Ich bin nicht Charlie, ich bin Kemal


Ein lesenswerter Artikel zur aktuellen Diskussion rund um die Paris-Attentate.

http://www.kosmo.at/news/Ich-bin-nicht-Charlie-Ich-bin-Kemal

Gut geschrieben
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"Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben." Shoghi Effendi
Ich finde es schade, dass den über 100 Toten durch Boko Haram in Nigeria nicht annähernd die gleiche Beachtung geschenkt wird, wie den 12 Toten Franzosen!
http://www.tagesschau.de/ausland/nigeria-boko-haram-103.html
Es sind ja auch die gleichen Täter(also Islamisten) wie in Frankreich gewesen.
Es ist sogar am gleichen Tag passiert.

Wir(das Westliche Volk) können leider immer noch nicht gerecht urteilen.
-Das Afrikaner leiden, ist doch normal, denken Wir.
Was machen da schon 100 Tote?

Es ist, weil es Franzosen sind.
Es klingt unwahrscheinlicher, wenn westliches Blut vergossen wird.
Auch die Menschen, gerade die Jugend nimmt "stylisch" daran Anteil.
Stifte werden hochgehalten, die Jugend trauert.
„Vive la France“ ruft Obama zu Frankreich und bekommt daraufhin weitere seelische Unterstützung von der ganzen westlichen Welt.
Doch wenn es Afrikaner sind, ist es ganz was normales.
-Die leiden ja sowieso immer.

Allein schon dass ich den Begriff "Afrikaner" verwendet habe, anstatt Nigerianer, zeigt doch, dass unsere Gleichgültigkeit schon in unsere Sprache integriert ist.
Was ich damit meine ist, dass Afrika keine Nation ist, sondern ein Kontinent.
Da es uns egal ist, ob es der Kongo oder Uganda ist, wo schlimme Dinge passieren und ja alle Nationen Afrikas irgendwie gleich sind(denken wir zumindest), ist es uns ja nicht mal wichtig welche Nation es ist.
Egal in welche Nation Afrikas etwas passiert, so sind sie doch alle für uns "nur" Afrikaner.(so denken wir) Die Nation die in den Nachrichten genannt wird, wird wieder vergessen, denn es ist ja alles Afrika.
Diese Sichtweise finde ich sehr schade, aber sie ist so normal geworden.

Es ist wie der Palästina/Israel-Konflikt:
Die Ganze Welt leidet mit Israel, wir alle fühlen mit ihnen, wenn die Sirenen aufheulen und die verängstigten Bürger in ihre Bunker rennen.

Aber wir vergessen dass Palästina weder Sirenen noch Bunker hat.
Deswegen fehlt der mediale "Drama-Faktor".
Ganz davon abgesehen, dass die Palästinenser viel mehr Opfer zu beklagen haben und viel schlimmeren Waffen ausgesetzt sind als die selbstgebauten ungelenkten Raketen der Hamas, welche auch zu 90% abgewehrt werden.

Uns fehlt der gerechte Blick, finde ich.

Gruß,
JackCM
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http://www.exometa.de/vr.htm
http://youtu.be/_h0ozLvUTb0
http://youtu.be/jWUAI_gywfM
Sehr zum Nachdenken anregender Bericht von Kemal.

Ebenso aber auch Deine Ausführungen, lieber JackCM . Sie erinnern mich sehr an die Ansprache 'Abdu'l-Bahás vom 24. Nob. 1911 (Ansprachen in Paris) über "Die grausame Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Leiden Fremder Rassen."

Kapitel 37

http://www.holy-writings.com/?a=SHO.....FAnsprachen+in+Paris.html

Liebe Grüße
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Hallo JackCM,

die menschliche Natur ist nun mal so beschaffen, daß Katastrophen jeder Art im persönlichen sozialen Umfeld einen wesentlich stärkeren Einfluß ausüben.
Meines Erachtens ist das auch nicht falsch, solange weiter entfernte Katastrophen nicht total ausgeblendet werden.
Im Gegensatz zu früheren Generationen erfahren wir heute fast unmittelbar von jeder Katastrophe in der Welt. Es kommt damit zu einer Reizüberflutung und auch zu einer gewissen Abstumpfung, weil man ja eigentlich nicht mehr viel gegen die Fakten unternehmen kann.
In Frankreich hat ein relativ gut funktionierender Staatsapparat sich sofort an die Aufklärung und Verfolgung der Attentäter gemacht.
Im Irak und in Nigeria haben sich die Soldaten wohl zunächst vor den Angriffen des IS oder von Boko Haram ohne Rücksicht auf die Bevölkerung selbst in Sicherheit gebracht. Beide Staaten haben keine gut funktionierende Sicherheitsstruktur bzw sind durch religiöse und oder ethnische Flügelkämpfe stark geschwächt. Wirtschaftliche Interessen und Korruption haben zusätzlich eine große Bedeutung.
Wie willst du hier eine wirkliche Hilfe organisieren? Nur wenige Länder wären dazu in der Lage. Und die, die Hilfe leisten würden, ständen sofort unter dem Verdacht, sie täten dies nur aus wirtschaftlichen oder imperialistischen Interesse.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Ich denke, es ist halt das Problem, dass viele Anschläge in der heutigen Zeit von Seiten des Islam stammen. Klar wird es vermutlich auch viele nicht verbrecherische Moslems geben, aber die werden leider eher weniger ernst genommen.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich denke, es ist halt das Problem, dass viele Anschläge in der heutigen Zeit von Seiten des Islam stammen. Klar wird es vermutlich auch viele nicht verbrecherische Moslems geben, aber die werden leider eher weniger ernst genommen.

Religionen dienen in solchen Fällen als ein Vorwand für das Verüben eines Massakers und für die Rechtfertigung durch das Wähnen des Göttlichen an seiner Seite. Vergleiche es doch bitte mal damit:

Num 31:1-17: Der Herr sprach zu Mose: Nimm für die Israeliten Rache an den Midianitern. (...) Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr es befohlen hatte, und brachten alle männlichen Personen um. (...) Er (Mose) sagte zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? (...) Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon einen Mann erkannt und mit einem Mann geschlafen haben.

Es ist das Selbe in Grün! Und nun frage 100 Leute, die an die Bibel glauben, ich prophezeie, dass mindestens 90 davon behaupten Mose hätte hier recht getan. Warum?
Das Hirn wird einfach ausgeschaltet, wenn es um religiöse Ansichten geht! Leider! Und so wiederholt sich in der Geschichte immer wieder der gleiche Wahnsinn und Menschen töten unschuldige Menschen indem sie sich auf die Fahnen schreiben:
"Gott ist auf unserer Seite!"
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Hallo PapaLoooo,
Zitat:
Es ist das Selbe in Grün! Und nun frage 100 Leute, die an die Bibel glauben, ich prophezeie, dass mindestens 90 davon behaupten Mose hätte hier recht getan. Warum?


gg, wahrscheinlich wirst du darauf von keinem Religionsanhänger (auch in ähnlich gelagerten Fällen in anderen Religionen) eine Antwort bekommen. Irgendwo ist da die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit erreicht.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Zitat:
Und so wiederholt sich in der Geschichte immer wieder der gleiche Wahnsinn und Menschen töten unschuldige Menschen indem sie sich auf die Fahnen schreiben:
"Gott ist auf unserer Seite!"


Ja das stimmt. Der Name Gottes wurde und wird unzählige Male missbraucht.

Deshalb lautet ja auch die erste Vater-Unser-Bitte "Geheiligt werde dein Name!"
Hallo Burkl,

Und? Hat es was genützt?


Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Zitat:
Und nun frage 100 Leute, die an die Bibel glauben, ich prophezeie, dass mindestens 90 davon behaupten Mose hätte hier recht getan. Warum?


Ein simples "Ja" oder "Nein" wäre hier zu wenig.

Alttestamentliche Texte sind oftmals nicht einfach zu verstehen. Vor Allem ist zu bedenken, dass die Selbstoffenbarung Gottes in Jesus dem Alten Bund nicht zur Verfügung stand. Das Gottesbild ist hier eben noch verdunkelt. Der Sohn Gottes als Maßstab aller Menschlichkeit nur schemenhaft in der Prophetie angedeutet.

Ob die durch Mose angeordneten Tötungen der Heiden direkt von Gott angeordnet wurden ist auf Grund der besonderen Erzählperspektive des AT nicht zwingend anzunehmen. Man kann es auch so verstehen, dass es sich um "Genosuizide" handelte - so wie es im Krieg häufig passiert - mit dem Aggressorvolk nimmt es ein schlimmes Ende. Das ist letztlich eine Art "Naturgesetz" - das so gesehen wieder in der Ordnung Gottes ist und daher gerecht. Der Mann der Gewalt - aber auch sein Volk - hat keine Zukunft. Darum auch der Tod der Kinder und schwangeren Frauen. Auf die individuelle Ebene heruntergebrochen ist es wohl immer grausam und ungerecht, was im Krieg passiert.

Das letzte Ideal und das "Vollmaß der Menschlichkeit" ist Christus. Dahin musste das Volk Israel aber erst gelangen. Daher wäre es verkürzt das, was er getan hat als "ungerecht" abzuurteilen - jedenfalls ist es unvollkommen, weil auch die Gotteserkenntnis des Mose nur eine unvollkommene war.

Seit dem Kommen Jesu ist der Maßstab ein anderer. "Ex post" beurteilt ist es daher Unrecht, was Mose getan hat - weil Jesus das Schwert gänzlich ablehnt. Nur sind eben "ex post"-Urteile niemals ganz gerecht.