Bahnstreiks...


PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Aber wenn man Lohnnebenkosten senkt,
dann werden mehr Arbeitskräfte eingestellt.


Nur in dem Fall wo Stellen vorher nicht besetzt wurden, weil es zu teuer gewesen wäre. Es ist nicht einfach so, dass mehr Leute eingestellt werden, wenn die Lohnkosten niedriger sind.

Noch schlimmer ist es übrigens mit den Lohnnebenkosten, denn letztlich heißt die Senkung der Lohnnebenkosten, dass der Staat entweder die soziale Sicherheit zerstört oder aber Lohndumping subventioniert.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Das senkt die Produktionskosten und steigert die Kaufkraft.
Was wiederum die Waren verbilligt,
das Weniger an Einnahmen müsste dann durch eine Steigerung der Mehrwertsteuer kompensiert werden.


Inwiefern soll das Einstellen mehr billiger Arbeitskräfte denn bitte die Produktionskosten senken? Zumal nur ein Teil der Bevölkerung im produzierenden Gewerbe tätig ist. Der Preis von Waren geht zudem nur zu einem bestimmten (jeweils variierenden) Teil auf die Lohnkosten zurück.

Die Einnahmen macht übrigens nicht nur einfach der Staat bzw. die jeweiligen Sozialkassen weniger, sondern auch der jeweilige Angestellte selbst. Nicht von denen zu sprechen, welche gerade auf diese Einzahlung angewiesen sind. Das gesamte Sozialsystem wird so ausgehebelt.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Man könnte das so auswiegeln, dass sich die Staatseinnahmen die Waage halten.
Würde z.B. die Lohnnebenkosten auf Null minimiert,
so wäre reguläre Arbeit genau so attraktiv wie die Schwarzarbeit.


Und alle würden auf dem sozialen Sicherheitsniveau von Schwarzarbeitern leben.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Dieses Denkmodell stammt nicht von mir,
sondern von namhaften Unternehmern (Chef von "Mein Platz" oder so, weiß ich grade nicht und muss mich jetzt um meine Kinder kümmern).


Ja das kann ich mir schon vorstellen. Einige Unternehmer lassen nichts unversucht.
PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
NadjaB hat folgendes geschrieben:
Und wie erklärt der Arbeitnehmer seinem Vermieter, dass er diesen Monat leider nicht genug verdient hat?

Nur noch kurz hierzu:
Da dieses Lohnmodell derzeit nicht möglich ist,
ist die Konsequenz, dass der Arbeitnehmer eben entlassen wird.
Und daraus ergibt sich die selbe Situation
und zusätzlich die Schwierigkeit, eine neue Arbeitsstelle zu suchen.

Und sowieso ist es für jeden Kleinunternehmer ständig so:
Man muss sich eben in Zeiten, in denen mehr Arbeit möglich ist,
ein Finanzpolster anlegen und dieses darf nur im Notfall angetastet werden.

Und das kann man sich z.B. (wie in meinem Fall) dadurch ansparen,
indem man auf ein Auto verzichtet
und in einer Bude wohnt, wo die Warmmiete eben nur knapp über 300 € liegt. Und und und.

Aber ich finde das immer noch besser, als Arbeitslos zu sein.
Denn das nagt m.E. ungemein am Selbstwertgefühl.


Nur ist es ja nicht so das prinzipiell in unserer Gesellschaft nicht genug da ist. Es wird nur immer ungleicher verteilt. Sich zu freuen, dass es noch tiefer gehen könnte und man da noch nicht angekommen ist... nunja...

Legen wir mal einen Finger in die Wunde des Problems: über einen Mindestlohn von 8,50€ konnte man sich nach großem Streit einigen (wobei natürlich die Propaganda nicht ausblieb, das dies ja so viele 'Arbeitsplätze' zerstören würde und ja ganz viele 'Betriebe' kaputt machen würde). Ein Maximallohn (und ich rede hier selbst von Beträgen wie maximal 25k€ pro Monat) dagegen wäre völlig indiskutabel. Das sagt - ich denke mal - schon alles...
Tobias hat folgendes geschrieben:
Und alle würden auf dem sozialen Sicherheitsniveau von Schwarzarbeitern leben.

Das ist ein Trugschluss!
Denn wenn sich die Steuereinnahmen statt aus den Lohnnebenkosten aus der Mehrwertsteuer ergeben,
dann können von diesen Einnahmequellen die Sozialversicherungen bezahlt werden.
Die Senkung der Lohnnebenkosten wären in jedem Fall ein Beschäftigungsmotor, denn dann muss für die gleiche Arbeit weniger bezahlt werden.
Die Lohnnebenkosten machen hierzulande ein knappes drittel der Kosten aus, die für einen Arbeitnehmer bezahlt werden.
Was wiederum bedeutet, dass nur die Besten der Besten es schaffen, hier Arbeitnehmer zu beschäftigen.
Und wenn man durch Innenstädte bummelt, und an all diesen leeren Schaufensterscheiben vorbeikommt, dann wird einem bewusst, wie schwer es einem gemacht wird, Arbeitnehmer zu beschäftigen.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Habe den Unternehmer nun gegooglet:

>>>Werner Götz, Gründer de.....ogerie markts<<<

Tobias, Dein: "Ja das kann ich mir schon vorstellen. Einige Unternehmer lassen nichts unversucht."
trifft auf Diesen Mann sicherlich nicht zu.

siehe unter:
Politisches und soziales Engagement
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PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
NadjaB hat folgendes geschrieben:
Ich glaube nicht, dass das Geld, was eingespart würde mehrheitlich in Arbeitsplätze umgewandelt würde. Ich gehe stark davon aus, es würde eher Richtung Aktionäre und Vorstände wandern. Mal ganz davon ab, wer bezahlt dann die Sozialsysteme, wenn die Lohnnebenkosten gesenkt werden?

Habe jetzt nur kurz zeit, zu antworten,
mehr morgen oder später.
Aber wenn man Lohnnebenkosten senkt,
dann werden mehr Arbeitskräfte eingestellt.
Das senkt die Produktionskosten und steigert die Kaufkraft.
Was wiederum die Waren verbilligt,
das Weniger an Einnahmen müsste dann durch eine Steigerung der Mehrwertsteuer kompensiert werden.
Man könnte das so auswiegeln, dass sich die Staatseinnahmen die Waage halten.

Wenn man die Lohnnebenkosten senkt, erhöht sich erst einmal nur der Gewinn, den das Unternehmen einfährt. Ob dadurch auch mehr Arbeitnehmer eingestellt werden könnten, liegt dann daran, ob der Markt eine Aufstockung überhaupt hergibt. Und vor allem auch daran, ob nicht ab einem bestimmten Umsatzvolumen eine weitere Automatisierung sinnvoll wäre. Der Schuss kann also auch nach hinten losgehen.

Die Lohnnebenkosten auf die Mehrwertsteuer umzuverteilen ist aus Unternehmersicht sicherlich pfiffig. Das Unternehmen kann ja erbrachte Mehrwertsteuer in Form von Investitionen/Rohstoffen etc. mit der eigenen Umsatzsteuer verrechnen. Der Arbeitnehmer zahlt immer die Mehrwertsteuer. Faktisch wird so einfach ein großer Teil der Lohnnebenkosten auf die Arbeitnehmer geschoben.

Für die Sozialsysteme ergibt diese Lösung noch die zusätzliche Gefahr, das Steuern nicht Zweckgebunden sind und die Bundesregierung bei Bedarf hier leichter die Möglichkeit hätte, zu kürzen.

Ich habe einen anderen Vorschlag um die Lohnnebenkosten zu senken: Einige Tätigkeiten bieten die Möglichkeit sich aus den Sozialsystemen auszuschließen z.B. Beamte, Selbstständige, Ärzte, Architekten. Mir erschließt es sich überhaupt nicht, warum diese Gruppe sich aus der Solidargemeinschaft ausschließen kann. Vor allem sind das ja auch Bereiche, wo durchaus öfters mal Lohnenswerte Gehälter vorkommen. Ich denke, würde man diese Gruppe mit heranziehen, so kämen Summen zusammen, dass man die Lohnnebenkosten der Arbeitnehmer im gesamten senken könnte.
Hinzu kommt, die derzeit möglichen Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung gehen mit einer Gesundheitsprüfung einher. Die privaten Kassen nehmen sich heraus entweder die Mitgliedschaft zu erhöhen oder die Beiträge drastisch anzuheben. Unterm Strich picken sich die privaten also besonders die gesunden heraus, die Gewinn bringen. Diese Gewinnbringende Gruppe wird den gesetzlichen Kassen vorenthalten.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Und wenn man durch Innenstädte bummelt, und an all diesen leeren Schaufensterscheiben vorbeikommt, dann wird einem bewusst, wie schwer es einem gemacht wird, Arbeitnehmer zu beschäftigen.

Die derzeitigen gehäuften Leerstände in den Innenstädten sind größtenteils dem boomenden Onlinehandel der letzten Jahre geschuldet.

Liebe Grüße
Nadja
_________________
GUNKL: Wüstenreligionen, Wissen, Respekt und Kränkungen
http://www.lsvd.de
Humanistischer Pressedienst
Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz
Wie gesagt, unsere Demokratie lebt aus der Pluraität der Meinungen heraus.
Sicherlich denkt ein Unternehmer, ein Arbeitgeber und ein Arbeitnehmer über die gleiche Sache anders.
Ich meine es wäre für die Gesellschaft als ganzes besser,
wenn die Bedingungen möglichst so eingerichtet werden,
dass es möglichst viel Beschäftigung gibt.

Hierzu wären zwar erstmal Nachteile für die Arbeitnehmer in Kauf zu nehmen,
die bessere Beschäftigung macht das aber wieder wett.
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Ich denke, irgendwie auf irgendeine Art und Weise wäre sowieso genug Beschäftigung da, nur, dass Manche halt sehr viel tun und Andere als arbeitslos gelten. Diese Verteilung sollte sich halt mehr ausgleichen.
PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Habe den Unternehmer nun gegooglet:

>>>Werner Götz, Gründer de.....ogerie markts<<<

Tobias, Dein: "Ja das kann ich mir schon vorstellen. Einige Unternehmer lassen nichts unversucht."
trifft auf Diesen Mann sicherlich nicht zu.

siehe unter:
Politisches und soziales Engagement


Da steht aber nichts davon die Sozialversicherungen abzuschaffen. Eher von bedingungslosem Grundeinkommen (was man davon auch immer halten mag).
Wer sprach denn davon, dass die Sozialversicherungen abgeschafft werden sollen? ? ?

Ich sicherlich nicht!
Es ging doch darum, dass die Sozialversicherungen statt von den Lohnnebenkosten über die Mehrwertsteuer eingetrieben werden könnten.
Dann stiegen die Mehrwertsteuern und fielen die Lohnnebenkosten.
Aber die Sozialversicherungen werden nicht abgeschafft,
und dieses Modell stammt in etwa von Werner Götz.
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PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Wer sprach denn davon, dass die Sozialversicherungen abgeschafft werden sollen? ? ?

Ich sicherlich nicht!
Es ging doch darum, dass die Sozialversicherungen statt von den Lohnnebenkosten über die Mehrwertsteuer eingetrieben werden könnten.
Dann stiegen die Mehrwertsteuern und fielen die Lohnnebenkosten.
Aber die Sozialversicherungen werden nicht abgeschafft,
und dieses Modell stammt in etwa von Werner Götz.


Wenn du die Sozialversicherungen erhalten willst, müssen sie bezahlt werden. Es geht dann nur darum wer wieviel bezahlt. Die Lösung über die Mehrwertsteuer ist lediglich die Verschiebung der Kosten auf die Arbeitnehmer. Siehe oben:
Das Unternehmen kann die Mehrwertsteuer, welche beim Einkauf von Investitionen, Rohstoffen etc. anfallen, mit der zu fälligen Umsatzsteuer auf die eigenen Umsätze verrechnen.

Der Arbeitnehmer hat diese Möglichkeit nicht.

Du möchtest also Unternehmer ein Teil deiner Kosten auf den Arbeitnehmer verlagern. Also mehr Geld für dich, weniger für den Arbeitnehmer.

Unterm Strich ist das eine schlichte Lohnkürzung.

Liebe Grüße
Nadja
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