Wenn es einen Gott gibt-Warum zeigt er sich nicht direkt?


Wenn es einen Gott im klassischen Sinne gibt-Warum zeigt er sich nicht?

Natürlich könnte man sagen, dass er sich indirekt zeigt.

Aber wenn es wirklich einen Gott gibt, wie es z.B. die Christen oder die Moslems sagen, warum zeigt er sich nicht, zB. jeden Sonntag morgen für 5 Minuten den Menschen in einer ganz direkten Form?

Was würde er verlieren? Im Gegenteil viel mehr Menschen würden ihn anerkennen, ihre Zweifel ablegen und ihn anbeten und seine Gebote befolgen etc.

Wer hat Lust vernünftig zu antworten?

Liebe Grüße
Zitat:
Wenn es einen Gott im klassischen Sinne gibt-Warum zeigt er sich nicht?


Hi roxi, gute Frage, aber erst mal willkommen hier im Forum.

Ich hätte gleich eine Gegenfrage
Was ist ein Gott im klassischen Sinne?

Zitat:
Wer hat Lust vernünftig zu antworten?


Na und das mitten in der Nacht!

Zitat:
Aber wenn es wirklich einen Gott gibt, wie es z.B. die Christen oder die Moslems sagen, warum zeigt er sich nicht, zB. jeden Sonntag morgen für 5 Minuten den Menschen in einer ganz direkten Form?


Und wie stellst Du Dir das vor? Da kommt dann der große alte gütige oder strafende Mann mit dem weißen Bart?

Ich denke, Gott ist weit erhaben über alles was wir uns vorstellen können.

Zitat:
Was würde er verlieren? Im Gegenteil viel mehr Menschen würden ihn anerkennen, ihre Zweifel ablegen und ihn anbeten und seine Gebote befolgen etc.


Mit Sicherheit würde Er garnichts verlieren, er ist unabhängig davon ob wir Ihn anerkennen oder nicht. Doch Gott ist in Seinem Wesen unergründlich. Wir können uns keine Vorstellung von IHM machen, genau wie das Gemälde das Wesen des Malers nie verstehen kann, oder der Tisch nicht das Wesen des Tischlers, so kann sich das Geschöpf nicht seinen Schöpfer vorstellen.

Aber Gott zeigt sich uns in Seinen Manifestationen. Manifestieren bedeutet etwas offenbaren, enthüllen oder aufdecken was zuvor nicht bekannt war.

Die Manifestationen Gottes, wie zum Beispiel Christus, auch Sohn Gottes genannt, oder Mohammed (Sein Prophet) sind jene besonderen Wesen, die der Menschheit Gottes Wort und Seinen Willen offenbaren; somit antworten wir dem Ruf Gottes, wenn wir auf Sie hören.

Wenn wir Gott mit der Sonne vergleichen würden, dann wären die Manifestationen Gottes, die man auch Sprachrohre Gottes, Propheten oder Sohn nennen könnte, wie die reinen Spiegel die uns Gottes Licht reflektieren.

Wir Menschen können nicht direkt zur Sonne kommen, wir würden verbrennen. Auch steigt die Sonne nicht zu uns herab. Aber diese reinen, makellosen Spiegel, die Manifestationen Gottes spiegeln uns die Wärme Gottes.
Diese vollkommenen Wesen kommen von Zeit zu Zeit zu uns, leben unter uns, geben uns Führung und erfüllen uns mit der nötigen Energie, damit wir uns materiell und geistig entwickeln können.

Zum Abschluss noch ein Zitat von Bahá'u'lláh (1817-1892)

"Jeder Versuch, der ... gemacht wurde, sich von Gott ein Bild zu machen und Ihn zu erkennen, ist begrenzt. Unermeßlich erhaben ist Er über die Anstrengungen des Menschengeistes, Sein Wesen zu erfassen, oder der menschlichen Zunge, Sein Geheimnis zu beschreiben."

Wünsche Dir und allen hier noch eine gute Nacht! Ich schlaf schon mit einem Auge.

Schöne Grüße
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
roxy77777 hat folgendes geschrieben:
Wenn es einen Gott im klassischen Sinne gibt-Warum zeigt er sich nicht?

Natürlich könnte man sagen, dass er sich indirekt zeigt.

Aber wenn es wirklich einen Gott gibt, wie es z.B. die Christen oder die Moslems sagen, warum zeigt er sich nicht, zB. jeden Sonntag morgen für 5 Minuten den Menschen in einer ganz direkten Form?

Was würde er verlieren? Im Gegenteil viel mehr Menschen würden ihn anerkennen, ihre Zweifel ablegen und ihn anbeten und seine Gebote befolgen etc.

Wer hat Lust vernünftig zu antworten?

Liebe Grüße


Liebe Roxy,

Wäre das so einfach - "Allgemeine Klarheit zu schaffen" - so müsste Gott zum Beispiel nur drei Tage für alle Welt sichtbar ein Kreuz oder die erste Sure des Korans am Himmel erscheinen lassen und dann - ja dann - wäre endlich "Alles klar".

So ist es aber nicht - denn so "funktioniert" der Mensch nicht. Wenn das nämlich so oder so ähnlich passieren würde, dann würden sich die Menschen die Köpfe über der Frage einschlagen, was dieses Zeichen jetzt wohl zu bedeuten hätte - keineswegs wäre mit einem Gott der sich so zeigt und so spricht "Alles klar".

Man könnte auch sagen: Wenn einer den Tod wirklich überwindet und bezeugtermaßen vom Tod zurückkehrt und weiterlebt, wozu dann noch diskutieren, dass Er derjenige ist, der der Maßstab von Allem ist?

Im Evangelium wird gesagt, dass selbst das einzigartige Wunder der Auferstehung von Jesus Christus Menschen keine Klarheit bringen kann, wenn ihr Herz nicht offen ist für Gott.

"Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht." (Lk 16,29-31)

Insofern ist Gott ein Gott, der zwar im Verborgenen ist - der sich aber finden lassen will - und die Voraussetzung für dieses Finden-Können Gottes ist eben sein Herz zu läutern, von "Schlacken" zu befreien, die die Sehfähigkeit des Herzens beeinträchtigen, den Blick verstellen auf Gott.

Gott ist also sichtbar - aber eben nur für die "Augen des Herzens". Dieses Leben hat den Sinn diese Augen des Herzens zu öffnen und immer "scharfsichtiger" zu machen. Dann wird Gott auch für den Menschen sichtbar: Nicht für fünf Minuten am Tag oder in einzelnen Zeichen, sondern in seinem ganzen Wesen, das die Liebe ist. Dann "sieht" der Mensch im umfassenden Sinne, weil er das Wesen Gottes und in diesem sein eigenes entdeckt.
Es ist auch immer die Frage, was es für einen Sinn hätte, wenn Gott sich jeden Sonntag in der Kirche zeigen würde. Nach meiner Überzeugung will Gott den Menschen nicht alles abnehmen. Wenn er uns die Antworten mit brachialer Gewalt einhämmern würde, wo bliebe dann unser freier Wille? Wo bliebe die Freiwilligkeit, an ihn zu glauben, obwohl er sich nicht zeigt? Gott will gefunden werden; von Menschen, die sich von allein auf den Weg gemacht haben, obwohl es keine zwingende Notwendigkeit gibt, aus Liebe eben. Wahre Liebe kann nur aus sich selbst heraus entstehen und nicht erzwungen werden.

Wer Gott in seinem Leben erkennen will, der wird irgendwo auf Spuren seines Wirkens treffen. Wie die dann konkret aussehen, das sei dahingestellt. Außerdem: Wenn Gott es wirklich nötig hätte, die Menschheit zu seiner Existenz zu überreden, warum sollte er dann nur Sonntags in die Kirche kommen, statt wie Bruce allmächtig ständig irgendwelche coolen Zaubertricks zu vollführen?

Ich halte es da persönlich mit dem Satz: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!"
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Zitat:
Wenn es einen Gott gibt-Warum zeigt er sich nicht direkt?


Gott existiert jenseits von Raum und Zeit, ist weder für den menschlichen Verstand noch für dessen Sinne fassbar. Wie sollte Gott sich den Geschöpfen also direkt zeigen können? Ein Ding der reinen Unmöglichkeit.

Darüber hinaus stimme ich den drei vorangegangenen Kommentaren grundlegend zu.
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Nur dem Glühwürmchen ist es immer hell genug
Zitat:
Was würde er verlieren? Im Gegenteil viel mehr Menschen würden ihn anerkennen, ihre Zweifel ablegen und ihn anbeten und seine Gebote befolgen etc.

So? Was genau würde denn passieren? DIe Menschen würden meinen, etwas zu wissen. Nur, ist es denn Wissen, was bewirkt daß wir uns an Gottes Ratschläge halten?
Nichts von dem worauf es im Leben ankommt. kannst du mit deinen Sinnen erfahren. Weder Glaube, noch Liebe, Verzeihung, Barmherzigkeit, Vertrauen...sind be- greifbar, aber geistig zu erfassen und wenn du an sie glaubst, kannst du sie auch praktizieren. Du mußt also imstande sein, eine Beziehung zum Unsichtbaren, Unbegreiflichen, Unfassbaren aufzubauen, um dein geistiges Potential zu entwickeln und anzuwenden.
Das fängt logischerweise damit an, Gott zu erkennen ohne ihn mit den Sinnen erfassen zu können, denn Gott ist nicht materiell und es ist völlig egal, ob deine Sinne etwas von ihm mitbekommen oder nicht. Das Wesentliche ist, die Tür zum Geistigen aufzustoßen, und das ist kein materieller Vorgang, hat etwas mit Vertrauen zu tun und führt auch nicht zu sinnlich erfahrbaren Dingen. Vergiß einfach mal die allgemein übliche, aber falsche Meinung, was nicht mit den Sinnen erfahrbar ist, gibt es nicht. Das ist selbst im materiellen Bereich schon Unsinn, und was den geistigen Bereich angeht, ein großes Hindernis. Geist ist nicht greifbar, existiert aber. Er ist unsere "zweite" Natur, und wenn wir uns mit Gott befassen, der einzige Weg sich ihm zu nähern. Was würde es nutzen, wenn Gott unseren Sinnen ein Bild bieten würde und wir meinen dann, das wäre es? Es würde nur einen weiteren Irrtum bewirken, nicht aber in die Welt führen, die wir betreten sollten - die Geistige. Dort - bei Gott- finden wir dann die Fähigkeiten, die unser Leben vervollständigen. Nur ein Bild zu sehen, kann das nicht bewirken...
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Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
Sören hat folgendes geschrieben:
Es ist auch immer die Frage, was es für einen Sinn hätte, wenn Gott sich jeden Sonntag in der Kirche zeigen würde.


Gott ist zwar real anwesend im Altarsakrament - aber eben gleichzeitig auch "tief verborgen" - wie es Thomas von Aquin formuliert hat:

"Demütig bete ich dich, verborgene Gottheit an,
die du in diesen Gestalten wahrhaft dich verbirgst;
dir unterwirft sich ganz mein Herz,
weil es, wenn es dich betrachtet, ganz seine Kraft verliert.

Sehen, Tasten, Schmecken täuschen sich in dir,
aber durch das Hören allein kommt der Glaube.
ich glaube, was immer Gottes Sohn gesagt hat,
nichts ist wahrer als dieses Wort der Wahrheit."

aus "Adoro te devote"

Das ist ja gerade das Geheimnis der realen Anwesenheit Gottes in dieser Welt: Diese unauslotbare Spannung zwischen völligem Dasein Gottes und gleichzeitig seiner völligen Abwesenheit und Ferne: Dass Gott in der menschlichen Person Jesus von Nazareth der in dieser Welt wahrhaft persönlich und unmittelbar und vollständig anwesende Gott ist, aber gleichzeitig auch als Vater und Schöpfer des Universums, dieser Welt unendlich fern ist: Und aus diesem "Spannungsfeld" heraus - zwischen diesen beiden Polen zwischen Nähe und Ferne - geht der Heilige Geist, der Welt erfüllen will hervor - durch die Kirche, die seine Frucht ist. Jede Erfüllung eines Menschen mit dem Heiligen Geist ist insofern eine neue Menschwerdung Gottes.

In der Begegnung mit einem Mitmenschen, der vom Heiligen Geist erfüllt ist, ist man Gott sehr nahe.Denn auch Gott ist Person - die absolute Person. Insofern ist jede Begegnung mit einer im heiligen Geist getränkten menschlichen Person ein Abglanz von und ein Vorgeschmack auf die Begegnung mit Gott, die erst nach dem Tode im neuen Leben ganz Wirklichkeit sein wird.
@ Burkl

Thomas von Aquin wurde päpstlicherseits heilig gesprochen. Angesichts seiner philosophischen Lehre, welche - im Gegensatz zu Platon - die physische Existenz als höchste Vollkommenheit sieht, erscheint mir diese Ehrung nicht sehr einleuchtend. Jedenfalls nicht aus dem Blickwinkel katholischer Argumentation.
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Nur dem Glühwürmchen ist es immer hell genug
@Marcolo8

Die Leibfeindlichkeit an sich ist an sich etwas typisch Platonisches - Stichwort: Die Seele werde beim Tod von ihrem "Gefängnis Körper" befreit.
Wohingegen der christliche Glaube in seinem Kern zutiefst leibfreundlich ist: Der Mensch besteht aus einer Einheit von Geist-Leib-Seele, die von Gott aus dem Tod erettet werden wird, was in der Auferstehung Christi bereits vorweggenommen ist.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Wohingegen der christliche Glaube in seinem Kern zutiefst leibfreundlich ist:


Nun ja, Burkl, unter zutiefst leibfreundlich verstehe ich etwas anderes. Das wäre aber wieder ein Thema für sich. Trotzdem geht Thomas von Aquins Aussage weit darüber hinaus, wenn er in diesem Zusammenhang von höchster Vollkommenheit spricht. Spiegelt diese sich nicht vielmehr in Gott wider? Und befindet sie sich nicht außerhalb der materiellen Ebene?
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