Warum ist der Westen Europas so ungläubig?


Marcolo 8 hat folgendes geschrieben:
In verkürzter Form: Der Einfluss gewisser Lobby-Gruppen auf die Wissenschaft hat sich seit Einstein bis heute verstärkt. Es ist nicht mehr miteinander zu vergleichen.

Welche Lobby-Gruppen denn?
Sagen wir es mal so: ohne die spezielle Relativitätstheorie wäre die Satellitennavigation lediglich mit einer Genauigkeit von 300 Metern möglich.

Und dass Erkenntnisse wie z.B. e= m x c² letztlich zu Kernwaffen führten, ist so wie wenn man die Erkenntnis, dass Hohlkörper schwimmen an der Titanikkatastrophe verantwortlich macht. Oder wolltest Du etwas anderes ausdrücken?

Das voranschreiten wissenschaftlicher Erkenntnisse bis hin zu Dingen wie Quantencomputern und darüber hinaus, zeigt wie freigeistig diese Wissenschaftler sind, denn sonst hätten sie Phänomene wie die Quantenverschränkung nicht mal entdeckt.

Hier werden immer wieder gängige Anschauungen über den Haufen geworfen zugunsten etwas völlig Andersartigem und Neuem.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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Die Spezielle Relativitätstheorie ist zweifellos ein Meilenstein und Wegbereiter der modernen Physik. Doch der brave Albert hatte eine hochbegabte Frau. Das geht aus der Auswertung brieflicher Korrespondenzen klar hervor.
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Nur dem Glühwürmchen ist es immer hell genug
Marcolo 8 hat folgendes geschrieben:
Die Spezielle Relativitätstheorie ist zweifellos ein Meilenstein und Wegbereiter der modernen Physik. Doch der brave Albert hatte eine hochbegabte Frau. Das geht aus der Auswertung brieflicher Korrespondenzen klar hervor.

Welche?
Ich habe ein ganzes Buch voller Briefe von Einstein.
Bezüglich dem angeblichen mitwirken Mileva in Einsteins Arbeiten gibt es in >>>Der Zeit<<< einen aufschlussreichen Artikel.
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Sind wir denn wirklich die heiligsten Wesen auf Erden?
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@ PapaLoooo

Den Zeit Artikel kannte ich noch nicht. Mein erster Eindruck sagt mir nun, dass es mit Milevas "mathematischer Genialität" doch nicht soweit her gewesen sein könnte. Ich werde die Sache nun selbst noch einmal gründlich recherchieren und sollte dein Einwand zutreffen, habe ich kein Problem damit, meinen Irrtum einzugestehen.

Danke für den Hinweis.
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Nur dem Glühwürmchen ist es immer hell genug
Das klingt aber mal Positiv!
Danke!
Stuhl hat folgendes geschrieben:
Warum sind die Menschen im Westen Europas so ungläubig?


Im Osten sieht es zum großen Teil auch nicht viel besser aus (wenngleich es ein paar Ausnahmen gibt, etwa Polen) und auch im Süden Europas sinkt die Religiosität nachhaltig, aber verzögert zum Norden.

Ob weniger Religiosität auch "Unglauben" bedeutet ist dagegen wieder eine komplexere Frage und hängt stark davon ab was du unter "ungläubig" verstehst.

Stuhl hat folgendes geschrieben:
Wie groß geht die Schere auseinander zwischen materiellem Reichtum und geistiger Armut?


Tatsächlich gibt es einen negativer Zusammenhang zwischen der Religiosität einer Gesellschaft und ihrem materiellen Reichtum. Allerdings ist durchaus umstritten wie dieser Zusammenhang vermittelt wird. Die Frage ist also warum wohlhabende Gesellschaften zunehmend unreligiöser werden.

Dazu gibt es eine große Zahl an Thesen. Darunter:

* wohlhabende Gesellschaften sind sehr spezialisiert und ausdifferenziert, so wird auch Glauben zu einem spezifisch ausdifferenzierten Bereich
* Religion war für viele Menschen ein Mittel ihre miserable Lage erträglich zu machen bzw. irgendwie zu überwinden, wenn die Lage objektiv besser wird schwindet auch der Bedarf an Religion
* wohlhabende Gesellschaften sind gebildeter und die klassischen Religionen haben oft Lehrsätze die sie für gebildete Menschen unattraktiv machen

Es gibt noch viele Theorien mehr. In der Regel haben diese Theorien sowohl starke Seiten als auch schwächen, weshalb das Thema noch immer nicht geklärt ist. Auch konzentrieren sich diese Theorien oft auf die eher klassischen Religionsgemeinschaften im Westen (also christliche Großkirchen). Andere Religionsgemeinschaften verzeichnen aber durchaus nachhaltigen Wachstum. Und auch die christlichen Großkirchen verzeichnen Global gesehen durchaus eine wachsende Mitgliedschaft.

Stuhl hat folgendes geschrieben:
Gott findet hier praktisch KEINE Erwähnung. Es wird gerne über belanglose und inhaltslose Sachen geredet, oder man stürzt sich übermäßig in die Arbeit oder man sieht zu sich mit übermäßigem "Vergnügen" zu unterhalten. All das um sich abzulenken und um nicht bei sich zu sein und mal über den tieferen Sinn nachzudenken.


Der sogenannte Small-Talk ist ja mit Absicht und gutem Grund belanglos. Nur bei Belanglosen Themen kann kein Streit entstehen. Themen wie "Heil" oder "gute Ordnung" können schnell zum Konflikt führen. So muss man dann auch keine Toleranz mehr üben.
@ Tobias

Gibt es Erkenntnisse die dafür sprechen würden, dass die Quantität der Gläubigen zwar sinkt, aber die Qualität steigt?

Das ist zumindest mein Eindruck, wenn auch natürlich nur aus meinem Umfeld. Hierzulande sind zwar sicher mehr Leute früher zur Kirche gegangen, weil so ziemlich alle in die Kirchen gegangen sind und es eben Brauchtum war, aber besonders tief war dieser Glauben selten und banalste Kenntnisse über die eigene Religion waren oft nicht vorhanden. Der Glaube an Gott war so ziemlich auf einer Ebene mit dem Glauben an Sternzeichen und Horoskope und der Angst vor schwarzen Katzen. So hatte zwar jeder Haushalt einen Herrgottswinkel in der Stube, aber im seltensten Fall eine Bibel, oder wenigstens ein neues Testament.

Heute gehen zwar weniger Menschen in die Kirche, weil eben die Mehrheit nicht mehr in die Kirche geht, aber die die gehen sind meistens überzeugt von ihrer Religion.

Wie gesagt ist das nur mein Eindruck aus meiner ländlichen Gegend, wobei ich durch Bekannte einen ähnlichen Eindruck vom buddhistisch asiatischen Gegenden habe. Wäre interessant ob es dazu Studien gibt.
@Long Road

Das Problem ist, dass man mit einer wertneutralen Wissenschaft kaum die "Qualität" von etwas wie "Glauben" bewerten kann.

So wie ich das verstehe suggerierst du ja, dass es 'qualitativer' ist, wenn jemand aus individueller Motivation und Antrieb einen Glaubensakt durchführt. Das würde ich persönlich jetzt zwar auch so sehen, aber das ist ein klares Werturteil.

Auch das man eine große Kenntnis über ein Glaubenssystem haben müsse um diesem 'qualitativ' anzugehören ist letztlich ein wertendes Urteil bzw. sogar bereits ein verstecktes Konzept einer Bekenntnis- oder Gesetzesreligion. Denn in beiden muss man ja Kenntnis von dem haben was man da bekennt oder befolgen muss.

Auf jeden Fall sind Religion und Glauben unter den Bedingungen der Moderne etwas anderes als davor. Selbst fast alle fundamentalistischen Bewegungen sind letztlich moderne Erscheinungen die ein 'modernes' Ziel verfolgen.
Zitat:
Warum sind die Menschen im Westen Europas so ungläubig? Wie groß geht die Schere auseinander zwischen materiellem Reichtum und geistiger Armut?

Gott findet hier praktisch KEINE Erwähnung. Es wird gerne über belanglose und inhaltslose Sachen geredet, oder man stürzt sich übermäßig in die Arbeit oder man sieht zu sich mit übermäßigem "Vergnügen" zu unterhalten. All das um sich abzulenken und um nicht bei sich zu sein und mal über den tieferen Sinn nachzudenken.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat dieses Phänomen als "praktischen Atheismus" bezeichnet. Innerhalb dessen wird die Wahrheit des Glaubens nicht direkt geleugnet. Vielmehr haltet dieser praktische Atheismus den Glauben für bedeutungslos für das tägliche Dasein und unnütz. So kommt Gott nur mehr oberflächlich vor und das Leben vollzieht sich, als ob es Gott nicht gäbe.
Ich persönlich glaube dieses Phänomen hat viel mit einem Gefühl der scheinbar unbegrenzten "Machbarkeit" in einer stark technisierten Umgebung zu tun. Durch den großen technischen Fortschritt und den großen Wohlstand (beides an sich positive Dinge) lebt der Mensch vielfach in einer "synthetischen Welt", in der Gott scheinbar nicht mehr vorzukommen braucht.
Die Sehnsucht nach Gott ist selbstverständlich auch nach dem Säkularisierungsprozess immer noch tief im Menschen, weil sie wesentlich zu ihm gehört. Es geht darum die sich vielfach im Kreis drehenden Menschen zur Wahrnehmung dieser Sehnsucht zu bringen und sie neugierig zu machen...
Willkommen zurück, lieber Burkl!
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523