Fragen an Bahai


Hallo,
ich bin fasziniert von einer Bahai Gemeinde. Die Bahai-Schriften faszinieren mich auch. So lese ich und prüfe für mich.

1. Wichtig war/ist für mich die Frage, wer "ungläubig" ist. Was passiert mit Ungläubigen?
Diese Frage ließ mich nämlich immer wieder von Religionsgemeinschaften abwenden, da sie andere in meinen Augen verurteilten. Wer bin ich, wenn ich mir anmaße zu urteilen - ich kann es nicht! Also bewunderte ich die religiösen Menschen auf eine besondere Art und Weise, aber es war nicht mein Weg - etwas tief in mir sagte, dass ich etwas Liebendes bin und Einheit suche.

2. Das hört man schon unter 1. etwas raus: Wenn meine Maßstäbe fix werden und das in einer Gruppe, so kann richtig schlimmes passieren, wenn die Gruppe an Einfluss gewinnt. Es mag schön sein, wenn viele Menschen dem Bahai-Glauben folgen, aber bleiben sie bei den Idealen der Liebe und der Einsicht, wenn sie die Mehrheit bilden? Es mag sich bescheuert anhören, wenn ich mir tatsächlich den Gedanken mache, was passiert, wenn nur noch 100000 Nicht-Bahai auf der Welt verstreut sind.
Das die "alten" Religionen nicht gesamtheitsdienlich sind, habe ich schon vor vielen Jahren gedacht. Das Bild vom Fluss, der umso weiter man sich von der Quelle entfernt - nicht mehr klar ist, trifft zu.
Auch der Bahai-Glauben ist nicht das Ende und es wird mehr Erkenntnis geben. Nun wäre es meine Aufgabe an dem aktuellen Projekt zu arbeiten! Es ist leider so menschlich, dass sich Personen abgrenzen und das ist meine (berechtigte) Angst. Es bewahrt mich bisher davor in einer Gruppe zu dienen.

3. Ja, da wir meine Beziehung völlig in Frage gestellt. Da habe ich Tränchen über Tränchen vergossen und nachgedacht.
Er war schon christlich verheiratet und ist geschieden. Die Hoffnung an eine Ehe ist seinerseits kaputt. Für mich stellte sich bei meinen Beziehungen immer wieder heraus, dass sie nicht die Voraussetzungen für eine Ehe hatten - selbst wenn es mein Wunsch war. Ich hielt ihn irgendwann einfach für unrealistisch.
Nun habe ich meinen Partner wirklich lieb und in mir tobt ein Streit:
Es wäre so verantwortungslos ihn fallen zu lassen. Nach zweieinhalb Jahren zu sagen "Ich will keinen Sex mehr vor der Ehe" - wäre auch der Hammer. Irgendwie habe ich ihm innerlich etwas versprochen das ich durchaus Ehe nennen würde. Derzeit wäre es einfach aufgesetzt und nicht reinen Herzens, wenn ich mich trennen würde.
Könnten wir überhaupt laut Bahai-Glauben heiraten? Nach seiner Scheidung...
An dem Punkt hänge ich sehr fest und "eine" Meinung reicht mir nicht aus.

Danke für Eure Antworten...
Hallo Kisses,

erst einmal herzlich willkommen hier im Forum!

Kisses hat folgendes geschrieben:
1. Wichtig war/ist für mich die Frage, wer "ungläubig" ist. Was passiert mit Ungläubigen?


Da muss man erst einmal differenzieren, was mit dem Begriff "Ungläubiger" gemeint ist. Es gibt diejenigen, die anderen Religionen angehören und diese ernsthaft leben; es gibt diejenigen, die anderen Religionen angehören, aber sie nicht ernsthaft leben; und es gibt diejenigen, die entweder grundsätzlich zweifeln oder Gott verneinen, also überzeugte Atheisten sind.

Für erstere Kategorie gilt, dass es sich hierbei genauso um Gläubige handelt, wie bei gläubigen Baha'i. Alle großen Religionen sind Stiftungen Gottes, sodass man Gott auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlicher Form dienen kann, ohne dafür Baha'i sein zu müssen. Grundsätzlich wird die Baha'i-Religion auch nicht als die "einzig wahre" Religion gesehen, sondern nur als das aktuellste Update "der" Religion. So wie man mit einem Windows98-Rechner immer noch ins Internet kommt, führen einen die anderen Religionen auch nicht weniger zu Gott. Aus unserer Sicht sind nur einige der gesetzlichen Bestimmungen der anderen Religionen nicht mehr auf dem aktuellsten Stand (z.B. Steinigung bei Ehebruch im Judentum).

Diejenigen, die ihren Glauben nicht ernsthaft leben, sind zwar trotzdem noch gläubigen, berauben sich aber selbst einer wunderbaren Erfahrung, nämlich des Dienstes, oder, um es in christlichen Vokabeln auszudrücken, der tätigen Nächstenliebe. Dienst soll dabei nicht nur anderen, sondern auch einem selbst helfen, an sich zu arbeiten und Gott näher zu kommen. Solange man aber nicht in das andere Extrem umschlägt, Gottes Willen wissentlich zu missachten und anderen Menschen aktiv zu schaden, ist auch das kein absolut grundsätzliches Hindernis. Es gibt viele Gründe, warum ein Mensch nicht dienen kann.

Was Atheisten und Agnostiker angeht, da würde ich dann noch mal die Unterscheidung von eben aufgreifen. Denn man kann in meinem Verständnis auch unwissentlich den Willen Gottes tun. Jeder Mensch hat ein Gewissen, dass ihm sagt, was richtig und was falsch ist, sodass jeder Mensch schon einige Grundsätzlichkeiten erahnen kann. Wer sich daran hält, steht nach jüdischem Glauben über Noah im Bund mit Gott und hat Anteil an der kommenden Welt. Folglich kann in meinen Augen auch ein gutherziger Atheist Gott näher kommen.

Dabei muss man dann auch noch wissen, dass es bei den Baha'i weder Himmel noch Hölle gibt. Diese beiden Begriffe beschreiben Zustände relativer Gottnähe und Gottferne. Auch nach dem Tod entwickelt sich der Mensch weiter und kann sich durch die Gnade Gottes sowie Gebete von anderen auch noch in eine andere Richtung entwickeln, als er das in diesem Leben getan hat. Die Hoffnung ist also nie gänzlich verloren.


Kisses hat folgendes geschrieben:
2. Das hört man schon unter 1. etwas raus: Wenn meine Maßstäbe fix werden und das in einer Gruppe, so kann richtig schlimmes passieren, wenn die Gruppe an Einfluss gewinnt. Es mag schön sein, wenn viele Menschen dem Bahai-Glauben folgen, aber bleiben sie bei den Idealen der Liebe und der Einsicht, wenn sie die Mehrheit bilden? Es mag sich bescheuert anhören, wenn ich mir tatsächlich den Gedanken mache, was passiert, wenn nur noch 100000 Nicht-Bahai auf der Welt verstreut sind.
Das die "alten" Religionen nicht gesamtheitsdienlich sind, habe ich schon vor vielen Jahren gedacht. Das Bild vom Fluss, der umso weiter man sich von der Quelle entfernt - nicht mehr klar ist, trifft zu.
Auch der Bahai-Glauben ist nicht das Ende und es wird mehr Erkenntnis geben. Nun wäre es meine Aufgabe an dem aktuellen Projekt zu arbeiten! Es ist leider so menschlich, dass sich Personen abgrenzen und das ist meine (berechtigte) Angst. Es bewahrt mich bisher davor in einer Gruppe zu dienen.


Grundsätzlich gilt, dass Baha'i-Gesetze nur für Baha'i gelten und niemand dazu gezwungen werden darf, sich ihnen unterzuordnen. Ich glaube auch nicht, dass sich an diesem Grundsatz in naher Zukunft etwas ändern wird. Natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen und irgendwann wird wohl auch in der Baha'i-Religion der Punkt kommen, an dem ein gewisser Verfall einsetzt, aber das gehört zum Prinzip dazu. Wenn etwas alt genug ist, dann hat es Alterungserscheinungen. Aber bis dahin sind es noch einige Jahrhunderte.

Kisses hat folgendes geschrieben:
3. Ja, da wir meine Beziehung völlig in Frage gestellt. Da habe ich Tränchen über Tränchen vergossen und nachgedacht.
Er war schon christlich verheiratet und ist geschieden. Die Hoffnung an eine Ehe ist seinerseits kaputt. Für mich stellte sich bei meinen Beziehungen immer wieder heraus, dass sie nicht die Voraussetzungen für eine Ehe hatten - selbst wenn es mein Wunsch war. Ich hielt ihn irgendwann einfach für unrealistisch.
Nun habe ich meinen Partner wirklich lieb und in mir tobt ein Streit:
Es wäre so verantwortungslos ihn fallen zu lassen. Nach zweieinhalb Jahren zu sagen "Ich will keinen Sex mehr vor der Ehe" - wäre auch der Hammer. Irgendwie habe ich ihm innerlich etwas versprochen das ich durchaus Ehe nennen würde. Derzeit wäre es einfach aufgesetzt und nicht reinen Herzens, wenn ich mich trennen würde.
Könnten wir überhaupt laut Bahai-Glauben heiraten? Nach seiner Scheidung...
An dem Punkt hänge ich sehr fest und "eine" Meinung reicht mir nicht aus.


Dieses Problem ist schon verschiedentlich aufgetaucht, da es insbesondere in Südamerika auch in überwiegend katholischen Gebieten sehr große Baha'i-Gemeinden gibt und natürlich auch schon Beziehungen zwischen geschiedenen Katholiken und Baha'i entstanden sind. Grundsätzlich gibt es in der Baha'i-Religion ein Scheidungsrecht. Es kann also erneut geheiratet werden, wenn man dies möchte. Beachtet werden muss dabei nur, dass die zivile Ehe auch wirklich aufgelöst ist, was sich in Deutschland ja standesamtlich sehr einfach nachprüfen lässt. Der religiöse Segen der katholischen Kirche spielt dabei für die Baha'i-Räte keine Rolle.

Das einzige, was deinem Partner passieren kann, ist dass er als Wiederverheirateter Geschiedener von der Eucharistie ausgeschlossen wird, da die katholische Kirche eine Zweitehe leider immer noch sanktioniert. Aber da gibt es in den letzten Jahren schon einiges an bewegung und vielleicht kommt es bald dazu, dass Geschiedene nicht mehr ausgegrenzt werden. Da das aber ein innerkatholisches Problem ist, müsstest du das ganz dringend mit deinem Partner besprechen und ihn fragen, wie wichtig es ihm ist, weiterhin die Eucharistie empfangen zu können.

Was den Sex vor der Ehe angeht, da ist das Baha'i-Recht eigentlich recht streng, allerdings werden Paare, die bereits zusammen waren, bevor einer oder beide Baha'i geworden sind, nicht dazu aufgefordert, etwas am bisherigen Zustand zu ändern.

Aber ja, es ist problemlos möglich, einen geschiedenen Katholiken zu heiraten, sofern er die Konsequenzen mitträgt.

Ich hoffe, ich konnte dir damit ein wenig helfen.
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,
ja Du hast mir sogar sehr weitergeholfen.

Zu 1.: Mein Grundbedürfnis ist tatsächlich, dass jeder Mensch die Möglichkeit bekommt Gott nahe zu werden. Wenn nicht zu Lebzeiten, dann wünsche ich es mir für Alle nach dem Tod.
Immerwieder habe ich mich gefragt, wieso die "Nächstenliebe" bei dem Sammelbegriff "Ungläubige" enden soll.
Manche Menschen habe aufgrund irgendwelcher Ursachen einfach keinen Zugang zu Gott - das macht sie nicht schlechter.
Das, was Du dann Moral nennst ist ein umständlicher Weg, der viele Hürden hat. Trotzdem kommen dann ähnliche Handlungen aus verschiedenen Betrachtungsweisen. Darüber habe ich nicht zu urteilen und es gibt ja die Nähe zu gut (die ich sehen soll und oft kann, obwohl andere verurteilen).

Absolut begeistert hat mich, dass ich keinen Funken von Neid in mir tragen soll - ja das ist es vielleicht wogegen ich mich versperre.
Es kommt mir manchmal naivkindlich vor: Gott soll Jeden lieben dürfen Es kann mir doch egal sein, ob Andere das als ungerecht empfinden... Es ist mein innerster Wunsch und hat vielleicht einfach etwas mit Liebe zu tun.
Emotionslos bin ich bei weitem nicht und manche Ferne von "gut" ist mir ein Gräul, aber da ist die Ich-Haftigkeit auch beteiligt. Ich bin auch nicht perfekt.

Die Gottnähe und -ferne habe ich gelesen und so verstanden, dass diese durch den Mensch entstehen könnte.:
Aber den Seelen der Ungläubigen wird beim letzten Atemzug, dies bezeuge Ich, alles Gute zum Bewußtsein kommen, das ihnen entgangen ist, sie werden ihren Zustand beklagen und sich vor Gott demütigen. Damit werden sie nach der Trennung ihrer Seele vom Leib fortfahren.
(Baha'u'llah, Ährenlese)

Die Vorstellung, dass jeder Mensch das "Gute" erkennen wird, ist für mich wunderschön. Schade, dass bereut werden wird, aber es ist Zeit im "immer" und auch hier Fortschritt.

Deine Zerpfllückung von "ungläubig" ist etwas, dass ich sehr achte: Mein Sohn kam schon weinend nach Hause, dass er und dein Freund und seine Oma sich nie im Himmel treffen können (ui, was war ich schockiert über diese Interpretation von Christentum - es war seine, jedoch basierte sie auf etwas...). Daraufhin nahm ich ihn doch mal zu den Baha'i mit, damit ein anderes Gottesbild entstehen konnte. Ja, die Bibelinterpretationen können echt hart ausfallen

Zu 2.: Vielleicht ist es so, dass die Jahrhunderte keine Bedeutung haben. Die Verklärung irgendwann kommen wird und daher ein neuer Offenbarer kommen muss.
Wahrscheinlich ist es tatsächlich einfach eine Angst. Immer wieder frage ich mich wo der Haken ist (fand ich ja bisher bei Jeder Religion).

Mir kamen die Tränen als ich las:
"Die Religion sollte alle Herzen vereinen und Krieg und Streitigkeiten auf der Erde vergehen lassen, Geistigkeit hervorrufen und jedem Herzen Licht und Leben bringen. Wenn die Religion zur Ursache von Abneigung, Haß und Spaltung wird, so wäre es besser, ohne sie zu sein, und sich von einer solchen Religion zurückzuziehen, wäre ein wahrhaft religiöser Schritt."
(Abdu'l-Baha, ANSPRACHEN IN PARIS)

Ja, hier war mein Kern getroffen und ich musste weiter lesen

Zu 3.: Es war eine protestantische Ehe. Wahrscheinlich habe ich auch mehr Problembewusstsein aus der alten Ehe als die Geschiedenen selbst. Ich bedauer immer wieder, wie Ehen geschiedenen werden.
Aus diesem Grund wollte ich auch nicht unbedingt heiraten - kein Hindernis, aber es sollte ein gemeinsamer Konsens über die Ehe bestehen.
Es mag schön sein verheiratet zu sein, aber es wird so oft missverstanden.
Einen Brief vom Haus der Gerechtigkeit zum Thema Scheidung habe ich gelesen und war sehr berührt.

Mein Vorstellungsvermögen, dass wir irgendwann aus "richtigem" Motiv heiraten könnten ist da. Mich im nachhinein zu trennen, weil ich Baha'i sein wollen würde wäre nicht von Herzen und damit dann ein Problem.
Irgendwie habe ich Verantwortung übernommen und nun wäre es ein Fehler oben drauf, wenn ich mich trennen würde. Wenn nicht weltlich geheiratet oder kirchlich, so doch im Herzen. Das Herz hat kein Papier zum Vorzeigen für andere Menschen...
Ich hoffe, dass Gott mein Herz und meine Taten sieht und eine gewisse Nähe erkennt.

Hmmm, jetzt denke ich, dass ich durchaus bereit bin mich einem Erklärungsgespräch zu stellen.

Ein 4. taucht gerade noch auf:
Warum werden manche Menschen laut "Ex-Baha'i" rausgeschmissen und gemieden?
Gibt es da irgendwo Statistiken oder ähnliches?
Kisses hat folgendes geschrieben:
Ein 4. taucht gerade noch auf:
Warum werden manche Menschen laut "Ex-Baha'i" rausgeschmissen und gemieden?
Gibt es da irgendwo Statistiken oder ähnliches?


Hallo nochmal,

dieser Bericht von Francesco Ficiccia ist ein Verriss ohnegleichen. Er war nur ganz kurz mal in den 70ern Mitglied der Baha'i-Gemeinde und dann sehr schnell enttäuscht und hat sich sehr vorurteilsbehaftet abgewandt.

Tatsächlich ist es so, dass es ein Konzept des Rausschmisses gibt, das nennt sich dann Bündnisbruch. Allerdings ist dieses Konzept explizit Fällen vorbehalten, in denen die Organisationsstruktur der Gemeinde als solche infrage gestellt wird. Es gab im Laufe der Baha'i-Geschichte einige Momente, in denen kleinere Gruppen oder Einzelpersonen meinten, die offizielle Gemeinde würde einen falschen Weg gehen oder einem falschen Führer folgen und haben dagegen offen opponiert.

Das war der Fall, als Baha'u'llah gestorben war und seinen Sohn Abdu'l-Baha zum Nachfolger ernannte, das war so, als Abdu'l-Baha seinen Enkel Shoghi Effendi zum Nachfolger ernannte und das war so, nachdem Shoghi Effendi ohne Nachfolger gestorben war. Immer erhob sich jemand, der behauptete, der "wahre" Nachfolger zu sein. Diese Gruppen haben sich aber weder durchgesetzt noch jemals eine größere Anhängerschaft aufbauen können, sodass die meisten davon heute schon wieder weitestgehend ausgestorben sind.

Seitdem das Universale Haus der Gerechtigkeit als gewählte Gemeindeleitung existiert, kann es keine Nachfolgestreitigkeiten mehr geben und entsprechend kannst du nur entweder die bestehende Gemeinde "all inclusive" akzeptieren oder ablehnen und somit halte zumindest ich einen Bündnisbruch in der damaligen Form für die Zukunft für ausgeschlossen.

Heutzutage gibt es nur noch die Möglichkeit, was allerdings auch selten passiert, dass das Haus einzelne Mitglieder aus der Mitgliederliste streicht, aber das gibt es bei Verstößen gegen die Satzung in jedem kleinen Dorfverein.
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Kisses, bin gerade "aufm Sprung", also muss gleich weg, deshalb konnte ich mir auch nicht alles richtig durchlesen.

Wollte nur noch schnell ein Zitat über Ehe hier posten, das mir gestern mehr oder weniger "zufällig" übern Weg lief.

"Bahá'í-Ehe bedeutet die Bindung zweier Partner aneinander, ihre gegenseitige Zuneigung mit Kopf und Herz. Jeder von beiden muß sich jedoch voller Sorgfalt bemühen, mit der Wesensart des anderen gründlich vertraut zu werden"

(Abdu'l-Baha, BRIEFE UND BOTSCHAFTEN)


Nun ich denke, diese Worte als Richtlinie würde jeder Ehe guttun.

Alles Gute und noch herzlich willkommen hier.

Liebe Grüße Linde
_________________
******************************************
Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Hallo
@ Linde: Ja, da bin ich ganz auf Deiner Wellenlänge.
Damit habe ich schon längst begonnen und es wäre eine Schande, wenn ich dies beenden würde - nur weil es kein "Papier" gibt. Schließlich sind wir zusammengezogen und haben in meinen Augen auch die Verantwortung für 3 Kinder.
Allein schon die Idee, wie ich denen erzähle, dass "Gott wollen könnte", dass ich ausziehe...
Der mittlere hat den Wunsch, dass "alle" zusammenziehen und der konnte sich nur entwickeln, weil er mit seinen Augen spürt, dass es eine Möglichkeit dazu gebe.


@ Sören
Zu 4.: Den Namen Francesco Ficiccia hätte ich gar nicht gebraucht. Es wird viele Menschen geben, die ähnlich denken und sich nicht im Internet darüber äußern. In gewisser Weise ist da bei ihm eine große Stärke zu erkennen. Wenn ich die Chance hätte, so würde ich mit ihm direkt reden (nicht über geschriebene Zeilen).
Wenn er sehr schnell enttäuscht war, so liegt der Ursprung der Enttäuschung wahrscheinlich in seinen Erfahrungen der Vergangenheit, die dann einen Schlüsselreiz bei den neuen Erlebnissen gefunden haben. Da alle mit Vorerfahrungen rumlaufen, wird es kompliziert.
Das ist momentan sehr stark "mein" Thema, da es bei einer gewissen Betrachtungsweise überall auftaucht. Ein Baha'i nennt das Ich-Haftigkeit. Zen-Mönche Ich-Illussion.
Derzeit prüfe ich noch, wo ich das Thema "Ich" ablege.

Ja, bei dem kleinen Dorfverein gibt es das auch und es trägt Folgen mit sich. Im Dorfverein wird der mittragende Anteil der Entscheidung meist auch kein gutes Haar am ehemaligen Mitglied lassen. Das finde ich traurig und ist für mich ein Beweggrund dann auch zu gehen.

Eine meiner Lieblingsstellen:
Wenn ein Mensch zehn gute und eine schlechte Eigenschaft hat, auf die zehn guten blicken und die eine schlechte übersehen. Und wenn ein Mensch zehn schlechte und eine gute Eigenschaft hat, auf die eine gute blicken und die zehn schlechten übersehen.
(Compilations, Baha'u'llahs Mission)
Das entspricht in meinem Verständis "Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein" und ist eine Anleitung für das Leben (aber zugegeben sehr kompliziert).

Ich eröffne mal ein
5. Wo steht, dass sich ein Mensch als Baha'i erklären sollte?
Ja, da kommt der Vieldenker hervor. Mein Herz hat schon längst ja gesagt zu den Worten Baha'u'llahs und mich überhaupt mit dem Christentum versöhnt. Das ist zunächst einfach schön.
Dann kommt die Faulheit(?), dass ich die Pflichtgebete nicht genauer angeschaut und einfach mal getestet habe. Wieso Pflichtgebet, habe ich mir schon längst selber beantwortet.
Dann kommen da massig Schriften, die alle gelesen und verstanden werden wollen - die Frage, ob da irgendwo ein "Fehler" drin sein könnte.
Vielleicht ein Prüfbedürfnis, ob da nicht doch etwas drin steht, was nicht liebevoll/von Gott gegeben ist.
Mit dieser Forschung könnte ich wahrscheinlich mehrere Jahre füllen.
Alle Entscheidungen wollen gut überdacht sein und wenn ich mich entscheide, dann loyal und dienend meiner Einsicht.
Interessant, wenn ich meine Argumentation lese: Mein Herz und mein Verstand haben sich auch durch die Baha'i-Erfahrung stärker denn je genähert und nun will ich das Risiko der Entfernung nicht eingehen?
Frage selbst fast geklärt. Bliebt nur "Wieso registrieren?" und wo genau finde ich da schriftliches?

Dann werde ich mich mal mit Kitab-i-Aqdas über den Punkt Ehe hinaus beschäftigen und auf Antworten warten
Kisses hat folgendes geschrieben:
Hallo
@ Linde: Ja, da bin ich ganz auf Deiner Wellenlänge.
Damit habe ich schon längst begonnen und es wäre eine Schande, wenn ich dies beenden würde - nur weil es kein "Papier" gibt. Schließlich sind wir zusammengezogen und haben in meinen Augen auch die Verantwortung für 3 Kinder.
Allein schon die Idee, wie ich denen erzähle, dass "Gott wollen könnte", dass ich ausziehe...
Der mittlere hat den Wunsch, dass "alle" zusammenziehen und der konnte sich nur entwickeln, weil er mit seinen Augen spürt, dass es eine Möglichkeit dazu gebe.


Ich glaube an manchen Stellen machen sich die Menschen das Leben selbst unnötig schwer. Ich für meinen Teil glaube weder, dass die Baha'i-Gemeinde wie eine obskure Sekte in das Privatleben hineinpfuscht noch dass Gott es wirklich wollen würde, dass Menschen seinetwegen leiden. Das passt mit meinem Verständnis jedenfalls nicht zusammen.

Kisses hat folgendes geschrieben:
Zu 4.: Den Namen Francesco Ficiccia hätte ich gar nicht gebraucht. Es wird viele Menschen geben, die ähnlich denken und sich nicht im Internet darüber äußern. In gewisser Weise ist da bei ihm eine große Stärke zu erkennen. Wenn ich die Chance hätte, so würde ich mit ihm direkt reden (nicht über geschriebene Zeilen).


Selbstverständlich kannst du mit ihm reden, ich wollte nur darauf hinaus, dass das, was er schreibt, in keinster Weise sachliche Information ist -was er für sich selbst beansprucht- sondern da ziemlich schwerwiegende Vorwürfe drinstecken, die ein völlig falsches Bild der Bahai-Religion vermitteln. ZUm Beispiel wollen die Baha'i nicht die Weltherrschaft übernehmen oder die Demokratie abschaffen.

Kisses hat folgendes geschrieben:
Das ist momentan sehr stark "mein" Thema, da es bei einer gewissen Betrachtungsweise überall auftaucht. Ein Baha'i nennt das Ich-Haftigkeit. Zen-Mönche Ich-Illussion. Derzeit prüfe ich noch, wo ich das Thema "Ich" ablege.


Was genau ist dabei jetzt "dein" Thema? Im Moment klingt es nämlich so, als müsstest du dein bisheriges Leben oder deine Individualität an der Tür abgeben, wenn du Baha'i wirst. Das ist nicht der Fall! Jeder Mensch hat Vorerfahrungen. Manche kommen aus evangelikalen Gemeinden zu den Baha'i und haben entsprechend erstmal große Vorbehalte gegen jede Form von religiösem Gesetz. Das ist völlig natürlich und auch gut so, denn das macht uns zu Menschen. Außerdem wäre es selbst wenn nicht so, dass von einem neuerklärten Gläubigen sofort Perfektion erwartet wird. Perfektion ist völlig unmöglich, weswegen sich alle nur mehr oder weniger in diese Richtung bewegen können.

Kisses hat folgendes geschrieben:
Ja, bei dem kleinen Dorfverein gibt es das auch und es trägt Folgen mit sich. Im Dorfverein wird der mittragende Anteil der Entscheidung meist auch kein gutes Haar am ehemaligen Mitglied lassen. Das finde ich traurig und ist für mich ein Beweggrund dann auch zu gehen.


Ich rede hier, um das nochmal klarzustellen, nicht von persönlichen Differenzen zwischen einzelnen Mitgliedern. Ich rede hier davon, dass jemand den ganzen Verein auf den Kopf stellt und offen die Satzung bricht; zum Beispiel indem er behauptet, er wäre der Vorsitzende, obwol er nie gewählt wurde, er Wahlen manipuliert oder ähnliches. Und das hat dann auch nichts mehr mit Animositäten zu tun, sondern ist ein ganz offensichtlicher Rechtsbruch, der selbstverständlich noch viel härter bestraft werden würde, wenn das bei einer BUndestagswahl passiert.

Kisses hat folgendes geschrieben:
Eine meiner Lieblingsstellen:
Wenn ein Mensch zehn gute und eine schlechte Eigenschaft hat, auf die zehn guten blicken und die eine schlechte übersehen. Und wenn ein Mensch zehn schlechte und eine gute Eigenschaft hat, auf die eine gute blicken und die zehn schlechten übersehen.
(Compilations, Baha'u'llahs Mission)
Das entspricht in meinem Verständis "Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein" und ist eine Anleitung für das Leben (aber zugegeben sehr kompliziert).


Ich versuche mich auch daran zu halten und bekämpfe Vorurteile entschieden, wenn ich auf sie treffe. In diesem Fall ist das aber kein Vorurteil gegen Ficiccia, sondern sachliche Betrachtung, die ich auch noch als Religionswissenschaftler fachlich absichern kann. Dabei ist es dann unerheblich, ob ich selber Baha'i bin oder ob ich Ficiccia mag, er verbreitet objektiv Falschinformationen. Und das ist eine ganz sachliche Kritik an dem, was er schreibt, und hat mit seiner Person erstmal nichts zu tun.

Kisses hat folgendes geschrieben:
5. Wo steht, dass sich ein Mensch als Baha'i erklären sollte? Ja, da kommt der Vieldenker hervor. Mein Herz hat schon längst ja gesagt zu den Worten Baha'u'llahs und mich überhaupt mit dem Christentum versöhnt. Das ist zunächst einfach schön.


Das steht nirgens. Es gibt viele, die zu Gemeindefesten kommen oder sich in der Gemeindearbeit engagieren, ohne selbst Teil der Gemeinde zu sein. Ich bin beispielsweise im Moment auch noch nicht Gemeindemitglied, weil ich aktuell noch politisch aktiv bin und aktuell noch ein kleines, aber entscheidendes Hindernis darstellt. Ich habe mich aber schon ehtschieden, sobald als möglich auszusteigen -auch unabhängig von der Entscheidung, Baha'i zu werden.

Trotzdem hat es natürlich rein organisatorische Vorteile, offiziell Mitglied der Gemeinde zu sein, denn so kannst du an den Neunzehntagefesten teilnehmen und aktiv mitentscheiden. Direkt heilsnotwendig ist die Mitgliedschaft aber in meinen Augen nicht.

Kisses hat folgendes geschrieben:
Dann kommt die Faulheit(?), dass ich die Pflichtgebete nicht genauer angeschaut und einfach mal getestet habe. Wieso Pflichtgebet, habe ich mir schon längst selber beantwortet.


Da komme ich jetzt leider nicht so wirklich mit. Könntest du das nochmal genauer erklären?

Kisses hat folgendes geschrieben:
Dann kommen da massig Schriften, die alle gelesen und verstanden werden wollen - die Frage, ob da irgendwo ein "Fehler" drin sein könnte. Vielleicht ein Prüfbedürfnis, ob da nicht doch etwas drin steht, was nicht liebevoll/von Gott gegeben ist.


Ich habe auch sehr viel gelesen, bevor ich mich entschieden habe. Wenn du allerdings "alles" lesen willst, dann ist das eine Lebensaufgabe, zumal ein großer Teil noch seiner Übersetzung harrt

Kisses hat folgendes geschrieben:
Dann werde ich mich mal mit Kitab-i-Aqdas über den Punkt Ehe hinaus beschäftigen und auf Antworten warten


Wenn du Antworten suchst, würde ich mich nicht allein auf das Gesetzbuch beschränken. Beispielsweise sind die Verborgenen Worte wunderschön und enthalten viele ethische Sinnsprüche, ähnlich wie die Bergpredigt. Das ist auch ein relativ kurzes Büchlein.

Außerdem wirst du da vielleicht Dinge drin finden, die auf den ersten Blick seltsam wirken. Manche der Gesetze sind entweder noch nicht in Kraft oder nur für Notfälle bestimmt, manche haben auch eine geistige Komponente, die dem geschriebenen Wort ein völlig anderen, tieferen Sinn verleiht. Bei Fragen oder Unsicherheiten besser erstmal fragen, bevor du schockiert mit dem Lesen aufhörst
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:

Ich glaube an manchen Stellen machen sich die Menschen das Leben selbst unnötig schwer. Ich für meinen Teil glaube weder, dass die Baha'i-Gemeinde wie eine obskure Sekte in das Privatleben hineinpfuscht noch dass Gott es wirklich wollen würde, dass Menschen seinetwegen leiden. Das passt mit meinem Verständnis jedenfalls nicht zusammen.


Wunderschön zusammengefasst. Der Glauben "pfuscht" schon genug an mir rum und allein die Aufgabe die Worte selbst zu verstehen ist eine große Aufgabe. Ich bewundere, dass man Meinungen hören kann bei der Beratung und selbst prüfen.
Der Verstand macht da schon freiwillig seine Biegungen und das Bewusstsein wächst.

Sören hat folgendes geschrieben:

Selbstverständlich kannst du mit ihm reden, ich wollte nur darauf hinaus, dass das, was er schreibt, in keinster Weise sachliche Information ist -was er für sich selbst beansprucht- sondern da ziemlich schwerwiegende Vorwürfe drinstecken, die ein völlig falsches Bild der Bahai-Religion vermitteln. ZUm Beispiel wollen die Baha'i nicht die Weltherrschaft übernehmen oder die Demokratie abschaffen.


Ja, das kann man durchaus rauslesen. Ein kleines Stück würde ich da zweifelsfrei sogar bejahen:
Wer überzeugt ist, der kann sich reinen Herzens wünschen, dass andere Menschen die Schönheit sehen. Ein Beispiel: Jemand würde ein HIV-Medikament entwickeln, so würde er sich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt wünschen und wenn es wirklich wirken würde, so auch dass sein Medikament auf der ganzen Welt bekannt würde. (Ja und hier ein Haken: Geldprofit, nächster: das Präparat muss nicht das "perfekte" sein).

Prinzipiell bräuchten wir überhaupt keine Demokratie und Demokratie ist nicht das Allheilmittel. Demokratie bedeutet Mehrheitsentscheidungen - ist das immer human - stecken da nicht Interessen dahinter, die einzelne vertreten? Zudem haben wir noch eine repräsentative Demokratie und Konzerne mischen sich auch ein.
Demokratie funktioniert allerdings momentan noch am Besten Ich persönlich denke ja noch immer, dass die Monarchie am weitesten tragen kann - da muss nur ein kluger Kopf entscheiden und es funktioniert im Idealfall.
Gerade bei den Baha'i ist ja Demokratie durchaus sehr hoch gestellt. Auch der Ausschluss mancher als Wahlberechtigte kann von Vorteil sein, wenn sie zu sehr ihr eigene und nicht die gemeindienliche Meinung wählen. Vielleicht ist das der Grund... Es ist halt ein Drahtseilakt und ich hoffe, dass Gott da echt genug mitredet!

Weltherrschaft hin oder her Baha'i versuchen ein Weltsystem zu erbauen - ob das die Herrschaft Aller ist, ist die Frage - es kann auch bedingungslos gut sein:
Die Baha'i stellen viele Systeme in Frage und das erregte schon immer Aufsehen und Gegenwehr.
Mein Baha'i-Bekannter hat z.B. mit einem Pfarrer der Zeugen Jehovas geredet und dieser sich tatsächlich mit den Schriften befasst. Sein Beruf wird da völlig in Frage gestellt - laut meiner Quelle hat sich die Person wieder in ihr altes System zurückgezogen, obewohl sie etwas erkannt hat.
Allein schon die ganze Welt als Einheit zu begreifen erscheint erst mal als Traumtänzerei. Aber alles deutet als Fakt darauf hin (außer die "Ich's", die sich abgrenzen und in meinem Erleben nicht zu ihrem Vorteil s.u.)

Sören hat folgendes geschrieben:

Kisses hat folgendes geschrieben:
Das ist momentan sehr stark "mein" Thema, da es bei einer gewissen Betrachtungsweise überall auftaucht. Ein Baha'i nennt das Ich-Haftigkeit. Zen-Mönche Ich-Illussion. Derzeit prüfe ich noch, wo ich das Thema "Ich" ablege.


Was genau ist dabei jetzt "dein" Thema? Im Moment klingt es nämlich so, als müsstest du dein bisheriges Leben oder deine Individualität an der Tür abgeben, wenn du Baha'i wirst. Das ist nicht der Fall! Jeder Mensch hat Vorerfahrungen. Manche kommen aus evangelikalen Gemeinden zu den Baha'i und haben entsprechend erstmal große Vorbehalte gegen jede Form von religiösem Gesetz. Das ist völlig natürlich und auch gut so, denn das macht uns zu Menschen. Außerdem wäre es selbst wenn nicht so, dass von einem neuerklärten Gläubigen sofort Perfektion erwartet wird. Perfektion ist völlig unmöglich, weswegen sich alle nur mehr oder weniger in diese Richtung bewegen können.


Also das Thema etwas genauer: Ich habe versucht den Ursprung meines Wut und/oder Trauer zu finden. Ein riesen Weg mit einer Antwort, die immer wieder auftauchte: Demut war das Oberthema. Endlich habe ich diesen Text wirklich begriffen http://www.seele-und-gesundheit.de/spiritualitaet/demut.html.
Jedes "Ich", das sich abgrenzt gelangt nach meiner Schlussfolgerung zu einem inneren Konflikt. Ein Gläubiger sagt "Gott wird wissen" oder ähnliches und ist dann im Idealfall besänftigt. Irgendwo laß ich z.B. wenn man durch Gebet und Meditation keine Ruhe fände, solle man einem anderen helfen, um sein eigenes Glück wieder zu finden.
Woher kommt Krieg? Durch "Ich"-Haftigkeit ist meine Antwort...
Mehr Exkurs geht vom Thema weg, aber ich erkläre es auch gerne weiter, wenn es Dich interessiert. Für die Baha'i habe ich kein "Ich" abgegeben. Es ist eine private Erkenntnis.

Sören hat folgendes geschrieben:

Ich rede hier, um das nochmal klarzustellen, nicht von persönlichen Differenzen zwischen einzelnen Mitgliedern. Ich rede hier davon, dass jemand den ganzen Verein auf den Kopf stellt und offen die Satzung bricht; zum Beispiel indem er behauptet, er wäre der Vorsitzende, obwol er nie gewählt wurde, er Wahlen manipuliert oder ähnliches. Und das hat dann auch nichts mehr mit Animositäten zu tun, sondern ist ein ganz offensichtlicher Rechtsbruch, der selbstverständlich noch viel härter bestraft werden würde, wenn das bei einer BUndestagswahl passiert.

Sehr gut ergänzt Ich wünsche mir, dass es so ist, wie Du schreibst und es immer so bliebe.

Sören hat folgendes geschrieben:

Ich versuche mich auch daran zu halten und bekämpfe Vorurteile entschieden, wenn ich auf sie treffe. In diesem Fall ist das aber kein Vorurteil gegen Ficiccia, sondern sachliche Betrachtung, die ich auch noch als Religionswissenschaftler fachlich absichern kann. Dabei ist es dann unerheblich, ob ich selber Baha'i bin oder ob ich Ficiccia mag, er verbreitet objektiv Falschinformationen. Und das ist eine ganz sachliche Kritik an dem, was er schreibt, und hat mit seiner Person erstmal nichts zu tun.

Das Wort objektiv ist wieder so eine Definition. Ich habe mich mit den Äußerungen von Ficiccia zu wenig beschäftigt. Er "empfindet" wahrscheinlich "seine Wahrheit". Da käme ich wieder auf die Vorgeschichten, die in unserer Welt aufeinandertreffen:
Du kannst einen Satz zwei verschiedenen Personen sagen und es kann passieren, dass der eine sich total darüber freut und der andere traurig/sauer ist. Das beim identischen Satz...
Klar gibt es Personen, die aus Wut Falschinformationen streuen können, aber das unterstellt den Vorsatz. Vielleicht ist das seine "Erfahrung" und er hat Sätze in seinem Weltbild so verstanden, wie er es nun darlegt. Vielleicht war auch ein Teil der Baha'i-Gemeinde nicht "perfekt" Baha'i.
Sehe es als Beratung und prüfe für Dich, ob da wirklich Vorsatz besteht. Also bitte nicht antworten - lieber meditieren
"Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Haßgedanke muß durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Kriegsgedanken zerstören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe und Freude."
(Abdu'l-Baha, ANSPRACHEN IN PARIS)
»In den Lehren von Bahá'u'lláh finden wir auch, daß man einem um Vergebung bittenden Menschen unter allen Bedingungen und Umständen vergeben muß, daß man seinen Feind lieben und den übelgesinnten als wohlgesinnten betrachten soll. Es sollte aber niemand einen andern als einen Feind ansehen, alles still erdulden und ihm verzeihen. Dies wäre Heuchelei und keine wahre Liebe. Nein, du mußt vielmehr deine Feinde wie Freunde ansehen, die dir übelwollenden als wohlwollende und sie dementsprechend behandeln. Deine Liebe und Güte müssen echt sein ... nicht nur Nachsicht, denn Nachsicht, wenn sie nicht von Herzen kommt, ist Heuchelei.«¹
(Secundaer Literatur, Baha'u'llah und das Neue Zeitalter)

Sören hat folgendes geschrieben:

Trotzdem hat es natürlich rein organisatorische Vorteile, offiziell Mitglied der Gemeinde zu sein, denn so kannst du an den Neunzehntagefesten teilnehmen und aktiv mitentscheiden. Direkt heilsnotwendig ist die Mitgliedschaft aber in meinen Augen nicht.

Na dann bin ich mal gespannt, wo mein Baha'i-Bekannter das ableiten wird. Er meinte, dass es irgendwo geschrieben stünde, dass man sich registrieren soll.

Sören hat folgendes geschrieben:

Kisses hat folgendes geschrieben:
Dann kommt die Faulheit(?), dass ich die Pflichtgebete nicht genauer angeschaut und einfach mal getestet habe. Wieso Pflichtgebet, habe ich mir schon längst selber beantwortet.


Da komme ich jetzt leider nicht so wirklich mit. Könntest du das nochmal genauer erklären?


Wenn ich alles Gelesene irgendwie nachvollziehen kann und (nach ein paar Fragen) für gültig empfinde, dann sollte ich auch die Pflichtgebete schon integriert haben. Derzeit überfliege ich ganz viel - anstatt man die Gebete zu nutzen.
Die eigene Antwort: Die täglichen Pflichtgebete nutzen der Person, da sie Gott nicht vergessen und somit ihren Glauben nicht vergessen. Die Antwort kam mir, da in einer Andacht die Frage gestellt wurde "Wann ist es leichter an Gott zu glauben: Wenn es uns gut oder wenn es uns schlecht geht?" Eine tolle Frage! Mit vielen Antworten bei der Andacht.


Sören hat folgendes geschrieben:

Ich habe auch sehr viel gelesen, bevor ich mich entschieden habe. Wenn du allerdings "alles" lesen willst, dann ist das eine Lebensaufgabe, zumal ein großer Teil noch seiner Übersetzung harrt

Ja, genau das ist es! Eine Lebensaufgabe... Eine ganz neue Betrachtungsweise meines Lebens wäre einfach zu sagen "Ich habe einen Teil verstanden, bezeuge Baha'u'llah ohne zu "wissen", was er alles hinterlassen hat inkl den Nachkommen.

Sören hat folgendes geschrieben:

Wenn du Antworten suchst, würde ich mich nicht allein auf das Gesetzbuch beschränken. Beispielsweise sind die Verborgenen Worte wunderschön und enthalten viele ethische Sinnsprüche, ähnlich wie die Bergpredigt. Das ist auch ein relativ kurzes Büchlein.

Außerdem wirst du da vielleicht Dinge drin finden, die auf den ersten Blick seltsam wirken. Manche der Gesetze sind entweder noch nicht in Kraft oder nur für Notfälle bestimmt, manche haben auch eine geistige Komponente, die dem geschriebenen Wort ein völlig anderen, tieferen Sinn verleiht. Bei Fragen oder Unsicherheiten besser erstmal fragen, bevor du schockiert mit dem Lesen aufhörst


Verborgene Worte habe ich den ersten Teil komplett durch. Die Einführung auch, Worte der Liebe war dann noch ein Zusammenschnitt.
Dann die Andachten und ein 19-Tage-Fest, ein großes Fest in Langenhain.
Überall mal kreuz und queer gelesen und mit Ocean Schlagworte gesucht.
Ansprachen in Paris würde ich gerne lesen und so vieles mehr!
Auch ein Buch von einem Baha'i Psychiater - super empfehlenswert zum Konfliktverständnis auf weltlicher Ebene.
Bevor ich beitrete "müssen" die Gesetze gelesen sein. Klar tauchen da Fragen auf und die müssen vorher geklärt sein.
Für mich gibt es kein hin und her aus einer Laune heraus. Lieber stelle ich vorher Fragen und bin "sicher". Es gibt für mich halt nicht wirklich "ich teste mal". Es gibt kein bißchen schwanger, bißchen verheiratet oder bißchen Baha'i - ja oder nein. Abtreibung, Scheidung und Austritt sind einfach weit von gut entfernt - für mich nicht erstrebenswert und somit auch Tabus in meiner Welt. Die Suppe wird ausgelöffelt, aber auch hier hat alles seine Grenzen - irgendwo gibt es immer eine Ausnahme, die aus Liebe zugestanden werden sollte - auch wenn das Ideal bestehen bleibt.

6. Das gibt was, wenn ich mich registrieren lasse - allein der Gedanke meines Freundes, dass wir uns im Himmel nicht mehr sehen könnten!
Oh je, aber meine Frage war ja immer, wieso die Religionen immer behaupten, sie seien die einzig Wahren - deswegen wollte ich nie dazu gehören.
Jetzt habe ich doch tatsächlich mittlerweile in ein paar Wochen mehr Bibel gelesen und mich mehr mit der christlichen Kirche versöhnt als je zuvor in über 30 Jahren. Dieser naive und liebende Kinderwunsch "Alle sollen in den Himmel" findet sich wieder in den Worten Baha'u'llahs.
Na und wenn ich dann bedenke, dass mein Großvater aus dem Kirchenvorstand ausgetreten ist, weil ich unehelich auf die Welt kam und die Urgroßmutter noch wallfahrten ging, damit mein Großvater keine Ketzerin (=evangelisch) heirate. Das ist ein Gotteswillen, den mein Verstand wohl nie teilen wollen wird.
Na ja, die dürften sich ja nicht im Grab rumdrehen, sondern freuen, wenn ich den "richtigen" Glaubensweg erkannt habe.
@Kisses

Zitat:
Wichtig war/ist für mich die Frage, wer "ungläubig" ist.


Ich denke, dass die Bahai-Lehre nie einen Fokus darauf gelegt hat zu definieren wer ungläubig ist und was Unglauben ist. Bahaullah - so mein Verständnis- hat vielmehr positive Lehren und einen vereinigenden Relativismus vertreten. Das Ziel der Offenbarung Bahaullahs ist ja vielmehr die Menschheit zu vereinen anstatt sie noch weiter zu unterteilen.

Positiv gesprochen ist aus Sicht der Bahai-Lehre voll gläubig, wer Bahaullah als Manifestation Gottes für dieses Zeitalter akzeptiert und Abdulbaha als seinen verbindlichen Ausleger und das Hütertum und das Haus der Gerechtigkeit als administrative Grundpfeiler des Glaubens. Wer dies tut muss sich folgerichtig auch zu den Lehren Bahaullahs bekennen und danach handeln.

Jemand der z.B. Bahaullah nicht akzeptiert ist in dem Sinne natürlich schon irgendwie "ungläubig". Ich würde dies aber nicht absolut setzen. Denn wenn diese Person z.B. Christ ist, dann glaubt er ja sehr wohl an eine andere Manifestation Gottes, nämlich Jesus Christus. Gerade die Einheit der Religionen betont ja, dass das die Aufgabe und das Ziel aller Manifestationen und ihrer Botschaften ja identisch ist.

Auf der anderen Seite hat es ja einen sehr guten Grund, dass Bahaullah für dieses Zeitalter gleich zwei neue Manifestationen gesandt hat!

Zitat:
Wer bin ich, wenn ich mir anmaße zu urteilen - ich kann es nicht!


Bahaullah sagt ja auch klar, dass man niemanden verurteilen soll. Zuerst einmal weiß man nicht was bis zum Hinscheiden dieses Menschen noch geschieht. Zudem wirft eine solche Verhaltensweise eine ganz besonders starkes Licht auf die eigenen Sünden.
Baha'u'llah ist es wichtig, dass man Dinge aus Liebe zu Gott tut. Von Herzen und mit Vernunft - Heuchelei kann niemals gut sein - selbst wenn die Tat gut erscheint. Das Zitat finde ich leider nicht im original - es ist so wunderschön...
Auch wenn viele Christen Nächstenliebe seltsam auslegen und begrenzen, so finde ich beim Selbststudium die ein oder andere Hoffnung für ."Ungläubige". Lukas 8, 35 stolperte mir über den Weg. Vorher wurde mir klar, was hier als "gut" beschrieben wird.
Ja mit liebevollen Augen gelesen erkenne ich den Schweinehund in mir.
Es ist so logisch und klar Oft mit dem Wort "menschlich" beschrieben.