Immer nur gegeben - jetzt nur noch (lebens-)müde....


Kennt ihr das? Mein Leben lang hab ich immer nur funktioniert und gegeben, habe meine drei Kinder zu erfolgreichen und glücklichen Menschen herangezogen, zeitweise alleinerziehend und nebenher noch hohe Schulden abbezahlend, die mein erster Mann mir "hinterlassen" hat.
War auch danach in allen Beziehungen immer nur für den anderen da,habe Verantwortung für jüngere Partner oder Männer mit irgendwelchen Suchtproblemen getragen.
Irgendwann waren sie meiner überdrüssig, sind alleine in ein erfolgreiches, z. T. drogenfreies Leben gestartet.
Warum suche oder finde ich immer Partner, die mich nur als Sprungbrett nutzen? Warum kann ich mich nicht auch einfach mal nur fallen lassen und aufgefangen werden?
Meine jüngste ist leider erst 15, es sind noch drei Jahre, bis sie mit der Schule fertig ist und auszieht.
Und dann werde ich nur noch an mich denken und diesem ganzen Elend ein Ende setzen.
Sinnigerweise werde ich es wohl an meinem Geburtstag machen, der in den letzten vier Jahren zweimal zum Schluss machen genutzt wurde.
Bis dahin werde ich alle Dinge regeln, damit meine Kinder möglichst wenig praktische Probleme nach meinem Tod haben werden.
Dann werde ich nie mehr alleine sein müssen.....
Jetzt muss ich nur noch die nächsten Jahre schaffen
Und dann werde ich nur noch an mich denken und dieses Leben genießen!
Auch diese Möglichkeit steht dir offen, wenn du sie dir erlaubst.
Alles Liebe für dich!
Monaliesa
Hallo Melia!

Es tut mir leid, dass Du offenbar Dein Leben so wenig schätzt.

Ich habe den Eindruck, dass Du lange gedacht hast, wenn Du nur immer gibst, wird Dir das Leben etwas schulden. Und jetzt wird Dir klar, dass das nicht so ist, weswegen Du das Leben verfluchst.

Was soll man dazu sagen? Vermutlich ist Dir klar geworden, dass es Deine Entscheidung war, immer nur zu geben, und Du selbst Schuld daran bist, dass es offenbar keinen anderen Lebensinhalt mehr für Dich gibt, sobald Deine Jüngste auf eigenen Beinen steht. Denn so ist es. Du hättest auch schon viel früher damit anfangen können, auch für Dich zu leben.

Ich glaube, es ist aber nicht zu spät, damit jetzt noch anzufangen. Es gibt so viel Wunderbares in dieser Welt, was Du entdecken kannst, sobald Du es nur zulässt, einfach mal für Dich zu leben und mit Dir selbst Spaß zu haben.

Musik zum Beispiel. Alleine die klassische Musik ist ein so großer Kosmos, den es sich zu erforschen lohnt. Mach sie Dir zum Hobby. Lebe das Hobby exzessiv. Entweder nur, indem Du sie anhörst und Wissenswertes darüber nachliest. Oder indem Du noch anfängst, ein Instrument zu lernen.

Oder Bildung. Bildung ist unerschöpflich. Such Dir ein Thema und mach Dich zum Privatgelehrten.

Oder Religion. Werde Teil einer Glaubensgemeinschaft und entwickle Deine eigene, private Spiritualität.

Gib Deinem Leben einen Sinn. Wirf es nicht weg, nur weil Du glaubst, es bisher falsch gelebt zu haben, oder Dir klar wird, dass Du keinen Lohn erhalten wirst für die Art, wie Du es bisher gelebt hast.

Dir alles Gute und Gottes Segen,
Bernhard
Liebe Melia,

Der heilige Franz von Assisi hat einmal gebetet:
"Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe."

Ich glaube dein Leben ist bis jetzt eine Erfolgsgeschichte, weil du sehr viel (!) Liebe gegeben hast. Und nur darauf kommt es letztlich an. Du hast also in Wahrheit Grund dich sehr zu freuen. Du bist auf einem guten Weg. Verlass diesen Weg bitte nicht, indem du willkürlich und "effektvoll" den Zeitpunkt bestimmst, wann er endet.
Und denk immer daran - wenn du dich hingibst, vorbehaltlos ohne an dich zu denken, dann handelst du in Wahrheit zutiefst menschlich. Unsere größte Bestimmung ist es letztlich "selbstvergessen" zu werden - zu lieben, nicht weil wir eine menschliche Antwort und Anerkennung von den Anderen erwarten, sondern einfach deshalb weil es die Liebe selbst wert ist von uns geliebt zu werden. Ich werde für dich beten.

"Die Liebe ist... eine Liebe Wert."

Hl. Josémaría Escrivá, Der Weg Nr. 171
Burkl hat folgendes geschrieben:

Und denk immer daran - wenn du dich hingibst, vorbehaltlos ohne an dich zu denken, dann handelst du in Wahrheit zutiefst menschlich.
[/i]


nein, zutiefst menschlich ist das nicht. Ein solche Selbstlosigkeit hält auf die Dauer keine Mensch aus. Bestes Beispiel dafür ist Mutter Teresa, die am Ende ihres Lebens verkündetete "in mir ist kein Gott", also auch keine Liebe, denn sie war scheinbar völlig ausgebrannt von ihrer Selbstlosigkeit.

Christus konnte sich vielleicht vorbehaltlos bis in den Tod hingeben. Aber wahrscheinlich wusste er, dass er nach drei Tagen wieder aufersteht. Schließlich wird ihm Homousie bescheinigt.

Einem Menschen, der auf grund seiner falsch verstandenen Selbstlosigkeit an sich selbst gescheitert ist, sodass er keinen anderen Ausweg mehr sieht als den Freitod, kann man nur raten:

Lass Dir helfen, es gibt Hilfe für Dich. Kein Problem dieser Welt ist so groß, dass man sich deswegen umbringt.

Amand hat folgendes geschrieben:
Ein solche Selbstlosigkeit hält auf die Dauer keine Mensch aus. Bestes Beispiel dafür ist Mutter Teresa, die am Ende ihres Lebens verkündetete "in mir ist kein Gott", also auch keine Liebe, denn sie war scheinbar völlig ausgebrannt von ihrer Selbstlosigkeit.


Das heißt aber keineswegs, dass sie nicht am Ziel angekommen wäre.
Es ist die Stunde der Prüfung; deswegen hat dich sie der fühlbare Trost, die fühlbare Einwohnung Gottes in der Seele - diese wird auch "dunkle Nacht der Seele" genannt.
Und doch blieben die Heiligen beharrlich bis ans Ende. Darauf kommt es letztlich an (vgl. Mt 24,13). Sie wussten, dass die Traurigkeit eine Verbündete des Feindes ist und haben ihr beharrlich nicht nachgegeben. Und ein anderes Wort für Ausharren in der Treue ist Liebe.
So, wie der Fall hier geschildert wurde, halte ich es für wenig wahrscheinlich, das Problem aus eigener Kraft lösen zu können und rate zumindest zu psychotherapeutischer Begleitung oder Psychotherapie. Auch eine Selbsthilfegruppe ist anzuraten.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Das heißt aber keineswegs, dass sie nicht am Ziel angekommen wäre.


Mutter Teresa hat das Verhältnis Gott/Mensch falsch eingeschätzt. Ihre übermenschliche Leistung aber, verdient allergrößte Hochachtung. Ich hätte sie heilig gesprochen.

Und angekommen ist sie ganz bestimmt, denn Gott gibt keine Seele verloren.


weiß

Amand
Amand hat folgendes geschrieben:

Und angekommen ist sie ganz bestimmt, denn Gott gibt keine Seele verloren.


Das sicher. Aber es kann passieren, dass eine Seele sich soweit von Gott entfremdet, dass sie seinem Wirken gegenüber blind, ja feindlich wird. Das nennt sich "Sünde gegen den Heiligen Geist". Hier kann Gott nichts tun, weil die Freiheit hat er uns absolut und unwiderruflich gegeben, denn sonst könnten wir ja nicht lieben.
Wir wissen allerdings laut Lehre der Kirche von niemandem sicher, dass er in der Hölle ist - aber von Tausenden, den Seligen und Heiligen, dass sie sicher im Himmel sind.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Wir wissen allerdings laut Lehre der Kirche von niemandem sicher, dass er in der Hölle ist - aber von Tausenden, den Seligen und Heiligen, dass sie sicher im Himmel sind.



verehrter Burkl,

die Lehre der Kirche und überhaupt die Religionen haben die Welt nicht besser gemacht, eher schlechter.

Ein Christus ist den Menschen, wenn überhaupt, nur von außen entgegengetreten. Im Inneren des Menschen herrscht nach wie vor Finsternis. Das Christenum hat versucht das Evangelium der Liebe zu verkünden und hat verbrannte Erde zurückgelassen.

Solange wie man nicht in der Lage ist, den Menschen die Wirklichkeit der Seele näher zubringen, sehe ich keine Hoffnung, dass sich der Zustand der Welt verbessert.

Grüße

Amand