Glaube


Grubi hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:

Zwei Menschen geben sich bei der Hochzeit das Ja-Wort. Hast du schon einmal eine Hochzeit erlebt wo diesem Vorgang eine "Beweiswürdigung" hinsichtlich der Echtheit ihrer Liebe vorausgeht?


Ja das ist bei den grossen christlichen Konfessionen so üblich dass der Pfarrer oder Pastor sich von den ernsthaften Absichten überzeugen lässt, in einem Traugespräch:
http://www.helpster.de/traugespraec.....-richtig-darauf-vor_28871


Davon, ob sie denn Inhalt und Sinn des Ehesakraments verstehen das wird überprüft - das ist sehr wichtig, da ja große Auswirkungen an dieses Sakrament geknüpft sind.

Ihre Liebe kann und muss selbstverständlich nicht "bewiesen" werden. Und darum ging es ja. Liebe ist in ihrer eigentlichen Dimension nicht naturwissenschaftlich nachweisbar.
Grubi hat folgendes geschrieben:

Alleine der Gedanke dass Gott Kinder aus unserem Leben reisst damit wir daran wachsen können ist ziemlich fies, das auch noch als göttliche Gnade zu betrachten ist nahezu völlig bescheuert.


Oder aber höchst weise und sinnvoll und letztlich die einzige Sicht, um damit wirklich fertig zu werden und sogar noch daran zu wachsen. Vom Glaubensstandpunkt aus ist das so. Gott ist nicht ein "Jäger", der uns aus dem Hinterhalt willkürlich auflauert und uns geliebte Menschen nimmt. Wenn er uns etwas nimmt, dann ist es zu unserem Besten.
Nein das ist trostlos...

Ich versuche es zu illustrieren:

Mutter "Mein Baby ist gestorben ich bin verzweifelt"
Pastor: " Gott weiss wofür es gut ist"
Pfarrer "Es ist doch nur zu deinem Besten"

Mutter: "Ihr habt nen Knall"

LG
Grubi hat folgendes geschrieben:
Nein das ist trostlos...

Ich versuche es zu illustrieren:

Mutter "Mein Baby ist gestorben ich bin verzweifelt"
Pastor: " Gott weiss wofür es gut ist"
Pfarrer "Es ist doch nur zu deinem Besten"

Mutter: "Ihr habt nen Knall"

LG


Der Dialog würde auch völlig zu Recht so laufen.
Im ersten Schmerz gibt es einmal nur das Verbinden der Wunde. Diese Wahrheit, die ich angesprochen habe, ist nicht wie ein nasser Fetzen, den man jemand um die Ohren schlägt, sondern wie ein Mantel, dem man jemandem behutsam und sacht anbietet. Hineinschlüpfen muss der Mensch selbst. Und das kann ein langer und schwieriger Prozess sein. Letztlich gibt es dazu aber keine sinnvolle Alternative.
Burkl hat folgendes geschrieben:
[...[
Heiligkeit ist ein Weg. So wie auch die ganze Welt auf dem Weg ist zur Verwandlung auf die neue Welt hin. In der neuen Welt wird es dann wirklich kein Kreuz mehr brauchen. Dort sind nur Heilige. Dort ist wirklich alles heilig, geheilt - alles am Ziel: In der Versöhnung mit Gott. Diese neue Welt - die in Jesus Christus schon Wirklichkeit ist - ist vollständig mit Gott versöhnt. Alles kommt zum Ziel - auch die Natur mit ihrer Unstetheit und ihren Gefahren kommt zur Ruhe und ist uns ganz nahe. [...]


Lieber Burkl,

du schreibst dass es in der "neuen Welt" nur noch Heilige geben wird, dass alles "geheilt" ist.
Hat deine Kirche hier eine nähere "Zeitangabe" wann das der Fall sein wird?
In "naher" Zukunft oder eher in entfernter ...
ich mache mich damit nicht lustig über deinen Glauben weil ich weiß dass du voll hinter deiner Kirche und deinem Glauben stehst.
Aber wie bringt man es fertig an eine heile Welt zu glauben wenn soviel Chaos auf diesem Planeten herrscht? Tatsächlich! Wo doch eher das Gegenteil von "Heil" zutrifft.
Um deinen festen Glauben beneide ich dich fast ein wenig ...
ich für mich bin zu der Überzeugung gekommen dass das Göttliche eher unseren Beistand braucht - als dass Gott "allmächtig" wäre. Ich habe eher das Gefühl dass sich Gott ganz schön "aus der Bahn" geworfen fühlt ...

lieben Gruß
Rose
_________________
"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Rosenrot hat folgendes geschrieben:
du schreibst dass es in der "neuen Welt" nur noch Heilige geben wird, dass alles "geheilt" ist.
Hat deine Kirche hier eine nähere "Zeitangabe" wann das der Fall sein wird?


Wir glauben daran, dass diese Schöpfung ein Ablaufdatum hat. Die Zeit wird enden. Dass es die Zeit als Dimension gibt hat etwas mit der Entfremdung des Menschen von Gott zu tun. Die Zeit hat den Sinn diese Kluft wieder überwinden zu können - sie ist insofern Gnade.
Salopp könnte man formulieren diese Welt ist die "Qualifikationsrunde" für das "Endspiel".
An der neuen Welt können nur diejenigen teilnehmen, die hier genug "trainiert" haben. Es gibt nur eine Disziplin, die gewertet wird: Die Liebe.

Zitat:
Aber wie bringt man es fertig an eine heile Welt zu glauben wenn soviel Chaos auf diesem Planeten herrscht? Tatsächlich! Wo doch eher das Gegenteil von "Heil" zutrifft.


Du hast schon Recht - wenn man im Großen auf die Welt blickt wird ihre manchmal erschreckende Heillosigkeit schon sehr deutlich.
Das erschreckt mich als Christ aber nicht. Zum Einen glaube ich, dass diese Welt ein "Auslaufmodell" ist, sie ist im Vergehen. Und zum Anderen: Unser Heil geht vom Einzelnen aus. Von einer konkreten Person: Jesus Christus. In ihm ist die neue Welt bereits jetzt Wirklichkeit. Er ist sozusagen die "Nabelschnur" mit Hilfe derer wir uns schon an die neue Welt anschließen können. Durch dieses frische Blut werden Einzelne geheilt - heilig - und von ihnen gehen dann "konzentrische Kreise" des Heils aus, die hier in dieser Welt "Schutzzonen" schaffen können, in denen das Reich Gottes, die neue Welt, bereits erlebbar ist.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Grubi hat folgendes geschrieben:
Nein das ist trostlos...

Ich versuche es zu illustrieren:

Mutter "Mein Baby ist gestorben ich bin verzweifelt"
Pastor: " Gott weiss wofür es gut ist"
Pfarrer "Es ist doch nur zu deinem Besten"

Mutter: "Ihr habt nen Knall"

LG


Der Dialog würde auch völlig zu Recht so laufen.
Im ersten Schmerz gibt es einmal nur das Verbinden der Wunde. Diese Wahrheit, die ich angesprochen habe, ist nicht wie ein nasser Fetzen, den man jemand um die Ohren schlägt, sondern wie ein Mantel, dem man jemandem behutsam und sacht anbietet. Hineinschlüpfen muss der Mensch selbst. Und das kann ein langer und schwieriger Prozess sein. Letztlich gibt es dazu aber keine sinnvolle Alternative.


OK, mit der Vorgehensweise sind wir uns einig, dem will ich nicht wiedersprechen.
Alternativen gibt es schon, die werden uns von unserem Gefühl aufgezeigt.

Das Drama welches sich aus meiner Sicht abzeichnet, ist der Umstand dass sich Religiöse Führer über das Gefühlsleben der Menschen stellen und glauben eine letztendliche Deutungshoheit inne zu haben.

Menschen die keine Familie gründen wollen oder dürfen, fühlen sich erhaben über Familie und zwischenmenschliche Angelegenheiten bestimmen zu dürfen und daraus abzuleiten ob jemand in Zukunft ein Heil erwarten darf oder eben nicht.

Muttergefühle und grundsätzlich Gefühle zwischen Menschen sind in der Regel angeboren und funktionieren hervorragend, dass sich religiöse Organisationen in jeder Hinsicht in diese Herzensangelegenheiten einmischen und Leitlinien aufstellen die diesen Gefühlsebenen völlig irrationale Bedeutungen geben, halte ich für schlichtweg am Menschen und seinen Bedürfnissen vorbei gedacht...

Möglicherweise liegen nicht ständig alle möglichen Menschen im Irrtum, sondern die Interpreten des göttlichen Willens.


LG
_________________
https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Grubi hat folgendes geschrieben:
Muttergefühle und grundsätzlich Gefühle zwischen Menschen sind in der Regel angeboren und funktionieren hervorragend, dass sich religiöse Organisationen in jeder Hinsicht in diese Herzensangelegenheiten einmischen und Leitlinien aufstellen die diesen Gefühlsebenen völlig irrationale Bedeutungen geben, halte ich für schlichtweg am Menschen und seinen Bedürfnissen vorbei gedacht...


Um bei dem "medizinischen Bild" zu bleiben. Psychotherapie und Ähnliches kann ein gutes und notwendiges Pflaster sein. Den Bruch heilen können diese rein menschlichen Hilfen nicht. Dazu braucht es letztlich den Glauben.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Grubi hat folgendes geschrieben:
Muttergefühle und grundsätzlich Gefühle zwischen Menschen sind in der Regel angeboren und funktionieren hervorragend, dass sich religiöse Organisationen in jeder Hinsicht in diese Herzensangelegenheiten einmischen und Leitlinien aufstellen die diesen Gefühlsebenen völlig irrationale Bedeutungen geben, halte ich für schlichtweg am Menschen und seinen Bedürfnissen vorbei gedacht...


Um bei dem "medizinischen Bild" zu bleiben. Psychotherapie und Ähnliches kann ein gutes und notwendiges Pflaster sein. Den Bruch heilen können diese rein menschlichen Hilfen nicht. Dazu braucht es letztlich den Glauben.


Nein, ich glaube solche Brüche können völlig ohne einen Gottglauben geheilt werden.
Es gibt nämlich völlig unreligiöse Menschen die es trotz ihrer Gottlosigkeit verstehen Trost zu spenden, Mut zu machen und Beistand zu leisten.
Diese Menschen lassen sich von ihren Gefühlen leiten und spüren was ihr Gegenüber braucht.
Gelungenes menschliches Miteinander ist nicht an einer religiöse Instanz gebunden, ich erlebe das regelmässig mit völlig ungläubigen und unreligiösen Menschen.
Dass es sowas nur in einer Glaubensumgebung geben kann, ist eine unredliche Behauptung die die Realität ignoriert...

LG
_________________
https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Grubi hat folgendes geschrieben:

Nein, ich glaube solche Brüche können völlig ohne einen Gottglauben geheilt werden.
Es gibt nämlich völlig unreligiöse Menschen die es trotz ihrer Gottlosigkeit verstehen Trost zu spenden, Mut zu machen und Beistand zu leisten.


Wer Trauernde tröstet ist nicht gottlos.
Aber irgendwann kommt im Tröstungsprozess der Punkt, wo natürliche Argumente alleine nicht mehr ausreichen. Eine vollständige und fruchtbare Bewältigung eines Trauerprozesses ohne religiöse Dimension halte ich für unmöglich.

Zitat:
Diese Menschen lassen sich von ihren Gefühlen leiten und spüren was ihr Gegenüber braucht.
Gelungenes menschliches Miteinander ist nicht an einer religiöse Instanz gebunden, ich erlebe das regelmässig mit völlig ungläubigen und unreligiösen Menschen.


Das sehe ich auch so. Der Glaube ist keine "Versicherungspolizze" für gelungenes Miteinander. Er bietet aber die Möglichkeit allem rein menschlich Gutem eine zusätzliche Tiefe, mehr "Relief" und Dimension, mehr Fülle zu verleihen. Das Kreuz ist sozusagen das "Pluszeichen" - es macht alles tiefer, klarer, heller und sinnvoll - auch dort, wo der natürliche Mensch keinen Sinn mehr zu sehen vermag.