Einfach drüber stehen


Hallo!

Ich habe Stress auf der Arbeit. Ich komme mit manchen Leuten dort nicht klar. ich kann mir nichts sagen lassen und vor allem nicht von weniger qualifizierten Leuten. Ich ärgere mich ständig über die Arbeit...die Kunden, die Kollegen, die Arbeitszeiten.
Freunde geben immer nur Ratschläge mit denen ich nichts anfangen kann
-da musst du drüber stehen
-scheiß doch auf die
-du machst da nur deine Arbeit
Funktioniert alles nicht. Wie steht man denn über den Dingen? Man wird doch ignorant, wenn man ständig versucht drüber zu stehen oder? Irgendwie erscheint mir das nicht richtig..ungerecht eben. Aber was bleibt einem denn übrig?
Ich denke, zieh eventuell mal weit weg und versuch was ganz Neues.
Hallo RoseGarden,

vermutlich machst Du auch nur eine "Wandlung" durch, sozusagen eine "Häutung".
Da wird einem alles zu eng. Das kenne ich sehr gut - allerdings kann ich Dir da auch keinen Rat geben, weil es sehr individuell ist, weil niemand die selben Voraussetzungen hat.
Manchmal hilft ein Arbeitsplatzwechsel

lieben Gruß
Rose
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"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Liebe RoseGarden,

Im Evangelium nach Matthäus (Kapitel 5, Vers 44) steht:

Zitat:
Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch verfluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen.


Noch ein Sprichwort (ich glaube Buddha lehrte dies):

Zitat:
Der prachtvollste Pfad deinen Feind zu besiegen ist zu erkennen, dass er kein Feind ist.


Abdu'l-Bahá hatte gelehrt:

Zitat:
Dunkelheit ist das Nichtvorhandensein von Licht. Wenn kein Licht da ist, herrscht Finsternis. Licht ist etwas, was wirklich da ist, aber Dunkelheit existiert nicht.


Was wollte ich Dir damit sagen?
Unsere Feinde sind keine Feinde. Da es keine Feinde sind sollte man sie lieben.

Ich hoffe ich konnte dich etwas aufmuntern.

Liebe Grüße
Liebe RoseGarden,

das ist eine allzu menschliche Situation, die du da schilderst.
Wir alle machen die Erfahrung: Es klappt immer irgendetwas nicht. Nie ist "alles rund". So ist die Welt - egal in welchem Umfeld: wo Menschen sind, da "reibt es", da gibt es Unangenehmes, Ungerechtes, Abstoßendes, Frustrierendes. Und oft fühlt man sich missverstanden und erfährt keine Dankbarkeit. Es gibt keine einzige Situation, in die man nicht Liebe hineinlegen könnte. Und nur du hast die Entscheidung und die Kontrolle darüber, ob du das tust.

Ich habe daher einen Ratschlag für dich:

Sei nicht "erfolgsorientiert" - und zwar in einem bestimmten Sinne: Nimm als deine Handlungsmaxime nicht die mögliche vorhandene oder ausbleibende menschliche Dankbarkeit. Dieser Wind - der der menschlichen Dankbarkeit - ist nämlich sehr unstet und unzuverlässig. Nimm als Handlungsmaxime ausschließlich die Liebe, die du ihn dein Tun hineinlegst.

Denn es kommt für unser Lebensglück eben nicht primär nicht darauf an, was die Anderen uns "zurückgeben", sondern auf das, was wir in unser Tun "hineinlegen".
Oder anders formuliert: Alles, was du in der Arbeit aus Liebe tust, wird dich glücklich machen. Das beginnt bei Kleinigkeiten: Du könntest sagen: "Dieses Schriftstück verfasse ich jetzt besonders freundlich und achte ganz gut auf Rechtschreibung und Ausdruck" oder "Ich räume im Pausenraum das Geschirr weg - ohne es extra zu erwähnen" - und warum? Weil ich Gott liebe und ihm diese Handlungen als Opfer, das ihm gefällt, darbringe. So kannst du letzlich all dein Handeln, auch das scheinbar kleinste und unbedeutendste, ins "Liebesmünzen" verwandeln. Jede aus Liebe getane Kleinigkeit ist eine Münze in deinem Schatz im Himmel. Glaube mir: Das wird dich sicherlich glücklicher und zufriedener machen. Und überlege einmal: Auch die Summe aus lauter Kleinigkeiten ergibt im Laufe der Zeit einen großen Schatz.
Hallo RoseGarden, auch wenn mein Leben nicht immer einfach war und im Moment nicht ist, so bin ich um eines doch sehr dankbar, nämlich dafür, dass es keine Kollegen mehr gibt, die mir das Leben schwer machen können.
Das hat mir früher oft sehr zu schaffen gemacht.

Und das mit dem "drüber stehen" ist auf alle Fälle leicht gesagt.

Ja, eins ist klar, wenn wir unsere Mitmenschen in einem anderen Licht sehen, (wie Kaharan wohl meinte) kann es wesentlich leichter für uns sein. Oft ist es ja so, dass die Menschen einfach selbst eigene große Probleme in ihrem Umfeld haben oder vor allem mit sich selbst.

Wenn ich selbst Probleme mit mir habe, dann bin ich von Herzen froh, wenn der andere Verständnis mit mir hat. Und so kann ich anderen vielleicht auch dadurch helfen, dass ich Verständnis für ihre Lage habe, was nicht heißen muss, dass sie mit mir machen können was sie wollen.
Vielleicht helfe ich ihnen gerade dadurch, dass ich meine Grenzen abstecke.

Es gibt da ja eine Geschichte von Báb. Jemand hatte für Ihn Honig eingekauft, dieser Honig war viel zu teuer und eine mindere Qualität. Báb schickte ihn wieder zurück, damit er für sein Geld einen angemessenen Honig bei diesem Händler bekäme (oder so ählich) Auf alle Fälle können andere nicht mir mir machen was sie wollen und dürfen meine Grenzen nicht überschreiten.

Wie sagte doch Eric Blumenthal in seinen Büchern? Höflich, verständnisvoll, liebevoll aber auch bestimmt und konsequent sein.

Auf, packen wir es an. Bei mir gibt es da auch noch ziemlich Handlungsbedarf.

Möglich ist ja auch, dass ein Arbeitsplatzwechsel angesagt ist? Aber wenn
sich bei uns selbst nichts ändert, ändert sich durch einen Arbeitsplatz wechsel auch nichts.

Alles Liebe Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Ich meine, versuche doch eventuell, dir eine Frist zu setzen, und dann hast du Zeit, neue Schritte zu überdenken.
Hallo ihr Lieben,

danke für die aufmunternden Worte. Eure Erfahrungen und Ratschläge finde ich sehr wertvoll.

[quote=Peter.Trim]Ich denke, zieh eventuell mal weit weg und versuch was ganz Neues.[/quote]

Hmm ja meine Stelle ist eh befristet. Noch ein halbes Jahr. ich bin auch noch nicht so lange in dieser Firma. Danach möchte ich wieder studieren...aber da bin ich mir auch nicht sicher, ob es das richtige ist. Es fühlt sich eher so an, als hätte ich keine andere Wahl.

Tja ich bin nicht Single, ich kann nicht eben mal wegziehen. Obwohl mich IMMER Fernweh treibt. Wenn mir jemand einen Job in einem anderen Land anbieten würde, ich würde sofort gehen. Und ganz ehrlich, im Moment fühlt es sich auch in meiner Beziehung eng an. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich sehe meine Zukunft nicht in diesem Umfeld, nicht in der Familie meines Freundes.

[quote=Rosenrot]vermutlich machst Du auch nur eine "Wandlung" durch, sozusagen eine "Häutung".
Da wird einem alles zu eng. [/quote]
Oh ja das kenn ich. Mir ist IMMER alles zu eng. In den letzten Jahren fand schon viel Wandlung statt. Ich hab mich schon gefragt, ob das unnormal ist. Im letzten Jahr habe ich mich nur "ausgeruht", keine wirklichen Herausforderungen gesucht...und jetzt werde ich mit Prüfungen überschüttet.

[quote=Kaharan]Was wollte ich Dir damit sagen?
Unsere Feinde sind keine Feinde. Da es keine Feinde sind sollte man sie lieben. [/quote]
Hmm daran knabbere ich noch. Ich hab gerade in den 7 Tälern von Baha'u'llah gelsen, dass man die "Gerechtigkeit in der Ungerechtigkeit" sehen soll. Aber ich fühle mich auch Gott so fern im Moment, weil ich irgendwie das Gefühl habe, das Falsche zu tun.