Getrennter Katholik - wie mit der Einsamkeit umgehen


Minou hat folgendes geschrieben:

Bedeutet das, dass z.B. unsere Katholikin nicht mehr kirchlich heiraten dürfte, auch wenn ihre Ehe von der Kirche annulliert würde?


Liebe Minou,

eine Anullierung ist eben keine Scheidung. Es wird hier über Antrag eines Ehepartners von einem diözesanen Gericht ausgesprochen, dass das Ehesakrament nie gültig zustande gekommen ist - also von Beginn an gar keine Ehe vorlag.

Ein Beispiel: Eine ehemalige Arbeitskollegin hat eine Ehe-Anullierung erfolgreich beantragt. Sie konnte nachweisen, dass ihr Ehemann vor der Hochzeit mit Anderen darüber gesprochen hat, dass er nie Kinder mit ihr haben will. Wenn das so vorliegt, dann liegt ein wesentliches Element für die Gültigkeit der Ehe - der Wille zum Kind - nicht vor. Ihre katholische Ehe wurde vom Kirchengericht für nichtig erklärt.

Minou hat folgendes geschrieben:
Warum dürfen z.B. Altkatholiken und Evangelische mehrfach kirchlich heiraten? Ich weiß, sie betrachten die Hochzeit als Segnung im Gegensatz zur röm.kath. Kirche, die sie als Sakrament betrachtet. Aber warum ist das so ein großer Unterschied?


Das hängt sicherlich im Kern mit den unterschiedlichen Definitionen von "Kirche" zusammen, die die Konfessionen vertreten. Genaueres kann ich dir nur zur katholischen Lehre sagen.

Nach katholischer Auffassung ist die Treue der Ehegatten ein Abbild der Treue Gottes zu seiner Kirche, die er nicht verlässt. Weil Gottes Treue zu seiner Kirche unverbrüchlich und unauflöslich ist, ist es auch die Treue der Ehegatten. Die Ehrfurcht vor Christus und die Liebe zu Christus bestimmen das Verhältnis der Ehegatten zueinander und machen ihre Ehe zum gelebten Abbild des großen Geheimnisses: der „Ehe“ zwischen Christus und der Kirche. - Kol 3,18-19; 1 Kor 11,2-3; 14,34-36; 1 Petr 3,1-7.
Wobei die "Kirche" keine Person ist, sondern ein menschlicher Verein. Ich denke nicht, dass es eine "Ehe" zwischen "Gott", "Christus" oder dergleichen und einer ganz speziellen menschengegründeten Institution gibt. Ich meine, Gott ist uns Menschen durchaus träu, aber nicht irgendeinem von Menschen durchorganisierten gesellschaftlich-juristischen System.
[quote="Busshari"]
@Elem. Luft

Zitat:
ich finde ehrlich gesagt nicht, dass du das Recht hast, über Angehörige einer Religion zu urteilen, wenn sie sich mit den Religionsinhalten nicht (mehr) identifizieren können


Ich denke nicht, dass ich hier über eine Person urteile.

Zitat:

Hier leidet ein Mensch an Dogmen, die du wahrscheinlich selber nicht von Gott gegeben ansiehst, aber du machst es diesem Menschen indirekt schwer, sich von dieser Qual zu lösen, indem du linde mit dem moralischen Zeigefinger kommst
[/quote ]

Ich gebe nur die Lehre der katholischen Kirche wieder, das die offensichtlich Murks ist macht die Sache eigentlich doch ganz einfach.

Zitat:
Zudem handelt es sich in diesem speziellen Fall auch nicht um die Ehebrecherin, der man aufzeigen müsste, wo ihre moralische Verpflichtung liegt, sondern um die Betrogene, der nun abgesprochen werden soll, ein neues Liebesglück anzustreben.


Sicher. Dafür muss sie nur die katholische Kirche verlassen.


@Busshari,

Doch du urteilst über die Katholikin, indem du sie sie mit allen Menschen in einen Topf wirfst, die sich eine Religion "aussuchen" und sich dann aber - wie du es sinngemäß formulierst - nur die Rosinen herauspicken. Du urteilst deshalb über sie, weil du dich in deiner Antwort direkt auf lindes Rat an die Katholikin beziehst und damit der Katholikin indirekt oder auch ganz direkt, den Mut nimmst, sich von verquerten Lehren zu lösen, die sie belasten. Dabei erkennst du ja selber, dass sie genau das tun sollte.
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
@Elem. Luft

Zitat:
Doch du urteilst über die Katholikin, indem du sie sie mit allen Menschen in einen Topf wirfst, die sich eine Religion "aussuchen" und sich dann aber - wie du es sinngemäß formulierst - nur die Rosinen herauspicken.


Sich eine Religion auszusuchen finde ich persönlich erstmal ganz gut, reinwachsen kann jeder.

Sie hat ja gar nicht gesagt, was sie machen will - wie kann ich da etwas verurteilen? Und was heißt schon verurteilen? Nur weil ich sage jenes finde ich persönlich gut oder schlecht, verurteile ich doch niemanden.

Zitat:
Du urteilst deshalb über sie, weil du dich in deiner Antwort direkt auf lindes Rat an die Katholikin beziehst und damit der Katholikin indirekt oder auch ganz direkt, den Mut nimmst, sich von verquerten Lehren zu lösen, die sie belasten.


Ich habe meine Meinung zu lindes Rat gesagt (sorry), mehr nicht. Sie ist Katholikin, das lässt ihr Name schon erahnen, ich habe die Position der kath. Kirche genannt und deutlich gemacht, was ich davon halte. Ich denke das ist der ehrlichere Weg, als einen unliebsamen Glaubensinhalt wegzudiskutieren, weil so viel einfacher und schöner ist. Damit verurteile ich noch lange niemanden, das ist absurd. Die Kirche ist kein Wunschkonzert, geschiedenen Paar werden Sakramente verweigert. Wenn ich nicht glaube, dass das Gottes Weg ist, dann verlasse ich den Laden.
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Busshari hat folgendes geschrieben:
@Minou

Ich glaube du hast die zitierte Stelle falsch verstanden. Dort steht, dass selbst wenn der Partner ehebrüchig wird, man sich scheidet und erneut heiratet, das ebenfalls als Ehebruch gilt. Und genau so wird es von der Kirche gehandhabt; Ehebruch ist kein legitimer Grund sich scheiden zu lassen.

Minou hat diese Stelle durchaus richtig verstanden. In anderer Übersetzung und auch aus dem Zusammenhang wird das deutlich:
Zitat:
Mt 19,9: Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.
(Einheitsübersetzung)

Es gibt demnach einen legitimen Grund zur Scheidung, nämlich wenn der andere Ehebruch begeht.

In Matthäus 5 heißt es:
Zitat:
31 Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlassen wird, gebe ihr einen Scheidebrief. 32 Ich aber sage euch: Wer irgend seine Frau entlassen wird, außer auf Grund von Hurerei, macht, dass sie Ehebruch begeht...

Matthäus schreibt hauptsächlich für die Juden, besonders für die spitzfindigen Schriftgelehrten, mit denen Jesus sich schon auseinandersetzte und bei denen offenbar die Trennung, wenn mit Scheidebrief für die Frau, als legal galt und ein häufig stattfindender bequemer Weg für die Männer war.

Als Ausnahme ist eine Scheidungung durchaus im Sinne Jesu, der selbst das Sabbatgebot unter bestimmten Umständen gebrochen und erklärt hat, dass die Gebote als Hilfe für den Menschen gemacht wurden und nicht der Mensch für die Gebote.

In der Vergangenheit war und sogar heutzutage noch ist die Annullierung einer Ehe aufgrund zum Teil dubioser Gründe durchaus gängige Praxis in der katholischen Kirche. Eine einfache klare Scheidung wäre da meiner Meinung nach der ehrlichere und der humanere Weg.
Mir fällt eine Bekannte ein, die als Protestantin einen Katholiken geheiratet hatte, und inzwischen schon ein paar Jahre mit Kind geschieden und wieder verheiratet war.
Eines Tages erhielt sie einen merkwürdigen Brief von ihrem Exmann. Sie sollte ein Kirchenpapier unterschreiben, in dem sie die Schuld für die Trennung auf sich nahm und dadurch nachträglich die fehlende Grundlage für eine Eheschließung lieferte, was für sie nicht der Wahrheit entsprach. Nur damit wäre es dem Exmann möglich gewesen, katholisch zu heiraten, da so die erste Hochzeit für ungültig erklärt worden wäre. (Sie hat nicht unterschrieben.)

Was ist eigentlich mit einem Kind aus einer erfolgreich annullierten Ehe?
Früher wurde es sicher als unehelich enterbt und gesellschaftlich verstoßen....
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Hallo liebe Mara!
Wollte Dir nur kurz sagen, wie ich mich freue, Dich wieder zu lesen!
Hab' Dich vermisst.
Lieben Gruß,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Burkl hat folgendes geschrieben:
- Kol 3,18-19; 1 Kor 11,2-3; 14,34-36; 1 Petr 3,1-7.


Lieber Burkl,

willst Du damit sagen, dass die kath. Kirche auch heute noch diese Meinung bezüglich Frauen vertritt? Wenn nicht, warum zitierst Du sie dann im Zusammenhang mit der Wiederverheiratung?

Liebe Grüße,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Ich meine, dass das in deinem Fall mit Annulierung schon klappen kann.
Katholik14 hat folgendes geschrieben:
Ich bin Katholikin (Mitte 40) und habe vor über 20 Jahren einen Protestanten (katholisch) geheiratet.
Wir leben seit 4 Jahren in Scheidung, weil das jahrelange Verhältnis meines Mannes mit seiner Geliebten aufgeflogen ist. Es war seine alleinige Entscheidung mich zu verlassen und er hat dies nie bereut.

Die Einsamkeit fällt mir sehr schwer und besonders der Gedanke, als Katholikin nie wieder einen Partner haben zu dürfen, geschweige denn wieder heiraten zu können, denn eine Ehe ist vor Gott unauflöslich.

Wen geht es genauso und wie geht Ihr damit um?
Wer hat sich vielleicht wieder verliebt, was das ganze erschwert?

Freue mich über jede hilfreiche Antwort!

LG Katholikin


Liebe Katholikin!

Gott hat sicher nichts dagegen, wenn du aus Liebe eine neue Beziehung eingehst. Er wird sich darüber sogar sehr freuen, denn es ist die Liebe, die für ihn zählt.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Leuthner hat folgendes geschrieben:
Gott hat sicher nichts dagegen, wenn du aus Liebe eine neue Beziehung eingehst. Er wird sich darüber sogar sehr freuen, denn es ist die Liebe, die für ihn zählt.


Das ist auch meine Meinung; über von Menschen gemachte Dogmen würde ich mir nicht den Kopf zerbrechen. Jesus selbst hat das m.E. wohl anders gemeint, eher so, wie ich schon oben aus dem Mt.-Evangelium zitierte.
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Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten