Tafel der Liebe von 'Abdu'l-Bahá


@Burkl

Ach Burkl...

Das von dir angesprochene Kreuz ist KEIN Symbol für Liebe, sondern ein Folterinstrument. Man bedarf erst einer ausführlichen Sozialisation oder Schulung bezüglich des Christentums um das überhaupt zu verstehen.

Das Jesus wesenhaft Gott sei ist eine verbreitete christliche Lehrmeinung. Ich denke wir hatten schon ausführlich besprochen das dies bei genauer Betrachtung - zumindest meiner Meinung nach - wenig Sinn ergibt. Bei der Sache mit dem Opfertod Jesu wird diese Unlogik sogar noch größer:

Gott soll also mit einer verlobten Israelitin einen Sohn zeugen (aber in Form des Heiligen Geistes) (auf den biologischen Akt des Zeugens besteht ein von dir geteiltes Glaubensbekenntnis) und dieser wandelt dann als Mensch und irgendwann aber auch Gott (aber eigentlich war er schon vor der Zeit immer auch Gott). Dann irgendwann beschließt dieser Sohn Gottes Botschaft in Form eines radikal reformierten Judentums zu verkünden. Das mögen seine Zeitgenossen aber nicht und ermorden ihn dann. Dafür wurden diese von Christen Jahrhunderte verflucht. Aber eigentlich soll das alles Gottes Plan gewesen sein, da die Menschen so schlecht und böse sind (auf Erbsünde besteht ihr), dass Gott ihnen nur vergeben kann wenn er sich selbst in Form seines Sohnes von Menschen foltern und ermorden lässt und sich danach selbst wiederbelebt und noch eine Weile als Zombie (auf die Körperlichkeit bestehst du!) umherwandelt und dann aber doch diese Welt verlässt.

Das ist wohlgemerkt gar keine abwertende Darstellung, sondern eine rein objektive. Das ganze ist weder Kohärent noch überzeugend. Undzwar nicht einmal aus der Sicht eines Religionskritikers, sondern sogar aus einer Sicht eines überzeugten Monotheisten der sogar den Anspruch Jesu Christi akzeptiert.

Ich sehe hier auch kein Beleg für Liebe. Was für ein Gott ist das, der angeblich seine eigene Schöpfung (sein Ebenbild!) erst (wieder) akzeptieren kann nachdem er selbst als sein eigener Sohn teil dieser Schöpfung wird, sich dort foltern und ermorden lässt, dann aber doch körperlich wieder aufersteht und dann aber doch direkt in den Himmel reist? Welchen Sinn soll das ergeben?

Gott erschafft etwas, aber hasst es dann. Um dem zu vergeben wird er selbst in Form von seinem Sohn dazu, lässt sich als das was er hasst von dem das er hasst misshandeln und vergibt dem Hassobjekt dann deswegen? Und das Ganze soll dann Liebe sein? Das Ganze ist eine endlose Aneinanderreihung von Hass und Selbsthass.

Gott bewahre: hier wird Gott - wohl unabsichtlich - als völliger Psychopath dargestellt. Das ist mir ehrlich gesagt in dieser stärke erst jetzt gerade aufgefallen.

Damit es klar bleibt: ich meine damit weder Jesus noch das Christentum als solches, sondern die Betonung einiger seltsamer Lehrelemente.
Wenn in und durch Jesus Gott, der die Liebe ist, sich für uns hingegeben hat - und das ist unser Glaube - dann ist das, was am Kreuz erkennbar ist, der universelle Maßstab der Liebe. Die Antwort des Christentums auf die Kernfrage nach der Liebe sind daher keine abstrakten Ausführungen, sondern ein konkreter Name: Jesus Christus.
@Burkl

Die Aussage "Liebe ist Jesus Christus" soll konkret sein?

Inwiefern soll das bitte konkreter sein als?:

"Liebe ist das Geheimnis göttlicher Offenbarungen!"

Es ist allenfalls exklusivistischer.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Es ist aber nicht Gott selbst.


Das war Jesus, meiner Auffassung nach, auch nicht. Ich sehe Jesus als Manifestation Gottes ebenso wie Baha'u'llah, den Bab oder Mohammed.
In diesem Sinne kann man natürlich einerseits sagen, dass alle Gott waren, indem sie Gottes Wort verkündeten und sein Wesen widerspiegelten, andererseits waren sie Gesandte Gottes. Bei Jesus heißt es doch auch, "er war ganz Mensch und ganz Gott".
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Es ist aber nicht Gott selbst.


Das war Jesus, meiner Auffassung nach, auch nicht. Ich sehe Jesus als Manifestation Gottes ebenso wie Baha'u'llah, den Bab oder Mohammed.
In diesem Sinne kann man natürlich einerseits sagen, dass alle Gott waren, indem sie Gottes Wort verkündeten und sein Wesen widerspiegelten, andererseits waren sie Gesandte Gottes. Bei Jesus heißt es doch auch, "er war ganz Mensch und ganz Gott".


Es ist eben ein wesentlicher Unterschied, ob Liebe persönlich und unmittelbar gelebt wird, oder ob Gesandte "dazwischengeschaltet" sind, so wie bei dem Beispiel mit der Überbringung von Blumen an die geliebte Frau.
Als Christ glaube ich, dass die Liebe von ihrem Wesenskern her größtmögliche Nähe sucht. Darum ist Gott in Jesus wirklich in Person da. Er ganz selbst höchstpersönlich. Die größte und konkreteste Antwort auf die Frage wie ist Gott bzw. wie ist die Liebe (nach christlichem Glauben sind beide identisch) ist daher: So wie Jesus ist. Und wie er ist erschließt sich durch die Bibel, durch das Gebet und die Sakramente der Kirche. Die Antwort auf die Frage nach der Liebe ist: Du findest die Antwort in keinen Texten - dazu ist die Liebe zu groß - du findest sie, wie auch die Wahrheit, durch die Vereinigung mit Jesus Christus. Und du besitzt sie, wie auch die Wahrheit, niemals ganz - beides ist Weg, der zu gehen ist. Aber nicht alleine, sondern in der Spur, auf der Jesus vorausgegangen ist. Die Spur, die als einzige sicher zum Ziel führt: zur Auferstehung in das ewige Leben und das vollkommene Glück, das keine Frage mehr offenlässt.

Gott ist die Liebe. Ganz konkret erkennbar und erfahrbar in Leben, Tod und Auferstehung Jesu. Eine angemessene Antwort auf das Wesen Gottes und der Liebe kann nur eine Person sein, die Gott wesensgleich ist - weil die menschliche Person das größtmöglich Aussagbare in der Wirklichkeit dieser Welt ist. Und nur das Größte ist für Gott angemessen.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Als Christ glaube ich, dass die Liebe von ihrem Wesenskern her größtmögliche Nähe sucht. Darum ist Gott in Jesus wirklich in Person da. Er ganz selbst höchstpersönlich.


Das Argument ist entweder fehlerhaft oder zweifelt die Allmacht & Allwissenheit Gottes an (womit es meiner Überzeugung nach auch fehlerhaft wäre).

Gerade als Gott kann Gott allen Menschen nahe sein. Wenn Gott Mensch wird ist er den menschlichen Bedingungen unterworfen und entfernt sich damit vom Menschen. Er wird dadurch auch nicht mehr "höchstpersönlich", sondern er entfernt sich von seiner Göttlichkeit.

Mal ein etwas salopper Vergleich: ein Mensch der sein Haustier wirklich liebt zertrümmert sich doch nicht absichtlich Hände und Kopf damit er auf dem gleichen Niveau ist wie sein Haustier um ihm näher zu sein.
Das nicht - aber ein guter Tierhalter wird dem geliebten Tier selbst nahe sein wollen. Ich denke es ist evident, dass Liebe den Wunsch nach größter Nähe mit sich bringt.

Und zu Gottes Allmacht: Wie er sie zeigt, das ist seine Entscheidung. Er kann alles tun.Und Gott sei Dank hat er auch Alles für uns getan.
@Burkl

Ich akzeptiere jetzt einmal die Bedingung, dass Liebe den Wunsch nach Nähe mit sich bringt. Ich bin mir nicht sicher ob dies bei jeder Form der Liebe der Fall ist.

Gott ist aber über die körperliche Dimension erhaben. Er kann jedem immer nahe sein. Dazu muss er nicht Mensch werden. Im Gegenteil, das würde sogar die Nähe verhindern. Ein körperliches Wesen kann nur eine beschränkte Nähe zu beschränkt vielen anderen körperlichen Wesen aufrecht erhalten. Zudem muss körperliche nicht mit geistiger Nähe einhergehen.

"Wir [Gott] sind ihm [dem Menschen] näher als die Halsader." (Koran 50,16)
Ja, die Liebe Gottes zeigt sich auch darin, dass Er uns nahe ist.

"Allezeit bin Ich dir nahe..."

heißt es in den -Verborgenen Worten-

und an anderer Stelle steht in den Bahai-Schriften (weiß nicht mehr wo)

Nicht einen Augenblick seid verlassen
Keine Sekunde seid ihr allein
Die Herrlichkeit Gottes ist mit euch.


Alles Liebe
Linde

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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
linde hat folgendes geschrieben:
Gott ist aber über die körperliche Dimension erhaben. Er kann jedem immer nahe sein.


Hmmm...

Aber die leibliche Dimension macht uns als Menschen wesentlich aus, Liebe will auch diese Ebene umfassen.

Es stimmt schon, dass Gott geistig immer jedem Menschen nahe sein kann. Aber dazu kommt eben noch die Selbsthingabe Gottes, die auch eine wesentliche leibliche Dimension hat. Er sagt ja: Das ist mein Leib der für Euch hingegeben wird! Und diese Hingabe wird in der Eucharistie fortgesetzt.

Die Anteilhabe an Gott bedeutet also, sich ihn in gewisser Weise "einzuverleiben". Das ist auch wieder ein Merkmal der Liebe, dieses leibliche ganz nahe beisammensein. Besonders deutlich wird diese Dimension natürlich bei der Liebe zwischen Mann und Frau. Aber Zärtlichkeiten und leibliche Nähe sind immer eine wesentliche Dimension menschlicher Liebe. Und da unsere Liebe ja von Gott kommt - umfasst auch die Liebe, die Gott uns entgegenbringen will die leibliche Dimension. Denn Gottes Liebe hat alle Dimensionen, die unsere Liebe auch hat - und natürlich noch unendlich viel mehr, aber jedenfalls nicht weniger. Wäre Gott nur ein "geistig Liebender", dann wäre das aber ein "Weniger" - und das ist nicht das Gottesbild, das wir als Christen haben. Seine Liebe ist immer größer als unsere.