Gott/Gottheit = Nirvana bzw. Nirvana = Gott/Gottheit


Guten Morgen.

Hmm Was wäre eine passende Einleitung zur solch Thematik? Ich "glaube" IN JEDER Weltreligion einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben und das vor allem als Buddhist. (Ich erwähne das, weil der Buddhismus ja bekannt dafür ist ohne Gott/Götter auszukommen)

Aber um so öfter ich die Lehre des Buddhas mit den Lehren des Meister Eckharts Verglich fiel mir ein gemeinsamer Nenner auf und dies war bei beiden das Ziel, die Erlösung, Erleuchtung wie man es halt nennen will.

"Kleines Beispiel"

Meister Eckhart (Christentum)

Man soll bei Gott nicht „stehen bleiben“, sondern „durchbrechen“ zur Gottheit.[Die Gottheit ist der überpersönliche Aspekt der göttlichen Gesamtwirklichkeit. Nichts Bestimmtes kann über sie ausgesagt werden, da sie sich jenseits jeglicher Differenzierung befindet.

Sie ist „weiselos“ (ohne Eigenschaften, durch die sie definiert werden könnte), ist ein „grundloser Grund“ und eine „stille Wüste“, eine „einfaltige Stille“.

Darin stimmt die Gottheit Eckharts mit dem Einen überein, der höchsten Gegebenheit im System des Neuplatonismus. Das Eine ist der Ursprung von allem und kann daher keinerlei Merkmale aufweisen, denn jedes Merkmal wäre zugleich eine Begrenzung und als solche mit dem allumfassenden und undifferenzierten Charakter des Einen unvereinbar. Da Gott keine solchen Begrenzungen aufweist, gibt es nichts, was er nicht ist; somit ist er „ein Verneinen des Verneinens“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart

Der Buddha (Buddhismus)

Selbst wenn nach dem Nirvana gefragt wurde, das dem Denken nicht zugänglich ist und von dem daher nichts Positives ausgesagt werden kann, sprach der Buddha - zwar verneinend, denn anders ist es nicht möglich - aber doch eindrucksvoll in Bildern:

"Dort glänzt kein Stern, die Sonne strahlt dort nicht, dort scheint kein Mond und auch kein andres Licht, und doch ist keine Finsternis zu sehen"

http://www.palikanon.com/buddhbib/07budjng/budjng03.htm



...und dazu kommt noch der Suffismus (islamische Mystik)

Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung
Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften
Sterben des Ego
Auflösung in das göttliche Prinzip

Dazu ein Zitat von Abu Nasr as-Sarradsch, einem Zeitgenossen des islamischen Mystikers Dschunaid:

„Sufismus bedeutet, nichts zu besitzen und von nichts besessen zu werden.“

Im Sufismus hat die Scharia einen Stellenwert als Basis für den Weg des Gottessuchenden. Weitere Stationen sind in der Reihenfolge: Tariqa (der mystische Weg), Haqiqa (Wahrheit) und Ma’rifa (Erkenntnis). Der bekannte Mystiker Ibn Arabi (1165–1240) beschreibt diese vier Stationen folgendermaßen:

Auf dem Niveau von Scharia gibt es „dein und mein“. Das heißt, dass das religiöse Gesetz individuelle Rechte und ethische Beziehungen zwischen den Menschen regelt.

Auf dem Niveau von Tariqa „ist meins deins und deins ist meins“. Von den Sufis wird erwartet, dass sie sich gegenseitig als Brüder und Schwestern behandeln, den jeweils anderen an seinen Freuden, seiner Liebe und seinem Eigentum teilhaben lassen.

Auf dem Niveau der Wahrheit (Haqiqa) gibt es „weder meins noch deins“. Fortgeschrittene Sufis erkennen, dass alle Dinge von Gott kommen, dass sie selbst nur die Verwalter sind und in Wirklichkeit nichts besitzen.
Diejenigen, die die Wahrheit erkennen, interessieren sich nicht für Besitz und allgemeine Äußerlichkeiten, Bekanntheit und gesellschaftlichen Stand inbegriffen.

Auf dem Niveau der Erkenntnis/Bhodi? (Ma’rifa) gibt es „kein ich und kein du“. Der Einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott/Nirwana getrennt ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus#Lehre
http://de.wikipedia.org/wiki/Scharia#Mystische_Bedeutung



Jetzt die Buddhistische Sichtweise (Ich hab jetzt Nirvana einfach mal mit Gott übersetzt um es ganz krass zu verdeutlichen was ich eigentlich mit dem langen Text aussagen will =)

Gott wird erreicht im Loslassen von allen Anhaftungen an die Bedingungen des Samsara. Folglich bedeutet Gott manchen Meinungen zufolge nicht etwas, das sich erst mit dem Tod einstellt, sondern kann – die entsprechende mentale oder spirituelle Entwicklung vorausgesetzt – schon im Leben erreicht werden (Zustand des Arhat).

Gott wird vom historischen Buddha an mehreren Stellen des Suttapitaka „das höchste Glück“ genannt.[2] Dieses keinem Entstehen, Vergehen und Anderswerden unterworfene Wohl[3] ist allerdings nicht ein angenehmes Gefühl, sondern ein Glück unabhängig und jenseits aller Gefühle, Bedingungen und Gestaltungen. [4]

Gott ist gleichbedeutend mit innerer Ruhe und besteht im Freisein von aller Unruhe des Geistes, allen Wünschen und Denkvoraussetzungen. Gott bezeichnet damit einen spezifischen, aber ungewöhnlichen und im Samsara weitgehend unbekannten Geisteszustand. Er wird auch beschrieben als bildlos (animitta), richtungslos (apranihita) und unterscheidungslos (ekalakshana).

http://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana



Jetzt würde mich natürlich eure Meinung dazu interessieren seid ihr der selben Meinung? Hat der Buddha es geschafft über Gott zu reden ohne ihn einmal mit Namen nennen zu müssen? Oder schreibe ich nach euer Meinung vielleicht völligen Blödsinn und wenn ja dann bitte auch die Erklärung dazu

Vielen Dank an denjenigen der sich die Mühe gemacht hat sich das ganze durchzulesen
JimHa hat folgendes geschrieben:

Jetzt die Buddhistische Sichtweise (Ich hab jetzt Nirvana einfach mal mit Gott übersetzt um es ganz krass zu verdeutlichen was ich eigentlich mit dem langen Text aussagen will =)



Guten Morgen JimHa,

dazu werden jetzt (hoffentlich) ganz verschiedene Meinungen geäußert.

Ob der Buddha Nirvana mit Gott gleichsetzen wollte, dazu habe ich bisher keine feste Meinung. Mojan Momen hält das für möglich, er ist der Autor von Buddhismus und Bahai-Religion, ein Buch das ich sehr interessant finde.
Du findest es hier:
http://www.bahai-verlag.de/Deutsche.....mus-und-Bah-Religion.html

Noch zwei weitere Leseempfehlungen, die dich vielleicht interessieren könnten:
http://www.berzinarchives.com/web/x/nav/n.html_120506196.html
und:
http://www.amazon.de/Common-Ground-.....ywords=islam+and+buddhism

Du bist Buddhist? Fühlst du dich einer bestimmten Schule zugehörig?
Ich habe mich lange mit dem Theravada-Buddhismus auseinandergestzt. Von anderen Richtungen habe ich eher weniger Wissen.

Meister Eckehards Schriften finde ich auch sehr interessant und es gibt nicht wenig Buddhisten die Parallelen in seinen Lehren zum Buddhismus sehen.
Aber wenn dogmatische Aussagen, egal ob von christlicher oder buddhistscher Seite, ins Spiel kommen, wird es auch schnell schwierig

Soweit erstmal kurz, ich hoffe wir lesen noch öfter von dir.

Liebe Grüße!
Zitat:
Ich "glaube" IN JEDER Weltreligion einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben und das vor allem als Buddhist. (Ich erwähne das, weil der Buddhismus ja bekannt dafür ist ohne Gott/Götter auszukommen)


Das glauben andere auch
Zitat:

Nichts Bestimmtes kann über sie ausgesagt werden, da sie sich jenseits jeglicher Differenzierung befindet.


Was du hier sagst klingt sehr nach negativer Theologie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Negative_Theologie

Ein Denkrichtung, die ich auch sehr gut finde, aber das Problem ist halt, dass die die Juden, Christen, Moslems, oder eben die Baha'i hier nicht zustimmen werden.

All diese Weltreligionen bauen auf positiven Aussagen über Gott auf. Die Mystiker von diesen Religionen sind eine kleine Splittergruppe und nicht repräsentativ.

Zitat:
Jetzt die Buddhistische Sichtweise (Ich hab jetzt Nirvana einfach mal mit Gott übersetzt um es ganz krass zu verdeutlichen was ich eigentlich mit dem langen Text aussagen will =)


Mach mal die Gegenprobe und setzt für Gott Nirvana ein:

Nirvana hat das Universum geschaffen.
Nirvana sendet Propheten / Gottesoffenbarer zu uns.
Nirvana hat Gabriel zu Mohammed geschickt und im den edlen Koran offenbart, der das Wort Nirvanas ist.
Nirvana wird sich erst in tausend Jahren wieder auf dieser Erde offenbaren.
Nirvana wird dich am Ende der Zeit wieder physisch auferstehen lassen.

Passt das für dich?
Zitat:

Jetzt würde mich natürlich eure Meinung dazu interessieren seid ihr der selben Meinung?


Nein, es gibt Unterschiede und die muss man akzeptieren. Es ist edel einen gemeinsamen Nenner finden zu wollen, aber es ist unmöglich. Wie gesagt hast du (vielleicht) ein Gottesbild gefunden, dass für dich als Buddhisten stimmig ist, aber mit Juden, Christen, Moslems oder Baha'is wirst du da auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Es scheitert ja schon daran, dass die untereinander auf keinen gemeinsamen Nenner kommen
Danke Ziraki für deine hilfreiche Antwort. Ich selber gehöre wenn dann dem Theravada Buddhismus an.

Zur Bahai-Religion: Ich habe großen Respekt gegenüber dieser Religion danke für deine Leseempfehlungen die werden mir sehr nützlich sein =)


Danke Long Road für deine Antwort ich wollte mich auch nicht wichtig machen oder so gerade weil andere das herausfanden konnte ich das auch.

So jetzt zum wirklichen Thema: Du hast Recht mit dieser Art von Denkrichtung wären die meisten Christen, Muslime usw. nicht einverstanden und ja du hast Recht es gibt gewaltige Unterschiede die ich auch nicht leugnen möchte.

Mir geht es aber um den gemeinsamen Nenner zu dem es verschiedene Wege gibt.

Ich kann also den persönlichen Gott nicht mit dem unpersönlichen Gott vergleichen so wie du es gemacht hast. Es ist logisch das dies keinen Sinn ergibt.

Das meint Eckhart wahrscheinlich mit Man soll bei Gott nicht „stehen bleiben“, sondern „durchbrechen“ zur Gottheit.[Die Gottheit ist der überpersönliche Aspekt der göttlichen Gesamtwirklichkeit. Nichts Bestimmtes kann über sie ausgesagt werden, da sie sich jenseits jeglicher Differenzierung befindet.

Hier eine wirklich vortreffliche Erklärung des Begriffes Gott.

Der Begriff Gott bezeichnet ein höheres Prinzip im Kosmos. Dieses Prinzip ist mit dem normalen dualistischen Verstand nicht vollständig zu erfassen. Gott ist ein Mysterium, das man in der Erleuchtung sieht und erfährt. Es gibt in den Religionen den persönlichen und den abstrakten Gottesbegriff. Manche Erleuchtete (Mystiker) erfahren Gott eher als Person und manche als höhere Dimension im Kosmos. Manche Menschen gelangen durch die Vorstellung von Gott als Person und manche durch die Vorstellung von Gott als Nichtperson zur Erleuchtung, die wiederum mit verschiedenen Worten beschrieben wird (Licht, höhere Wahrheit, höheres Bewusstsein).

Im Buddhismus dominiert die abstrakte Gottesvorstellung.

http://de.spiritualwiki.org/Wiki/Buddhismus
JimHa hat folgendes geschrieben:


Im Buddhismus dominiert die abstrakte Gottesvorstellung.

http://de.spiritualwiki.org/Wiki/Buddhismus


Jein. Es gibt sehr persönliche Darstellungen von Gott bzw. Göttern.Buddha Shakyamuni trifft Brahma (das Äquivalent zu "Gott") der Legende nach. Es wird sogar berichtet, dass Buddha Shakyamuni selbst sogar Brahma in früheren Existenzen war.

http://www.palikanon.com/diverses/fragen/gott.htm

Ich weiß schon, dass Brahma jetzt nicht deinem Gottesbegriff (höheres Prinzip im Kosmos) entspricht, aber prinzipiell und vor allem im Theravada Buddhismus dominiert mMn ein persönlicher Gottesbegriff mit mächtigen aber sterblichen Göttern.
Nach meiner Meinung ist das ist nicht der wahre Buddha. Selbst im Palikanon gibt es viele Veränderungen der wahren Lehre.

Deshalb antwortete ich auch eher zurückerhaltend auf die Frage welcher buddhistischen Schule ich angehöre.
Nach meiner Meinung ist das ist nicht der wahre Buddha. Selbst im Palikanon gibt es viele Veränderungen der wahren Lehre.

Deshalb antwortete ich auch eher zurückerhaltend auf die Frage welcher buddhistischen Schule ich angehöre.
Long Road hat folgendes geschrieben:

Jein. Es gibt sehr persönliche Darstellungen von Gott bzw. Göttern.Buddha Shakyamuni trifft Brahma (das Äquivalent zu "Gott") der Legende nach. Es wird sogar berichtet, dass Buddha Shakyamuni selbst sogar Brahma in früheren Existenzen war.


Diese Legende ist aber auch als Reaktion auf die Religion der Brahmanen entstanden. Es ist mMn eine ironische Beschreibung. Der Buddha hat in historischem Kontext gelehrt. Er hat viele Schlussfolgerungen der Veden als absurd erklärt.

Schön dass du wieder da bist
JimHa hat folgendes geschrieben:
Nach meiner Meinung ist das ist nicht der wahre Buddha.


Und was ist der "wahre Buddha" deiner Meinung nach?

Zitat:
Selbst im Palikanon gibt es viele Veränderungen der wahren Lehre.

Nämlich?
Solche Lehrreden wie die von Brahma sind Veränderungen der wahren Lehre weil sie schlichtweg erfunden sind. Der Buddha war ein sehr nüchterner Mann. Er musste nicht mit irgendwelchen Göttern diskutieren um zu beweißen das er der Erhabene ist.

Und genau das versucht der Autor mit dieser Lehrrede. Er versucht den Buddha noch erhabener darzustellen.

Hier ein anderes Beispiel in dem man gut erkennt was den wahren Buddha ausmacht und was einige Anhänger aus ihm machten.

Es gibt eine Textstelle im Mahāparinibbāna-Sutta25, die das Problem auf eine verständliche Art zu lösen scheint. Man sagt, als der Buddha an seinem letzten Tag im Sāla-Hain Rast machte...

regneten von den Bäumen Blüten auf ihn herab und andere Zeichen der Verehrung erschienen, die übernatürlich seien. Das mag die Auslegung derjenigen sein, die dieses Sutta zusammenstellten, aber die nüchternen Worte des Buddha haben den Klang des originalen Kommentares:

Ānanda, so wird der Tathāgata wahrlich nicht voll verehrt, geachtet, hoch geschätzt, in Ehren gehalten, wertgeschätzt. Welcher Mönch, welche Nonne, welcher Laienanhänger, welche Laienanhängerin auch immer sich auf dem Pfad zur Wahrheit begeben hat, lebt in Übereinstimmung mit der Wahrheit, hat den rechten Weg betreten, wandelt im Einklang mit der Wahrheit. Wahrlich, ein solcher verehrt, achtet, schätzt hoch und wertschätzt, hält den Tathāgata in Ehren mit der höchsten Huldigung. Ānanda, darum lebt in Einklang mit der Wahrheit. Ānanda, so soll es gelehrt werden.

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