Fragen an Bahai


Goldener Oktober 17

Minou hat folgendes geschrieben:
Ja, ich denke, alles kann von religiöser Relevanz sein; ich weiß aber nicht, was in allen Schriften erwähnt ist und was nicht.


Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Um das explizit zu können, müßte ich alle 13000 Schriften der Bahai kennen und sie im entsprechenden Kontext beurteilen (...) fehlt es an ausgebildeten Theologen, die die Bahai-Schriften mit kritischen Abstand analysieren. Pjotr Kala


Soeren hat folgendes geschrieben:
Deshalb kann man im Zweifel das Universale Haus der Gerechtigkeit fragen und kriegt dann entweder die relevanten Zitate oder aber die Aussage zurück, dass ein Thema nicht in den Schriften behandelt ist und daher in die Entscheidungsgewalt des einzelnen Gläubigen bzw. des Hauses der Gerechtigkeit fällt.


ziraki hat folgendes geschrieben:
Aber eigentlich lautet der Text im Kitab-i-Aqdas: Es ward euch geboten, die Möbel eurer Wohnung alle neunzehn Jahre zu erneuern. Erneuern bedeutet aber nicht wegwerfen.


ziraki hat folgendes geschrieben:
In der Intelligenz unterscheiden sich Menschen nur graduell von Tieren. Vernunft, die auch moralische Verantwortung mit sich bringt, ist der Unterschied. In den Bahai-Schriften taucht ja auch immer wieder der Begriff "die mit Vernunft begabte Seele" auf.



OK Danke zusammen.

Eine ganze Reihe unterschiedlicher Formen von Intelligenz zeugt da von göttlicher Natur. In unwenigen Disziplinen ist das Tier dem Menschen deutlich überlegen. Das ändert sich ab und zu sogar mit dem alter der Probanten.

Vernunft ist in der Realität ein sehr unscharfer Begriff oder Vorstellung. Sie wird, so wie die Moral, vom Individuum ungleichförmig ausgelegt. Dies geschieht unselten unbewusst, also so dass die Vorstellung vom Individuum als "der Vernunft begabten Seele" möglicherweise aber m.e. wahrscheinlich eine Utopie ist mit welcher sich nachhaltig nur über eine sich dessen bewusst gewordene Gemeinschaft zurecht kommen lässt.

Die Begrifflichkeit "Ratiozentrismus" bzw welches sie darstellen soll wird über uneinheitliche Emotionsforschung-Theorie und Methoden, Fragestellung und kontroverse weiterführenden Quellen der Studien recht subjektiv verstanden/kritiesiert. Nunja wie auch immer, auf die Schnelle habe ich nichts über Ratiozentrismus von Ludwig Trepl gefunden. würde mich mal interessieren.


Möbel Ja passt, lässt sich so sehen:
Möbel, meist aus Holz, werden aus div. Gründen recht unterschiedlich stark beansprucht. Dies sollte bereits vor einigen tausend Jahren erkannt worden sein. Holz ist kostbar, vor allem in Regionen wo der Wald nicht gleich an jede Wohnstätte reicht. So könnte man annehmen dass Möbel damals, nach heutigen Maßstäben betrachtet, für relative Ewigkeit haltbar gezimmert wurden. So wird klar, wenn Möbel wertvoll waren, das auch weniger betuchte Gruppen in den Genuss guter Möbel kamen. Dato eine Form ungeschriebenes Gesetz wäre Beispielsweise bei Luxuskarossen interessant falls man diese nicht als Wertanlage bunkert weil auf technologischen Fortschritt bezogen vorsintflutlich. Man könnte die KFZ in einem freien verfügbaren Pool einspeisen wo ein-jeder mal darf. Die kollektiven Effekte lassen sich beschreiben. Sie wären in etliche Richtungen von positiver Natur und der "Reiche" kann sich sozusagen sehen lassen falls er mag. Ideen vielfältiger Form mit kollektiv positiven Effekten sind 1000sende existent. Man müsste nur mal darüber sprechen(wollen).
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Übersetzung des Bahai Werkes für diese Welt

Die Entscheidungsgewalt zu Themen oder Fragen komplexer Natur des einzelnen Gläubigen wird nichtig(im Sinne des Bahaitum's) weil vielen Menschen die Übersicht der Verflechtung innerhalb des Gesamtwerkes fehlt.
Denn lassen wir uns nun fragliches beim jeweilig Nationalen Rat direkt übersetzen -weil wir der Sprache nicht mächtig sind- so müssen wir auch diese Stellen/Übersetzungen selbst verstehen oder deuten. Divers bestimmter Kontext ist da immer hilfreich. Nun könnte man denken dass unterschiedliche Menschen -durchaus gleichen Glaubens- zu unterschiedlichen Kontexten neigen beziehungsweise Stellen welche im Konnex zum fraglichen stehen unterschiedliche Relevanz & Wertung -in Bezug auf jeweilige Verflechtung- beimessen.

Oftmals lassen sich Werke/Stellen subjektiv skalieren, also in Relevanz auf den zu reagierenden Kontext/fragliche-stelle unterscheiden; das auch innerhalb bestimmter Textkoordinaten- und somit Konträr zur an gedachten Qualität verstehen. Es ist als richte man Licht perspektivisch aus. Die universelle Perspektive humanistischen Verständnisses (1*) erzeugt ihr prismatisches Licht über die Kulturunterscheide aller Kulturen dieser Welt, vielzahl wie auch konträrer Gesetzlichkeiten geschriebener und ungeschriebener Art in den Ländern, psychische Prägungen über diverse Zeiten in Frieden oder Unfrieden, diverse Nahrungsmittelverfügbarkeit, Wertevorstellungen und Prioritätensetzung (verfasster)Göttlicher und weltlicher Natur. Aber auch mehr noch.

Wenn nun die derzeit gültige ultimative Schrift -Zum Zwecke des Einen- Dato nicht fertig übersetzt wurde so nimmt das etlichen Menschen die Sicherheit zum letztendlichen Urteil oder eine Bewertung zum logischen Stellenwert des Werkes, Möglicherweise auch zu etlichen Fragen selbst. Der Gedanke sich über derzeitige Hürden eine Vorstellung des Herzens- und Gefühlszustandes von Baha'u'llah's machen zu können ist eher völlig utopischer Natur. So kann sich der/die Lernende auf das Ganze Beziehungsweise Vollständige bezogen lediglich auf jene verlassen welche dieser Muttersprache, Kultur u.w. angemessen mächtig sind/waren.

1) Wieso befand man, Beispielsweise, dringlicher Bauwerke von wörtlich "erlesener Schönheit" vor diesem fertig zu stellen ?

2) Steht bis Dato diese Konstellation nicht in Dissens zum zeitlosen Aufruf Baha'u'llah's sich selbst im von Ihm dargelegten Sinne Gottes über Dinge und Fragen des vielförmigen Seins eine Meinung zu bilden?

Ergeben sich weitere fundamentale Fragen hieraus, zunächst diese


(1*) So spricht die universelle Weisheit "Ich ändere mich nicht" - Die Komplexität universellen Verständnisses des gleichen/selben unter unterschiedlichsten humantischen Voraussetzungen
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo ziraki,

die Bahai (oder einige Bahai?) schränken den Anthropozentrismus lokal auf Terra ein und gehen von einer weiteren Evolution des Menschen aus.

Wenn sie dies machen, kommen sie in Erklärungsnöte mit der Existenz der Seele. Ab wann soll der Mensch die "vernunftbegabte Seele" denn erhalten haben, und gilt diese Seele auch in Zukunft für technisch und genetisch veränderte Menschen?

Pjotr Kala

Ein Mensch ist, so wie ich Bahai-Schriften verstehe, definiert durch die vernunftbegabte Seele.
Unter einem technisch veränderten Menschen stelle ich mir einen Patienten mit Herzschrittmacher, Insulinpumpe oder Zahnimplantat vor.
Ich weiß, dass du nicht an die Existenz einer Seele glaubst. Aber stell dir mal kurz vor, du würdest das tun, wie sollten diese Hilfen die Seele verändern?
Aber vielleicht hast du etwas ganz anderes gemeint?

Was genetische Veränderungen bewirken könnten, ist bisher nicht absehbar. Also auch für mich nicht. Ich sehe aber nicht, dass das die Existenz einer Seele in Frage stellen könnte. Die Belastungen für eine Seele könnten, je nach Ergebnis, geringer oder schwerwiegender ausfallen.
Hallo ziraki,

du springst du kurz!
Schon in den nächsten 50 Jahren wird es technische Implantate gegeben, die auch ins Gehirn eingreifen (zunächst um Krankheiten zu heilen oder zu beeinflussen, dann aber auch, um die Effektivität des Gehirns zu erhöhen).

Wenn ich an eine metaphysische Seele nach der Vorstellung in den Religionen glauben würde, müßte ich mich spätestens dann fragen, welche Bedeutung dies für meine Seele hat.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Kann mal bitte jemand das Thema auf den Punkt bringen? Ich blicke da nicht mehr durch.
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo ziraki,

die Bahai (oder einige Bahai?) schränken den Anthropozentrismus lokal auf Terra ein und gehen von einer weiteren Evolution des Menschen aus.

Wenn sie dies machen, kommen sie in Erklärungsnöte mit der Existenz der Seele. Ab wann soll der Mensch die "vernunftbegabte Seele" denn erhalten haben, und gilt diese Seele auch in Zukunft für technisch und genetisch veränderte Menschen?

Pjotr Kala


Du missverstehst immer noch einen ganz wesentlichen Teil. Das Konzept der "vernunftbegabten Seele" bei den Bahá'í unterscheidet sich fundamental vom klassischen Seelenkonzept, auch wenn das in vielen Gesprächen und Publikationen kaum richtig durchkommt. Was den Menschen wesentlich von anderem tierischem Leben auf diesem Planeten unterscheidet ist nicht das Vorhandensein einer metaphysischen Seele, die nach dem Tod weiterlebt - das auch, aber das ist nicht der wesentliche Punkt. Ob z.B. unsere beiden Kater eine Seele in dieser Art besitzen, dazu gibt es in den Schriften keine Aussagen. Das wesentliche Unterscheidungskriterium zwischen Mensch und Tier ist die Fähigkeit zur Selbstreflektion, zur distanzierten Selbstbetrachtung, und somit die Fähigkeit, das eigene Sein zu bestimmten Wirkmechanismen in der Natur, zu den Naturgesetzen und Ähnlichem in Beziehung setzen zu können und dabei auch das eigene Denken überdenken bzw. auf dessen eigene Prädispositionen abzuklopfen.

Diese Fähigkeit ist in der Natur angelegt. Für den Menschen ist sie nur insoweit ein Spezifikum, als er bislang das einzige Wesen ist, das wir kennen, bei dem diese Fähigkeit zur Entfaltung gekommen ist. Mit "vernunftbegabter Seele" ist also diese reflexive Fähigkeit der Selbsterkenntnis gemeint, nicht das metaphysische Element "postmortale Existenz".
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Wenn sie dies machen, kommen sie in Erklärungsnöte mit der Existenz der Seele. Ab wann soll der Mensch die "vernunftbegabte Seele" denn erhalten haben, und gilt diese Seele auch in Zukunft für technisch und genetisch veränderte Menschen?


Lieber Pjotr Kala,

"unsterbliche Seele" und "vernunftbegabte Seele" sind zwei unterschiedliche Konzepte, die völlig verschiedene Dinge beschreiben. Wie 'Abdu'l-Bahá in den Beantworteten Fragen erklärt, ist die besondere Fähigkeit des Menschen per se in der Natur angelegt, zeigt sich aktuell aber nur im Menschen. Selbstverständlich kann nicht plötzlich etwas an Punkt X auftauchen, das vorher nie da war. Im Übrigen verwirft Bahá'u'lláh auch den Ansatz einer creatio ex nihilo, sondern geht von einer prozesshaften Schöpfung aus, die fortwährend und seit Ewigkeit aus Gott emaniert und nie zu einem definitiven Ergebnis kommt. Panta rhei!
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Könnte es sich bei dieser "Seelen"-Spekulation um eine ziemlich entbehrliche Spintisiererei handeln?
Hallo Sören, hallo ziraki,

was "per se"in der Natur angelegt ist, können wir nur aus der Vergangenheit erkennen, aber nicht für die Zukunft vorhersagen.
Außerdem halte ich dann den Ausdruck "vernunftbegabte Seele" für irreführend, weil dieser Ausdruck sofort Assoziationen zur unsterblichen metaphysischen Seele hervorruft. Es reicht vollkommen aus, wenn man von Vernunft und Verstand schreibt.

Was Tieren an Selbstreflexion möglich ist, wissen wir zur Zeit noch nicht. Zumindest ist bekannt, daß es bei komplexeren Tiere eine rudimentäre Sprachentwicklung gibt. Warum sollte es dort nicht auch eine Art von Selbstreflexion geben, die der entsprechenden Art angepasst ist. Sie wird höchstwahrscheinlich nicht so komplex wie beim Menschen sein, aber schließlich ist diese ihm auch nicht von einem "Gott" geschenkt worden, sondern hat sich in der Evolution so ergeben. Welches primäre Prinzip genau dahinter steht, können wir nicht abschließend beurteilen, aber alle Fakten weisen daraufhin, daß es nicht irgendeine von Menschen geformte Vorstellung von Gott ist.
Wer den Stellenwert des Menschen im Universum richtig einordnen will, muß sich nur klar machen, daß 99,9 % aller jemals existierenden Arten bereits wieder ausgestorben sind.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Der "Stellenwert" des "Menschen" im "Universum" unterscheidet sich in keiner Hinsicht von dem irgendeines anderen Wesens im "Universum".
Hallo Templer,

richtig, aber mach das mal einem Menschen klar, der durch seine Religion sehr stark anthropozentrisch im Sinne von "Mensch als Krönung der Schöpfung" eingestellt ist.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!