Ich bin nicht Charlie, ich bin Kemal


ziraki hat folgendes geschrieben:

Deshalb frage ich mich, ob eine Religion zu respektieren und Traditionen zu respektieren gleichzusetzen ist.


Liebe ziraki,

es geht darum, den Menschen zu respektieren, so wie er ist, mit seinen Werten, egal woher diese stammen und ohne diese zu bewerten.

Und wenn ich falsches Verhalten kritisieren will, gibt es liebevolle und rücksichtslose Methoden bis hin zur Provokation.

Mohammedkarikaturen sind in meinen Augen reine Provokation, weil sie Werte bzw. Tabus bewusst missachten, die für sehr viele Muslime nun mal bestehen. Diese Menschen werden unnötig vor den Kopf gestoßen und den Extremisten wird eine neue Vorlage geliefert.

Wie schön, wenn diese Mohammeddarstellungen gelassen würden; nicht weil man vor den Terroristen einknickt, sondern aus Rücksicht auf all die vielen friedliebenden Muslime, die es verletzt.

Lieber Gruß
Mara
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Hallo Pjotr Kala,
Wer sagt denn, dass man Glauben beweisen muss? Das ist doch ein völlig falscher Ansatz.
Das ist als wenn eine Romanfigur textimmanent versuchen wollte, zu beweisen, dass sie einen Autor hat. Das ist unmöglich. Es gibt lediglich Indizien, aber die Figur ist nicht imstande, einen Blickwinkel von außen einzunehmen.
Die Erfahrungen mit dem was über unsere Existenz hinausweist, gibt dem Erfahrenden aber genug Impulse und das Bewusstsein dafür, dass es sich lohnt, über sein Ego hinauszuwachsen, ja, dass es eine Notwendigkeit ist.
Es bringt Einiges, wenn ein Großteil der Leute sich mit dem muslimischen Nachbarn auseinandersetzt. Die Ghettoisierung ist in der Tat ein Faktum, das allmählich und in angemessener Zeit rückgängig gemacht werden muss. Solche Programme hat es in Duisburg bereits vor 25 Jahren gegeben,leider nur in einem Stadtteil. Integration funktioniert nur durch Mischung, aber es funktioniert.

Wie bereits gesagt, zwingt Meinungsfreiheit nicht dazu, sie immer und vor allem diffamierend anzuwendenden. Eine vorübergehende kluge Vorsicht ist nicht der Tod unserer demokratischen Errungenschaften. Es geht doch nur - nur - um das Abbilden Mohammeds. Die Islamisten sind da doch ausgenommen und die Kritik am Islam ohnehin.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass du das Strickmuster religiöser Fanatiker nicht richtig einschätzt. Die wollen nicht beleidigt sein, sondern fühlen sich in ihrer absoluten Wahrheit verletzt. Dass sie dadurch die Karikaturen erst bekannt gemacht haben, ist ihnen in keiner Weise bewusst. Was sie bewegt, bewegt in deren Denken auch den Rest der Welt. Die sind völlig in ihrem Denken gefangen.
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich meine, wenn sich die Menschen nicht so provozieren lassen, dass sie dann Gewalt ausüben, sondern die Sache gelassener sehen, dann steht die Chance auf Weltfrieden nicht so schlecht. Es müsste halt in die Praxis umgesetzt werden.


Lieber Peter Trim!

Das Provozieren lassen nehmen die machthungrigen Terrrorpaten nur als Vorwand um eine Masse von Menschen ( etliche davon haben eine geringe Bildung ) zu manipulieren.

Alles Liebe

Erich
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Ich handle aus reiner Liebe
Wenn ich hier so lese, dann könnte ich teilweise den Eindruck bekommen, dass die Karikaturen die IS gegründet hätten.

So wie Erich es ausdrückt ist es schon eher. Ich denke nur, dass "Wer suchet, der findet" auch zutrifft und Karikaturen einen solchen Bruchteil bilden, dass sie diesbezüglich unwichtig sind.

Karikaturen sind da zum nachdenken! Wunderbar, wenn sie Diskussionsmaterial bieten und doch sind sie "nur" etwas Farbe und ein Künstler dahinter, der eine Meinung transportiert.
Vielleicht sollten Karikaturen mehr in die Schule transportiert werden, damit wenigstens die Kinder wissen, wie so etwas "funktioniert".
Kisses hat folgendes geschrieben:
Wenn ich hier so lese, dann könnte ich teilweise den Eindruck bekommen, dass die Karikaturen die IS gegründet hätten.

So wie Erich es ausdrückt ist es schon eher. Ich denke nur, dass "Wer suchet, der findet" auch zutrifft und Karikaturen einen solchen Bruchteil bilden, dass sie diesbezüglich unwichtig sind.

Karikaturen sind da zum nachdenken! Wunderbar, wenn sie Diskussionsmaterial bieten und doch sind sie "nur" etwas Farbe und ein Künstler dahinter, der eine Meinung transportiert.
Vielleicht sollten Karikaturen mehr in die Schule transportiert werden, damit wenigstens die Kinder wissen, wie so etwas "funktioniert".


Lieber Kisses!

Gott liebt und verzeiht allen und alles. Die Frage ist nur: "Können sich fehlgeleitete Lichter, wenn sie den Spiegel Ihrer Taten und Unterlassungen vorgesetzt bekommen, selbst verzeihen oder nicht?"

Alles Liebe

Erich
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Ich handle aus reiner Liebe
Kisses hat folgendes geschrieben:

Vielleicht sollten Karikaturen mehr in die Schule transportiert werden, damit wenigstens die Kinder wissen, wie so etwas "funktioniert".

Also hier in Niedersachsen wurde das phasenweise fächerübergreifend bis zum Exzess gemacht^^
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Die Gottheit lebt in den Details.
Hallo lieber Burkl, sorry für meine späte Antwort

Burkl hat folgendes geschrieben:

Ich glaube da müssen wir schon unterscheiden. Vom narrativen Inhalt her widersprechen sich alle Religionen in ihren Kernaussagen. So gesehen wäre ja jede Religion schon per se eine Beleidigung der jeweils anderen.


Na ja, es sind potentielle Beleidigungen. Es kommt halt darauf an ob das Gegenüber beleidigt ist, oder nicht. Muslime finden bildliche Darstellungen Jesu und Marias, sowie die Ikonen der Ostkirchen, auch als eine Beleidung.

Zitat:
Wenn sich jemand alleine dadurch beleidigt fühlt, dass ein Anderer etwas Anderes glaubt (oder überhaupt glaubt), dann ist das jedenfalls hinzunehmen.


Der Meinung bin ich auch. Der Meinung ist aber z.B. nicht die Religionspolizei in Saudi Arabien oder manche andere muslimischen Gegenden. Dort ist etwas anderes glauben nicht nur eine Beleidigung, sondern sogar eine Straftat.

Zitat:
Religionsfreiheit bringt kein Recht auf "Freiheit von Religion" - es gibt kein Recht darauf nicht mit religiösen Inhalten konfrontiert zu werden, die man nicht teilt. Das ist auch Judikatur des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte.


Und das ist gut so. Ebenso ist es mit der Presse- und Meinungsfreiheit. Es sollte kein Recht darauf geben mit Inhalten die ich nicht teile nicht konfrontiert zu werden.

Zitat:
Die Karrikaturen, um die es geht, werden nicht aus religiösen Gründen gemacht. Es gibt keine Religion die vorschreibt mit Karrikaturen andere Religionsangehörige zu provozieren. Es sind hier in diesem Fall bildliche Meinungsäußerungen, die aus einem säkularen Gedankengut heraus gemacht werden.


Ja und? Ob es jetzt religiös oder säkulär motiviert ist sollte da keinen Unterschied machen.

Zitat:
Im speziellen Fall letztlich - wie ich glaube - nicht um irgendwelche Grundrechte durch redlichen Gebrauch abzusichern, sondern um die Überlegenheit des eigenen Kulturkreises zu demonstrieren. Und wenn das ostentative Zeigen der eigenen (vermeintlichen) kulturellen Überlegenheit (und damit automatisch auch der Unterlegenheit des anderen) das hauptsächliche Ziel einer Meinungsäußerung ist - so ist das für mich Unrecht.


Ich sehe das anders, ich glaube dass das Hauptmotiv die Thematisierung der Religion Islam ist. Ein Thema, wie ich auch vor ein paar Monaten im anderen Thread geschrieben habe, das diskutiert werden muss. Über die Art und Weise, ob die speziellen Karikaturen jetzt unglücklich oder aggressiv waren etc., kann man ja streiten. Nur über das eigentliche Thema, das worüber die Karikaturen auch "reden" wollen, wird jetzt wieder nicht gesprochen. Wieder, wie viele Male zuvor, werden nur Ablenkungsmanöver betrieben. "Das ist nicht der wirkliche Islam, Schwamm drüber, Kopf zurück in den Sand."
leuthner hat folgendes geschrieben:

Lieber Kisses!

Gott liebt und verzeiht allen und alles. Die Frage ist nur: "Können sich fehlgeleitete Lichter, wenn sie den Spiegel Ihrer Taten und Unterlassungen vorgesetzt bekommen, selbst verzeihen oder nicht?"

Alles Liebe

Erich


Die Hoffnung habe ich! Vergebung ist wichtig und ich wünsche jedem Menschen diese Fähigkeit - auch gegenüber sich selbst. Vergeben kann man sich selbst allerdings nur wenn man bereut und die Erkenntnis hierzu hatten die "fehlgeleiteten Lichter" nicht.

Ich denke halt, dass "Terroristen" Dinge durchgemacht haben, die sie geprägt haben und durchaus das soziale Umfeld dies hätte verhindern können. Geltungsbedürfnisse, Gruppengefühle etc. werden bei IS erfüllt. Eine Karikatur wird eine erfüllte Seele nicht zum töten auffordern und die Karikaturen mögen das soziale Umfeld aufwecken...

Es ist jammerschade, dass jetzt soziale Projekte gestartet werden, um Terror zu stoppen - das Motiv ist ein fader Beigeschmack. Man sollte keinen Terror benötigen für soziale Projekte, Integration etc zu fördern.
leuthner hat folgendes geschrieben:

Gott liebt und verzeiht allen und alles. Die Frage ist nur: "Können sich fehlgeleitete Lichter, wenn sie den Spiegel Ihrer Taten und Unterlassungen vorgesetzt bekommen, selbst verzeihen oder nicht?"

Wenn sie wollen, dann schon!
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Hallo Mara-Devi,


Zitat:
Mohammedkarikaturen sind in meinen Augen reine Provokation, weil sie Werte bzw. Tabus bewusst missachten, die für sehr viele Muslime nun mal bestehen. Diese Menschen werden unnötig vor den Kopf gestoßen und den Extremisten wird eine neue Vorlage geliefert.


Satire ist fast immer eine Provokation, auch wenn sie einen wahren Kern beinhaltet. Wenn du das vermeiden willst, mußt du die Meinungsfreiheit einschränken. Allerdings bitte ich dann, auch genau zu definieren, welche "heiligen Kühe" du dann noch zu einer satirischen Betrachtung zuläßt.
Und ich garantiere dir, daß du mit dieser Verantwortung mit Sicherheit auf irgendeiner Todesliste von irgendeiner religiösen oder weltanschaulichen Splittergruppe landest. Ein ultraorthodoxer Jude kann es z.B. als Beleidigung auffassen, mit einer Frau zusammen im gleichen Bus zu fahren, ein Muslim einer unverschleierten Frau zu begegnen und ich als Agnostiker im Hotelzimmer mit einer Bibel oder dem Koran konfrontiert zu werden.
Mit dem Kauf einer Satire-Zeitschrift habe ich immerhin die Einwilligung gegeben, daß ich den Inhalt zur Kenntnis nehmen will. Daß man manche Karikaturen als gefühlsmäßige Beleidigung auffassen kann, stimmt wahrscheinlich. Und jede religiöse oder weltanschauliche Gruppe hat wegen der Meinungsfreiheit auch das Recht dagegen öffentlich, aber friedlich zu demonstrieren, nicht aber das Recht, dies zum Anlaß für Gewalttaten zu nehmen.
Die kath. Kirche hat sich wohl in einigen Gerichtsverfahren gegen Charlie Hebdo eine blutige Nase geholt. Und dies meiner Meinung nach zu Recht, da Charlie Hebdo doch ohne Ansehn irgendeiner Person oder Institution quer durch alle Bereiche Karikaturen veröffentlicht hat.
Der dänischen Zeitschrift wird von Muslimen wohl vorgeworfen, daß sie zwar Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat, Jesus-Karikaturen aber aus Rücksicht auf christliche Befindlichkeiten aber zurückgehalten hat.
Hier drängt sich dann natürlich der Eindruck einer gewissen Doppelmoral auf.
Hier noch mal ein Auszug eines Kommentars aus Focus 4/14 Seite 29:
"...Das Problem ist nämlich, daß eine einmal begonne Einschränkung dieser Freiheit auf die Gesellschaft wirken würde, als habe man irh eine kollektive Droge verabreicht. Fängtman damit an, gibt es kein Halten mehr: In jeder Minderheit, jeder Ethnie, jeder Religionsgemeinschaft werden sich plötzlich Sprecher oder Funktionäre finden, die auch ein Stück vom Meinungsfreiheitseinschränkungskuchen abhaben und ihre Gruppe besonders vor Beleidigungen schützen wollen. Und es wird viele Anwälte geben, die das große Geschäft wittern. Am Ende wären wir von Strafandrohungen umstellt, die nicht eine so noble Sache wie die Sitte schützten, sondern schnöde Particularinteressen.
Und deshalb müssen wir ertragen, daß es zum Beispiel Karikaturiten gibt, die wirken, als litten sie an einer Unterform des Tourette-Syndroms, der sogenannten Koprolalie, dem zwanghaften Ausstoßen von Obszönitäten.
Schlaumeier sagen jetzt: "Wir sind Charlie" war ja symbolisch gemeint. Nichts da! Ich kann sehr wohl die Meinungsfreiheit verteidigen, ohne mich gleich mit ihren Exkrementen einzureiben. Je suis Michael.
Michael Klonovsky"

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!