Dieter Nuhr führt keine Islamhetze!


Was Mohammed betrifft, bin auch ich sehr kritisch. Aber Martin Luther zum Beispiel wirkt auf mich doch in manchen Punkten überzeugend.
Martin Luther hat aber auch Dinge gesagt, die ich nie unterschreiben könnte. Aber hier geht es nicht um Luther, sondern um den Islam.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Cacau hat folgendes geschrieben:
Und genau hier liegt der springende Punkt: Buddha und Jesus, auf den sich Mohammed u.a. beruft, lehrten uneingeschränkte Feindesliebe. Mohammed kehrt an dieser entscheidenden Stelle zurück zum Auge um Auge-Prinzip. Aber Feindschaft lässt sich nicht durch Feindschaft besiegen. Umso erstaunlicher, wenn Gott ihm das eingeben würde, wo anders als bei Mose Jesus mit dem Gegenbeispiel sogar schon da war.


Grundlegend gilt es zwischen persönlicher und politischer Ethik zu unterscheiden. Wird hier ein Fehler in der Kategorie gemacht hat dies in der Regel katastrophale Folgen.

Wie du richtig anführst basiert die persönliche Ethik des Christentums auf Liebe, selbst für (vermeintliche) Feinde. Eine politische Ethik hat, soweit mir bekannt, Jesus nie gepredigt. Er war auch nie in der Position dazu. Sieht man mal von "So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" (Mt 22,21) ab, wo er die Trennung ja noch vertieft.

Bei Paulus finden sich dann ein paar Hinweise mehr zur politischen Ethik. In der persönlichen Ethik verweist Paulus, der Lehre Jesu entsprechend, auf die Liebe. Bei politischen Ordnungsmodellen vertritt er aber autokratische Ideen. Die Frau hat sich dem Mann unterzuordnen, der Sklave seinem Herren und alle dem Herrscher. All das sei von Gott gewollt: "Jedermann ordne sich den staatlichen Behörden unter, die Macht über ihn haben. Denn es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott gegeben wäre; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt." (Röm 13,1)

Hier liegt dann auch die Grundlage für die lang anhaltende Unterstützung des Christentums für autokratischen Formen der Regierung, besonders natürlich der Monarchie. Das beinhaltete auch deren militärische Ordnung und Vorhaben. Doch schon seit Tertullian wurden Christen als Soldaten geduldet. Unter Konstantin begann die christliche Kirche mit dem Staat zu verschmelzen und deren militärischen Vorhaben zu unterstützen. Ambrosius ging so weit zu sagen das der christliche römische Staat unter bestimmten Bedingungen sogar Krieg führen muss. Barbaren und Ketzer müsse man mit Gewalt begegnen. Augustinus führte dann die Idee des "Gerechten Krieges" (muss auf Frieden zielen, durch einen Fürsten oder Gott befohlen sein und etwas vermeintlich schlechtes bekämpfen) völlig ins Christentum ein. Doch er geht sogar noch weiter:

"Niemand darf jemals die Berechtigung eines Krieges bezweifeln, der in Gottes Namen befohlen wird, denn selbst das, was aus menschlicher Gier entsteht, kann weder den unkorrumpierbaren Gott noch seinen Heiligen etwas anhaben. Gott befiehlt Krieg, um den Stolz der Sterblichen auszutreiben, zu zerschmettern und zu unterwerfen. Krieg zu erdulden ist eine Probe für die Geduld der Gläubigen, um sie zu erniedrigen und seine väterlichen Zurechtweisungen anzunehmen." (Contra Faustum Manichaeum 22,74)

Hinsichtlich seiner politischen Ethik war das Christentum also nie wirklich pazifistisch. Es gab immer wieder kleinere pazifistische Gruppen, die aber eben eine Randexistenz führten und in der Regel erst weit später Anerkennung fanden. Die großen Kirchen haben den politischen Frieden erst vor einigen Jahrzehnten für sich entdeckt.



Fragen wie: 'Wenn Gott da Y gesagt hat, warum sagt er dann da nochmal X!' sind letztlich schwer zu beantworten. In der Regel basieren sie meiner Meinung nach auf einem etwas naivem Evolutionismus. Ebenso könnte man Sachen aus frühantiken Schriften in der hinduistischen Tradition heraussuchen und sie dann gegen die Hebräische Bibel oder z.T. auch das Neue Testament legen und dann fragen warum man da erst so spät oder gar nicht drauf gekommen ist. Ein Buddhist könnte viele ethische Überzeugungen des Neuen Testaments als abgekupfert und naiv darlegen.

Man kann darüber sicher intensiv nachdenken, aber das ist dann wahrlich ein sehr komplexer Diskurs der hier schlicht den Rahmen sprengt. Für einen solchen Diskurs muss man zudem erst einmal seine eigenen Überzeugungen und Methoden radikal hinterfragen und dann die Genese religiöser und philosophischer Ideen minutiös nachvollziehen. Einige Ansätze dazu gibt es uns sie werden hoch kontrovers diskutiert.

Wenn die Frage aber von vorn herein ist: 'Warum ist der Islam oder Mohammed schlecht?' wird die Antwort ohnehin immer sein das er halt schlecht ist. Die Frage an sich ist schon apologetisch und die Antwort wird keine Erkenntnis liefern, sondern die eigene Anschauung untermauern.


Cacau hat folgendes geschrieben:
Wieso bedarf es weltlicher Macht und Regelungen um die letzte große Botschaft Gottes zu vermitteln?


Die Frage könntest du ebenso gut (fast) jeder christlichen Gemeinschaft stellen. Jesus hat wenige Jahre öffentlich gewirkt. Selbst das als Untergrundsekte wirkende Christentum verfügte bereits über eine Gemeindeordnung. Mit dem Auslaufen der Antike und dem zunehmenden Machtgewinn war man dann auch zunehmend daran interessiert dem Gemeinwesen den eigenen Stempel aufzudrücken.

Mohammed hat ebenso lange Jahre (länger als Jesus) mehr oder weniger als Untergrundprediger gewirkt, kam dann aber in die Position ein Gemeinwesen zu leiten. Damit kommt schlicht eine entsprechende Verantwortung. Er hat diesem Gemeinwesen dann funktionierende Regeln gegeben und es zudem auch sehr erfolgreich gemacht.

Was aber tatsächlich stimmt ist, dass es im Islam keine grundlegende Abneigung gegen diese Welt gibt, wogegen das Christentum sehr wohl eine stark weltfeindliche Tradition hat. Wollen wir aber mal nicht vergessen das sich das Christentum mitnichten friedlich über die Welt verbreitet hat, sondern dabei schon in der ab dem 4. Jh. Gewalt im großen Maßstab mit im Spiel war.

Das der Islam die letzte göttliche Offenbarung sei ist zwar heute sunnitische Orthodoxie, doch ist weder historisch noch heute innerislamisch eindeutig geklärt. In der Schia und der Mystik gibt es diesbezüglich immer wieder andere Überlegungen. Die Existenz der Ahmadiyya (innerislamische Reform), der Bahai (postislamische Religion), der Aleviten (borderline-islamisch), der Druzen (postislamischer Synkretismus) und der Sikh (postislamischer Synkretismus) belegt dies. Nicht zu sprechen von den Entwicklungen bei den Ismailiten, die viele von den zuvor genannten Bewegungen stark beeinflusst haben dürften.
Tobias hat folgendes geschrieben:

Bei Paulus finden sich dann ein paar Hinweise mehr zur politischen Ethik. In der persönlichen Ethik verweist Paulus, der Lehre Jesu entsprechend, auf die Liebe. Bei politischen Ordnungsmodellen vertritt er aber autokratische Ideen. Die Frau hat sich dem Mann unterzuordnen, der Sklave seinem Herren und alle dem Herrscher. All das sei von Gott gewollt: "Jedermann ordne sich den staatlichen Behörden unter, die Macht über ihn haben. Denn es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott gegeben wäre; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt." (Röm 13,1)

Ich denke, dass Paulus da im Sinne seiner Zeit gesprochen oder geschrieben hat, weil er das Tun und Wollen der Ordnungshüter damals als für die Menschheit gut gemeint verstanden hat.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Tobias hat folgendes geschrieben:

Bei Paulus finden sich dann ein paar Hinweise mehr zur politischen Ethik. In der persönlichen Ethik verweist Paulus, der Lehre Jesu entsprechend, auf die Liebe. Bei politischen Ordnungsmodellen vertritt er aber autokratische Ideen. Die Frau hat sich dem Mann unterzuordnen, der Sklave seinem Herren und alle dem Herrscher. All das sei von Gott gewollt: "Jedermann ordne sich den staatlichen Behörden unter, die Macht über ihn haben. Denn es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott gegeben wäre; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt." (Röm 13,1)

Ich denke, dass Paulus da im Sinne seiner Zeit gesprochen oder geschrieben hat, weil er das Tun und Wollen der Ordnungshüter damals als für die Menschheit gut gemeint verstanden hat.


Mag sein, doch hat der historisch-soziale Kontext ja bei Mohammed auch nicht als Rechtfertigung gegolten. Genau darum ging es mir auch. Man wird doch den Verdacht nicht los, dass bei der gesamten Islamdebatte z.T. mit zwei Maß gemessen wird.

Derweil war man auch zur Zeit von Paulus so naiv um nicht den Unterschied zwischen einem wohlwollenden Herrscher und einem Tyrannen unterscheiden zu können.
Cacau hat folgendes geschrieben:
Auch hier vollkommene Zustimmung. Der Tanach steht für mich auf ähnlicher Stufe wie der Koran. Doch legitimiert das alle Taten und Lehren Mohammeds ? Ich glaube nein.


Welche 'Legitimation' für welche 'Taten' werden denn akzeptiert?

Die Hebräische Bibel ist derweil in ihren Gesetzen und ihren Gewaltaufforderungen weit harscher als der Koran.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Was Mohammed betrifft, bin auch ich sehr kritisch. Aber Martin Luther zum Beispiel wirkt auf mich doch in manchen Punkten überzeugend.


In welchen?

Sein Anliegen die Katholische Kirche zu reformieren kann ich nachvollziehen. Sonst ist mir der Mann eher suspekt.
Cacau hat folgendes geschrieben:
Vielleicht braucht es dafür noch einen muslimischen Luther...


Was sollte ein 'muslimischer Luther' denn machen?

Zuerst einmal hätte ein solcher ja gar keine zentrale Institution die er angreifen könnte wie Luther die römisch-katholische Kirche mit ihrem Papst angreifen könnte. Bei den Mainstream-Sunniten könnte er vielleicht die Al-Azhar angreifen und bei den Zwölferschiiten die Ulama als Stand, aber das wäre nicht entfernt das Gleiche.

Auch könnte er kaum verbreiten das die Gläubigen die Schrift doch selber lesen sollten. Das ist im Islam durchaus schon verbreitet. Zumal Luther selbst ziemlich schnell davon zurückruderte, dass der einzelne Gläubige die Bibel auch auslegen sollte.

Eine Erlösung allein über den Glauben dürfte sich im Islam schwer allgemein etablieren lassen. Derweil hat auch der Protestantismus das nur bedingt durchgehalten.

Ansonsten hat Luther die Elite in entscheidenen Momenten immer vorgezogen, hatte ein massiv dualistisches Bild von Welt und Erlösung, wurde radikaler Antisemit als die Juden nicht zu seiner Version des Christentums konvertierten, hatte einen ziemlich objektivierendes Menschenbild und meinte generell es sei keine wirkliche Sünde einen Nichtchristen zu töten. Ich weiß ja nicht ob man sich einen solchen islamischen Prediger oder Reformatoren wünscht!

Luther dürfte wohl eine der am naivsten stilisierten Personen der (westlichen) Religionsgeschichte überhaupt sein.
Guten Tag,

PapaLoooo hat am 26.10.2014 geschrieben, daß Erhat Toka, ein Muslim aus Osnabrück, hat den Comedian Nuhr aufgrund seiner Witze über den Islam angezeigt hat.
Gestern in seiner Sendung hat er von einem Hassprediger gesprochen, der ihn angezeigt habe.
Weiß jemand etwas Genaueres?
Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß Nuhr diese relativ starke Beurteilung einfach so ausgerpochen hat.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Guten Tag,

PapaLoooo hat am 26.10.2014 geschrieben, daß Erhat Toka, ein Muslim aus Osnabrück, hat den Comedian Nuhr aufgrund seiner Witze über den Islam angezeigt hat.
Gestern in seiner Sendung hat er von einem Hassprediger gesprochen, der ihn angezeigt habe.
Weiß jemand etwas Genaueres?
Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß Nuhr diese relativ starke Beurteilung einfach so ausgerpochen hat.

Pjotr Kala


Eine Zusammenfassung mit Quellenangaben findet sich hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter....._islamkritisches_Kabarett