Tafel der Liebe von 'Abdu'l-Bahá


nekilotte hat folgendes geschrieben:

Und weshalb stirbt du nicht gerne?


Weil der Tod an sich nichts Gutes ist. Sterbenmüssen ist letzlich Ausdruck unserer Gottferne. Wären wir ihm näher, müssten wir nicht sterben. Auf der anderen Seite hat Gott das "Ruder herumgerissen" - und den Tod als größte Folge des Übels dazu benützt, sozusagen dem Bösen "an die Wurzel" zu gehen. Deshalb heißt es im Glaubensbekenntnis "hinabgestiegen in das Reich des Todes". Jesus ist bis auf den absoluten Tiefpunkt hinabgestiegen und hat dort den Sieg davon getragen. Der Tod musste ihn wieder hergeben, weil er nichts an ihm fand, das ihn "todbehaftet" machte, da war nicht einmal ein "kleines Fleckchen" an ihm - ein "Partikelchen Sünde" hätte gereicht, dass er im Tod bleiben hätte müssen. Er war ganz rein davon. Daher wurde er "wieder ausgespuckt", er war "unverdaulich" für den Tod, für die Verwesung.

Dadurch - dass ein Mensch vom Tod nicht festgehalten werden konnte - hat der Tod in gewisser Weise durch Christus für alle Menschen "den Stachel verloren", wie Paulus das ausdrückt.
Insofern sterbe ich nicht gerne - der Tod ist ja nach wie vor eine Folge davon, dass der Mensch "gefallen" ist, und daher nicht mehr dort ist, wo er eigentlich sein sollte, sehr nahe bei Gott und daher unsterblich.
Die "Heidenangst" vor dem Tod habe ich als Christ allerdings nicht. Aber nur, weil ich darauf vertraue, dass Jesus mich einmal aus dem Grab herausrufen wird. Dadurch kann ich das Sterben wie einen sehr langen Schlaf sehen, aus dem ich einst erwache, weil Jesus mich mit lauter Stimme bei meinem Namen aus dem Grab herausruft (so wie den Lazarus). Und dann beginnt das viel größere Leben. Auf das freue ich mich.
Aber die Aussage
Zitat:
Dss geht mir anders. Ich sterbe nicht gerne.

war eine Replik auf
Linde hat folgendes geschrieben:
Der Tod hat für mich keinen Schrecken von dem man erlöst werden müsste.


Wenn ich nun deine Aussage
Zitat:
Durch Jesu Opfertod wurden wir von diesem Tod, der als Feind betrachtet wird, erlöst, weil Jesus auferstanden ist und uns dadurch das ewige Leben möglich gemacht hat.

genau betrachte, muss ich doch daraus schließen, dass "wir", mithin alle Menschen, durch den Opfertod Jesu erlöst sind. Dass heißt doch, zumindest nach meinem Logikverständnis, dass die Erlösung allen Menschen zuteil wird. Der Tod müsste daher jedweden Schrecken, insbesondere für einen Katholiken, verloren haben. Er wäre doch dann tatsächlich die Erfüllung jeder irdischen Existenz und ein prinzipiell freudiges Ereignis.
Zitat:
Die "Heidenangst" vor dem Tod habe ich als Christ allerdings nicht

Nun mag man mich mit Fug und Recht einen "Heiden" nennen. Dennoch fürchte ich mich nicht vor dem Tod, sondern nehme ihn als einen unausweichlichen biologischen Fakt, an dem man schlicht nichts ändern kann, hin.

Zitat:
Dadurch kann ich das Sterben wie einen sehr langen Schlaf sehen, aus dem ich einst erwache, weil Jesus mich lauter Stimme bei meinem Namen aus dem Grab herausruft (so wie den Lazarus). Und dann beginnt das viel größere Leben.

Und daher müsste es doch den Aspekt des freudigen Sterbens geben, weil eben jenes Größere, was immer das sein soll, nun kommen wird.

Zitat:
Sterbenmüssen ist letzlich Ausdruck unserer Gottferne.

So gesehen müsstest du doch das Sterben als einen zwingenden Schritt für die Überwindung dessen, was du "Gottesferne" zu nennen pflegst, ansehen. Und für diese Form der "Gottesferne" kannst du ja qua Geburt nichts. Deinen Geburtsfehler der "Gottesferne" machst du damit doch hinfällig. Es ist dann doch so, als hätte es ihn nie gegeben.
nekilotte hat folgendes geschrieben:
Deinen Geburtsfehler der "Gottesferne" machst du damit doch hinfällig. Es ist dann doch so, als hätte es ihn nie gegeben.


Ein Priester hat das mir gegenüber einmal so ausgedrückt: Die Taufe heilt zwar die Erbsünde und die Todverfallenheit vollständig, es bleiben aber "Narben" zurück. Und die sind nie per se "gut" - so wie nach einem Beinbruch, der tut manchmal weh, wenn das Wetter umschlägt. Insofern ist der Bruch zwar geheilt, aber seine Folgen sind deshalb immer noch "spürbar". So könnte man das auch über den Tod sagen - er ist durch die Taufe zwar überwunden, aber die Vernarbungen tragen wir weiterhin mit uns herum. Der Tod wird nie etwas "an sich Erfreuliches" sein können, weil er nicht etwas ursprünglich Gottgewolltes ist.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Dadurch kann ich das Sterben wie einen sehr langen Schlaf sehen, aus dem ich einst erwache, weil Jesus mich mit lauter Stimme bei meinem Namen aus dem Grab herausruft (so wie den Lazarus).


Und was ist mit dem Reinigungsort, dem Fegefeuer
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Dadurch kann ich das Sterben wie einen sehr langen Schlaf sehen, aus dem ich einst erwache, weil Jesus mich mit lauter Stimme bei meinem Namen aus dem Grab herausruft (so wie den Lazarus).


Und was ist mit dem Reinigungsort, dem Fegefeuer


Ich hoffe - so Gott will und mir seine Gnade schenkt - das Fegefeuer nicht zu brauchen. Aber du hast Recht - es ist der Zwischenstand, der wohl oftmals nötig sein wird, bevor ein Mensch wirklich dazu bereits ist Gott unmittelbar zu schauen. Das ist übrigens auch eine christliche Besonderheit - wir glauben, dass wir Gott einst wirklich sehen werden, in seiner ganzen Größe. Es ist möglich, dass die Seele schon zu Lebzeiten so geläutert wird, dass sie unmittelbar dazu bereit ist Gott zu schauen. Das zu erreichen ist das Ziel, das eigentlich jeder Mensch anstreben sollte. Da das ein sehr großes Ziel ist, das alleine und ohne Hilfsmittel schwer erreichbar ist, hat Gott uns die Sakramente geschenkt.
Burkl hat folgendes geschrieben:
nekilotte hat folgendes geschrieben:

Und weshalb stirbt du nicht gerne?


Weil der Tod an sich nichts Gutes ist. Sterbenmüssen ist letzlich Ausdruck unserer Gottferne. Wären wir ihm näher, müssten wir nicht sterben.[...]

Hmm ...

also das verstehe ich nun ganz anders. Da unsere Seelen unsterblich sind und wir mehr oder weniger in unseren Körpern gefangen sind, stirbt nur unsere Hülle.
Die Seele ist doch immer Gott nahe. Also bin ich wenn ich sterbe und danach tot bin ... Gott am nächsten. Nichts hält und bindet mich an diese materielle Welt. Ich bin Sündenfrei.
Ich bin nur noch Geist und Seele.

Und womöglich werde ich wieder in eine Hülle schlüpfen ...
_________________
"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
linde hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Und er ist gestorben - er bedarf selbst der Erlösung vom Tod.

schrieb Burkl


Der Tod hat für mich keinen Schrecken von dem man erlöst werden müsste.

Hier ein Gedicht von mir, das dies ausdrückt.

Tod

Wenn ich durch diese Tür gegangen bin,
dann freut euch für mich
Feiert ein Fest und seid glücklich
Dankt Gott für die Gnade die Er mir erwiesen hat
Betet für mich, wie auch ich für euch bete

Eure Tränen schenkt denen die auf Erden leiden
Umgebt sie mit eurer Liebe und Fürsorge und
bemüht euch ihr Schicksal zu erleichtern
Das wird mich glücklich machen

Seid gewiss, dass ich um euch bin
Unsere Seelen sind es die miteinander verkehren
Wenn ihr mich liebt wie ich euch, dann auf ewig


Es gibt keine Trennung zwischen euch und mir
Die Welt in der ich nun lebe ist um euch
Meine neue Welt ist inmitten eurer Welt
Noch seid ihr euch dessen nicht bewusst
Bemüht euch darum

Freut euch für mich, freut euch
Haltet mich nicht fest, dies würde meinen Fortschritt hemmen
Freut euch
Feiert ein Fest und seid glücklich
Dankt Gott für die Gnade die Er mir erwiesen hat
Betet für mich, wie auch ich für euch bete




Danke liebe Linde,

ein sehr schönes Gedicht!

Liebe Grüße
Rose
_________________
"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Rosenrot hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
nekilotte hat folgendes geschrieben:

Und weshalb stirbt du nicht gerne?


Weil der Tod an sich nichts Gutes ist. Sterbenmüssen ist letzlich Ausdruck unserer Gottferne. Wären wir ihm näher, müssten wir nicht sterben.[...]

Hmm ...

also das verstehe ich nun ganz anders. Da unsere Seelen unsterblich sind und wir mehr oder weniger in unseren Körpern gefangen sind, stirbt nur unsere Hülle.
Die Seele ist doch immer Gott nahe. Also bin ich wenn ich sterbe und danach tot bin ... Gott am nächsten. Nichts hält und bindet mich an diese materielle Welt. Ich bin Sündenfrei.
Ich bin nur noch Geist und Seele.

Und womöglich werde ich wieder in eine Hülle schlüpfen ...


Die Seele ist unsterblich, dieser Leib, den wir jetzt haben, ist sterblich - ja. Aber der Leib ist viel mehr als "Hülle". Du bist auch dein Körper. Den Leib macht dich genauso aus wie deine Seele. Der Mensch wird gebildet aus Körper, Geist und Seele. Wenn die Seele nach dem Tod den Körper verlässt ist diese nicht "froh" eine lästige Last losgeworden zu sein, sondern sie sehnt sich nach dem unzerstörbaren Auferstehungsleib. Dieser wird aus diesem todgeweihten Leib, den wir jetzt haben, wie eine "Frucht" hervorgehen. Woher wir das alles wissen? Weil es am auferstandenen Jesus bezeugtermaßen geschehen ist.
Ja, Du magst schon recht haben, lieber Burkl,
daß unsere Hülle genau so wichtig ist wie dieser göttliche Lebensfunke der uns beseelt.
Leider sind wir mit ihr sehr oft unzufrieden und haben sehr oft was daran auszusetzen ...

am Samstag begebe ich mich wieder auf eine schamanische Reise, werde mich wieder daran erinnern und unserem Schöpfer ausgiebig dafür danken
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"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*