Getrennter Katholik - wie mit der Einsamkeit umgehen


Minou hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Die Erwählten selbst sind nicht "besser", sie sind sich nur mehr bewusst wer Gott ist und wer sie sind. Aber eben nicht aus eigener "Leistung", sondern als unverdientes Geschenk.


Wenn das so ist, dann haben ja die Evangelischen recht, wenn sie sagen, dass bei Gott schon von Anfang an feststeht, wer in die Hölle kommt und wer nicht ..., dass es eben gar nicht mehr auf den freien Willen ankommt.
Wenn es so ist, dann brauche ich mir wirklich keine Sorgen mehr machen, einfach in den Tag hineinleben, weil ja alles schon beschlossen ist.


Liebe Minou,

Die "Erwählung" der Einen bedeutet nach katholischem Verständnis nicht die Verdammung der Nichterwählten. Erwählt zu sein ist sozusagen "Gabe und Aufgabe" zugleich. Und es steht nicht von Vorne herein fest, wer zu der Einen und wer zu der Anderen Gruppe gehört.

Ein Feigenbaum wurde von Jesus verflucht. Er hatte einen bevorzugten Standort in einem Weingarten und erhielt sehr viel Pflege. Aber er behielt alles für sich und gab nichts davon für andere her. Er nahm, aber er gab davon nicht. Oft sind wir so wie dieser Feigenbaum. Nicht nur im Materiellen, sondern auch im Glauben. "Wem viel gegeben wurde, von dem wird auch viel zurückverlangt!" (Lk 12,48 )

Gott ist gerecht ist gegenüber denen, die vielleicht nie die Möglichkeit haben getauft zu werden und Glied der Kirche zu werden. Gott misst also sehr wohl mit "zweierlei Maß" - die Auserwählten werden einen strengeren Maßstab haben. Allerdings als Ausgleich für diesen strengeren Maßstab gibt es das ganz große Geschenk: Jetzt schon in diesem irdischen Leben das ganz große Glück gefunden zu haben, den Weg zu kennen.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Die natürliche menschliche Liebe bedarf sozusagen einer "Fassung", einer Leitung.

Die Fassung ist der Mensch, die Leitung die Verbindung sich liebender Menschen. Meinst du das?

Burkl hat folgendes geschrieben:

Hanna Barbara Gerl-Falkovitz hat das einmal so schön formuliert:
"Denn die Liebe, die aus der Natur, von unten stammt und von sich aus irregehen kann, wird durch die Liebe von oben gehalten, geleitet, geheiligt: im Sakrament."

Wie soll Liebe irregehen?

Burkl hat folgendes geschrieben:

Das ist letzlich der Grund, warum es auch für gute liebende Menschen der Leitung durch Gott bedarf: Die Tatsache, das wir aus eigener Kraft die Liebe nur schwer umsetzen können. Wir brauchen Leitung und Gemeinschaft. Und darum hat Gott uns Jesus und die Kirche geschenkt.

Hier drehen wir uns wieder im Kreis. Liebe bedarf keiner Leitung, sie findet ihren Weg und dadurch auch Gemeinschaft. In welchem Rahmen sich das abspielt ist sekundär.
Lieber luschn,

Das menschliche Streben nach Liebe kann falsche Wege gehen - vor Allem ist ihr Wesen nicht zu fassen. Nicht mit Worten. Nicht mit Tinte und Papier. Aber in Fleisch und Blut - in der menschlichen Person kann sie sich zeigen. Nach christlichem Glauben zeigt sich die Liebe ganz rein in Christus. Und da die Liebe letztlich Alles ist - ist Jesus als menschgewordene Liebe der Maßstab für Alles. Es geht darum immer mehr so zu werden wie er.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Lieber luschn,

Das menschliche Streben nach Liebe kann falsche Wege gehen

Da stimme ich dir zu. Im Zitat steht aber, dass Liebe irregehen kann, dem kann ich nicht zustimmen.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Aber in Fleisch und Blut - in der menschlichen Person kann sie sich zeigen.

Zum Glück. Sonst wäre unser Leben sehr bedauernswert.

Burkl hat folgendes geschrieben:

Nach christlichem Glauben zeigt sich die Liebe ganz rein in Christus. Und da die Liebe letztlich Alles ist - ist Jesus als menschgewordene Liebe der Maßstab für Alles. Es geht darum immer mehr so zu werden wie er.

Sehr löblich. Für einen "normalen" Menschen aber unmöglich. Sonst wäre es ja auch verdammt langweilig hier.
Luschn hat folgendes geschrieben:
Sehr löblich. Für einen "normalen" Menschen aber unmöglich. Sonst wäre es ja auch verdammt langweilig hier.


Ich denke auch, dass kein Mensch vollkommen sein kann. Ansonsten hätten wir ja keine Erlösung nötig.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Katholikin, liest du noch mit?
Wie hat es sich bei dir entwickelt?
Welche Gedanken hast du?

Ich hab mal eine Frage...wieso darf man als Katholikin nur einmal heiraten? Gilt das auch für Männer? Wenn das schon vone irgendwo steht, sagts mir bitte, ich will jetzt nicht alles durchforsten
RoseGarden hat folgendes geschrieben:
Ich hab mal eine Frage...wieso darf man als Katholikin nur einmal heiraten? Gilt das auch für Männer? Wenn das schon vone irgendwo steht, sagts mir bitte, ich will jetzt nicht alles durchforsten


Die katholische Ehe wird vor Gott für die Ewigkeit geschlossen und ist unauflöslich. Deswegen ist man einfach nach kirchlichem Verständnis immer noch verheiratet, auch wenn man staatsrechtlich geschieden wäre.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
RoseGarden hat folgendes geschrieben:
Ich hab mal eine Frage...wieso darf man als Katholikin nur einmal heiraten? Gilt das auch für Männer? Wenn das schon vone irgendwo steht, sagts mir bitte, ich will jetzt nicht alles durchforsten


Im AT steht schon:

Zitat:
Und zweitens tut ihr dies: Ihr bedeckt mit Tränen den Altar des HERRN, mit Weinen und Stöhnen, weil er sich eurer Opfergabe nicht mehr zuwendet und sie nicht mehr mit Wohlgefallen aus eurer Hand annimmt. Ihr sagt: Weswegen? Deswegen weil der HERR Zeuge gewesen ist zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast, wo sie doch deine Gefährtin ist und die Frau deines Bundes. Und hat er sie nicht zu Einem gemacht? Zu einem Fleisch, in dem Geist ist. Und was erstrebt das Eine? Nachkommenschaft von Gott. So hütet euch bei eurem Leben! Und an der Frau deiner Jugend handle nicht treulos! Denn ich hasse Scheidung, spricht der HERR, der Gott Israels, ebenso wie wenn man sein Gewand mit Unrecht bedeckt, spricht der HERR der Heerscharen. So hütet euch bei eurem Leben und handelt nicht treulos! (Maleachi 2,13-16)


Im NT steht Folgendes:


Zitat:
Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und jeder, der die von einem Mann Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. (Lukas 16,1

Und es traten Pharisäer zu ihm und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie aber sagten: Mose hat gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen. Jesus aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärtigkeit hat er euch dieses Gebot geschrieben; von Anfang der Schöpfung an aber hat er sie als Mann und Frau geschaffen. „Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein“; daher sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Und im Hause befragten ihn die Jünger deswegen noch einmal. Und er spricht zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie. Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch. (Markus 10,2-12)

Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau sich nicht vom Mann scheiden lassen soll – wenn sie aber doch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann – und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse. (1. Korinther 7,10-11)

Denn die verheiratete Frau ist durchs Gesetz an den Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes. So wird sie nun, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei vom Gesetz, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird. (Römer 7,2-3)


weiters:


Zitat:
Und die Pharisäer kamen zu ihm, versuchten ihn und sprachen: Ist es einem Manne erlaubt, aus jeder Ursache sein Weib zu entlassen? Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf, von Anfang sie Mann und Weib schuf und sprach: „Um deswillen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und es werden die zwei ein Fleisch sein“; so daß sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch? Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Sie sagen zu ihm: Warum hat denn Moses geboten, einen Scheidebrief zu geben und [sie] zu entlassen? Er spricht zu ihnen: Moses hat wegen eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Weiber zu entlassen; von Anfang aber ist es nicht also gewesen. Ich sage euch aber, daß, wer irgend sein Weib entlassen wird, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiraten wird, Ehebruch begeht; [und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.] Seine Jünger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Mannes mit dem Weibe also steht, so ist es nicht ratsam zu heiraten. (Matthäus 19,3-10)


LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Gleichzeitig muss man immer bedenken, dass das menschliche Versagen eine ständige Wirklichkeit ist. Wenn eine Ehe scheitert geht es darum den Betroffenen gegenüber barmherzig zu sein und den tiefen humanen Wert des Unauflöslichkeitsideals verständlich zu machen und ihnen so Wege aufzuzeigen mit der Situation umzugehen und sogar zu wachsen. Weder die "Moralkeule" ist hierbei richtig noch das "Übergehen zur Tagesordnung". Und natürlich gilt die Unauflöslichkeit für Mann und Frau exakt gleich. Und ausnahmslos alle Gebote Gottes haben ein Ziel: Das Glück des Menschen.
RoseGarden hat folgendes geschrieben:

Ich hab mal eine Frage...wieso darf man als Katholikin nur einmal heiraten? Gilt das auch für Männer? Wenn das schon vone irgendwo steht, sagts mir bitte, ich will jetzt nicht alles durchforsten


Gilt für Männer und Frauen. Wobei man darf mehr als einmal kirchlich heiraten

- wenn man verwitwet ist.
- wenn Gründe für eine Annulierung der ersten Ehe vorliegen

Ich hoffe ich täusche mich da nicht

Burkl hat folgendes geschrieben:
Gleichzeitig muss man immer bedenken, dass das menschliche Versagen eine ständige Wirklichkeit ist. Wenn eine Ehe scheitert geht es darum den Betroffenen gegenüber barmherzig zu sein und den tiefen humanen Wert des Unauflöslichkeitsideals verständlich zu machen und ihnen so Wege aufzuzeigen mit der Situation umzugehen und sogar zu wachsen. Weder die "Moralkeule" ist hierbei richtig noch das "Übergehen zur Tagesordnung". Und natürlich gilt die Unauflöslichkeit für Mann und Frau exakt gleich. Und ausnahmslos alle Gebote Gottes haben ein Ziel: Das Glück des Menschen.


Wobei mMn bei einem trifftigen Grund für eine Scheidung oft auch ein Annulierungsgrund vorliegen kann. Hier ist es barmherzig dem unschuldigen Ehepartner keine unnötigen Steine in den Weg (in Form eines Unauflöslichkeitsideals) zu einer glücklichen neuen Ehe zu legen.