Bahnstreiks...


PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Ja Gewerkschaften muss es geben, unbestritten.
Aber es ist für alle Beteiligten sehr unangenehm,
wenn der Personen- und Güterverkehr in einem Jahr mit 8 Streiks stark beeinträchtigt bis Lahmgelegt wird und nun droht auch noch dem GDL streik ein EVG streik zu folgen. Da sinkt das Verständnis ungemein!


Das die Leute sich gestört und beeinträchtigt fühlen ist verständlich. Weniger verständlich ist das dafür ziemlich einseitig die GDL verantwortlich gemacht wurde und nicht die Deutsche Bahn.

Hätte man übrigens das ganze Problem des Streiks im Fern- und Nahverkehr auf der Schiene verhindern wollen, so hätte man halt die Verkehrsbetriebe, besonders die Deutsche Bahn, nicht privatisieren dürfen. Beamte dürfen nämlich nicht streiken.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Der zunehmende Konkurrenzdruck von Fernbussen und Konkurennzuneternehmen auf den Schienen, sowie die unaufhaltbare Rationalisierung und Automatisierung der Systeme, sollte - so meine ich - die Zugführer zu mehr Besonnenheit ermahnen. Denn auch mit einem höheren Tariflohn lohnt sich die Arbeitslosigkeit nicht.


Rationalisierung und Automatisierung kommen so oder so (siehe meinen letzten Post). Die Fernbusse sind z.T. eine Scheinkonkurrenz. Man schaue sich mal an wie nah an der Grenze der Rentabilität diese Firmen arbeiten und wie wenige davon nur noch übrig geblieben sind. Einer davon gehört sogar der Deutschen Bahn.

Bleiben nur andere Unternehmen auf den Schienen, welche aber bisher nur relativ lokale Anbieter sind.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Ich frage mich da aber,
wieso schaffen es beide Parteien nicht,
jedes Jahr eine moderate, automatische, prozentuale (gekoppellt z.B. an den Warenkorb oder die Inflation) Anpassung der Reallöhne zu vereinbaren, so dass das Streiken überflüssig wird, das wäre doch besser.


Mindestens in den letzten zwei Dekaden hat man doch vielmehr systematisch daran gearbeitet das Arbeitsrecht aufzuweichen, die Sozialleistungen zu entkoppeln und Lohndumping zu betrieben. Die Oberschicht und die Mittelschicht sind davon nicht so schlimm betroffen (wenngleich ihr soziales Risiko ebenfalls deutlich erhöht hat), aber besonders die Unterschicht und das bei einer schrumpfenden Mittelschicht.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Und hier in Deutschland liegen wir mit der Wochen-Arbeitszeit im guten EU Mittel (siehe hier)


Wohlgemerkt der EU27 als eines der reichsten Länder der Union. Aber davon abgesehen ist diese Statistik bei weitem nicht so aussagekräftig wie man denkt. Gerade die Zusammenarbeit mit US-Amerikanern und Türken (aus der Türkei) hat mir gezeigt das Arbeitszeit nicht gleich Arbeitszeit ist, da diese sehr verschieden gefüllt wird.
Stimmt alles und dennoch verlieren die Gewerkschaften an Macht und an Mitgliedern und wenn sie etwas erreichen, so gibt es dennoch genügend Möglichkeiten seitens der Arbeitgeber, diese Änderungen zu umgehen: siehe Zeitarbeit und Fremdfirmen, die aus anderen Branchen stammen und die Arbeit zu einem niedrigeren Lohn verrichten. So bleibt das Ergebnis einer Errungenschaft doch oft hinter den Erwartungen zurück.

Und sicherlich, als Unternehmer (wenn auch derzeit noch ohne Angestellte, ändert sich aber vielleicht noch) denke ich eher Arbeitgeberfreundlich.

Aber so entsteht die Pluralität der Meinungen, welche ja auch die Demokratie ausmacht.

Ich finde z.B. auch, dass es flexiblere Arbeitsverträge geben sollte.
Diakonien dürfen sowas bereits:
Diese Woche 10 Stunden, nächste Woche 30 Stunden.
Besser als arbeitslos sein ist das allemal.
Denn wenn die Auftragslage schwankend ist,
dann ist ein Arbeitsvertrag mit fester Arbeitszeit ein Hemmnis,
jemanden einzustellen.

Und das ist leider das Dumme:
Die Mehrheit entscheidet, aber sie entscheidet oft so,
dass die Minderheit, welche diese Mehrheit beschäftigt,
mit der Beschäftigung dieser Minderheit beeinträchtigt wird.

Ich glaube, wir könnten wieder Vollbeschäftigung bekommen,
wenn die Lohnnebenkosten sinken und die Regularien
vermindert werden würden.
_________________
Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Ich finde z.B. auch, dass es flexiblere Arbeitsverträge geben sollte.
Diakonien dürfen sowas bereits:
Diese Woche 10 Stunden, nächste Woche 30 Stunden.
Besser als arbeitslos sein ist das allemal.
Denn wenn die Auftragslage schwankend ist,
dann ist ein Arbeitsvertrag mit fester Arbeitszeit ein Hemmnis,
jemanden einzustellen.

So denke auch ich, dass Arbeit nach Bedarf mehr oder weniger sein soll.
_________________
Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Ich finde z.B. auch, dass es flexiblere Arbeitsverträge geben sollte.
Diakonien dürfen sowas bereits:
Diese Woche 10 Stunden, nächste Woche 30 Stunden.
Besser als arbeitslos sein ist das allemal.
Denn wenn die Auftragslage schwankend ist,
dann ist ein Arbeitsvertrag mit fester Arbeitszeit ein Hemmnis,
jemanden einzustellen.

So denke auch ich, dass Arbeit nach Bedarf mehr oder weniger sein soll.
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PapaLoooo hat folgendes geschrieben:
Stimmt alles und dennoch verlieren die Gewerkschaften an Macht und an Mitgliedern und wenn sie etwas erreichen, so gibt es dennoch genügend Möglichkeiten seitens der Arbeitgeber, diese Änderungen zu umgehen: siehe Zeitarbeit und Fremdfirmen, die aus anderen Branchen stammen und die Arbeit zu einem niedrigeren Lohn verrichten. So bleibt das Ergebnis einer Errungenschaft doch oft hinter den Erwartungen zurück.

Und weil die Arbeitgeberseite sowieso schon unverhältnismäßig gute Möglichkeiten hat, sollen die Arbeitnehmer ihre wenigen Möglichkeiten auch noch aufgeben? Weil es eh keinen Zweck hat? Oder wie soll ich das berstehen?

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Ich finde z.B. auch, dass es flexiblere Arbeitsverträge geben sollte.
Diakonien dürfen sowas bereits:
Diese Woche 10 Stunden, nächste Woche 30 Stunden.
Besser als arbeitslos sein ist das allemal.
Denn wenn die Auftragslage schwankend ist,
dann ist ein Arbeitsvertrag mit fester Arbeitszeit ein Hemmnis,
jemanden einzustellen.

Und wie erklärt der Arbeitnehmer seinem Vermieter, dass er diesen Monat leider nicht genug verdient hat? Wie soll man so eine gewisse Sicherheit bekommen, um eine Perspektive oder gar eine Familie aufzubauen? Warum sollten eigentlich Angestellte das Unternehmerrisiko auf sich nehmen?

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Und das ist leider das Dumme:
Die Mehrheit entscheidet, aber sie entscheidet oft so,
dass die Minderheit, welche diese Mehrheit beschäftigt,
mit der Beschäftigung dieser Minderheit beeinträchtigt wird.

Wo denn? Die Arbeitnehmer haben im Wesentlichen die Möglichkeit, Gewerkschaften zu bilden. Was ja heute deutlich eingeschränkt wurde. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Parteien zu wählen, die ihre Interessen in der Gesetzgebung vertreten. In Wahlen wählt die Mehrheit aber zum größten Teil die Konzernfreundlichen Parteien CxU/SPD/FDP und Grüne.

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Ich glaube, wir könnten wieder Vollbeschäftigung bekommen,
wenn die Lohnnebenkosten sinken und die Regularien
vermindert werden würden.

Ich glaube nicht, dass das Geld, was eingespart würde mehrheitlich in Arbeitsplätze umgewandelt würde. Ich gehe stark davon aus, es würde eher Richtung Aktionäre und Vorstände wandern. Mal ganz davon ab, wer bezahlt dann die Sozialsysteme, wenn die Lohnnebenkosten gesenkt werden?

Liebe Grüße
Nadja
_________________
GUNKL: Wüstenreligionen, Wissen, Respekt und Kränkungen
http://www.lsvd.de
Humanistischer Pressedienst
Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz
Finde ich noch interessant zum Thema.

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG sitzen 3 Leute von der EVG als sog. Arbeitnehmervertreter.

Alexander Kirchner
Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates
Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
Runkel


Klaus Dieter Hommel
Stellvertretender Vorsitzender der
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
Neuenhagen


Regina Rusch-Ziemba
Stellvertretende Vorsitzende
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
Hamburg


Jedoch niemand von der GDL.

http://www.deutschebahn.com/de/konz.....nprofil/aufsichtsrat.html

Liebe Grüße
Nadja
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Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz
NadjaB hat folgendes geschrieben:

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Ich finde z.B. auch, dass es flexiblere Arbeitsverträge geben sollte.
Diakonien dürfen sowas bereits:
Diese Woche 10 Stunden, nächste Woche 30 Stunden.
Besser als arbeitslos sein ist das allemal.
Denn wenn die Auftragslage schwankend ist,
dann ist ein Arbeitsvertrag mit fester Arbeitszeit ein Hemmnis,
jemanden einzustellen.

Und wie erklärt der Arbeitnehmer seinem Vermieter, dass er diesen Monat leider nicht genug verdient hat?

Ich meine, dann müsste der Lohn halt generell besser ausfallen.
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NadjaB hat folgendes geschrieben:

PapaLoooo hat folgendes geschrieben:

Ich finde z.B. auch, dass es flexiblere Arbeitsverträge geben sollte.
Diakonien dürfen sowas bereits:
Diese Woche 10 Stunden, nächste Woche 30 Stunden.
Besser als arbeitslos sein ist das allemal.
Denn wenn die Auftragslage schwankend ist,
dann ist ein Arbeitsvertrag mit fester Arbeitszeit ein Hemmnis,
jemanden einzustellen.

Und wie erklärt der Arbeitnehmer seinem Vermieter, dass er diesen Monat leider nicht genug verdient hat?

Ich meine, dann müsste der Lohn halt generell besser ausfallen.
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NadjaB hat folgendes geschrieben:
Ich glaube nicht, dass das Geld, was eingespart würde mehrheitlich in Arbeitsplätze umgewandelt würde. Ich gehe stark davon aus, es würde eher Richtung Aktionäre und Vorstände wandern. Mal ganz davon ab, wer bezahlt dann die Sozialsysteme, wenn die Lohnnebenkosten gesenkt werden?

Habe jetzt nur kurz zeit, zu antworten,
mehr morgen oder später.
Aber wenn man Lohnnebenkosten senkt,
dann werden mehr Arbeitskräfte eingestellt.
Das senkt die Produktionskosten und steigert die Kaufkraft.
Was wiederum die Waren verbilligt,
das Weniger an Einnahmen müsste dann durch eine Steigerung der Mehrwertsteuer kompensiert werden.
Man könnte das so auswiegeln, dass sich die Staatseinnahmen die Waage halten.
Würde z.B. die Lohnnebenkosten auf Null minimiert,
so wäre reguläre Arbeit genau so attraktiv wie die Schwarzarbeit.

Dieses Denkmodell stammt nicht von mir,
sondern von namhaften Unternehmern (Chef von "Mein Platz" oder so, weiß ich grade nicht und muss mich jetzt um meine Kinder kümmern).

Wie gesagt, bis später!
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NadjaB hat folgendes geschrieben:
Und wie erklärt der Arbeitnehmer seinem Vermieter, dass er diesen Monat leider nicht genug verdient hat?

Nur noch kurz hierzu:
Da dieses Lohnmodell derzeit nicht möglich ist,
ist die Konsequenz, dass der Arbeitnehmer eben entlassen wird.
Und daraus ergibt sich die selbe Situation
und zusätzlich die Schwierigkeit, eine neue Arbeitsstelle zu suchen.

Und sowieso ist es für jeden Kleinunternehmer ständig so:
Man muss sich eben in Zeiten, in denen mehr Arbeit möglich ist,
ein Finanzpolster anlegen und dieses darf nur im Notfall angetastet werden.

Und das kann man sich z.B. (wie in meinem Fall) dadurch ansparen,
indem man auf ein Auto verzichtet
und in einer Bude wohnt, wo die Warmmiete eben nur knapp über 300 € liegt. Und und und.

Aber ich finde das immer noch besser, als Arbeitslos zu sein.
Denn das nagt m.E. ungemein am Selbstwertgefühl.
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