Ist Conchita Wurst eine Narzisstin?!


Eule hat folgendes geschrieben:
Europa vereint singen zu hören erfüllt mein Herz mit großer Freude.


So vereint war es leider nicht. Diverse Punkte wurden mal wieder einfach an befreundete Staaten bzw. nach ethnischen Verbindungen gegeben. Aber das war auch schon in den Jahren zuvor so.

Dramatischer dagegen fand ich es das man im Saal dort meinte zwei 17-jährige Mädchen mehrfach "Buh" zurufen zu müssen wenn sie Punkte bekamen weil man offenbar mit der Außenpolitik ihres Landes nicht zufrieden war.

Sören hat folgendes geschrieben:
Insofern ist es über alle Maßen traurig, dass die beiden russischen Mädchen, die ja nun für Putins Politik absolut überhaupt nichts können -sie dürfen noch nicht einmal wählen, weil sie erst 17 sind-, vom Publikum in der Halle ausgebuht worden sind. Jedes Mal, wenn Russland Punkte bekommen hat, kamen Buhrufe aus dem Publikum. Das ist eines künstlerischen Wettbewerbs nicht würdig. Putin hat mit dem ESC nichts zu tun, und das sollte auch so bleiben!


Leider werden diese Leute auch noch gemeint haben dabei moralisch völlig richtig gehandelt zu haben und den bösen Russen es mal richtig gezeigt zu haben das es so nicht geht.
achim56 hat folgendes geschrieben:
Über die Hälfte der Titel fand ich unerträglich, neun erträglich und drei gut.


Sein wir ehrlich: bei dieser Veranstaltung gab es (bis auf wenige Ausnahmen) immer nur drei Arten von Kandidaten: Volksmusiker, weniger erfolgreiche Popmusiker und Witzkandidaten.

Musikalische Qualität ist durch eine solche Auswahl nicht unbedingt garantiert.

achim56 hat folgendes geschrieben:
Ich weiß nicht, ob es wirklich nur eine Sache des Musikgeschmacks ist. Auf jeden Fall dürfte sich das junge Publikum durch solch ein Affentheater eher angesprochen fühlen als jemand wie ich (57), der normalerweise hauptsächlich Klassik, Jazz und hin und wieder volkstümliche Musik (keine Volksmusik) hört.


Weil ja nur junge Menschen "Affentheater" mögen.

Aber ja: man hat schon versucht die Veranstaltung (wieder) zu modernisieren indem man etwas mehr Witz, Modernität und aktuellere Musik hinein brachte. Davor war die Veranstaltung ja in Deutschland ein europaweites Musikantenstadl (also sozusagen Affentheater für Alte) geworden.
Sören hat folgendes geschrieben:
Insofern ist es über alle Maßen traurig, dass die beiden russischen Mädchen, die ja nun für Putins Politik absolut überhaupt nichts können -sie dürfen noch nicht einmal wählen, weil sie erst 17 sind-, vom Publikum in der Halle ausgebuht worden sind. Jedes Mal, wenn Russland Punkte bekommen hat, kamen Buhrufe aus dem Publikum. Das ist eines künstlerischen Wettbewerbs nicht würdig. Putin hat mit dem ESC nichts zu tun, und das sollte auch so bleiben!


Der ESC ist und war schon immer auch eine politische Veranstaltung, das ist das Konzept des Veranstaltung; Länder treten (miteinander) gegeneinander an. Das gilt ja auch z.B. für Sportveranstaltungen, Fußball ist ganz vorne mit dabei. Insofern wurden auch nicht die Mädchen ausgebuht, sondern i.d.T. Putin bzw. seine Politik.


Rosenblüte hat folgendes geschrieben:
Ich finde, das Siegerlied hat deshalb gewonnen, weil die Länder ihre Toleranz zeigen wollten und weil das Lied und das Aussehen von Conchita politisch korrekt sind bzw. das heute erwünscht ist.


Erstmal war es auch ein gutes Lied, das sollte man anerkennen. Der Sieg ist sicher auch eine Demonstration von Toleranz, was ja auch nicht schlecht ist. Ich denke aber nicht, dass die Wahl etwas mit politischem Wunsch zu tun hat, denn im Prinzip war es eine quasi-demokratische, quasi-anonyme Wahl - sogar aus Russland kamen Stimmen.

Rosenblüte hat folgendes geschrieben:
Die Conchita hat im Hintergrund auch mächtige Förderer an Geld und Werbung, ....


Und? Was soll uns das sagen?

Rosenblüte hat folgendes geschrieben:
Es ist heute erwünscht von den Reichen und Mächtigen, dass die Geschlechter verschwimmen sollen


Bei ESC hat das Volk gewählt. Wer sind denn diese Reichen und Mächtigen und was sollen ihre Motive sein?

Rosenblüte hat folgendes geschrieben:
keine richtigen Männer mehr und keine richtigen Frauen


Was ist denn richtig und was ist das Gegenteil davon?

Rosenblüte hat folgendes geschrieben:
Alles ist möglich.


Ist doch schön, wenn jeder nach seiner Facon selig werden kann. Was wäre denn die Alternative?
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
@all!

Ich stelle mir die Frage: "Hätte Tom Neuwirth als Tom Neuwirth mit ein- und demselben Lied auch gewonnen?"

Alles Liebe

Erich
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leuthner hat folgendes geschrieben:
Ich stelle mir die Frage: "Hätte Tom Neuwirth als Tom Neuwirth mit ein- und demselben Lied auch gewonnen?"

Kann man schwer sagen. Aber ich glaube nicht.
achim56 hat folgendes geschrieben:
leuthner hat folgendes geschrieben:
Ich stelle mir die Frage: "Hätte Tom Neuwirth als Tom Neuwirth mit ein- und demselben Lied auch gewonnen?"

Kann man schwer sagen. Aber ich glaube nicht.


Er hat gewonnen, auf seine Art. Hätte er mit dem Lied von Frankreich gewonnen? Wohl kaum ...
Busshari hat folgendes geschrieben:
Sören hat folgendes geschrieben:
Insofern ist es über alle Maßen traurig, dass die beiden russischen Mädchen, die ja nun für Putins Politik absolut überhaupt nichts können -sie dürfen noch nicht einmal wählen, weil sie erst 17 sind-, vom Publikum in der Halle ausgebuht worden sind. Jedes Mal, wenn Russland Punkte bekommen hat, kamen Buhrufe aus dem Publikum. Das ist eines künstlerischen Wettbewerbs nicht würdig. Putin hat mit dem ESC nichts zu tun, und das sollte auch so bleiben!


Der ESC ist und war schon immer auch eine politische Veranstaltung, das ist das Konzept des Veranstaltung; Länder treten (miteinander) gegeneinander an. Das gilt ja auch z.B. für Sportveranstaltungen, Fußball ist ganz vorne mit dabei. Insofern wurden auch nicht die Mädchen ausgebuht, sondern i.d.T. Putin bzw. seine Politik.


Natürlich hat der gesamte ESC auch eine politische Hintergrundidee. Nämlich das Europa nach dem Zweiten Weltkrieg enger zusammenzubringen. Einerseits indem man zusammenarbeitet beim Aufbau eines Mediennetzwerks und andererseits durch gemeinsame Veranstaltungen.

Irgendwelchen Teilnehmern also "Buh" entgegen zu rufen weil man mit der Außenpolitik ihrer Regierung nicht einverstanden ist entspricht also nicht der Vision des Veranstalters.

Davon abgesehen wurde natürlich gerade den Mädchen "Buh" zugerufen. Putin war gar nicht anwesend. Wenn man lieber jemanden "Buh" zuruft der gar nicht anwesend ist statt die anwesenden Personen zu respektieren ist das schon bedenklich.
Tobias hat folgendes geschrieben:


Sein wir ehrlich: bei dieser Veranstaltung gab es (bis auf wenige Ausnahmen) immer nur drei Arten von Kandidaten: Volksmusiker, weniger erfolgreiche Popmusiker und Witzkandidaten.



Naja, sagen wir, das hat irgendwann angefangen so zu sein. Ich glaube am Geschmack der Zeit gemessen, waren die frühen Gran Prix Veranstaltungen auf einem ganz respektablen Niveau, denn es ging ja um die Gattung des Chansons. Erst dann kam der Pop dazu. Aber auch auf diesem Gebiet gab es ja durchaus Leute bzw. Songs mit Welterfolg. Abba, Ofra Haza, Michael Logan.

Busshari hat folgendes geschrieben:

Der ESC ist und war schon immer auch eine politische Veranstaltung, das ist das Konzept des Veranstaltung; Länder treten (miteinander) gegeneinander an. Das gilt ja auch z.B. für Sportveranstaltungen, Fußball ist ganz vorne mit dabei. Insofern wurden auch nicht die Mädchen ausgebuht, sondern i.d.T. Putin bzw. seine Politik.


Ich dachte solche Veranstaltungen sollten eben gerade jenseits aller Politik Menschen verbinden, da Politik Gegener schafft, das Singen, Spielen und Feiern aber verbindet.

Politisch wird der Grand Prix nur dadurch, dass Punkte nach Nachbarschaftsverhältnissen und "Mentalitätsvorlieben" gegeben werden, was schon immer so war aber besonders unangenehm auffiel als die osteupropäischen Länder dazu kamen und sich fast ausschließlich gegenseitig bepunkteten. Das ist ungerecht und läuft dem Veranstaltungsgedanken zuwieder. In diesem Zusammenhang gesehen, war das Ausbuhen der beiden Mädchen dieses Jahr vorprogrammiert. Wahrscheinlich versteht Russland auch nur die Sprache, die es selber spricht. Für die Zwillinge tut es mir leid. Man darf sich aber wünschen, dass sie die Zusammenhänge für diese verlagerte Abstrafung verstehen und ihnen und ihrer ganzen Generation dadurch klar wird, dass sie unter so einem Regime nicht frei sind, selbst nicht als privilegierte Mitglieder der russischen Gesellschaft. Es wäre halt nur besser gewesen, Russland hätte die Beiden selber am erhoffte Sieg gehindert, indem es seine Androhung, die Kandidatinnen wegen Conchita zurückzuziehen, wahr gemacht und so Europa einmal mehr seine diktatorischen Züge offenbart hätte . So kann den Mädchen/den Russen immer noch eingeredet werden, sie hätten wegen der Ausgrenzung durch Westeuropa verloren und nicht wegen der Politik ihres Landes.

Eule hat folgendes geschrieben:
Das Lied traf nicht meinen Geschmack und die erschaffene Kunstfigur Conchita Wurst finde ich krank an der Psyche.


Kannst du das näher begründen? Zumal es sich um eine Kunstfigur handelt?

Ich fand, der Auftritt hatte im Zusammenhang mit dem Refrain des Liedes einen mythologischen Zauber. Er hatte auch etwas von "Aufhebung der Gegensätze". Ich glaube das Einteilen in Kategorien und das Stecken in Schubladen ist etwas zutiefst menschliches, weil es Sicherheit gibt. Der Mensch funktioniert einfach so. Aber wenn man einmal darüber nachdenkt, dann erkennt man, dass in Gott die Aufhebung der Gegensätze sattfindet, dass in der Vereinigung von allem, was sich irgendwie vereint, die tiefe Sehnsucht nach der Verschmelzung in Gott zum Ausdruck kommt. Sieh diesen Auftritt doch einfach als Bild für : Gott ist Mutter und Vater zugleich. Das gibt auch ein wenig Sicherheit.
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
Tobias hat folgendes geschrieben:
Irgendwelchen Teilnehmern also "Buh" entgegen zu rufen weil man mit der Außenpolitik ihrer Regierung nicht einverstanden ist entspricht also nicht der Vision des Veranstalters.


Eine Gemeinschaft ist immer auch von Konflikten geprägt - die Vision einer heilen Welt ist doch wohl etwas naiv.

Und letztendlich kann man es auch so sehen: Die ESC-Teilnehmer überschneiden sich in ihren Wertvorstellung und einer schert grob aus.

Tobias hat folgendes geschrieben:
Davon abgesehen wurde natürlich gerade den Mädchen "Buh" zugerufen. Putin war gar nicht anwesend. Wenn man lieber jemanden "Buh" zuruft der gar nicht anwesend ist statt die anwesenden Personen zu respektieren ist das schon bedenklich.


Es wurde bei der Punktevergabe gebuht, bei der Verteilung von Punkten durch und vor allem an Russland - Ich denke man kann es durchaus so sehen, dass nicht die Mädels als Personen, sondern das Land, und wenn überhaupt die Mädels als Repräsentanten des Landes, ausgebuht worden sind.

Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Ich dachte solche Veranstaltungen sollten eben gerade jenseits aller Politik Menschen verbinden, da Politik Gegener schafft, das Singen, Spielen und Feiern aber verbindet.


Es ist ein Wettbewerb von Ländern. Natürlich einer, der für die europäische Integration wichtig ist, aber selbstverständlich entstehen in so einem Kontext auch Spannungen. In den engsten Gemeinschaften entstehen Spannungen und das ist gut, richtig und wichtig.
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Nun, das liegt nicht zuletzt an der Art der Veranstaltung. Ginge es - wie es der Name "Song Contest"vermuten läßt, nur um die Bewertung der Lieder. könnte man ja schlicht diese präsentieren, ohne überhaupt die Nationen zu erwähnen, und erst bei der Auszählung dann sagen, was woher kommt. Macht man das aber so, daß mit jedem Lied auch gleich die Nation genannt wird, bekommt man natürlich eine Bewertung die auch der Nation gilt.
Insofern. es wundert mich nicht, wenn Urteile auch der Politik gelten. Möchte man das ändern, voilá, das wäre gar nicht schwer. Dürfte aber gar nicht beabsichtigt sein.