiß, waren die Gnostiker Christen, die nach Jesu Lehre lebten. Warum und wann hat sich diese christliche Richtung von der Lehre, die später Kirchenlehre wurde, gelöst?

Dazu ein Zitat von Abdu'l Baha:
Wisse, dass die menschliche Seele erschaffen wurde, obwohl sie seit undenkbar langen Zeiten auf der Erde lebt. Da sie ein göttliches Zeichen ist,ist sie, einmal ins Leben gerufen, unvergänglich. Der Menschengeist hat einen Anfang, aber kein Ende; er lebt in alle Ewigkeit.
aus "Beantwortete Fragen"
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Also ich meine, dass Alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende hat, aber was kein Ende haben kann, kann nach meinem Verständnis auch keinen Anfang haben.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Also ich meine, dass Alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende hat, aber was kein Ende haben kann, kann nach meinem Verständnis auch keinen Anfang haben.


Ich sehe es so, dass die Seele ihrer Anlage nach präexistent ist, aber durch die Schöpfung in Erscheinung getreten, also offenbar geworden ist.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:

Dazu ein Zitat von Abdu'l Baha:
Wisse, dass die menschliche Seele erschaffen wurde, obwohl sie seit undenkbar langen Zeiten auf der Erde lebt. Da sie ein göttliches Zeichen ist,ist sie, einmal ins Leben gerufen, unvergänglich. Der Menschengeist hat einen Anfang, aber kein Ende; er lebt in alle Ewigkeit.


In diesen drei Sätzen stecken aus christlicher Sicht gleich drei große Irrlehren drinnen: Die erste, dass die Seele älter als der jeweilige Mensch wäre. Die zweite, dass sie hier auf Erden ohne ihren Leib existieren könne. Und die dritte, dass Seele und Geist voneinander zu trennen wären.

Minou hat folgendes geschrieben:
Ich wollte Burkl fragen, was "gnostisches Gedankengut" eigentlich bedeutet. So viel ich weiß, waren die Gnostiker Christen, die nach Jesu Lehre lebten. Warum und wann hat sich diese christliche Richtung von der Lehre, die später Kirchenlehre wurde, gelöst?


Das grundlegende Gedankengut der Gnosis, z.B. Verachtung der Materie, gab es schon lange vor der ersten christlichen Urgemeinde. Es ist von Außen theologisch auf das junge Christentum heftig eingestürmt, vor Allem in Form einiger Irrlehren über die Person Christi. Eine davon dürfte in Richtung des sog. Doketismus gegangen sein, also die Irrlehre, dass Christus gar nicht Mensch wie wir im vollen Sinne war, sondern gleichsam nur zum Schein - sozusagen eine Spiegelung des transzendenten göttlichen Wesens, aber nicht wirklicher Mensch aus Fleisch und Blut. Die frühe Gemeinde Christi musste diese sehr schädliche Irrlehre abwehren.

"Und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist nicht aus Gott."

1. Joh 4,3

Minou hat folgendes geschrieben:
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Also ich meine, dass Alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende hat, aber was kein Ende haben kann, kann nach meinem Verständnis auch keinen Anfang haben.


Ich sehe es so, dass die Seele ihrer Anlage nach präexistent ist, aber durch die Schöpfung in Erscheinung getreten, also offenbar geworden ist.


Jesus stellt klar, dass die Präeexistenz eine Eigenschaft ist, die nur er hat - aber eben nur deshalb, weil Er selbst Gott ist.

„Wahrlich, wahrlich: Ehe Abraham wurde, bin ich.“

Johannes 8,58

Der "Ich bin" - der Gott Jahwe - ist nach christlichem Glauben der Einzige, der dieser Schöpfung "präexistent" ist. Alles außerhalb vom Ihm sind Geschöpfe, die Er erschaffen hat, also einen zeitlichen Anfang haben - und im Falle der menschlichen Seele kein Ende.
Minou hat folgendes geschrieben:
Zitat:
ist dieser Vers eine Anspielung auf das Wiedersehen der Verwandten?


Hallo Jack,

ich weiß es nicht genau; mir kommt es vor, als sei er ein Hinweis auf die Reinkarnation. Wäre interessant zu wissen, wie die anderen Freunde hier es sehen.

LG,
Minou


Danke für Deine Antwort.
Das Thomasevangelium habe ich mir gestern das erste mal angesehen, sehr anspruchsvoll.
Vieles versteh ich garnicht.

Aber ich frage mich warum ist es für Dich ein Lieblingszitat ist, wenn Du doch garnicht an Reinkarnation glaubst.

LG,
JackCM
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http://www.exometa.de/vr.htm
http://youtu.be/_h0ozLvUTb0
http://youtu.be/jWUAI_gywfM
Minou hat folgendes geschrieben:
Ich wollte Burkl fragen, was "gnostisches Gedankengut" eigentlich bedeutet. So viel ich weiß, waren die Gnostiker Christen, die nach Jesu Lehre lebten. Warum und wann hat sich diese christliche Richtung von der Lehre, die später Kirchenlehre wurde, gelöst?


Liebe Minou,

wie Burkl bereits gesagt hat, ist die Gnosis im Kern eine Geistesströmung, die vom Christentum unabhängig ist und sich parallel aus dem griechischen Denken heraus entwickelt hat. Die Ursprünge dessen, was als "gnostische Lehre" gelten kann, wenngleich sich alle gnostischen Strömungen noch untereinander fundamental unterschieden, ist die Vorstellung, dass es einen transzendenten guten Gott gebe, der aber nie selbstständig in Erscheinung getreten sei, und einen bösen, tyrannischen Schöpfergott, den Demiurgen, der für die Unvollkommenheit der Welt und das Leid in ihr verantwortlich sei, weil er erst unvollkommen ist und demnach Fehler bei der Schöpfung gemacht hat.

Die Strömung der Marcioniten, die versuchte, gnostisches Denken an die Bibel (damals natürlich in erster Linie das Alte Testament) anzulegen, kam daraufhin zu dem Schluss, dass es sich bei dem Gott des Alten Testaments und dem Vater Jesu um zwei völlig verschiedene Götter handeln müsse, da letzterer von bedingungsloser Liebe und Vergebung spreche, während Jahwe ganze Völker eigenhändig niedermetzelte.

Diese Lehre wurde schnell von der restlichen Christenheit verdammt, sodass sich aus Marcion und seinen Anhängern die erste "Gegenkirche" bildete. Marcion ist es auch zu verdanken, dass bald darauf der Prozess der Kanonbildung in Gang kam, bei dem die Schriften des Neuen Testaments verbindlich festgelegt und andere rausgeworfen wurden.

Ein anderes wesentliches Charakteristikum gnostischer Lehren ist die Vorstellung von einem mythischen Urkampf zwischen Licht und Finsternis, bei dem einige Lichtteilchen in der finsteren Materie eingeschlossen wurden und dort bis heute gefangen sind. Es ist also die Aufgabe des guten Gottes, diese Lichtteilchen wieder zu befreien und somit Gut und Böse wieder voneinander zu trennen. Zu diesem Zweck hat er seinen Sohn geschickt, der allerdings nicht Mensch werden kann, weil ja die Materie böse ist und ihn verunreinigt hätte. Es ist also, wie Burkl schon schrieb, ein Scheinleib, und der Sohn Gottes folglich auch kein echter Mensch, sondern pure Energie.

Mit der Lehre Jesu, wie wir sie heute verstehen, hat das alles aber nur wenig gemeinsam.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Vielen Dank an Sören und Burkl für die Erklärungen!
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
JackCM hat folgendes geschrieben:
Aber ich frage mich warum ist es für Dich ein Lieblingszitat ist, wenn Du doch garnicht an Reinkarnation glaubst.


Weil ich den Gedankengang interessant finde, da diese Lehre eine Antwort darauf wäre, warum Menschen in so unterschiedliche Startpositionen geboren werden bzw. warum es so viel Leid auf der Welt gibt.

Aber Du hast damit recht, dass die Baha'i-Religion die Reinkarnationslehre ablehnt ebenso wie die offiziellen christlichen Kirchen.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Ich denke, dass dieser "Demiurg" ein anderer Begriff für "Dämon" ist. Es ist also kein echter "Gott", sondern wird oder wurde angeblich nur von gewissen Menschen oder so für Gott gehalten.
Ich habe es bisher immer so verstanden, dass die gnostische Lehre Gott als das Gute und die Welt per se als das Schlechte definiert. Der Mensch muss´ sich nun von der Welt (und damit z.B. auch dem eigenen Körper) lösen, um dem Guten zm Sieg zu verhelfen.
Btw enthält das Thomasevangelium viele interessante Sprüche. Schade, dass man die Authenzität in vielen Fällen nicht mehr eindeutig feststellen kann.