Was ist Kultur?


Was ist Kultur? Wie definiert ihr Kultur? Schaffen Kulturschaffende Einheit oder ist Kultur genuin etwas Trennendes? Wie sieht die Kultur der Zukunft aus? Wird sie neu zu definieren sein oder lehnt sich der Begriff gerade an der Tradition an? Hat Kultur überhaupt Relevanz?
Heraclitus hat folgendes geschrieben:
Was ist Kultur? Wie definiert ihr Kultur?


Kultur entsteht, wenn es einer Gesellschaft - also einer Personengruppe, die nach dem Einheitsprinzip organisiert ist - gelingt die Grundlagen dafür bereitzustellen, dass Menschen Leistungen erbringen, die über das bloß Animalische hinausgehen. Kultur ist also letztlich der manifeste Ausdruck des Wesens des Menschseins. Ohne Kultur keine Menschlichkeit - und ohne Menschlichkeit keine Kultur.
Was Kultur ist und wie es sich genau von anderen Konzepten wie etwa 'Zivilisation', 'Gesellschaft', 'Sitten' oder 'Tradition' unterscheidet ist eine sehr komplexe Frage.

Eine sehr weite Definition von Kultur ist, dass Kultur all jenes ist was der Mensch selbst mit seiner gestaltenden Kraft erzeugt. Somit wird Kultur als Nicht-Natur definiert. Das scheint auch dem lateinischen Ursprung des Wortes zu entsprechen.

Oft wird Kultur aber auch als die spezifische Eigenheit oder gar Besonderheit einer bestimmten Gruppe von Menschen verstanden. Dann ist etwa die Rede von 'Deutscher Kultur' oder 'Arabischer Kultur'.

Oft fällt auch auf, dass Kultur normativ positiv besetzt ist und die Einhaltung gewisser sittlichen Regeln, das Erreichen eines gewissen zivilisatorischen Niveaus oder das Haben eines bestimmten intellektuellen Gestus meint.

Eine Besonderheit im deutschen Sprachgebrauch ist die Unterscheidung zwischen Kultur und Zivilisation. Diese ist etwa im englischsprachigen Raum (außerhalb von akademischen Kreisen) unbekannt und spielte besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch eine gewichtige Rolle im Konflikt zwischen den deutschen Großmächten und den englischsprachigen.

Der Artikel (Kultur) in der deutschsprachigen Wikipedia bietet einen recht guten Einstieg zu dem Thema. Wissenschaftlich waren, wenn ich mich recht entsinne, die Einführungen von Moebius ziemlich gut.
Tobias hat folgendes geschrieben:


Der Artikel (Kultur) in der deutschsprachigen Wikipedia bietet einen recht guten Einstieg zu dem Thema. Wissenschaftlich waren, wenn ich mich recht entsinne, die Einführungen von Moebius ziemlich gut.


Die wissenschaftliche Definition von Kultur dürfte hinlänglich bekannt sein.
Mir ging es um die persönliche Beziehung des Einzelnen zu diesem Begriff.

Zitat:
Eine Besonderheit im deutschen Sprachgebrauch ist die Unterscheidung zwischen Kultur und Zivilisation. Diese ist etwa im englischsprachigen Raum (außerhalb von akademischen Kreisen) unbekannt und spielte besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch eine gewichtige Rolle im Konflikt zwischen den deutschen Großmächten und den englischsprachigen.


Der Begriff "culture" ist im anglophohnen Sprachraum stark mit Bildung assoziiert. So versteht es wohl auch Burkl.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Kultur entsteht, wenn es einer Gesellschaft - also einer Personengruppe, die nach dem Einheitsprinzip organisiert ist - gelingt die Grundlagen dafür bereitzustellen, dass Menschen Leistungen erbringen, die über das bloß Animalische hinausgehen. Kultur ist also letztlich der manifeste Ausdruck des Wesens des Menschseins. Ohne Kultur keine Menschlichkeit - und ohne Menschlichkeit keine Kultur.


Kultur braucht also eine Grundlage. Ich habe eine Ahnung, was du damit meinst. Vielleicht kannst du es näher ausführen. Welches Fundament ist zur Schaffung von Kultur Voraussetzung?
Du definierst Kultur als das, was über das Animalische hinausgeht. Das ist im Prinzip Zivilisation. Zivilisation funktioniert ohne Bildung, ist aber gleichermaßen Vorstufe und Voraussetzung für Kultur. Wieviel Zivilisation ist nötig, um Kultur zu schaffen?

Was ist die Motivation Kultur zu schaffen und zu pflegen?
Es heißt, die Identität eines Volkes ist verknüpft mit seinen Kulturgütern.
Ist das für euch nachvollziehbar?
Dieses Forum nennt sich Forum für geistige Nahrung. Es ist schon traurig, dass es hier keine Meinungen zu dem gibt, was Kultur ist, zumal die Bahai-Religion vorgeblich so große Stücke auf Bildung hält. Zwei Beiträge, einer davon mehr ein lexikalischer Abriss als ein persönliches Statement.
Lieber Heraclitus!

Die westliche Welt hat meiner Meinung sehr wenig Kultur. Die Moral ist am Tiefststand und der sittliche Verfall ist prägend. Und die meisten Menschen meinen, dass es so gut ist, dass es ein Meilenstein in unserer Zivilisation ist, wenn wir nur tolerant sind. Nichts gegen Toleranz, denn ich akzeptiere jede Meinung und Einstellung, aber ich frage mich dann immer, wo bleibt die Moral und die Tugend, denn sie wird von Ego und Superego unterdrückt, was dazu führt, dass die Herzen der Menschen versteinern. Gier, Ärger, Hass und Lust lösen die Prinzipien der Wahrheit und der Liebe ab, die wir im Herzen tragen.

Alles Liebe

Erich
_________________
Ich handle aus reiner Liebe
Nehmen wir die neuen Medien als Beispiel - ist das eine zivilisatorische oder eine kulturelle Errungenschaft - oder beides? Können sie jene Kultur des Dialogs, der Anteilnahme, der Solidarität und Versöhnung fördern, ohne die der Friede nicht verwirklicht werden kann?
leuthner hat folgendes geschrieben:
Lieber Heraclitus!

Die westliche Welt hat meiner Meinung sehr wenig Kultur. Die Moral ist am Tiefststand und der sittliche Verfall ist prägend. Und die meisten Menschen meinen, dass es so gut ist, dass es ein Meilenstein in unserer Zivilisation ist, wenn wir nur tolerant sind. Nichts gegen Toleranz, denn ich akzeptiere jede Meinung und Einstellung, aber ich frage mich dann immer, wo bleibt die Moral und die Tugend, denn sie wird von Ego und Superego unterdrückt, was dazu führt, dass die Herzen der Menschen versteinern. Gier, Ärger, Hass und Lust lösen die Prinzipien der Wahrheit und der Liebe ab, die wir im Herzen tragen.

Alles Liebe

Erich


Die westliche Welt hat sehr viel Kultur, die östliche auch. Nicht zu vergessen die südliche und nördliche Welt. Alle zivilisierten Völker haben Kultur hervor gebracht, natürlich zu unterschiedlichen Zeiten. Leider geht die Kultur in vielen Ländern unter. Das hat verschiedene Gründe. Häufig ist Krieg und Not der Grund. Immer dann, wenn die zivilisatorischen Errungenschaften untergehen, leidet die bereits bestehende Kultur mit.
In der westlichen Welt geht das Bildungsniveau zurück. Ob das an den neuen Medien liegt, ist die Frage. Es kommt auf die Nutzung an. Sitzt man vor Ballerspielen oder sucht in online-Lexika nach Artikeln?
Thema Moral. Moral in Abhängigkeit von Kultur? Eine interessante These. Zivilisation allein ist jedenfalls nicht das Fundament von Moral.
Thema Toleranz und Kultur? Ebenfalls spannend. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die es als Schande empfinden, die eigene Kultur schützen zu wollen. Allerdings habe ich vor anderen Kulturen genauso viel Respekt. Vielleicht ist die Kultur das einzige Gebiet, auf dem man sich abgrenzen kann und soll, ohne dass das gleichbedeutend mit Intoleranz wäre. Reise ich in Länder, die kulturell anders geprägt sind, passe ich mich an. Umgedreht sollte es genauso sein. Doch das ist im Moment ein heikles Thema. Doch ja, Kultur schafft Identität. Fällt mir in diesem Zusammenhang ein. Ohne Kultur keine Identität.
Gier, Hass und Lust sind uralte Themen der Menschheit. Sie treten auch in zivilisierten und kulturell hoch stehenden Gesellschaften auf. Ethik und Moral sind Kulturgüter, aber Kultur kein Garant für dieselben.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Nehmen wir die neuen Medien als Beispiel - ist das eine zivilisatorische oder eine kulturelle Errungenschaft - oder beides? Können sie jene Kultur des Dialogs, der Anteilnahme, der Solidarität und Versöhnung fördern, ohne die der Friede nicht verwirklicht werden kann?

Beides würde ich sagen. Zivilisatorisch und kulturell. In der Nutzung liegt, wie du es schon andeutest, der Unterschied. Ohne die neuen Medien würden wir kaum etwas "hautnah" vermittelt bekommen. Anteilnahme und Solidarität wird dadurch erst möglich. Das aktuelle Beispiel der Flugzeugkatastrophe zeigt das. Überhaupt ermöglichen soziale Medien einen Austausch, der die Verständigung unter den Meschen, das Verstehen anderer Positionen, fördert. Die Anonymität im Internet bietet eine Plattform ehrlichen Meinungsaustauschs. Man schreibt u. U. Dinge, die man weniger vor einem realen Auditorium äußern würde. Auf der anderen Seite bietet diese neue Form des Dialogs auch gewissen Subjekten die Möglichkeit, den geschützten Raum zu missbrauchen. Nicht selten wird beleidigt, getrollt und verhetzt.
Ob es durch Verstehen anderer Positionen Versöhnung und Frieden geben kann? Verstehen heißt nicht gleichzeitig gutheißen. Dort wo sich beispielsweise politische Ansichten diametral gegenüber stehen, die zudem unverholen geäußert werden, kann es schon auch zu Unfrieden kommen.
Was ist Kultur?
Ich denke, Kultur ist ein Ausdruck der Wertvorstellungen sowie der Weltanschauungen von gewissen Menschen.