Die Libido und ihre Folgen im Alltag


Hallo Leute,
habe mich das letzte Mal wahrscheinlich vor 3 Jahren an einer Diskussion hier beteiligt und möchte mich jetzt, als frischer Abiturabsolvent in der Bildungshochburg Bremen ( ), mal wieder zu Wort melden.
Es geht um Folgendes:
Ich bin achtzehn Jahre alt und lebe das Leben eines Jugendlichen in der Schulzeit (zumindest noch ein paar Monate lang). Bestandteile dessen sind überwiegend Partys, Seebesuche, Sport und Handys, nur, um die Aktivitäten aufzuzählen.
Ich würde mich durchaus als nachdenklichen Menschen bezeichnen, der vielleicht auch mehr nachdenkt, als andere in meinem Freundeskreis.
Neulich saß ich in meinem Zimmer und hab darüber nachgedacht, wie sehr der Sexualtrieb andere, aber vor allem auch mich unbewusst beeinflusst und leider verändert.
Ich bin hier nicht auf sowas wie "Sexsucht" hinaus, sondern darauf, wie der entfernte, unbewusste Wunsch, etwas mit einem Mädchen "zu haben" mein Handeln und meine Erscheinung verändert.
In meiner gedanklich produktiven Zeit bilde ich mir Werte, denke über meinen Charakter und mein Auftreten gegenüber anderen nach, lese etwas über Moral und Egoismus. Doch in dieser Zeit stelle ich auch mehr und mehr fest, wie mich eben dieser - der Einfachheit halber definiere ich es jetzt einfach mal als solchen - Trieb, all meine Werte und Vorstellungen von mir selbst vergessen lässt.
Damit meine ich nicht, dass ich zu einem kompletten Macho werde, bei mir mündet die Existenz dieses Triebes zumeist in eine übertriebene, auch unbewusst durchgeführte Selbstdarstellung bzw. den Zwang zu dieser. Ich habe immerzu das Gefühl, mich profilieren zu müssen. So sitze ich z.B. neulich bei einem gemütlichen Abend mit Freunden alleine irgendwo rum, trotz meiner eigentlich vorhandenen Lust, etwas zu machen, zu tanzen, zu reden, einfach, weil ich das Gefühl habe, dass der nachdenklich wirkende Junge vielleicht interessant und anders wirkt. Ich kann das nicht erklären. Das Lustige daran ist, dass ebendiese absurden Situationen dann oft wirklich in eine Nachdenklichkeit führen, eben über die Entstehung und das Warum dieser Situation - das nur nebenbei.
Weil ich das Gefühl habe, dass ich Murks schreibe, sage ich es noch einmal: Ich kann das nicht erklären. Ich kann mich selbst nicht mehr erklären.
Ein weiteres, vielleicht größeres damit einhergehendes Problem zeigt sich in meinem Umgang mit Mädchen.
Immer wieder passiert es mir, dass ich nicht unterscheiden kann. Dass ich nicht weiß, ob ich dieses Mädchen mag und deswegen mit ihr zu tun haben möchte oder, ob sich wieder nur mein unbewusster, nicht unmittelbarer Trieb meldet. Besonders schlimm bei einer seit Jahren guten Freundin:
Ich verhalte mich mehr und mehr komisch ihr gegenüber, abwesend, obwohl es meiner Ratio und auch meiner emotionalen Haltung ihr gegenüber gänzlich widerspricht (in etwa ein Verhalten mit der Motivation wie weiter oben dargestellt). Ich weiß nicht, ob ich es mache, weil ich vielleicht tatsächlich mehr für sie fühle, oder weil ich einfach nur ein - ich betone es wieder, weil es kein unmittelbares sexuelles Verlangen ist - abstraktes, langfristiges körperliches Bedürfnis habe, von dem ich zudem weiß, dass sie es wahrscheinlich nicht teilt.
Ich fasse zusammen: mein Sexualtrieb, allerdings nicht der unmittelbare, sondern eher der passive, langfristige, macht mich fertig. Er und ich selbst machen uns mein Leben unnötig schwierig, verderben Freundschaften und Momente.
Drei Mal ist Bremer Recht, daher: Ich kann das nicht erklären. Ich erhoffe mir auch keine "Antwort", es ist ja keine Frage, einfach nur Meinungen, Erfahrungen, Tipp und so weiter.
Danke im Voraus und ich freue mich auf eventuelle Diskussionen!
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the stone keeps rolling
Die Sexualität ist darauf hingeordnet, dass ich mich dich durch sie einem anderen Menschen ganz und unbedingt schenke. Wenn ich sie also als ein Geschenk annehme, das ich erhalten habe, um mich in Liebe zu verschenken, dann habe ich die richtige Einstellung und werde auch schädlichen Abhängigkeiten und dem Kreisen um mich selbst widerstehen können. Meine Sexualität ist nicht für mich da, sondern für meine Ehefrau. Nur dort wird sie an ihrem wahren Ort erfüllt und kann so auch mich wahrhaft erfüllen.

Das Problem ist also das Kreisen um sich und seine Bedürfnisse. Ich habe die Erfahrung gemacht glücklich zu werden, wenn ich mein Leben so ausrichte, dass die erste Frage nicht ist: "Was kann ich mir schenken?" sondern "Wie kann ich mich den Anderen schenken?"
Hallo M1996,
Was du da erlebst das erlebst du auch noch mit 50 Jahren...

Aber es ist toll dass du dich schon in "jungen Jahren" beobachtest und dein Verhalten, Gedanken, und Gefühle hinterfragst.
Ich, männlich 52J, lebe schon seit einigen Jahren im freiwilligen Zölibat und bin sehr glücklich damit. Ich tue das weil es mir in meiner spirituellen Praxis hilft.
Obwohl ich so lebe und zufrieden damit bin, kann auch ich feststellen das ich wenn ich mit Frauen zusammen bin die mir gefallen, mich anders verhalte. Das ist die Natur der gegenseitigen Anziehung der Geschlechter.
Die „Bhagavad-Gita wie sie ist“ lehrt, dass wir nicht der Körper oder Geist sind. Wir haben einen Körper und einen Geist, aber wir sind das nicht. Vergleichbar mit einem Fahrzeuglenker und seinem Fahrzeug mit der Software. Mit Geist meint man die mentale Ebene des Denken, Fühlen, Wünschen. Der sexuelle Trieb liegt vor allem auf der mentalen Ebene und es ist nicht immer leicht diesen zu ignorieren wenn er auftaucht, auch nicht wenn du schon über 50 bist.

Wieso redest du nicht mit dem Mädchen mit dem du schon länger eine Freundschaft pflegst darüber? Vorausgesetzt sie ist auch ein bisschen intellektuell orientiert.
Zitat:
Neulich saß ich in meinem Zimmer und hab darüber nachgedacht, wie sehr der Sexualtrieb andere, aber vor allem auch mich unbewusst beeinflusst und leider verändert.


Dieser "Trieb" beeinflusst jeden Menschen ab der Pubertät, Mann und Frau gleichermaßen. Das gehört einfach zum Leben und nach einer Zeit wird dir das gar nicht mehr auffallen. Jetzt in relativ "jungen" Jahren (wobei ich 18 nicht mehr soooo jung finde) macht dich das vielleicht noch befangen und das stört dich.
Man müsste schon das Gemüt von Spock haben, um auf jeden Menschen gleich zu reagieren - es wäre wenig menschlich sondern eher irgendwie...ahm ... steril?

Die meisten Menschen leben gut mit diesen Trieb und genießen ihn.

... und die anderen schreiben in Foren irgendwelchen spirituellen Kram
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Moment! Ich muss mich erstmal kurz reinsteigern!
Meiner Erfahrung gemäß kann ich nur bestätigen, dass das problematisch sein kann. Denn damals im 99er Jahr, als ich 17 war, hatte ich speziell bezüglich 2, 3 Mädels eine problematische zwischenmenschliche Konstellation, vermischt mit Triebvorstellungen, was die menschliche Freundschaft ziemlich beeinträchtigt hat.
M1996 hat folgendes geschrieben:

Ich fasse zusammen: mein Sexualtrieb, allerdings nicht der unmittelbare, sondern eher der passive, langfristige, macht mich fertig. Er und ich selbst machen uns mein Leben unnötig schwierig, verderben Freundschaften und Momente.


Deine Triebe wirst du nie komplett kontrollieren können, nur lernen wie du mit ihnen umgehen kannst. Du wirst noch Freundschaften und Momente aus völlig anderen Gründen ruinieren, sie dann vielleicht wieder hinbiegen oder auch nicht. Dein Sexualtrieb ist ein wichtiger Bestandteil von dir, wie von jedem anderen Menschen, er sichert unsere Fortpflanzung. Du wirkst recht fortgeschritten für dein Alter, vielleicht sogar ein Stück zu kopflastig. Mit 18 genießt du noch viele Freiheiten, kaum Verpflichtungen und trotzdem die Rechte eines Erwachsenen. Nutze diese Zeit in vollen Zügen, diese Erfahrungen werden dich ein Leben lang prägen und du kannst im fortschreitenden Alter deine Lehren daraus ziehen.

In dem Sinne: Rock´n Roll!
Hallo M1996!

Hoffentlich habe ich Dich richtig verstanden.

Mein erster Gedanke ist: Mach Dich nicht für das fertig, was Du fühlst. Wichtig ist, was Du tust.

Beispiel:

Du hast eine feste Beziehung mit einer Freundin, die Du auch aufrichtig liebst. Nun begibt es sich bei irgendeiner Gelegenheit, dass sich Dir die Chance bietet, Deine Freundin zu betrügen, und diese Aussicht auf eine flüchtige Nacht Spaß ist auch sehr verlockend ("sie muss es ja nicht erfahren!", flüstert Dir Dein Sexualtrieb heimtückisch immer wieder ins Ohr).

Was entscheidend ist, ist nicht, dass deine Hose fast explodiert und Du diese Gefühle und Gedanken hast. Hasse Dich nicht dafür. Hab kein schlechtes Gewissen und mach Dich nicht für diese Gefühle fertig. Akzeptiere sie als natürlichen Teil von Dir (bzw. Deiner Körperlichkeit).

NUN kommts aber: Entscheidend ist, dass Du es nicht tust! Bleib Deine Freundin treu! Wenn Dir das gelingt, hast Du Grund, stolz auf Dich zu sein. Dazu gehört die Selbstdisziplin, Deinen von Dir selbst (bzw. deiner Ratio) aufgestellten moralischen und ethischen Regeln treu zu bleiben. Die zu entwickeln und zu pflegen ist ein gutes Ziel. Vielleicht schaffst Du es sogar, sie so zu entwickeln, dass erst gar nicht auf unliebsame Gedanken kommst.

Jesus, Heilige oder Mr Spock können ihren Trieb vielleicht so sehr kontrollieren, dass ihnen nicht einmal das Gefühl und der Gedanke der Verlockung käme. Von einem normal gestrickten Menschen ist das nicht zu erwarten. Wahrscheinlich geht es sogar nach hinten los, wenn man sich selbst zu sehr unter Druck setzt.

Deswegen: Sag "nein danke", fahr nach Hause, hol Dir einen runter und dann bring Deiner Freundin eine Blume mit.

Insofern finde ich Jesus' Wortlaut schon etwas zu krass, von Wegen "Augen ausreißen" und so. Das würde ich nicht wörtlich nehmen... das verstehe ich eher als "bring Dich möglichst auch gar nicht erst in Situationen, von denen Du vorher weißt, dass sie Dich in Versuchung führen werden". Aber Deine Gedanken gehören schon noch Dir, lass Dir da kein schlechtes Gewissen einreden.


Übertragen auf den nicht ganz unmittelbaren Sexualtrieb ist es m.E. das gleiche. Letztendlich ist es egal, wen Du aus welchen Gründen besonders magst oder zu wem Du Dich hingezogen fühlst und zu wem nicht -- wer es schafft zu kontrollieren, wen er aus vollem Herzen liebt oder hasst, wäre mir nicht geheuer. Spontane Zu- und Abneigung hat ja zumeist irgendwelche irrationalen Gründe, und die muss man nicht ergründet und verstanden haben, um sich trotzdem anständig zu verhalten.

Solange Du nur alle Menschen mit Respekt behandelst, macht es nichts, wenn Du manche wegen Deines Triebes nicht magst oder gerade besonders magst.

Solange Du gegenüber allen, denen Du ein Versprechen gegeben hast, es auch einhältst, und keine Versprechen machst, die Du nicht einhalten kannst, ist das ok.

Ähm ... ich hoffe, das war jetzt nicht am Thema vorbei?

Gruß,
Bernhard
@all!

Ich unterschreibe das, was Burkl gesagt hat. Allerdings kann ich nur einer Person meine Sexualität schenken, allen anderen Menschen kann ich ein wahrer Freund sein.

Solange ich keinen Menschen bevorzuge und über alles liebe, lebe ich meine Sexualität nicht aus. Dies zum einen aus spirituellen Gründen, zum anderen weil ich weiss, wie es ist, jemanden über alles zu lieben und die Erfahrung gemacht habe, dass mit gesteigerter Zuneigung die gelebte Sexualität freudvoller wird.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Diese Erfahrung kann ich bestätigen. Habe ich aber diesen Superpartner gerade mal nicht, kann ich meine sexuellen Aktivitäten allerdings sehr wohl streuen, und da bin ich nicht die Einzige.
LG, Safira
Liebe Safira!

Können schon, aber nicht wollen, da meine innere Religion dagegen spricht.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!