Andere herabsetzen


Hallo Leute, ich habe mir gerade mal wieder Gedanken darüber gemacht wie es kommt, dass der Mensch manchmal das Bedürfnis hat andere Menschen herabzusetzen.

Habt Ihr auch schon mal darüber nachgedacht?

Ich z.B. bin in einem Umfeld aufgewachsen in dem immer die "Fehler" anderer betont wurden, in allem erstmal das scheinbar Negative gesehen und angesprochen wurde.

Ich habe nie gehört, dass ich selbst oder ein anderer etwas gut gemacht haben. Ich habe nie gehört, dass man sich freut dass das Wetter heute erträglich ist und man nicht so schwitzen muss wie gestern, oder wie gut und wichtig es ist dass es endlich regnet.

Ich hörte nur was ich oder andere "falsch" gemacht haben, auch wenn es nur eine Sache von hundert war. Was für ein Sauwetter wir heute wieder haben und dass es so unmöglich heiß ist.

Ich glaube, wenn man immer und immer wieder gesagt bekommt wie schlecht, dumm oder unnütz man ist und sich dementsprechend fühlt, dann entwickelt man das starke Bedürfnis sich selbst dadurch zu erhöhen, dass man andere herabsetzt.

So erging es mir und wahrscheinlich vielen anderen.

Schöne Grüße
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
@linde

Mit dem herabsetzen Anderer versuchen sich viele am Leid anderer zu berauschen, um so ihr armseliges Spiegelbild als erhaben zu erfahren.

Die Bibel hat hierfür einen vortrefflichen Vers:

Zitat:
Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?
- Matthäus 7, Vers 3

Viele können nur mit einem Splitter im Auge ihres Bruders verkraften, dass sie selbst einen Balken in ihrem Auge haben.

"Der Stolz ist die Maske der eigenen Fehler." - Talmud
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#beerennichtbären #lehrenichtleere
Ich denke, dass man halt mitunter die eigenen Unzulänglichkeiten auch nicht außer acht lassen darf.
Hallo und guten Morgen "linde"

Zum Thema fällt mir sofort das Bild "Pharisäer und Zöllner" ein. Typisch daran ist m.M.n.: Man tritt nach unten, um sich selbst weiter "nach oben" zu bringen.
Dieses Runtermachen und Aburteilen sicherlich ein Reflex auf tiefe Statusangst: Ich habe Angst, abgehängt zu werden oder aus der "Mitte der Gesellschaft" nach unten weggedrückt zu werden, und deshalb vergewissere ich mich, dass ich soooo schlecht, sooooo mies, sooooo egoistisch, sooooo ... borniert, spießig usw.usw.usw. doch gar nicht bin.

Das Gegenmittel, das zumindest mir stets hilft, geschwisterliche Nächstenliebe zu entwickeln (denn da ist kein Raum für negative Gefühle), ist schlicht und ergreifend: Alle Gedanken auf die herrliche Tatsache zu lenken, dass J.Chr. ein für allemal MICH - na ja, und Millionen, Millarden andere ; - fürs ewige Leben gerettet hat! Und die Freude korrigiert wieder dieses engstirnige Gegeneinander-Aufrechnen und Vergleichen.

Übrigens denke ich, dass jede/r spirituell Ergriffene durch die Konzentration und das Verweilen (und Schwelgen) im Geistigen dieser menschlichen Neigung entgegenwirken kann. Und um der psychischen Gesundheit wegen: entgegenwirken muss.

Ein schönes Wochenende euch allen!

Henning
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Maranatha!
Tja, ganz schöne Tricks die der Mensch da anwendet und dabei unbewusst in erster Linie sich selbst austrickst. Außer anderen schadet er am meisten sich selbst und kann so nicht weiter kommen.

Gott sei Dank ist es aber möglich aus diesem Teufelskreis auszusteigen.



Liebe Grüße
Linde
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Bahá'u'lláh
linde hat folgendes geschrieben:
Tja, ganz schöne Tricks die der Mensch da anwendet und dabei unbewusst in erster Linie sich selbst austrickst. Außer anderen schadet er am meisten sich selbst und kann so nicht weiter kommen.

Stimmt prinzipiell!
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Ich denke aber auch, dass manche Menschen ihre Nächsten (oft ihre Kinder)
aus Unwissenheit und Unvermögen, etwas Gutes zu sagen, herabsetzen, was natürlich für Kinder immense Folgen hat bis hinein ins Alter.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou schrieb:
Zitat:
Ich denke aber auch, dass manche Menschen ihre Nächsten (oft ihre Kinder) aus Unwissenheit und Unvermögen, etwas Gutes zu sagen, herabsetzen,

Ganz bestimmt, ich glaube sogar, dass es nicht nur manche sind, sondern ein großer Teil.

Zitat:
was natürlich für Kinder immense Folgen hat bis hinein ins Alter.

Da könnte man doch nur weinen. Also ist es soo wesentlich wie wir andere behandeln und in erster Linie die Kinder, damit sie es nicht nötig haben andere herabzusetzen, sich aber trauen in den Spiegel zu schauen und ihren eigenen Balken erkennen.

Hier ein Auszug aus einem Gedicht von mir:


"Ein Mensch über die Fehler der anderen spricht
wie es bei ihm selbst ausschaut merkt er deshalb nicht...
.....

So mancher den Schmutz sieht vor des anderen Tür
und daher nicht merkt wie sieht es denn aus bei mir
sollt' ich vielleicht besser kehren hier?

Nützt es Dir, nützt es mir wenn man schlecht über ihn sprichst?
Stell Dir mal vor man würd' nur erwähnen was lobenswert ist!

Und dann auch noch sehn sein eigenes Problem
und mit sich selbst zu Rate gehn
Ja, hier alles tun so gut man vermag
Die Welt wär verändert mit einem Schlag."

Liebe Grüße
Linde
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Bahá'u'lláh
Ja! Es kann tatsächlich für die Betroffenen, vor Allem die Heranwachsenden, immense Folgen haben, so die herabgesetzt werden.
@peter.trim
Zitat:
Ja! Es kann tatsächlich für die Betroffenen, vor Allem die Heranwachsenden, immense Folgen haben, so die herabgesetzt werden.


Ja ganz bestimmt. Außerdem denke ich, dass generell kein Mensch begeistert ist von anderen herabgesetzt zu werden.


"Der nachlässigste unter den Menschen ist, der mit Worten streitet und sich über seinen Bruder zu erheben sucht."
sagt Bahá'u'lláh in den >Verborgenen Worten<

Wenn ich diese Worte ernst nehme, werde ich mir schon Gedanken darüber machen müssen warum ich mich über meinen Bruder erheben will.

Liebe Grüße
Linde
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