ungewisse scheidung


liebe schwestern ich bin mir über folgende unklar. meine geschichte ist zwar sehr lang aber ich versuche mich kurz zu fassen in der hoffnung auf eine klärung.
ich habe mich vor ca 5 jahren von meinem mann räumlich getrennt. da ich psychisch nicht mehr in der lage war mit seiner familie in einem haus zu leben. mein mann war nicht gewillt den auszug mit mir zu vollziehen. er blieb im schoße der familie. wir waren aber durchgehend ein paar geblieben. beeinflusst sehr stark von seiner mutter, für die es unmöglich gewesen ist ihren sohn ziehen zu lassen hat er sozusagen ein doppelleben geführt. weitesgehend sind wir beide unseren eheliche pflichten nachgekommen. letztendlich hat seine mutter und die schwester gesiegt und ihn zur scheidung überredet. mein man konnte bei mir nicht mehr mann sein und war sozusagen impotet. dann war mir klar das es wohl alles nicht mehr mit rechten dingen zu ging. mein mann hat sehr darunter gelitten und das hat mich auch sehr mitgenommen. aber ich hab ihn weiterhin geliebt und er mich auch. wir gehören einfach zusammen. aber die familie hat eine so starke macht auf ihn, das wir beide nicht dagegen ankamen. der scheidungstermin vor gericht war im april d.J. und wie in trance ging alles über die bühne. da wir schon so lange räumlich getrennt waren, wurde die scheidung auch rechtskräftig. mittlerweile hat sich der kontakt zwischen uns erkühlt und wir arbeiten gegen unsere gefühle zueinander. für mich ist es sehr schwer das zu akzeptieren und emotional loszulassen. wir beschränken uns auf wesentliches was die gemeinsamen 3 kinder angeht.
so wir mir zugetragen wurde, hat seine schwester auch schon eine neue frau für ihn in ausssicht. aber davon weiss er selbst noch nichts.

nun meine frage: bin ich nach islamischem recht definitiv geschieden,ob wohl es die direkte aussprache "ich lasse mich scheiden" von ihm mirgegenüber nie gab?
wie ist es mit der scheidung? darf er jetzt wieder heiraten? wir hatten damals auch vor dem konsulat marokko geheiratet.

ich hoffe auf rechtleitung von euch. vielen dank
Entschuldigung, dass ich keine Schwester bin (wie oben gefordert), sondern ein Bruder.
Wenn man Erwachsen wird, so verlässt man seine elterliche Familie um eine neue Familie zu gründen.
Wenn man diesen ersten Schritt nicht tun kann,
so ist man auch nicht aus vollem Herzen bereit,
eine eigene Familie zu gründen.

Ob er nun dieses Recht hat, oder nicht,
sollte nun nicht in erster Linie Dein Problem sein.
Wichtiger für Dich sind, Deine Kinder und Du!

Wenn er gehen will, dann wird er gehen,
ob das nun gesetzlich ist, oder nicht.
Emotional ist er nicht mehr gebunden,
und so kann eine Beziehung nicht funktionieren.

Ich kann auch kaum glauben,
dass eine andere Frau das so mitmacht.
Das mag in manchen Kulturen funktionieren,
wer aber nur ein wenig integriert ist,
macht so etwas nicht mit!
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Liebe Munja,

dieses Forum ist sicherlich nicht die richtige Adresse, wenn du Rechtleitung in Gesetzesfragen suchst, da der Großteil der Mitglieder keinen muslimischen Hintergrund -geschweige denn eine entsprechende Ausbildung- hat, aber ich kann dir zumindest das weitergeben, was ich vom islamischen Eherecht verstanden habe.

1. Gibt es in den Rechtsschulen unterschiedliche Auslegungen der Koranverse, sodass sich leichte Abweichungen ergeben können. Aussagen zum Scheidungsrecht sind also immer relativ und letzten Endes vom Rechtsverständnis des Imams abhängig, der ihn -so es denn dazu kommt- erneut verheiraten soll.

2. Gibt es die Möglichkeit der Mehrehe, sodass im Prinzip einer erneuten Heirat deines Exmanns kein islamrechtliches Hindernis im Wege steht. Daher ist die erneute Eheschließung zunächst unabhängig von der Frage, ob ihr noch als verheiratet geltet, oder nicht.

3. Gilt das islamische Scheidungsrecht nur in Ausnahmefällen in der Bundesrepublik Deutschland, nämlich dann, wenn Ehen im Ausland nach islamischem Recht geschlossen worden sind. Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann habt ihr die Ehe nach marokkanischem Recht auf -völkerrechtlich gesehen- marokkanischem Boden geschlossen, ist das richtig? In solchen Fällen bezieht das deutsche Gericht die islamische bzw. marokkanische Rechtsprechung in seine Entscheidung mit ein und steht somit, so merkwürdig das auch klingt, auf dem Boden des islamischen Rechts, selbst wenn die Richter keine Muslime sind.

4. Eine Scheidung kann auf zwei Arten erfolgen: Vor einem Gericht oder durch Verstoßung. Die Verstoßung ist die Variante mit dem dreimaligen Ausruf "Ich verstoße dich!", die allerdings im Ursprung eine Sanktionsmaßnahme sein sollte und keine rechtskräftige Scheidung. In späterer Zeit hat sich dies aber als "einfachere Lösung" durchgesetzt. Die zweite Art ist die Chul', die von beiden Seiten einvernehmlich getroffene Entscheidung zur Trennung. In einigen jüngeren Auslegungen wird sie nicht mehr an Bedingungen wie die Nichterfüllung der ehelichen Pflichten geknüpft. Bei der Verstoßung darf der Ehemann im Übrigen erst wieder heiraten, wenn die Exfrau einen neuen Mann gefunden hat.

5. Eure Scheidung vor einem deutschen Gericht ist im Grundsatz ein Chul'-Fall und demnach mit dem Urteil vollzogen und auch nach islamischem Recht rechtskräftig. In einigen Rechtsschulen wird eine Trennungszeit von drei Monaten vor der rechtskräftigen Scheidung vorausgesetzt, das deutsche Recht fordert ein volles Jahr, sodass diese Frist in jedem Fall abgelaufen ist.

6. Das geltende marokkanische Scheidungsrecht stärkt die Rechte der Frau massiv und regelt z.B. den Sorgerechtsanspruch und Unterhaltsverpflichtungen des Mannes gegenüber seiner Exfrau. Insofern könntest du auf dieser Grundlage sogar das Sorgerecht einklagen.

7. Sollte er sich doch noch von seiner Familie lösen können, ist es gut, dass er die Verstoßung nicht ausgesprochen hat, denn in einem solchen Fall hättet ihr nicht wieder heiraten dürfen, bevor du nicht vorher noch mit einem anderen Mann verheiratet und wieder geschieden gewesen wärst. Im Falle der Chul' gibt es keine Beschränkungen der Wiederheirat.

Ich hoffe, ich konnte dir damit ein wenig helfen. Friede sei mit dir!
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Also ich meine, dass seine Schwester oder sonstwer nicht das Recht hat zu bestimmen, ob und wen er heiraten soll oder nicht.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Also ich meine, dass seine Schwester oder sonstwer nicht das Recht hat zu bestimmen, ob und wen er heiraten soll oder nicht.


Das sowieso nicht, weder nach deutschem nach nach islamischem Recht. Es geht dabei ja auch nicht um eine rechtliche Frage, sondern darum, dass er sich völlig von der Familie abhängig macht und ihr in jeder Frage hörig ist. Dagegen kann man rechtlich gar nichts machen. Wer aus freiem Entschluss heraus entscheidet, seine Freiheit aufzugeben, der kann das tun. Auch das ist, so paradox das klingt, ein Ausdruck von Freiheit.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Wer aus freiem Entschluss heraus entscheidet, seine Freiheit aufzugeben, der kann das tun. Auch das ist, so paradox das klingt, ein Ausdruck von Freiheit.


Das - und noch ein weiteres Paradoxon: Wer seine Freiheit nicht dazu benützt sich zu binden wird deshalb nicht freier - sondern unfreier. Der Mensch braucht sozusagen einen "Dreh- und Angelpunkt" an dem er sich durch freie Entscheidung festmacht. Und das sollte der Glaube sein.

„Gebt mir einen festen Punkt im All, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.“

Pappos, griechischer Mathematiker und Astronom

Dieser feste Punkt ist für Christen Jesus Christus, der laut apokryphem Thomas-Evangelium von sich sagt:

"Ich bin das All; das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist zu mir gelangt."
Zitat:
nun meine frage: bin ich nach islamischem recht definitiv geschieden,ob wohl es die direkte aussprache "ich lasse mich scheiden" von ihm mirgegenüber nie gab?
wie ist es mit der scheidung? darf er jetzt wieder heiraten? wir hatten damals auch vor dem konsulat marokko geheiratet.


Liebe munja,

mit islamischem Recht kenne ich mich nicht aus. Daher kann ich dir auf diesem Gebiet keinen Rat geben.

Was sagt dir dein inneres Empfinden, wie urteilt das? Wäre es gut, wenn einer von euch beiden noch einmal heiratet? Was hieße das für eure Kinder - emotional wie sozial?

Und ganz wichtig - was immer er tut, es ist seine Entscheidung. Das einzige Übel, das du fürchten solltest ist die Sünde. Geh daher in dich - unser "Organ" für Recht und Unrecht ist das Gewissen - ein gut gebildetes Gewissen.

Alles Gute für deine Zukunft!