Was ist Kultur?


Hallo Heraclitus,

für mich persönlich ist Kultur das, was ich durch Sozialisation, Erziehung und Erfahrung, Lernen und Beobachten innerhalb meines Erfahrungshorizontes wahrnehme. Das wichtigste daran ist, sie ist nicht statisch, sondern kann mal schneller, mal langsamer, Veränderungen unterliegen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich denke, Kultur ist ein Ausdruck der Wertvorstellungen sowie der Weltanschauungen von gewissen Menschen.


Wir hatten aber schon festgestellt, dass Kultur und Zivilisation sich voneinander unterscheiden. Weltanschauung und Wertvorstellung haben unzivilisierte Menschen auch. Deren Wertvorstellungen sind aber in den Augen der kultivierten Menschen minderwertig. Drückt Kultur also besonders hoch stehende Wertvorstellungen aus? Ist beispielsweise die Demokratie Ausdruck einer kultivierten Gesellschaft?

Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Heraclitus,

für mich persönlich ist Kultur das, was ich durch Sozialisation, Erziehung und Erfahrung, Lernen und Beobachten innerhalb meines Erfahrungshorizontes wahrnehme. Das wichtigste daran ist, sie ist nicht statisch, sondern kann mal schneller, mal langsamer, Veränderungen unterliegen.

Pjotr Kala


Kulturen sind veränderlich, ja. Doch auch hier die Frage: Ist Sozialisation, Erziehung etc. bereits Ausdruck von Kultur oder erst einmal nur Indikator von Zivilisation? Impliziert der Bergriff Kultur nicht ein höheres Level von Zivilisation? Ich frage mich, ob die höchste Form der Kultur nicht etwas ist, was allen Völkern gleich ist, etwas worin sich alle anderen Unterschiede auflösen. Diese Annahme mag zunächst als Paradoxon erscheinen, aber ist Kultur nicht ein Ergebnis zu dem früher oder später jede Zivilisation gelangt? Vielleicht ist unser Problem, dass nicht alle Menschen auf dem gleichen kulturellen Level stehen?
Hallo Heraclitus,

da ich die "Kultur" nicht erfunden habe, ist sie wohl überwiegend ein Ergebnis der Sozialisation bzw der Erfahrung. Ob du nun nochmals unterscheidest zwischen Zivilsation und Kultur ist eine Frage des persönlichen Standpunktes. Meines Erachtens sind sie nicht scharf voneinander zu trennen so nach dem Motto "eine Zivilisation ist die Voraussetzung für eine Kultur".

Nein Kultur wird nie in allen Völkern gleich sein und das ist meines Erachtens auch nicht erstrebenswert. Zwar werden sich die unterschiedlichen Kulturen durch die starke wirtschaftliche und nachrichtentechnische Verflechtung stärker angleichen, Unterschiede in den einzelnen Kulturräumen werden aber bleiben. Der "gleiche Level" in den Kulturen wird sich auf einige von allen akzeptierten Grundwerten beschränken.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo Heraclitus,

da ich die "Kultur" nicht erfunden habe, ist sie wohl überwiegend ein Ergebnis der Sozialisation bzw der Erfahrung. Ob du nun nochmals unterscheidest zwischen Zivilsation und Kultur ist eine Frage des persönlichen Standpunktes. Meines Erachtens sind sie nicht scharf voneinander zu trennen so nach dem Motto "eine Zivilisation ist die Voraussetzung für eine Kultur".



Hallo Pjotr Kala,

du legst den Fokus stark auf "Erfahrung". Ich kann nicht ganz nachvollziehen, was du damit meinst.
Ich überlege gerade, ob mir eine unzivilisierte Kultur einfällt. Schon Neandertaler hatten einen Begräbnis-Kult, doch waren sie auch zivilisiert? Vielleicht ja mehr als der Homo sapiens, von dem sie schließlich verdrängt wurden. Möglicherweise waren sie pazifistisch und wehrten sich nicht. Vielleicht waren sie auch einfach geistig weniger entwickelt, wer kann das schon sagen. Doch würde ich weder Neandertaler noch Naturvölker, wie man sie heute vereinzelt noch findet, als zivilisiert bezeichnen. Ist Kultur dann tatsächlich ohne Zivilisation möglich? Etwas sträubt sich in mir.
Hallo Heraclitus,

du wolltest doch nicht das diskutieren, was die Wissenscchaft unter Kultur versteht.
Dann bleibt nur die persönliche Erfahrung der Kultur, die natürlich auf meinen Erfahrungshorizont begrenzt bleibt.

Meines Erachtens sind Sozialisation, Zivilisation, Kultur, Religion, Wertevorstellungen mehr oder weniger abhängig voneinander entstanden. Die Unterscheidung liegt nur darin, worauf man gerade den Focus richtet.
Und spätestens mit den Errichten von Hütten, oder dem Ackerbau muß man wahrscheinlich von einer Zivilisation sprechen, aber vielleicht hat es schon vorher Riten (Totenrituale) gegeben, die dann wieder für den Vorrang einer Kultur sprechen würden.

Pjotr Kala
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Ich denke schon, dass Kultur besonders hohe Wertvorstellungen ausdrückt, in das Religiöse sehr tief hineingehend.
In manchen Gesellschaften werden leider sehr barbarische Gebräuche als Kulturgut begriffen.
Man denke an Stierkämpfe in Spanien.
Auch der Brauch, für den Ostersonntag ein Osterlamm als Oper zu töten und zu verspeisen, gehören sicherlich mit dazu.

Daher kann man nur hoffen, dass eines Tages ein alter Philosoph recht bekommen wird:

"Der Tag wird kommen, an dem das Töten eines Tieres genauso als Verbrechen betrachtet werden wird wie das Töten eines Menschen."
Leonardo da Vinci
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Ich nehme mal an, dass Leonardo da Vinci folglich ein strenger Vegetarier gewesen sein müsste.
Heraclitus hat folgendes geschrieben:
leuthner hat folgendes geschrieben:
Lieber Heraclitus!

Die westliche Welt hat meiner Meinung sehr wenig Kultur. Die Moral ist am Tiefststand und der sittliche Verfall ist prägend. Und die meisten Menschen meinen, dass es so gut ist, dass es ein Meilenstein in unserer Zivilisation ist, wenn wir nur tolerant sind. Nichts gegen Toleranz, denn ich akzeptiere jede Meinung und Einstellung, aber ich frage mich dann immer, wo bleibt die Moral und die Tugend, denn sie wird von Ego und Superego unterdrückt, was dazu führt, dass die Herzen der Menschen versteinern. Gier, Ärger, Hass und Lust lösen die Prinzipien der Wahrheit und der Liebe ab, die wir im Herzen tragen.

Alles Liebe

Erich


Die westliche Welt hat sehr viel Kultur, die östliche auch. Nicht zu vergessen die südliche und nördliche Welt. Alle zivilisierten Völker haben Kultur hervor gebracht, natürlich zu unterschiedlichen Zeiten. Leider geht die Kultur in vielen Ländern unter. Das hat verschiedene Gründe. Häufig ist Krieg und Not der Grund. Immer dann, wenn die zivilisatorischen Errungenschaften untergehen, leidet die bereits bestehende Kultur mit.
In der westlichen Welt geht das Bildungsniveau zurück. Ob das an den neuen Medien liegt, ist die Frage. Es kommt auf die Nutzung an. Sitzt man vor Ballerspielen oder sucht in online-Lexika nach Artikeln?
Thema Moral. Moral in Abhängigkeit von Kultur? Eine interessante These. Zivilisation allein ist jedenfalls nicht das Fundament von Moral.
Thema Toleranz und Kultur? Ebenfalls spannend. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die es als Schande empfinden, die eigene Kultur schützen zu wollen. Allerdings habe ich vor anderen Kulturen genauso viel Respekt. Vielleicht ist die Kultur das einzige Gebiet, auf dem man sich abgrenzen kann und soll, ohne dass das gleichbedeutend mit Intoleranz wäre. Reise ich in Länder, die kulturell anders geprägt sind, passe ich mich an. Umgedreht sollte es genauso sein. Doch das ist im Moment ein heikles Thema. Doch ja, Kultur schafft Identität. Fällt mir in diesem Zusammenhang ein. Ohne Kultur keine Identität.
Gier, Hass und Lust sind uralte Themen der Menschheit. Sie treten auch in zivilisierten und kulturell hoch stehenden Gesellschaften auf. Ethik und Moral sind Kulturgüter, aber Kultur kein Garant für dieselben.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Nehmen wir die neuen Medien als Beispiel - ist das eine zivilisatorische oder eine kulturelle Errungenschaft - oder beides? Können sie jene Kultur des Dialogs, der Anteilnahme, der Solidarität und Versöhnung fördern, ohne die der Friede nicht verwirklicht werden kann?

Beides würde ich sagen. Zivilisatorisch und kulturell. In der Nutzung liegt, wie du es schon andeutest, der Unterschied. Ohne die neuen Medien würden wir kaum etwas "hautnah" vermittelt bekommen. Anteilnahme und Solidarität wird dadurch erst möglich. Das aktuelle Beispiel der Flugzeugkatastrophe zeigt das. Überhaupt ermöglichen soziale Medien einen Austausch, der die Verständigung unter den Meschen, das Verstehen anderer Positionen, fördert. Die Anonymität im Internet bietet eine Plattform ehrlichen Meinungsaustauschs. Man schreibt u. U. Dinge, die man weniger vor einem realen Auditorium äußern würde. Auf der anderen Seite bietet diese neue Form des Dialogs auch gewissen Subjekten die Möglichkeit, den geschützten Raum zu missbrauchen. Nicht selten wird beleidigt, getrollt und verhetzt.
Ob es durch Verstehen anderer Positionen Versöhnung und Frieden geben kann? Verstehen heißt nicht gleichzeitig gutheißen. Dort wo sich beispielsweise politische Ansichten diametral gegenüber stehen, die zudem unverholen geäußert werden, kann es schon auch zu Unfrieden kommen.


Lieber Heraklitus!

Wir leben in einer Welt, wo Krieg herrscht, wenn nicht mit Waffen, dann mit wirtschaftlichen Sanktionen. Genauso ist der Wettbewerb Krieg. Ich weiss nicht warum man von gesundem Wettbewerb spricht, denn er zerstört die Schwachen und macht die Menschen, egal in welcher Position psychisch, körperlich, mental, emoitional und spirituell krank. Da eine Kultur zu sehen, verstehe ich nicht, denn wir leben im Kali Yuga, in der dunkelsten Zeit der Menschheitsgeschichte, wo vielen Menschen nichts mehr heilig ist, und die Negativität in sehr vielen Menschen überhand genommen hat. Über den moralischen und sittlichen Verfall habe ich bereits gesprochen. Dem können wir nur entkommen, wenn wir in unsere Herzen einkehren und Ego und Superego kreuzigen und somit auferstehen, wie es die Botschaft von Jesus Christus ist, denn das jüngste Gericht hat längst begonnen und trennt die Spreu vom Weizen.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Hallo leuthner,
was hat das mit Kultur zu tun? Du meinst die Zivilisation entartet?


Hallo Pjotr Kala,

Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Meines Erachtens sind Sozialisation, Zivilisation, Kultur, Religion, Wertevorstellungen mehr oder weniger abhängig voneinander entstanden. Die Unterscheidung liegt nur darin, worauf man gerade den Focus richtet.
Und spätestens mit den Errichten von Hütten, oder dem Ackerbau muß man wahrscheinlich von einer Zivilisation sprechen, aber vielleicht hat es schon vorher Riten (Totenrituale) gegeben, die dann wieder für den Vorrang einer Kultur sprechen würden.
Pjotr Kala


Wenn Zivilisation, Kultur und Religion sich reziprok bedingen, haben wir die Lösung für die gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme. Die Fokussierung auf einen Faktor alleine schafft dann nämlich ein Ungleichgewicht der zugrundeliegenden Wertevorstellungen und die Gesellschaft bricht auseinander. Bedauerlicherweise wissen wir nicht, ob ein früher Totenkult Ursache für Zivilisation war, denn wenn dem so wäre, wäre der Totenkult die Voraussetzung für eine kultivierte Wirtschaftspolitik. Sollte der menschwürdige Umgang miteinander am Ende doch enger mit einem Jenseitsglauben verbunden sein als uns aufgeklärten Denkern lieb ist?