Getrennter Katholik - wie mit der Einsamkeit umgehen


Liebe Katholikin,

herzlich willkommen hier im Forum.
Zu Deiner Frage:

In Mt. 19,9 lesen wir:

"Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe."

Nun, der Ehebruch ist in Deinem Fall ja gegeben. So viel ich weiß, gibt es da in der Katholischen Kirche die Möglichkeit zur Annullierung der Ehe, wonach Du selbstverständlich wieder katholisch heiraten könntest.

In der Altkatholischen Kirche ist auch ohne Annullierung, nach normaler Scheidung eine weitere kirchliche Ehe möglich.

Ich selbst sehe die Bedingung "Ehebruch" nicht unbedingt als wörtlich zu verstehen an. Nach meinem Dafürhalten ist jede Verletzung an der Liebe, z.B. Psychoterror, Schlagen usw. ein Ehebruch.

Ein Geistlicher Deiner Kirche kann Dir da sicher genaue Auskunft geben.

Alles Liebe,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Busshari hat folgendes geschrieben:
linde hat folgendes geschrieben:
Glaubst Du wirklich dass Gott das so will?
Ich glaube, das sind von Menschen gemachte Vorschriften.
Dein Mann hat Dich betrogen und verlässt Dich und dann sollst Du dafür bestraft werden?


Der Klassiker, werden Gottes Gebote unangenehm, sind nicht mehr Gottes Gebote. Warum katholisch heiraten, wenn man alles über Bord wirft sobald einem Nachteile daraus entstehen. Wenn man sich einer Religion verpflichtet hat das Vor- und Nachteile, man kann das eine nicht ohne das andere haben. Eine Religion ist kein Selbstbedienungsladen aus der man sich dem Zeitgeist entsprechend was raussucht.


Hallo Busshari,

ich finde ehrlich gesagt nicht, dass du das Recht hast, über Angehörige einer Religion zu urteilen, wenn sie sich mit den Religionsinhalten nicht (mehr) identifizieren können. Eine Religion muss sich auch prüfen lassen und eine Religion ist nicht gleich Gott.

Da du selber kein Katholik bist und das sicher aus gutem Grund, finde ich deine Reaktion noch merkwürdiger. Hier leidet ein Mensch an Dogmen, die du wahrscheinlich selber nicht von Gott gegeben ansiehst, aber du machst es diesem Menschen indirekt schwer, sich von dieser Qual zu lösen, indem du linde mit dem moralischen Zeigefinger kommst. Zudem handelt es sich in diesem speziellen Fall auch nicht um die Ehebrecherin, der man aufzeigen müsste, wo ihre moralische Verpflichtung liegt, sondern um die Betrogene, der nun abgesprochen werden soll, ein neues Liebesglück anzustreben.

Ich bin der Meinung, dass ein Ehepartner auch nicht glücklich sein kann, wenn der Andere nur bei ihm bleibt, weil er sich verpflichtet fühlt. Mit oder ohne religiöse Anschauung. Wenn die Liebe erloschen ist, sollte man auf beiden Seiten nach der Ursache suchen und - sofern es noch möglich ist und Sinn macht- an sich arbeiten, damit dem Anderen wieder das Herz aufgeht. Beidseitig selbstredend.
Wenn das nicht möglich ist, dann kann es doch nicht sein, dass der Verlassene für den Rest seines Lebens bestraft bleibt, selbst wenn er einen Anteil am Verlassensein trägt.

Liebe Katholikin,

Früher hieß es in der Bibel, Männer können mehrere Frauen haben. Ein Mann sollte auch die Witwe seines Bruder heiraten. Später dann gab es die Einehe. Du siehst, auch die Bibel macht unterschiedliche Aussagen über die Ehe, was doch zeigt, dass nicht jede in diesem Buch vertretene Aussage auch zwangsläufig Gottes Willen entspricht.
Ich persönlich glaube, dass Gott alles gutheißt, was der Liebe entspringt, ihr entspricht und keinem anderen Wesen schadet. Jetzt darfst du dich fragen: Schadet es jemandem, wenn du dir einen neuen Ehemann suchst?

Ferner heißt es in der Bibel: Was du deinem Nächsten tust, hast du mir getan. Gott ist also durch den Schmerz deines Verlassenwerdens verletzt.
Solange du leidest, leidet Gott. Bist du glücklich verheiratet, ist auch es auch Gott. Wenn du also Gottes Leiden ein Ende bereiten möchtest, weißt du, was du zu tun hast.

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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
@Minou

Ich glaube du hast die zitierte Stelle falsch verstanden. Dort steht, dass selbst wenn der Partner ehebrüchig wird, man sich scheidet und erneut heiratet, das ebenfalls als Ehebruch gilt. Und genau so wird es von der Kirche gehandhabt; Ehebruch ist kein legitimer Grund sich scheiden zu lassen.

@Elem. Luft

Zitat:
ich finde ehrlich gesagt nicht, dass du das Recht hast, über Angehörige einer Religion zu urteilen, wenn sie sich mit den Religionsinhalten nicht (mehr) identifizieren können


Ich denke nicht, dass ich hier über eine Person urteile.

[quote]
Hier leidet ein Mensch an Dogmen, die du wahrscheinlich selber nicht von Gott gegeben ansiehst, aber du machst es diesem Menschen indirekt schwer, sich von dieser Qual zu lösen, indem du linde mit dem moralischen Zeigefinger kommst
[/quote ]

Ich gebe nur die Lehre der katholischen Kirche wieder, das die offensichtlich Murks ist macht die Sache eigentlich doch ganz einfach.

Zitat:
Zudem handelt es sich in diesem speziellen Fall auch nicht um die Ehebrecherin, der man aufzeigen müsste, wo ihre moralische Verpflichtung liegt, sondern um die Betrogene, der nun abgesprochen werden soll, ein neues Liebesglück anzustreben.


Sicher. Dafür muss sie nur die katholische Kirche verlassen.
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Katholik14 hat folgendes geschrieben:
Ich bin Katholikin (Mitte 40) und habe vor über 20 Jahren einen Protestanten (katholisch) geheiratet.
Wir leben seit 4 Jahren in Scheidung, weil das jahrelange Verhältnis meines Mannes mit seiner Geliebten aufgeflogen ist. Es war seine alleinige Entscheidung mich zu verlassen und er hat dies nie bereut.

Die Einsamkeit fällt mir sehr schwer und besonders der Gedanke, als Katholikin nie wieder einen Partner haben zu dürfen, geschweige denn wieder heiraten zu können, denn eine Ehe ist vor Gott unauflöslich.

Wen geht es genauso und wie geht Ihr damit um?
Wer hat sich vielleicht wieder verliebt, was das ganze erschwert?

Freue mich über jede hilfreiche Antwort!

LG Katholikin


Liebe Katholikin,

ja - der schuldlos verlassene Ehepartner zu sein bedeutet sicher eine schwere Prüfung.

Es ist sicherlich ganz wichtig, dass du dir vor Augen hältst: Wenn Gott uns in eine schwierige Situation bringt, dann geschieht das, damit wir uns noch mehr auf ihn verlassen.

Wir kommen alleine auf diese Welt und wir werden in der Stunde unseres Todes alleine sein - und auch alleine Gott über unser Leben Rechenschaft ablegen müssen. Du bist nicht verantwortlich für das, wie dein Mann mit dir umgeht. Bete für ihn - und vor allem lass keinen Groll in deinem Herzen aufkommen. Der Groll nagt und zerstört uns. Empfinde eher Mitleid für ihn und bete für ihn.

Und eine Möglichkeit gibt es auch noch. Du schreibst dein Mann ist Protestant und ihr habt katholisch geheiratet? Das Sakrament der Ehe ist nur dann gültig gespendet, wenn sich beide Partner dessen Tragweite bewusst sind und alle wesentlichen Elemente kennen und bewusst bejahen. Du könntest ein Ehenichtigkeitserklärungsverfahren bei deiner Diözese begehren, wenn wirklich ernste Zweifel daran bestehen, dass das Sakrament gültig gespendet wurde... Wichtig ist, dass das keine Scheidung ist, sondern festgestellt wird, dass das Sakrament eigentlich nur zum Schein gültig gespendet wurde. Auch dieser Weg kann langwierig und schwierig sein und vielleicht auch nicht der richtige. Das kann dir letzlich nur dein Herz beantworten, wenn du Gott darüber im Gebet befragst.

Wichtig ist, dass du die Kränkung und Verletzung durch deinen Mann gleichsam als "Katapult" dafür benützt noch mehr in der Liebe zu Gott zu wachsen. Dass ist ja auch der Kern unseres Glaubens - das Böse wird durch die Annahme in Liebe verwandelt. Am Ende steht die Liebe triumphierend da - aber davor, da gibt es das Kreuz, liebe Katholikin. Es zu tragen, dafür wünsche ich dir viel Kraft und schließe dich in meine Gebete ein.

Liebe Grüße und alles Gute,
Burkl
Busshari hat folgendes geschrieben:
@Minou

Ich glaube du hast die zitierte Stelle falsch verstanden. Dort steht, dass selbst wenn der Partner ehebrüchig wird, man sich scheidet und erneut heiratet, das ebenfalls als Ehebruch gilt. Und genau so wird es von der Kirche gehandhabt; Ehebruch ist kein legitimer Grund sich scheiden zu lassen.


Die Stelle lautet:

In Mt. 19,9 lesen wir:

"Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe."

Das bedeutet für mich, dass man sich nicht scheiden soll, außer wegen Ehebruchs. Und als Ehebruch verstehe ich jede Handlung gegen die Liebe.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Elem.Luft hat folgendes geschrieben:
Früher hieß es in der Bibel, Männer können mehrere Frauen haben.


Ich denke, liebe Aria, dass wir hier unterscheiden sollten zwischen AT und NT. Für Christen gilt ganz eindeutig die Ehe mit einer Frau.

Lieben Gruß,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Busshari hat folgendes geschrieben:
@Minou

Ich glaube du hast die zitierte Stelle falsch verstanden. Dort steht, dass selbst wenn der Partner ehebrüchig wird, man sich scheidet und erneut heiratet, das ebenfalls als Ehebruch gilt. Und genau so wird es von der Kirche gehandhabt; Ehebruch ist kein legitimer Grund sich scheiden zu lassen.


Die Stelle lautet:

In Mt. 19,9 lesen wir:

"Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe."

Das bedeutet für mich, dass man sich nicht scheiden soll, außer wegen Ehebruchs. Und als Ehebruch verstehe ich jede Handlung gegen die Liebe.


"Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet." (Mk 10,11 u. 12)

Markus enthält diese Einschränkung der Unauflöslichkeit der Ehe - "Unzucht" als Scheidungsgrund nicht. Es ist wahrscheinlich, dass Matthäus hier vor dem Hintergrund, dass sich sein Evangelium zuerst an Judenchristen wendet, das Zitat von Jesus hier in anderer Form wiedergibt, vielleicht hat Matthäus hier auch auf die verloren gegangene "Logienquelle Q" zurückgegriffen, die Aussprüche von Jesus enthielt. Matthäus scheint mehr wert darauf zu legen Juden, die ja gewohnt waren mit der Frau nach Willkür zu verfahren, nicht zu sehr mit der Radikalität zu "verschrecken", die Jesus hinsichtlich der Unauflöslichkeit der Ehe lehrt.

Ich glaube von der Zielsetzung her ist es klar, und das siehst du auch sehr gut, liebe Minou: Es geht darum, dass Handlungen, die die Liebe wirklich zerstören sehr wohl dazu führen, dass ein Partner weggehen darf - das ist ja schon Folge des Rechts auf Selbstverteidigung, sozusagen Notwehr. Dieser Umstand kommt allerdings nicht einer Rückgängigmachung des Sakraments gleich. Das "Einfleischsein" bleibt weiter bestehen, selbst wenn ein Partner sich gegen das Ehesakrament schwer versündigt. Eine Scheidung im Sinne der Trennung von Tisch und Bett, also die Lebenswege getrennt zu gehen ist durchaus legitim, vielleicht sogar notwendig, um sich zu schützen.

Die Lösung aus katholischer Sicht für menschliches Scheitern an dem Eheversprechen, das eben auch Gott gegeben wurde, ist allerdings nicht ein simples "Zurück an den Start - und mehr Glück beim nächsten Mal!". Das ist nicht unser Eheverständnis. Die Ehe ist auf Gott hin geschlossen. Gott ist sozusagen also dritter "Vertragspartner" im Bunde, dem jeder der beiden Ehepartner separat Rechenschaft ablegen wird müssen, darüber wie sie oder er mit dem Gott gegebenen Versprechen umgegangen ist... Und ich bin mir sicher, dass es großen Lohn geben wird für diejenigen, die eine ungerechte Behandlung durch den Ehepartner als Kreuz angenommen haben, um in der Liebe zu wachsen. Jetzt schon in diesem Leben durch das Wachsen in Geduld und Liebe - und im nächsten, wo die Menschen nicht mehr verheiratet sein werden - wie Jesus sagt - da erst recht, weil Gott die Treue zu ihm gegebenen Versprechen immer belohnt.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Die Lösung aus katholischer Sicht für menschliches Scheitern an dem Eheversprechen, das eben auch Gott gegeben wurde, ist allerdings nicht ein simples "Zurück an den Start - und mehr Glück beim nächsten Mal!". Das ist nicht unser Eheverständnis. Die Ehe ist auf Gott hin geschlossen. Gott ist sozusagen also dritter "Vertragspartner" im Bunde, dem jeder der beiden Ehepartner separat Rechenschaft ablegen wird müssen, darüber wie sie oder er mit dem Gott gegebenen Versprechen umgegangen ist... Und ich bin mir sicher, dass es großen Lohn geben wird für diejenigen, die eine ungerechte Behandlung durch den Ehepartner als Kreuz angenommen haben, um in der Liebe zu wachsen. Jetzt schon in diesem Leben durch das Wachsen in Geduld und Liebe - und im nächsten, wo die Menschen nicht mehr verheiratet sein werden - wie Jesus sagt - da erst recht, weil Gott die Treue zu ihm gegebenen Versprechen immer belohnt.


Bedeutet das, dass z.B. unsere Katholikin nicht mehr kirchlich heiraten dürfte, auch wenn ihre Ehe von der Kirche annulliert würde?
Warum dürfen z.B. Altkatholiken und Evangelische mehrfach kirchlich heiraten? Ich weiß, sie betrachten die Hochzeit als Segnung im Gegensatz zur röm.kath. Kirche, die sie als Sakrament betrachtet. Aber warum ist das so ein großer Unterschied?
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Katholik14 hat folgendes geschrieben:

Die Einsamkeit fällt mir sehr schwer und besonders der Gedanke, als Katholikin nie wieder einen Partner haben zu dürfen, geschweige denn wieder heiraten zu können, denn eine Ehe ist vor Gott unauflöslich.

Wen geht es genauso und wie geht Ihr damit um?
Wer hat sich vielleicht wieder verliebt, was das ganze erschwert?


Hallo Katholikin,

Einsamkeit - ich liebe sie.
Unter anderem deshalb, weil sie Voraussetzung für Gebet und Meditation ist. Natürlich verliebe ich mich ab und an. Das kann nicht anders sein, denn es gibt viele wunderbare Menschen.
Dann begreife ich das so, dass sich mein Herz öffnet. Alles Erleben wird etwas intensiver, gewinnt an Bedeutung.
Die Energie, die von Verliebtheit ausgeht, sollte meiner Meinung nach nicht unterdrückt werden. Aber sie sollte auch kein Eigenleben führen und die verliebte Person bestimmen, sondern eher für schon gewählte Ziele nutzbar gemacht werden.

Ich bin keine Katholikin und weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe.
Was findest du denn an deiner Religion so wertvoll, dass du sie nicht aufgeben möchtest?

Liebe Grüße von ziraki
linde hat folgendes geschrieben:
Trotzdem denke ich, dass nicht jedes scheinbare Gebot von Gott ist, sondern eben menschengemacht.

Sehe ich auch so!
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!